Zukunft Braucht Herkunft

Künftige Zollherkunft

Die Zukunft braucht Erbe: philosophische Essays. "Wir benötigen viele Götter." Marquard: Es ist natürlich da drin. Warum braucht die Zukunft eine Vergangenheit? Marquard: Weil das Schicksal zu kurz ist für zu viel Wechsel.

Wir sterben immer rascher als die meisten unserer Veränderungen. Denn deshalb ist die Freizügigkeit zum Neuen beschränkt, wir müssen vorwiegend konventionell wohnen - es verbleibt dann noch die Möglichkeit, unsere Ursprungshaut von neuem zu begreifen und ihr gegenüber geistlich freizugeben, obwohl wir aus ihr nicht herauskommen können.

Wir haben keine Zeit für die Vergangenheit. Noch nie den Beginn. Neues, das wir wollen, braucht das Ältere, sonst können wir das Neue nicht einmal als solches wiedererkennen. Wir können ohne das Ältere das Neue nicht aushalten, vor allem nicht heute, weil wir in einer vom Wandel beschleunigten Lebenswelt sind.

Marquard: Weil sie auf einem antiken Modernitätsmythos sitzen, der nach dem Beispiel des technologischen Fortschrittes schnelle Veränderungen für alles und jeden zu verlangen schien. Denn je rascher das Neue zum Älteren wird, je rascher wird das Veraltete selbst obsolet, und je rascher das Alte wieder zum Neuen werden kann.

Ich sagte doch, wir benötigen Bären. Marquard: Die kriminelle Nazi-Odyssee hat mich dazu veranlasst, überhaupt einmal Philosophiestudium zu machen. Marquard: .... Dieser philosophischen Uhr mit dem Nein und ihrer ständig zunehmenden Wehklage stehe ich die nüchterne Sicht auf das, was keine Krise in der heutigen Zeit ist, die Ausbildung in der Befriedigung, dass das Dasein endlich und farbenfroh ist; und dass die Teilung in rationalen Prozess, heute Globalisation genannt, auf der einen Seite und die vielen verschiedenen Traditionen der Herkunft auf der anderen Seite nicht zu überwinden, sondern zu ertragen sind.

Marquard: Auf die rechte Leugnung der Bourgeoisie - unter den Nationalsozialisten - folgt in Deutschland nach 1968 die linksgerichtete Leugnung der Bourgeoisie. Diese bürgerliche Ablehnung würde ich ablehnen. Damit wird nicht nur die Vielfältigkeit der Ansichten, Erzählungen, Sprachen, Bräuche, Kochkünste vernichtet, die unser kleines, knappes Dasein mit anderen bereichern.

Nein, der Philosoph muss die Möglichkeit haben, das GesprÃ?ch grundsÃ?tzlicher zu bestÃ?tigen und es noch einmal zu sagen. Marquard: Und ich antwortete ihm, dass es nur die Weltanschauung ohne ihn sei. Nein, ich rede als Skeptikerin, die jedem Absoluttext mißtraut, der die einzige mögliche Lektüre einer Heilige Schriften - das war die erste Lektion, die ich aus der einzigen Geschichte der Nationalsozialisten nach 1945 gezogen habe, eine Grundeinstellung von Schrecken und Desillusionierung - und die sich die vielen Freiräume der verschiedenen Lektüren und viele Erzählungen anstelle der einen durch die rationale Richtung erhofft.

Die Skeptikerin spricht mit allen, die Diskursethikerin letztendlich nur mit gleich gesinnten Menschen. Meine zentrale Aussage, die sich auch gegen die System-Philosophie des dt. Ideals, z.B. von Herrn Friedrichshafen, richtet, lautet: "Wir können nicht mit dem bloßen Auge auf die grundsätzliche Zulassung des Lebens abwarten, um sie jetzt beginnen und erleben zu dürfen - denn der Tode ist zügiger.

Marquard: Das Konzept der Bourgeoisie muss ebenfalls überprüft werden. Gegen die andauernde Stimulation der außerordentlichen Not, einer Volkskrankheit, die damit zu tun hat, dass die Menschen in Deutschland seit langem der Gesellschaft beraubt sind und echte Änderungen durch absolutes Philosophieren ausgleichen mussten. Wäre Ihre Firmenphilosophie der Auslöser der Französischen Republik gewesen?

Was ist der Zweifler in einer unmenschlichen Zeit? Marquard: Der Zweifler erwartet, dass seine Firmenphilosophie eine unter anderen ist. Marquard: Ja, Skeptizismus ist die Entscheidung, vorläufig zu überlegen. Das wäre nicht falsch. Marquard: Joachim Ritter unterrichtete eine Zeitlang in der Türkei. Die Definition des Herbstes, dieses Nein von Anfang an, war ein diskursives präventives Vorgehen, wie es für die 1968er-Jahre charakteristisch war, die kein Bewusstsein mehr brauchten, weil es das selbst war.

Es ist nicht möglich, die friedtheoretische Definition, Kriege von vornherein auszuschliessen und stets nach reinen politischen Lösungsansätzen zu streben, beizubehalten, sobald eine echte Gefahr eine Selbstverteidigung erforderlich macht. Marquard: Ja und nein, denn es gibt kein ernsthaftes GesprÃ?ch mit denen, die in dieser frÃ?hen Definition anders sehen. Marquard: Die uralte Frage: Wenn es Gott gibt, woher kommt dann das Übel?

Marquard: Vielleicht ist die Christenreligion auch grundsätzlich mehrdeutig. Man braucht viele Gottheiten, viele Legenden - Erzählungen, die der Uniformität widerstehen. Dazu braucht man neben der Kirche auch gute Bücher, gute Bücher, Büchereien und Museum. Aber auch die Philosphie. Marquard: Nein, eine Ermunterung, in der Begrenztheit glücklich zu sein, eine Erholung angesichts des unendlichen Bemühens, mit dem Unbedingten als endlichem Sein, mit dem Ganzen und dem Endlichen umgehen zu müssen - dafür sind wir nicht gut.

Man sollte nicht immer nur das Imperfekt beschimpfen, sondern es für völlig akzeptabel erachten. Das kann man so ausdrücken. Man sollte aber auch erwähnen, dass dieser Nichtsnutz einst ein Experte für Systemphilosophie war und zum Vorsitzenden der Allgemeinen Philosophischen Vereinigung wurde. Marquard: Schläft.

Mehr zum Thema