Wer Heilt hat recht

Derjenige der heilt, hat Recht

"Wer heilt, hat Recht!" mw-headline" id="Kritik">Kritik Wem recht ist, ist ein beflügeltes und aus der alternativen Medizin stammendes Schlagwort und immer zur Stelle, wenn für eine gewisse Behandlung ein Wirkungsnachweis nicht glaubhaft gemacht werden kann, so dass die Verfechter auf anekdotische Sachverhalte zurückgegriffen werden muss. Zusammenfassend soll der Ausspruch sagen, dass die bloße Betrachtung einer Heilung (möglicherweise nur bei einer einzelnen Person) den Schluss zulässt, dass eine angewandte Heilmethode effektiv ist.

Das Urteil soll auf Samuel Hahnemann zurueckgehen, der der Vorwuerfe gegen seine Methodik mit einem Slogan entgegentreten wollte. Mögliche Verschlechterungen oder Misserfolge einer gewissen Behandlung lassen sich auf elegante Weise im Sinn einer Publikationsverzerrung verbergen. Auch in diesem konstruktiven Falle erscheint der Spruch " Wer heilt, hat Recht" einleuchtend.

Manche Behandlungen konzentrieren sich auf eine reine Symptomlinderung oder eine verkürzte Krankheitsdauer und von einer Kur kann nicht die Rede sein, auch wenn z.B. die Schmerzlinderung vom Betroffenen als bedeutsam erachtet wird. Das Konzept der Genesung - im Sinn einer Rückkehr in den Stand vor Ausbruch der Krankheit (medizinisch hohe Restitution ad integrum) - ist bei Banalerkrankungen die Norm, bei schwerwiegenden Chronischer krankungen aber meistens eine utopische.

Dabei kann die Erhaltung des derzeitigen Gesundheitszustands und die Vermeidung von Konsequenzen bereits das angestrebte Ergebnis sein (Beispiel Diabetes) und nicht eine wirklichkeitsferne Abheilung. Das äußerst fordernde Konzept der Genesung wird daher von vielen Repräsentanten der naturwissenschaftlichen, wissenschaftlich fundierten Heilkunde missbilligt und mit Zurückhaltung angewandt. Die Beendigung eines Schubes oder eines Symptomsegments heißt nicht Heilen, sondern der Anfang eines symptomfreien Zeitintervalls.

Dies bedeutet, dass abschließende Angaben über eine Kur oft erst nach einer langen Beobachtungsperiode gemacht werden können. Eine Aussage über die Effektivität einer Behandlung oder eines Wirkstoffs für ein kollektives System kann nur in gesteuerten Prospektiv- und Blindstudien in zufälligen PatientInnenkollektiven gemacht werden. Einige behauptete Kuren bedurften anfangs keiner Behandlung.

Selbst bei einem erwiesenen Bezug zwischen wirksamer Behandlung und dem Heilungsprozess mit bekannten Wirkmechanismen ist das Urteil nach wie vor schwierig, da für ein und dasselbe Leiden oft unterschiedliche wirkungsvolle Behandlungen zur Auswahl angeboten werden, aber nicht alle Betroffenen dann notwendigerweise Recht haben müssen, weil Benachteiligungen nicht mitgerechnet werden. Andernfalls kann das Recht von denjenigen ausgeübt werden, die eine Krankheit durch vorbeugende Maßnahmen wie Schutzimpfung oder Hygienemaßnahmen verhindern, und nicht von denjenigen, die die Vorbeugung ablehnen und sich auf eine ( "wirksame") Behandlung beziehen.

Das wäre keine einfache Gedächtnisstütze mehr, sondern muss richtiger gestaltet werden: "Wer heilt, hat Recht, wenn er einen Kausalzusammenhang zwischen der angenommenen Sache und der Wundheilung beweist, es sei denn, es gibt für den Betroffenen etwas Erträglicheres und Gleichwertigeres". Ansonsten könnte die Aussage "weil ich früh am Morgen früh und heftig nachdenke, geht die Sonne auf" allein schon dadurch belegt werden (= "stimmt"), dass die Erde eigentlich jeden Tag aufsteigt oder sich ein wenig weiter dreht.

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