Stress in der Beziehung

Anspannung in der Beziehung

Bei einer Partnerschaft reichen oft kleine Dinge, um sich aneinander zu reiben. Es werden Gegenstrategien für ein entspanntes Leben und eine stressfreie Beziehung aufgezeigt. Wie man erkennt, ob eine Beziehung eine Zukunft hat - und wie man den anderen erkennt. Der Stress in der Beziehung ist normal, sollte aber nie anhalten. Bei der Liebe gilt dasselbe Gesetz wie im Geschäft: Es muss sich lohnen.

Sexualpsychologie: Stress - der allmähliche Liebessterben

"Mehrere Studien belegen, dass Stress einer der grössten Risiken für die Beziehung ist. Die kleinen Einstiche des täglichen Lebens sind es, die die liebende Seele töten. Aber warum bedrohen vermeintlich unscheinbare kleine Dinge - wie die Vorgesetztenkritik oder das kommende Essen mit Freundinnen - etwas so Großes wie die Nächste?

Die Forschenden am Freiburger Familienforschungsinstitut sind seit Jahren auf der Suche nach Lösungen, die ihre Ergebnisse in eine Stressscheidungstheorie einfließen lassen. "Chronische Belastungen können zu Schlafstörungen, sexueller Apathie und Depression führen und so eine Beziehung dauerhaft beeinflussen", erläutert Guy Bodenmann, Diplompsychologe und Institutsleiter. Außerdem würden bestehende Zuständigkeiten unter Stress einbrechen.

"Eigenschaften wie Steifigkeit, Unverträglichkeit oder Melancholie kommen oft erst unter Stress ans Licht", sagt Bodenmann. Denn Stress unterminiert das sehr bedeutsame Zugehörigkeitsgefühl von Zweiergruppen. Der Stress ist daher ein kriechender Gegner von Kooperationen, der sie insgeheim und lange Zeit unterläuft. So wie Rost an einer Stange, knabbert der Stress an der Zuneigung.

Es ist nicht das Maß an Stress, das für die Beziehungsqualität ausschlaggebend ist, sondern wie wir mit dem Stress umgehen. Noch mehr als das Individuum erscheint der Stressabbau in der Partnerschaft ausschlaggebend für eine fröhliche Liebe. Aber wie kann es denn sein, der gemeinschaftliche Wettkampf gegen den Liebesmörderstress? Laut den Wissenschaftlern des Freiburger Familieninstituts kann dieser Streit gelernt werden.

Mit Betreuern und Kompakt-Seminaren zeigt sie Pärchen, wie sie die Sexualität auch im belastenden Alltagsleben nähren und schützen können. Bringt ein Gesprächspartner Stress von aussen, gibt es nur eines: "Der gestresste Gesprächspartner muss seinen Stress deutlich und unmittelbar ausdrücken", so Bodenmann. Da Stress aber viel mit Gefühl zu tun hat, sollte die Gefühlsseite nicht ausgelassen werden.

Dabei ist es besonders hilfreich, Solidarität mit dem betonten Gesprächspartner zu zeigen. Aber was, wenn Stress beide Seiten zur gleichen Zeit trifft? Denn viele Lasten treffen beide Partner: die Geburt der Kinder, ein anstehender Schritt oder die Zubereitung eines Dinners für Bekannte. Weil Stress immer ein subjektiver Vorgang ist, sollten die Beteiligten zunächst ihre Einschätzung der Lage auswerten.

In der gemeinsam getragenen Aktivbewältigung sollten die Gesellschafter dann deutlich zwischen der sachlichen und der seelischen Stufe unterscheiden. Emotionale Belastungen werden von den meisten Ehepaaren als noch stressiger als objektiver empfunden. "Hier können die Gesellschafter enorme Kräfte aufeinander schöpfen", sagt Bodenmann. Erstens sollten die beiden Seiten durch gegenseitige Verständigung einander näherkommen. Getreu dem Motto: Der/die PartnerIn wird zu meinem engsten MitstreiterIn.

Auf diese Weise würde der gemeinschaftliche Stressabbau nicht nur zu einem Abbau von Stress führen.

Mehr zum Thema