Paarberatung Heidelberg

Paar-Beratung Heidelberg

Paar-Beratung; kleine Änderungen im System haben eine große Wirkung. In einer Paarberatung erkunden Sie gemeinsam, ob und wie Sie Ihre Partnerschaft fortsetzen und eventuell auch vertiefen können. Das SIH Heidelberg: Ausbildungsinstitut für systemische Paartherapie, Therapie und Beratung. Die Systemische Hochschule Heidelberg (SIH) ist ein Zentrum für systemische Praxis, Forschung und Theorieentwicklung.

Wissensvermittlung und Werkzeuge in der Paarberatung und Paartherapie.

Ein systemisches Paar-Therapie für "sexuelle Lustlosigkeit".

Diese Schlagzeile bezieht sich auf ein Problem: In der nachfolgenden Fallgeschichte betrachtet das Ehepaar es so, als ob die "sexuelle Lustlosigkeit" der Ehefrau behandelt werden soll und damit "verschwindet" (in diesem Sinn ist die Schlagzeile kohärent). Mein eigener Standpunkt ist jedoch ein anderer und könnte im komplexeren Titel formuliert werden: eine Systempsychotherapie mit einem Ehepaar, bei der die Ehefrau nie ihren Mann wünscht, sondern der Mann "ständig" seine Ehefrau.

Beim ersten Gespräch kommt ein Ehepaar, das sich zusammen (und ohne spürbare Spannungen zwischen den beiden) über die totale Geschlechtslosigkeit der Frauen beschwert. Sie erinnert sich nicht, dass dies in den sieben Jahren ihrer Zusammenarbeit jemals anders war. - Eine Frau Ende zwanzig betreut das fünf Jahre alte Mädchen, betreut den Familienhaushalt und ist im Unternehmen tätig.

Diesen Tipp möchte ich aufgreifen, um über unser Gesprächsthema zu sprechen: Es wäre sicher nutzlos, wenn wir hier das selbe tun würden wie zu Haus (die Suche nach den "Gründen"); ich würde empfehlen, dass wir uns lieber auf die Diskussionsatmosphäre für beide hier einlassen.

Dieser antwortet, dass er sich nicht in ein Klischee stecken lassen will, sondern "gesehen" werden will und dann auf die inhaltliche Ebene zurückkehrt: Er fragt sich, ob ihre Unlust nicht eine Lösung für ihn ist. Diese - sehr zusammenfassende - erste Diskussion verdeutlicht die regelmäßigen Eigenbeschreibungen von Ehepaaren, bei denen der eine auf den anderen träge antwortet (zur Problematik der Trägheit bei Mann oder -in Partnerschaft, siehe Linsenhoff 1995: 353): Der Wunsch des Menschen wird von beiden als "normal" bezeichnet, der Nichtanspruch der Mutter als "abnormal".

Dies entspricht einer Darstellung der Frauen, nach der sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Hinsicht keine Ausnahmeregelungen existieren (oder erinnerbar sind) und in der daher keine weiteren Fragestellungen mehr aufkommen können, warum sie in der einen Lage wollte, aber nicht in der anderen. Wie wir hier die Diskussion durchführen sollen, damit sie für uns beide nützlich ist, ergibt sich in erster Linie aus den beiden Berichten über ihre jahrelange erfolglose Diskussion.

Auf der anderen Seite wird mit dieser Fragestellung auch zum ersten Mal das Problem eingeführt: "Was ist für jeden von euch in einer gewissen Lage gut " und damit in der allgemeinsten Weise dasjenige, das im Mittelpunkt jeder Schlappheitstherapie sein wird. Darauf hat der Mann unmittelbar eine Lösung parat; die Reaktionen der Frauen zeigen, dass eine solche Fragestellung oder Sichtweise für sie derzeit nicht "bedeutsam" ist; vielmehr sollte der Wunsch kommen, wie immer.

Die therapeutischen Dilemmata liegen nun darin, beide Gesprächsangebote zu machen, ohne den bisherigen Ansatz abzulegen. Der Eingriff, den "Körper" als "unbemerkten Dritten" vorzustellen, ergibt sich für mich aus der Erkenntnis, dass Frauen und Männer sich tatsächlich vollkommen einig sind (und damit auch ohne Spannungen untereinander). Eine " Innenstimme " wird von der Person jedoch nicht wahrgenommen und nur diese "Stimme" kann Anhaltspunkte dafür liefern, was die Person bisher nicht wahrgenommen hat.

Diese Vorstellung, das Selbst als Raum unterschiedlicher "Stimmen" zu betrachten, die zum Teil distanziert (und damit "ungehört") sind, ergibt sich aus den erzählerischen Strömungen der Systemtherapie (siehe Penn und Frankfurt 1996; mit Betrachtungen zu einer systematisch angelegten "Aktienpsychologie" des Selbst (siehe auch Stierlin 1994: 105ff).

Das zweite Treffen öffnet die Dame mit der Tatsache, dass beide in den letzten zwei Wochen immer wieder über den "Dritten" in ihrer Partnerschaft geredet und auch gescherzt haben ("Was macht er?"). Auf der Terrasse, dem bettlägerigen Baby und dem Mann bei einem Treffen fühlt sie sich wie zuhause.

Aber sie wollte auch mitteilen, dass sie ihren Mann vor ein paar Monate wollte; dies war das erste Mal in ihrer Partnerschaft und es ist seitdem nicht mehr vorbeigekommen. - Bei diesem Gespräch lauscht der Mann meist ganz besonders seiner Ehefrau. Zum Schluss fasse ich das Motto der Session zusammen, indem ich sage, dass sie die einzige "Expertin" für ihren Organismus ist (und niemand sonst kann hier irgendwelche Äußerungen machen); ob sie gewillt ist, weiterhin das Gute und das weniger Gute zu beachten.

Der letzte Eingriff sollte noch einmal deutlich machen, was in der Session stillschweigend behandelt wurde: Sie allein weiss, was gut für sie ist, und weder ihr Mann noch ich als Therapeutin haben "Autorität" in dieser Thematik. In der dritten Session erscheinen mir beide völlig anders, besonders entspannt. Der gemeinsame Report berichtet von den Änderungen der letzten zwei Wochen: Wenn er jetzt nach Haus kommt, umarmen sie ihn gern und aus eigener Initiative - weil sie keinen weiteren Stress mehr auf sich spüren; er freut sich über diese Umarmung, ohne dass er sie erwartet.

Auch sie konnte sich nun in seiner Anwesenheit wohl und gelassen zurücklehnen; außerdem spielte er viel mehr als zuvor mit dem Kinde, so dass er dann mit ihm und seinem Kinde zu tun hatte. Dieser Wechsel im Kindesalter (nach beiden Schätzungen ist sein Weinen um etwa 50% zurückgegangen) ist sowohl auf die verminderte Spannung zwischen ihm zurückzuführen.

Auf der einen Seite bin ich froh über die Änderungen in so vielen Gebieten, auf der anderen Seite sind sie so "leicht" geworden, dass ich die Reizbarkeit des neuen Wechselwirkungsmusters befürchte. Deshalb lege ich die Zukunftstherapie in einem Beratungsgespräch "für eine flexibele Kooperation, auch wenn man nachlässig ist" fest. Die Hintergründe meines Ansatzes sind der von Zimmerman und Dr. med. Dickerson dargestellte Weg (1993 a und b): Zwei Interaktionsstile werden in ihren Differenzen immer klarer ausgearbeitet; Auswege aus dem zerstörerischen Weg werden in Betracht gezogen und, wenn diese geübt werden, im Therapiegespräch klar umrissen.

So entsteht eine neue "Paarerzählung" über den sinnvollen Austausch untereinander. In der vierten Session wird die Patientin damit konfrontiert, dass sie eine spürbar seltenere Kopfschmerzen hat. In der Auseinandersetzung mit diesen Konflikten setzt sie ganz klar ihre Grenzen: Das Kinde ist ihre erste "Firma", Heirat und Familie ihre zweite "Firma", die gemeinschaftliche Operation ihre dritte "Firma" - und in dieser Ordnung verteilt sie ihre Zuwendung und lässt sich Dinge zu.

Er schämt sich ein wenig, denn er kümmert sich nur wenig um das gewöhnliche Baby, um die Heirat und den Hausstand. Diese neue Sichtweise gibt ihm eine andere Einschätzung ihrer "Fehler" im Konzern und er erkennt in diesem Vergleich, dass er an seine Ehefrau in der "Firma" ganz andere Ansprüche stellt als an sich selbst in der "Firma" Kinder und Ehen.

Die fünfte Session wird sich darauf konzentrieren, was sich in der Zusammenarbeit verändert hat und wo es auf dieser neuen Stufe Probleme gibt: Auf der einen Seite spüren beide, dass die Heirat sehr gut läuft. Dem Mann ist bewusst geworden, mit welcher Aufregung er am Abend von der Arbeit nach Hause kommt und dass er nur etwas Zeit benötigt, um sich niederzulassen - eine Zeit, in der er immer "etwas" von seiner Ehefrau wollte.

Es sieht seinen "Frieden" viel mehr vor als zuvor, bildet "Inseln" im Laufe des Tages, an dem es sich nicht mehr zur Tätigkeit oder zur "Fürsorge" für Mensch und/oder Kinder vorstößt. In beiden Sessions werden die Änderungen in der Person aufgezeigt - und wie dies dem Mann eine Sicht auf seine Anforderungen und seinen Umgang mit seiner Ehefrau gibt.

Der Unterschied beim Zärtlichkeitsthema zeigt, dass die Dame hier die Definition des Menschen annimmt oder annimmt und somit ihr gleichzeitiges Beduerfnis nicht als ihr Scheitern bezeichnet. Sie beginnt die sechste Session mit einem Report, dass sie sich nach der vergangenen Session (vor vier Wochen) entschlossen hat, sich ihm für zwei weitere Woche zur sexuellen Nutzung zur Verfügung gestellt zu haben.

Sie berichtet, wie sie in ihrer Gastfamilie lernte, von sich selbst Leistungen zu fordern, ohne auf ihre Begrenzungen und Erschöpfungszustände zu achten. Daraus entsteht der Wille, in der Folge nicht nur die Zeichen des Körpers zu erkennen, sondern auch zuvor auf seine Empfindungen zu achten. Von nun an sollte die Behandlung als eine Form der Kontrolle darüber verstanden werden, in welchem Maße sie ihre Bedürfnisse nach Nähe, Distanz und Ruhe berücksichtigt oder ausblendet.

Beide berichteten in der 7. Session, dass die Heirat "schwieriger" geworden sei. Die verschiedenen Temperaturen würden sich auch im Schlaf wiederfinden. In diesen Sessions werden die Änderungen in den "regulären Beschreibungen" beider Seiten aufgezeigt: Während früher sowohl den Männern Kraft und Befähigung als auch den Frauen Schwächen und Mängel bei der Geschlechtlichkeit zugeschrieben wurden, spricht man heute von (1) Gleichheit und (2) Unterschied.

Außerdem hat sich die Frauensprache verändert: Es wird nicht mehr viel über den "Körper" als Zeichengeber gesprochen, sondern: "Ich tue, benötige, mag nicht....". Der autobiografische Loop in der sechsten Session ist verhältnismäßig kurz; meiner Meinung nach ist dies bei Paartherapien oft so. Auf der anderen Seite ist es einfacher, die Funktionsstörung dieses Modells für ihr erwachsenes Frauenleben zu akzeptieren.

In der achten Session nach fünfzehn Tagen werden die Inhalte der vorherigen Session fortgesetzt: Sie haben immer mehr Differenzen untereinander bemerkt - ohne dass beide allzu sehr nervös werden. Eine weitere Absicherung hat die Dame dadurch erlangt, dass sie ihre Wünsche in der Sexualität kommuniziert und das Unerwünschte zurückweist. - Im Zentrum des Treffens steht die Geschichte des Menschen über sein elterliches Zuhause, vor allem über die gewalttätigen Gewalttaten seines Vater's gegen seine Mama.

Seinen Eindrücken zufolge lernt er erst jetzt, sich auf jemand anderen mit/an seiner Ehefrau zu berufen. In der Mitte der neunten Session steht ein erbitterter Streit, den die beiden am Morgen des heutigen Vormittags haben. Es ist weniger der Streitinhalt als der richtige Weg mit solchen "Einbrüchen", der das Gesprächsthema bestimmt: Wie kann man einen "Muskel" aufbauen, um sich nach solchen Konflikten wiederzufinden?

  • Wie sich die Entwicklung der vergangenen paar Monaten entwickelt hat, ist ungewiss. Auf diese Weise endet die Behandlung acht Monaten nach dem Einführungsgespräch. Wie sich die anfänglich "eingefrorene" Heirat rund um das Themenfeld "Lustlosigkeit" in Gang gesetzt hat und wie diese "Verflüssigung" an Geborgenheit verloren hat, aber beide sehr zufrieden sind.

In der Anamnese zeigt sich, wie der Unlustige im Verlauf der Behandlung immer mehr erkennen und ausdrücken kann, unter welcher innerlichen und äußerlichen Beziehungsbildung er wünschen kann und unter welcher nicht. Der Wandel des Anderen wird in erster Linie dadurch ausgelöst, dass er die Auswirkungen seines Handelns mit dem Ersten immer mehr und dichter an seinem eigenen Handeln erfährt: Wo zunächst mit dem Ersten konsequent "keine Lust" gemacht wurde (und damit auch keine Äußerungen zu verschiedenen Effekten mit anderem Benehmen des Menschen gemacht wurden), ergeben sich nun Äußerungen darüber, dass es zu innerer Unrast, Belästigung, Mobbing, Raucher-Sexualität usw. für ihre unbedingte "Lustkillerin" gekommen ist.

Mit neun Behandlungen befindet sich diese Behandlung innerhalb des gewohnten Zeitrahmens der systemischen Behandlungen. Welche Annahmen habe ich, wenn ich mir das Ehepaar jetzt anschaue, was diese rasante Weiterentwicklung von ihrer Seiten her ermöglicht hat? Zuerst kommen beide zum ersten Gespräch zu einer Zeit, in der ihre Heirat eindeutig in Gefahr ist: Die lange (immer?) vorhandene Trägheit der Frauen wird nun zur Zäsur.

In der Regel empfindet die Dame nur "Stress" in ihrer Gastfamilie, der Mann bleibt so viel Zeit wie möglich von zu Hause weg. Auf der anderen Seite messen beide der Fortführung ihrer Zusammenarbeit große Bedeutung bei und sind daher beide hochmotiviert für den Wandel. Sie hat in ihrer Herkunft das Bemühen, Ziele zu verwirklichen, und kann diese Fähigkeit nun nutzen, um "für ihren eigenen Leib zu arbeiten".

Die Rückmeldung seiner Ehefrau kommt dem Mann zugute und er fühlt die darin zum Ausdruck gebrachte Beziehung und die daraus resultierende wachsende Unterstützung als Profit. Nach 18 Monate ergibt die Catamnese ein im Grunde genommen unveränderliches Bild: Die Ehefrau schlaft nur dann mit ihrem Mann, wenn ihr danach ist, und es ist ihr ein Anliegen, ihren eigenen Ansprüchen nachzugehen.

Aus seiner jetzigen Perspektive beurteilt der Mann die Entstehung ihrer Eheschließung wie folgt: Auf einer Skalierung von 1 - 10 (wobei 1 für `katastrophal und 10 für `sehr gut steht ) wären sie vor Therapiebeginn bei 2 (und damit kurz vor der Trennung) gewesen; am Ende der Vorträge bei 7 - und so wäre es auch gewesen.

Die beiden gingen mit dem Eindruck, dass ihre Heirat funktionierte und sie eine gemeinsame Vergangenheit hatten. Die Hilfsbereitschaft der Therapien erkennt der Mann aus heutiger Sicht darin, dass sie "viel Inspiration" erhalten haben und "ihre Haltung füreinander wesentlich veränderten". Wie die auffälligsten Änderungen durch die Behandlung, betont die Dame, dass beide begonnen haben, sich zu bewegen, dass der Mann seine Erwartungshaltung an sie klar gewandelt hat und dass sein Sexualdruck auf sie so nachlässt.

Allerdings wird die Behandlung erschwert, wenn die Trägheit der Frauen vom Partner als "Krankheit" oder vom Mann als "böse Handlung" empfunden wird: Beide verzerren - zunächst - den Anblick der gestalterischen Bedingungen von Begehren/Unbehagen. Wenn man die träge Ehefrau als "krank" ansieht, bedeutet dies zum einen die Befreiung der Ehefrau von den geschlechtlichen "Ansprüchen" des Menschen, zum anderen aber auch die "Kosten" der starken Abwertung, die auch den Betroffenen im Veränderungswillen machtlos machen.

Eine " Systemtherapie " gibt es nicht, sondern unter dem Schirm der Systemtherapie sind nach und neben einander unterschiedliche Strömungen und Ansätze aufgetreten (Übersicht siehe von Schönstatt und Schweißer 1996: 23ff). Die oben genannte Vorgehensweise sollte daher in Bezug auf dieses allgemeine "Feld" der Systemtherapie kurz beschrieben werden: Die für dieses Ehepaar beschriebene Vorgehensweise ergibt sich vor allem aus den Vorstellungen der "lösungsorientierten Kurztherapie", die vor allem mit den Bezeichnungen de Shazer (siehe z.B. 1989 und 1990) und White (siehe z.B. White und Epston 1990) verbunden ist.

Gunther Schmidt (Heidelberg) bedanke ich mich für all die Unterhaltungen der letzten Jahre und H.D. Bemerkungen: 1 Obwohl die Bildmetapher auch ihren "Blick" auf ihren eigenen Leib und damit ihre externe Einschätzung thematisiert hat, erscheint es mir dennoch bedeutsam, nicht hier zu bleiben, sondern weiter nach ihren Gefühlen zu fragen.

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