Orakel Spricht

Oracle spricht

Viele übersetzte Beispielsätze mit "das Orakel spricht" - Englisch-Deutsches Wörterbuch und Suchmaschine für englische Übersetzungen. Gebrüder Müller: Das Orakel spricht - Culture Ich träumte einen Theatertraum in Deutschland und dachte über das nach, was mich nicht interessierte. Ihn beunruhigt jetzt das Schauplatz seines eigenen Sterbens. Er hat sich zur Gesichtsmaske eines bekannten Menschen entwickelt. Auf diese Weise beschrieb Heiner Müller das Ende von Gotthold Ephraim Lessing in der ersten Person vor gut drei Jahren.

Wenn Müller nach der Wende selbst zu einer medienwirksamen Persönlichkeit wurde, aber aufhörte, Theaterstücke zu schreiben, als der Krebs der Speiseröhre seinen eigenen Tod "schneller" machte, liest sich die Lessing-Sequenz plötzlich wie ein geisterhaftes Selbstbildnis. Ein Lebensklassiker, der sich hinter der Müller-Maske aus Zigarren, Whiskyglas und Apodicsätzen unantastbar macht.

Geburtstages ein großer Poet feiert und verfügt, kann man vielleicht in der Kunstakademie zusehen, wo an diesem Wochenende so wichtige Müller-Forscher wie der Entrepreneur Heinz Dürr, die Politologin Alice Ströver, die Arbeitslosen-TV-Moderatorin Elke Heidenreich und der sozialrevolutionäre Heiner Geisler ihren eigenen Ruf steigern, indem sie Mueller Texte in den Vortag einbringen.

Kompliziert wird es, wenn man die fast 3000 Textseiten mit den zusammengetragenen Gesprächen durchliest, die nun die Müller-Ausgabe des Südkamp-Verlages in drei Teilen beenden. Ein ambivalentes Erlebnis ist es, Heiner Müller dreizehn Jahre nach seinem Tod an Krebs in seinen zahllosen Interviewstatements wiederzusehen. Auf der einen Seite ist vieles bekannt: Müllers alter Laconia, seine unendliche Konfrontation mit Brecht und Shakespeare, seine Verachtung für die leeren Abläufe des Kulturbetriebs: "Theater sind da, wie ein freies Lückenfüller.

Häufig schöpft Müller seine künstlerischen Energien aus der Sprengung der autistischen Formen einer sich selbst bevorzugenden Malerei. In einem Interview mit Alexander Kluge berichtete er einmal über eine Schau der Klassik im Centre Pompidou in Paris: "Es ist so öde, so todlangweilig, all diese Modernität, Mattisse, Tapetenmuster".

Doch der höhnische Anblick, erstaunt über Müllers ideologisches Vorgehen, wich rasch dem Gefühl, beim Lesen des Buches einem riesigen Hirn bei der Hand zu sein - auch wenn man die ganze Erde ganz anders als Müller betrachtet. Auch in die andere Seite wirkt die gelegentliche Neubewertung: Die Orakelsätze des "Katastrophenliebhabers" (Müller über Müller), die einst düster und geheimnisvoll klingen, erscheinen auf einmal durchsichtig.

"Die antikapitalistische Alternative braucht man sich nicht zu kümmern, denn der kapitalistische Staat hat keine Alternative mehr, keine Gegner außer sich selbst", sagt Müller 1991. Das muss damals skurril klingen, heute ist es ein schlichter Kommentarband zur Weltkrisen. Müller: "Das versprechen eine spannende Weiterentwicklung. Ein weiteres Erlebnis der Fremdheit, das für die eigene Anwesenheit beschämend ist und das die Gespräche für den Betrachter bereithält, ist die stoische Seriosität, mit der Müller seit Jahrzehnten an seinen Alltagsthemen arbeitet:

Der Wille, mit dem Müllers Vorstellung des Theaters als Platz einer anderen Welt und Realitätsbehauptung - in einer Radikalkonsequenz, die es zu einer unvergleichlichen Gestalt im heutigen Theatergeschäft machen würde - erscheint auch in einem Kultur- und Theatergeschäft von rasanten Impulsen, von frei vertauschbaren Motiven und stundenweise wechselnder Mode ausländisch.

Müller sagte 1987 in einem Interview mit Ruth Berghaus: "Heute sind entweder völlige Ruhe oder Schreie möglich. "Eine solche Hartnäckigkeit und Ästhetik hat im Schauspielhaus der Gegenwart seit Einar Schleefs Tode nicht mehr stattgefunden. Aufschlussreich war Heiner Müller immerhin. "Müller: "Ich seh jeden Tag anders aus.

"Müller war kein Stillschweigen wie er, obwohl er wohl der einzigste zeitgenössische Mensch war, den er insgeheim bewunderte - oder beneidete, was unter den Schriftstellern gleich sein würde. Doch seine Befragungen sind alles andere als ungeschützt. Müller meistert die Stille, indem er spricht.

Als Untertext der Gespräche muss man wohl ein Spätgedicht von Heiner Müller lesen, um diese Vorgehensweise zu durchschauen. So wie in der Tragik jede einzelne Lüge ihren gefährlichen Hintern hat, hat Müller in seinen Gesprächen keine Antwort zu bieten.

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