Nach der Krise

Die Nachkriegszeit

Eine exzellente Abhandlung über die Folgen der Krise. Zum einen ohne viel Aufhebens und zum anderen. Nach der Krise ist vor der Krise | Haben wir die richtigen Lehren gezogen und was bleibt zu tun? Durch den wirtschaftlichen Wandel verändert sich die deutsche Medienlandschaft: Redaktionen werden umstrukturiert, zusammengelegt oder verschmolzen. Seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise sind zehn Jahre vergangen.

Vor der Krise ist vor der Krise

Hat man die richtige Lehre daraus ziehen können und was muss noch getan werden? Hat man aus der Krise etwas dazugewonnen? Sind die laufenden Reformmaßnahmen ausreichend? Die Völkergemeinschaft hat nach der Krise einen Reformprozeß eingeleitet, der eine ganze Serie von Finanz- und Wirtschaftspolitiken auf weltweiter, europaweiter und einzelstaatlicher Basis in Angriff genommen hat.

Damit die Seriosität von Politik und Unternehmen bei der Durchführung der angekuendigten Reform überprüft werden kann, sollte eine Bilanz der bisher unternommenen Reformanstrengungen gezogen werden. Zu diesem Zweck werden die seit Beginn der Krise durchgeführten finanzpolitischen Reformschritte vorgestellt, ihre Wirkungen auf die Kapitalmärkte untersucht und der verbleibende Aktionsbedarf ermittelt. Das Fazit ist, dass die Reform ein uneinheitliches Bild ergibt.

In einigen Gebieten wurden rasche und wirksame Schritte unternommen, in anderen gibt es Anzeichen für deutliche Verspätungen oder einen unzureichenden Umfang. Allerdings dürfen sich die Neuerungen nicht auf die Geldmärkte beschränken. Wir müssen uns auch mit den unerwünschten Entwicklungen der Wirtschaftspolitik befassen, die entweder eine wichtige Rolle in der Finanzmarktkrise gespielt haben oder nach dem Auftreten der Krise ans Licht gekommen sind.

Das Scheitern der Konjunkturpolitik ist mit dem Scheitern der Kapitalmärkte verwoben. Ein Krisenmanagement, das sich auf die Finanzmarktreform begrenzt, droht zu scheitern. Beispielsweise sind globale Ungleichgewichte in der Leistungsbilanz für die Inflation und Stabilisierung der Geldmärkte mit verantwortlich. Das Beispiel Griechenland zeigt: Auch innerhalb Europas kann eine gescheiterte Konjunkturpolitik europaweit Krisensituationen mit nachteiligen Folgen für die Währungsstabilität induzieren.

Der Einfluss der Krise(n) der vergangenen Jahre auf die reale Wirtschaft ist so schwerwiegend, dass ein Überdenken der Wirtschafts- und Finanzpolitik unumgänglich ist. Welche Schritte sind notwendig, um das Fundament für ein krisensicheres Wirtschaftswachstum zu schaffen? Neben einer Reihe fundierter Auswertungen enthält das Werk eine Vielzahl von Anregungen, um aus der Finanz- und Wirtschaftslage aufzubrechen.

"Das Verdienst der Verfasser ist, dass sie in ihrer Untersuchung einen weiteren Entwicklungsschritt gegangen sind. Nur die Finanzmarktregulierung wird Sie nicht auf die kommende Krise vorbereiten. Auch in der Steuerpolitik: Die Verfasser argumentieren für Steuererleichterungen für Niedrigverdiener und höhere Belastungen für Hochverdiener. Die Verfasser stellen diesen Spruch beinahe nebenbei, aber er steht im Mittelpunkt dieses Buches, das nicht nur sorgfältige Untersuchungen, sondern auch eine Vielzahl von Reformvorschlägen bietet.

Als Lektionen aus der Krise sprechen Steinbach und Steinberg über aktuelle Fragen wie den Mindestlohn, die Banken- und Flugverkehrsabgabe oder eine EU-Wirtschaftsregierung. Die Verfasserinnen und Verfasser stellen in kleinen Abschnitten dar, welche Massnahmen als Reaktion auf die Krise bisher ergriffen wurden und was noch zu tun ist. In der Einleitung meint der Ökonom Peter Bofinger, dass eine Lektion aus der Krise die "Neubewertung der staatlichen Rolle" sein muss; es sollte "einen marktbeherrschenden und keinen marktbeherrschenden Markt" sein.

Damit sind Steinbach und Steinberg einverstanden und setzen sich für einen gesetzlichen Festlohn mit einem variablen, branchenspezifischen Mindestgehalt für Deutschland ein. Sie plädieren auf der europäischen Bühne für "mehr Europa" (196), indem sie eine auf den präventiven Instrumenten eines glaubhaften und ausgeweiteten Stabilitäts- und Währungspakts, auf der Koordination der zentralen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und der Finanzmarktregulierung sowie auf einem reaktionsfähigen Krisenmanagementmechanismus basierende wirtschaftliche Regierung vorlegen.

Bei Steinbach und Steinberg bedeutet dies die Einrichtung eines EWS. Der Autor, ein Berater im Bundeswirtschaftsministerium, der andere Beamte in der Budgetabteilung des Bundesfinanzministeriums und der Berater von Sigmar Gabriel, präsentieren eine sehr wissenschaftliche und zugleich leicht zu verstehende Orientierung bei der Suche nach den Mitteln gegen die (nächste) Krise.

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