Medialität Literatur

Medienliteratur

Im Kontext der Literatur ist Medialität ein uneinheitlicher Begriff, dessen Aufschlüsselung als Programm des Seminars fungiert: Rolf Dieter Brinkmanns literarische Produktion ist ein herausragendes Beispiel für die Medialität der Kunst. Medialität der Literatur und die Auswirkungen der Medientheorie auf die Medientheorie An der Hebräischen Universität Jerusalem fand vom 24. Juli bis einschließlich Oktober 2007 unter dem Motto "Theorie nach dem Ende der Theorie" eine Tagung über den Status und die Perspektiven der theoretischen Entwicklung in der Literatur- und Kulturwissenschaft und über "Neue Ansätze in der aktuellen Literatur- und Kulturwissenschaft" - so der Unterpunkt - unter der Federführung von Prof. Dr. Christian Kohlroß statt.

Wenn man nur das erste Wort des Konferenztitels weglässt, könnte man lesen: "...nach dem Ende der Theorie? Nouvelles approches in der aktuellen Literatur- und Kulturwissenschaft". Einerseits könnte man das Fragenzeichen auslassen und " nach dem Ende der Theorie " als epochales Zeichen einer gegenwärtigen Lage auffassen.

Die" neuen Ansätze" hingegen wären dadurch gekennzeichnet, dass sie aus dieser Lage nach dem Ende der Lehre entstanden sind, also theoriefrei sind. Ihre Theorielosigkeit muss jedoch mit dem Wechselspiel von Literatur- und Kulturwissenschaften in Verbindung gebracht werden. Geht man nun weiter davon aus, dass das, worauf sich die Kulturwissenschaften bei aller Verschiedenartigkeit beziehen, eine verhältnismäßig neue Richtung ist, die die so genannte Literaturwissenschaft und die lange Philologietradition ergänzt, so ist ein immanenter Bezug zum Wandel der theoretischen Landschaft und der neuen Kulturwissenschaften offensichtlich.

Bei den neuen (er)en Kulturwissenschaften hätte in diesem Leitbild die Zeit und die Zeit der Theoretisierung, die Zeit der Theoretisierung, begonnen. Wir mussten den Kollegen Kohlroß zu diesem Thema beglückwünschen, denn schon der Wortlaut zeigt einen komplexen Ausgangspunkt, der bei der Berücksichtigung der aktuellen theoretischen Landschaft, der theoretischen und kulturwissenschaftlichen Lage berücksichtigt werden muss.

Übrigens eine oft - wenn auch ungenaue - Lage, die mit dem vermeintlich gegensätzlichen Paar von Sprach- und Kulturwissenschaften verbunden ist. Für eine theoretische Lage "nach dem Ende der Theorie", kurz: "nach der Theorie", fordere ich zwei international anerkannte Literaturwissenschaftler auf, die das Problem einer kulturell-wissenschaftlichen Expansion oder gar eines kulturtheoretischen Umbruchs in der literaturwissenschaftlichen Lage - also den Stand der Theorien in der Literaturwissenschaft - geradezu aufgreifen.

In seiner - notabene - "Literaturtheorie" hat Jonathan Culler dieses Problem in einer Polemikfrage hervorgehoben: "Romanisten, die ganze Zigarettenbücher verfassen [....], Shakespeare-Spezialisten, die sich mit der Analyse der Zweigeschlechtigkeit beschäftigen; Realismus-Experten, die an Massenmördern mitarbeiten. "Aber Terry Eagleton hat diese Lage noch klarer, umfangreicher, ausführlicher und kontroverser erörtert.

Es ist ein Ort an den wilden Ufern der Akademie, an dem das Interesse an der französischen Philosophie der Faszination für den Zungenkuss gewichen ist. "Auch hier ein Hinweis: Das vorliegende Werk heißt "Nach der Theorie" und spiegelt exakt die von mir beschriebene Lage wider.

Ich möchte nun aber nicht mehr in die philologische und kulturwissenschaftliche Diskussion einmischen, sondern meinen Vorlesungstitel erklären und das gegenwärtige Gebiet der aktuellen theoretischen Aufstellungen gezielt messen, um die Verhältnisse dieser Aufstellung geschichtlich abzuleiten. Auf dieser Basis sollen die für eine Lehre nach dem Ende der Lehre entscheidenden geschichtlichen und systemischen Voraussetzungen erforscht werden.

Die Überschrift "Das Mittel am Ende der Theorie" setzt einen weiteren Terminus exakt dort an, wo mein Schwerpunkt ist, und zwar in dem des Mittel. Andererseits kann das Konzept des Medienbegriffs vorerst konzeptionell unterstützen, wenn es darum geht, die aktuelle theoretische Situation zu erkennen und nach den Voraussetzungen für die theoretische Weiterentwicklung zu befragen.

Versteht man ein Mittel in seiner abstrakten Gestalt als eine Art der Unterscheidung und Mediation des so Unterschiedenen, kann man auf drei unterschiedlichen Niveaus operieren: 1 ) auf der Objekt-Ebene der Literatur; ich selbst habe einen Hinweis darauf gegeben, was es heißt, "Literatur als Medium" zu verstehen; 2) auf der Meta-Ebene der Literaturtheorie; hier müsste man sich die Frage stellen, in welchem Sinn eine medientheoretische Literatur den Literaturkatalog aktueller Theorien ausdehnt; 3) und damit - dritter Punkt - auf einer Metameta-Ebene angelangt ist, wo man sich fragt, wie die Literaturkonstellation aufgebaut hat und wie sie sich differenziert hat.

Dies ist die Stufe, die mich jetzt beschäftigt, denn es ist die Stufe, auf der die Voraussetzungen für die theoretische Auseinandersetzung nach der Lehre erörtert werden. Meine Dissertation ist: Wenn man Literatur als Mittel in diesem Sinn versteht, dann folgen nicht nur die Abfolge und die Differenzierung der theoretischen Positionen der Literaturwissenschaft, sondern auch die vermeintliche Ausschöpfung des theoretischen Paradigmas (das Ende der Theorie), ja selbst seine Wiederbelebung (Theorie nach dem Ende der Theorie) einem in der Medialität der Literatur selbst bereits geschaffenen Schema.

Es sollte nicht überraschen, dass die Beziehung zwischen Sprach- und Kulturwissenschaften eine der wenigen Aussprachen ist, die als Vorbereitung auf eine theoretische Endphase verstanden werden kann. Man kann jetzt nicht alles, was unter dem Schlagwort Kulturwissenschaften in der Literaturwissenschaften steht, zusammenfassen, aber vielleicht können einige Grundsätze genannt werden.

Der überwiegende Teil und die wichtigsten Ansatzpunkte solcher literarischen Kulturwissenschaften sind offenbar aus einem fruchtbaren theoretischen Ansatz erwachsen. Betrachtet man zum Beispiel den Sammelband von Claudia Benthien und Hans Rudolf Velten "Germanistik als Kulturwissenschaft" (2002), die Geschichtsanthropologie, die Ordnung des Wissen, Geschlechtertheorien, Alteritäts- und Interkulturalitätstheorie, die Medientheorie selbst und nicht zu vergessen das Performative als neue kulturwissenschaftliche Herangehensweisen in der Literaturwissenschaften, präziser: die Deutschlandforschung.

Wilfried Barner hatte bereits 1997 in einem Beitrag im Schiller-Jahrbuch die zentrale Frage gestellt, ob "die Literaturwissenschaften ihr Fach verlieren würden". Das Thema der Literaturwissenschaften ist jedoch der textliche und literaturwissenschaftliche Teil. Das Verhältnis von Konfrontation und Konflikt, wenn man es so präsentieren will, liegt nun darin, dass die Kulturwissenschaften beide Determinanten - das Textliche und das Literaturbasierte - in ihrer Konstitution des Subjekts auflösen.

Kulturwissenschaftliche Fächer sind nicht mehr nur Literaturtexte, sondern auch solche, die sich nicht mehr mit Texten beschreiben lassen - oder, schlimmer noch, keine mehr sind. An die Stelle der kulturwissenschaftlichen Fragestellung tritt die Fragestellung, wie sie zu einer solchen wird. Das Bestimmen des Objekts selbst wird zu einem performativen Prozeß - nicht nur im Sinn einer konstruktivistischen Objektbeschaffenheit, sondern radikaler: Objekte einer Lehre resultieren daraus, wie sich in einem gewissen Bereich durch andere oder mehr noch, in einem gewissen theoretischen Klima theoretische Vorstellungen befinden.

Das Ergebnis ist, dass Menschen mit Tabakwaren, Bisexualität, Massenmord und Zungenküsse zu tun haben. Daß dem Französischen Küssen - so Terry Eagleton - die Französische Lehre vorangeht, ist jedoch mehr als nur ein ebenso geschicktes wie schlechtes Wort. Keine Zungenküsse ohne französische Theorien. Erlauben Sie mir, dies in eine simple Formulierung zu fassen, würde ich behaupten, dass die französische Theory die theoretische Entwicklung von den 1960er bis zu den 1980er Jahren bedeutet, die mit den Bezeichnungen Structuralismus und Pfostenstrukturalismus beschrieben werden kann.

Viele kulturwissenschaftliche Variationen (French Kissing) basieren in ihrer Objektkonstitution exakt auf einem solchen dekonstruktivistischen Vorgehen, ohne dass die zugrundeliegende dekonstruktive Konstruktion (French Theory) offensichtlich als theoretisches Vorgehen wiedergegeben wird. Kurz gesagt: Die Kulturwissenschaften haben ihr Dekonstruktionserbe oft vernachlässigt oder unterdrückt.

Deconstruction ist und bleibt ein spätes Gipfeltreffen der literaturtheoretischen Reflektion - ein Vermächtnis, das nicht spielerisch verzockt oder auf die leichte Schulter genommen werden sollte. "Verloren" oder "verdrängt". Egal ob wir das Sein oder die Sexualität unterdrücken, ob wir nun Metaphysik oder Neurotiker werden, auf jeden Falle widerstehen wir der Gedächtnisleistung und der Rückkehr des Unterdrückten.

Dort, wo in der Psychoanalyse die Unterdrückung zu sehen ist, besteht die Gefahr von Gegenwehr. Für Eagleton ist der Wechsel von der französischen zur französischen Sprache, die Verbreitung der Abstinenz von der Lehre, ein Widerspruch zur Theorienlehre. Wo kommt dieser Widerspruch her? Die Lage "nach der Theorie" erklärte Terry Eagleton aus seiner Marxistenposition mit dem Wegfall des Politikbewusstseins.

Für ihn ist der Markismus eine Politik. Insbesondere im Hinblick auf Frankreich in den 1960er und 1970er Jahren ist der marxistische Ansatz neben dem Strukturellen die Möglichkeit, die theoretische Politik zu verdeutlichen. Dies manifestiert sich mit dem Erscheinen von "anti-theoretischen Begriffen" wie "böse", "freiheitsliebend" oder "patriotisch". Wenn man Eagleton nachfolgt, zeigt sich nicht nur eine politisch geprägte Widerstandsvariante der Theorien, sondern auch eine Überarbeitung dessen, was beispielsweise die Theorien bereits geleistet haben, und zwar immer ihre potentielle Demontage durch die Theoriebildung von Konzepten einzubeziehen oder gar verfügbar zu machen.

In der politischen Sichtweise eines Terry Eagleton geht es um einen theoretischen Widerstreit, der von außen kommt. Allerdings steckt er seinen Zeigefinger dort hin, wo dieser äußere Widerstreit innerlich nachgebildet wird. Wenn man diese Zahlen überblendet, machen sie es unter einem ausschlaggebenden Gesichtspunkt deutlich: Der theoretische Widerstandswert, der von außerhalb der Theorien kommt, ist außerhalb der Theorien.

Fragwürdiger ist der tatsächliche Widerstandswert, der selbst eine Frage der Theorien ist. Das liegt an sprachlichen, textlichen, literarischen und grammatikalischen Gebilden und damit an der Beziehung zwischen Sprach-, Schrift-, Literatur- und Theorieverständnis und dem Unterschied zwischen Objekt- und Meta-Ebene, der die Grundlage der Theorien ist. In seinem Essay "Widerstand gegen die Theorie" geht er davon aus, dass die Wissenschaft selbst subtil Widerstände gegen die Theorien hervorruft.

Nach de Man ist dies mit der unsicheren Beziehung zwischen Objekt und Meta-Wesen verbunden, da die konstituierende linguistische Eigenschaft des Literaturtextes, die die Literaturwissenschaft zu berücksichtigen hat, auch zur Meta-Ebene eben dieser Theorien gehört. Die Literaturwissenschaft ist mit einem Problemfeld der Autoreflexibilität konfrontiert. 2. Welche literarische Lehre ans Licht bringen soll, ist zugleich das, was dieser Offenbarung im Wege steht.

Der theoretische Zugang zur Literatur, also die linguistische im Unterschied zur Ästhetik oder geschichtlichen Beschaffenheit, soll zugleich den Zugang problematisieren, wenn nicht gar verhindern: "Widerstand gegen die Theorien ist ein Widerspruch gegen den Sprachgebrauch durch die Sprachen. "In dieser Hinsicht kann de Man den Widerspruch zur Theorien in die Theorien selbst verlagern und schlussfolgern: "Nichts kann den Widerspruch zur Theorien überbrücken, da die Theorien selbst dieser Wiederstand sind.

"Wenn die Kulturwissenschaften der Platz ist, an dem sich die Lage "nach der Theorie" manifestiert, wenn zugleich die Lage "nach der Theorie" auf den theoretischen Widerstreit zurückgeht, wenn die Kulturwissenschaften ihr dekonstruktives Vermächtnis verloren haben, dann muss dieses Versäumnis als eine Art des Widerstandes gesehen werden, dessen Wurzel in der deconstruktivistischen Grundlage der Kulturwissenschaften liegt.

Daß die Kulturwissenschaften ihr deconstruktivistisches Vermächtnis in Vergessenheit geraten lassen, ist daher darauf zurückzuführen, daß die Fortführung dieses dekonstruktivistischen Vermächtnisses durch die Erweiterung und Öffnung des Textbegriffs zugleich sein eigenes Versäumnis impliziert: eine Dekonstruktionsform, die - heidnisch ausgedrückt - für die dekonstruktive Arbeit in Vergessenheit geraten ist. Der Rückbau hat sich selbst in Vergessenheit geraten, und dieses Vergiessen war kein Mangel in der Entwicklung der Theorien, sondern eine unausweichliche Konsequenz des historischen Theoriesatzes selbst.

So würde das Vergiessen zwangsläufig aus dem Vermächtnis selbst erwachsen. Generell gilt: Die Lage "nach der Theorie" ist selbst theoretisch bedingt. Die Diagnose des Endes der Lehre ist ein wahrhaft gedanklicher Vorgang, der oft neue Theorieimpulse gibt. Theoretisch ist die Einigkeit des Unterschieds zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Einfach gesagt: Eine These, die schon lange tot ist! Erstens kann man sagen, dass de Man klugerweise die Objekt-Ebene des Literaturtextes für das zuständig macht, was sich auf der Meta-Ebene als eine theoretische Konstruktion entwickelt: den theoretischen Theorienwiderstand. Zur Bestimmung der Besonderheit der literarischen Ausdrucksweise wird zwischen einer grammatikalischen oder folgerichtigen und einer sprachlichen Rhetorik unterschieden.

Die konstituierende Besonderheit der Literatur, ihre "Literarität", beruht also auf einem "Sprachgebrauch, der die Rhetorik vor die grammatikalische und die logische Funktionsweise stellt" (de Man). Der literarische Wert der Literatur ist ihre Rhetorik. In diesem Sinn ist Literatur ein konstitutiver Rhetorikbegriff. In seinem Bemühen, die Literaturtheorie literarisch zu erfassen, begegnet er gerade der Rhetorik, aus der sich der theoretische Widerstreit ergibt: "Der theoretische Widerstreit ist der Widerstreit gegen die Rhetorik [....] Sprachdimension.

"Wie auch immer man den grammatikalischen und die rhetorische Seite begreifen will, ich möchte sie mit einem anderen Gegensatz auseinandersetzen, der am Beginn einer neuen hermeneutischen Moderne von Schiermacher steht, der etwas anderes bedeutet, aber konzeptuell tückisch dem von de Man nahesteht, und zwar der zwischen grammatikalischer und psychologischer Deutung.

Die Grammatik verweist auf die linguistische Gliederung des Texts, die Psychologie auf die Dolmetschleistung des jeweiligen Dolmetschers, die über den Inhalt hinausgeht. Das Grammatikalische mit dem Allgemeinen und das Psychische mit dem Individuum hat Manfred Frank verbunden und den Literaturtext als ein Ganzes der Verschiedenheit definiert: "Nur das Alltägliche ist endlich bekannt oder anerkannt; [....] Demgegenüber ist das Individuum, z.B. der Schreibstil, im wahrsten Sinne des Wortes untrennbar und damit unmittelbar.

So ist der Literaturtext die Einigkeit des Unterschiedes zwischen dem Individuum und dem Allgemeinen oder, wie Frank auch sagt, dem Sagenhaften und dem Unsäglichen. So hat jeder einzelne Teil eine doppelte Perspektive, eine doppelte Ebene, die - wie auch immer man sie festlegt - verdeutlicht, dass nur eine Ebene prinzipiell erfassbar ist, während die andere, auch wenn die Lehre selbst den Unterschied widerspiegelt, auf konstitutive Weise unterdrückt werden muss.

Jahrhundert, die dieses Problem nicht nur auf der Ebene der Literatur selbst stellt, sondern es auch in der Medientheorie interpretiert: "Es ist ein Gegensatz, dass die größte Identifizierung des Betrachters mit den in der Literatur je existierenden Empfindungen der fiktionalen Kennzeichnung durch die Ausbeutung der Eigenschaften des Buchdrucks - dem persönlichsten, sachlichsten und öffentlichkeitswirksamsten aller Kommunikationsmittel - erreicht werden sollte.

"Die grösste Vertrautheit und Einzigartigkeit findet sich nur in einem Medium: Schreiben, Texte, Literatur, Bücher, die in ihrer Barrierefreiheit das genaue Gegenteil garantieren, das Publikum und die breite Masse. Doch gerade das ist der Anfang der neuzeitlichen Literatur. Literatur ist zeitgemäß, weil sie jeden Lesenden erreicht, aber zugleich jedem Lesenden ein persönliches Empfangserlebnis bietet.

Was immer man dieses Differenzierungsmodell erarbeiten will, ich bezeichne das Differenzierungsmodell selbst als die Medienqualität der Literatur. Das Sprechen von Literatur als Mittel bedeutet also, dass der Literaturtext die konstitutive Eigenschaft hat, die Geschlossenheit einer solchen Verschiedenheit zu schaffen. Nur beide Größen zusammen machen den Inhalt des Textes in literarischer und literarischer Hinsicht spannend.

Aber wenn man dies als Mediendimension auf der Grundlage dieses besonderen Differenzierungsschemas versteht, dann hat es einen Einfluss auf die Meta-Ebene der Literaturtheorie und der methodischen Standpunkte. Es ist meine feste Überzeugung, dass sich die Historie dieser Standpunkte als eine Folge von Aufstellungen darstellen lassen, in denen zwei Standpunkte immer wieder so in eine Differenzbeziehung eintreten, dass diese die Mediendimension des Literaturtextes widerspiegelt.

Man denke an solche Aufstellungen wie Intellektuelle Geschichte und Positivität, als hermeneutische und strukturalistische, als strukturalistische und poststrukturalistische, als hermeneutische und dekonstruktive, als literarische Psychologie und literarische Soziologie. Aus diesen Aufstellungen haben sich in einer einzigen Etappe auf der Zeitachse literartheoretischer Entwicklung meist unterschiedliche Alters- und Lebensspanne überlagert und stellen sich damit als differenzierte Möglichkeiten dar.

Die Konstellation muss auf die Medienstruktur des Texts zurueckgehen. Dies nicht notwendigerweise in einer Eins-zu-Eins-Beziehung, sondern immer mit Hinblick auf jene Neukonzeptionen der einen oder anderen Ebene, die die korrespondierende Literaturwissenschaft durchführt. So kann man also feststellen, dass jeder Interpretationsstreit auch ein Bild der Medienstruktur des Literaturtextes ist.

Die Geschichte der Kulturtheorie kann man noch weiter gehen und als kontinuierlichen Prozeß der Mediendifferenzierung nachvollziehen. Literartheorie ist eine Ausdrucksform der Medialität der Literatur. Mit dem Ende der Theorien wird die literarische Lehre zu einem Literatursymptom, zu einem Zeichen ihrer Literarität, mit anderen Worten: ihrer Medialität. Literarische Theorien sind nicht nur Gestaltungskonzepte für den Literaturtext, sondern ihre Konstellation sagt auch etwas über den Literaturtext aus.

Schliesslich kann der Disput zwischen den philologischen und kulturwissenschaftlichen Standpunkten als eine der letzen Variationen dieser Aufstellung auch hier klassifiziert werden, allerdings bereits auf einer übergeordneten Abstraktionsebene, da nicht nur zwei Interpretationsmöglichkeiten, sondern bereits zwei theoretische Grundpositionen, zum Beispiel im Hinblick auf den Begriff des Texts, gegenübergestellt werden. Wenn man das auf der Mediendisposition des Texts basierende Unterscheidungsschema ernst meint, wird deutlich, dass in einer Aufstellung die eine Hälfte ihre Konturen erst durch die andere erlangt.

Wird aus dieser Sicht klar, dass die Aufstellungen die Medienveranlagung des Texts widerspiegeln, also ein Dialektikspiel der Differenzierung, das an textliche Strukturen in unserer Unternehmenskultur geknüpft ist, dann können die beiden Niveaus, die Textebene des Objekts und die Meta-Ebene der Literaturtheorie, selbst in eine Differenzbeziehung gebracht werden, die als Medienstruktur interpretiert werden müsste.

Insofern wäre die jedenfalls symptomatische Literaturwissenschaft selbst ein Mittel, das die Medienstruktur des Texts sichtbar macht. Am wichtigsten scheint mir, dass auf dieser Stufe das VerhÃ?ltnis zwischen Wissenschaft und Theoriewiderstand auch als eine solche Medienstruktur interpretiert werden kann, was letztlich auf die Medienveranlagung des Texts zurÃ?ckzufÃ?hren ist.

Die Resistenz gegen die Lehre stellt sich somit als ein theoretisches Mittel auf der Grundlage der Medialität des Texts selbst dar. Theoretisch ist es, wenn man sowieso theorisiert. Theoretisch ist nichts anderes als sich selbst zu überwinden, die eigene Erinnerungen an die eigene Vergesslichkeit und das Selbstbewusstsein. Betrachtet man diese Lage als historische Perspektive, so ist die Lage "nach der Theorie" nichts anderes als die theoretische Ergänzung zu einer Zeit, in der die Theorien vorherrschten, manchmal so stark, dass sie den Standpunkt des Texts nicht mehr freigeben.

Das Ende der Theorien ist immer dann erreicht, wenn dieser Widerspruch nicht mehr ersichtlich ist. Ein theoretischer Ansatz nach dem anderen würde also in erster Linie den theoretischen Theoriewiderstand theoretisieren und funktionieren lassen müssen. Zum Schluss möchte ich ein prinzipielles Vorgehen umreißen, das als Voraussetzung für eine "Theorie nach der Theorie" genannt werden könnte.

Solch eine These muss eine dritte Stufe der Theorien sein. Sie muss anerkennen, dass sie selbst Teil einer Konstellationsstruktur ist, die auf eine konstituierende Textstruktur des (literarischen) Texts zurückgreift, d.h. dieses dialektische Spiel der Differenzierung, das sich im und mit dem jeweiligen Wort entfaltet. Eine medientheoretische Literaturwissenschaft ist dabei nicht nur eine andere Möglichkeit oder Stellung, sondern als medientheoretische auch eine Metametheorie.

Ein medientheoretischer Ansatz der Dichtungstheorie könnte eine theoretische Folge sein. Noch klarer: Die Lehre nach ihrem Ende ist eine medientheoretische Lehre und damit eine solche. Ich denke dabei an eine Literaturgeschichte, die als medienwissenschaftliche Wissenschaft, zum Beispiel mit Blick auf den Disput zwischen Sprach- und Kulturwissenschaften, nun genauso bemüht ist, diese medientheoretische Bedeutung der Literaturwissenschaften ernst zu nehmen. 2.

Literatur: Barners, Wilfried: Verliert die Literaturgeschichte ihr Thema? Eagleton, Terry: Theoretisch. Culler, Jonathan: Literarische Theorien. Was ist ein Literaturtext und was bedeutet es, ihn zu deuten? Die Widerstände gegen die Theorien.

Fachliteratur und Philosphie.

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