Internet Orakel

Das Internet-Orakel

Kostenloses und übersichtliches Online Orakelspiel mit einer Synthese aus Münzorakel / I Ging, Weisheitsorakel und Runenorakel. Man in Court: Internet-Orakel wird vor Gericht gestellt werden 22.12.2016Für Für wiederholt Betrügereien mit zweifelhaften Lebensprognosen auf seiner Website, ein 31-jähriger Mann muss sich nun vor Gericht verantworten. Frankfurt.

Betrügereien im Internet mit vermeintlichen âLebensprognosenâ steht seit Dienstag im Fokus eines Verfahrens vor dem Frankfurter Landgericht. In diesem Fall ist es nicht mehr möglich, eine solche Prognose zu erstellen. Der Angeklagte ist ein 31-jähriger Mann, der nach Angaben der Bundesanwaltschaft eine Website entwickelte, auf der die vermeintlich freien Prophezeiungen dargeboten wurden.

Schon im vergangenen Jahr mussten sich mehrere Mitbeklagte vor dem Frankfurter Landesgericht dafür zur Verantwortung ziehen. Diese wurden zu Bewährungsstrafen für bis zu 22 Monate Haftstrafen verurteilt. Es dauerte bis Anfang diesen Monats, bis die Judikative ihr Fühler in die USA ausdehnte â und den Arrest für den âWhitenerâ erhielt. Gegen dieses Orakel hat das Verfahren vor der Wirtschaftskriminalkammer des Landgerichts begonnen.

Angesichts der bis zur Jahresmitte geplanten 17 Tage konnte man sich unter ungefähres vor dem Sitzungsraum ein genaues Bild vom künftigen Gesicht der Bundesanwaltschaft und der Juroren machen. Ebenfalls die drei umfassenden Befangenheitsanträge der Verfechter zu Beginn der Verhandlungen nährten die Befürchtung, dass der Prozess nicht ohne Konflikt verlaufen wird über die Bühne.

âDieser Prozess ist ein unwürdiges Theaterstückâ, schrie der Rechtsanwalt â obwohl nicht einmal die Klage vorgelesen worden war. Auch wenn ihnen âfull Gleichgültigkeitâ und ânotorische Schmallippigkeitâ bescheinigt worden waren, lieÃ?en die Juroren die Stimmung nicht nachlassen. Die wünschten bis zum nächsten Verhandlungstermin am Freitag, den10. Jänner, eine gute Zeit und sagten: "Aufwiedersehen, wenn wir dann noch da sind zuständig".

Die neue Internet-Oracle | Technology Revue

Die FAZ berichtete, dass die Firma "Recorded Future" wieder einmal für Aufsehen sorgte: Sie arbeite an einem Programm zur sogenannten "Predictive Modeling" - aus der automatischen Auswertung großer Datenmengen von Internet-Suchanfragen, Blog-Artikeln, News oder Ähnlichem könne die Firma vermeintlich Tendenzen und Weiterentwicklungen vorhersehen. Dass es solche Programme gibt, ist nichts Neues.

Der Clou ist jedoch, dass sowohl die Firma "In-Q-Tel" als auch die Firma in Recorded Future investiert haben. Wird das Internet-Orakel von den Google-Priestern aufgebaut? Unsere Entscheidung basiert stets auf dem, was wir zu wissen meinen - bereichert mit mehr oder weniger unbestimmten Gefühlen und unscharfen Erlebnissen.

Diese kognitive Hektik lässt uns meist unbestechlich eine Selektion von wirklich "relevanten" Tatsachen aufstellen. Deshalb arbeitet man immer wieder mit lückenhaften Angaben, mit Tatsachen, die mehr neue Fragestellungen hervorrufen, als sie tatsächlich beantwortet werden können. Wie komplett muss dagegen "vollständige Information" sein, um ein "Recht" - d.h. ein der Realität entsprechendes Weltbild - auf dessen Grundlage zu malen?

Angenommen, diese Anlage wäre in der Lage, einwandfrei zu erlernen und alle fehlende Information zu erhalten, die sie nicht sehr zeitnah hat. Um eine sehr einfache und vernünftige Wahl zu fällen, müßte diese Anlage fast alles über die ganze Erde erfahren - das Problem tritt in der Kunstintelligenz unter dem Schlagwort "Erdungsproblem" auf.

Gewöhnlich jongliert man mehr oder weniger gekonnt mit Statistikmethoden, d.h. man lebt damit, dass man nicht alles über die ganze Erde weiss, aber man kann die vorhandenen Tatsachen mit "Fakten, die xy-prozentig richtig sind" ausfüllen. Doch was für ein Realitätsbild entsteht, wenn ein System wie "Recorded Future" seine Daten aus dem Internet bezieht?

Zum Beispiel, wenn die Anwendung auf der Grundlage der verfügbaren Informationen, die besagen, dass die Irans in drei Monate eine Nuklearbombe haben werden, wird diese Vermutung bei der folgenden Suche als zutreffend erachtet? Aus diesen Fragestellungen lassen sich im Grunde genommen einfache und klare Prognosen ableiten: Das große Softwareorakel hat nur dann eine Möglichkeit, sich nicht in Verlegenheit zu bringen, wenn es wie alle seine geschichtlichen Vorläufer voranschreitet: immer so ungenau und mehrdeutig wie möglich zu sein.

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