Esoterisch Exoterisch

Exoterisch Exoterisch

einige von Aristoteles' Lehren als "esoterisch" und andere als "exoterisch". Die Esoterik ("nach innen gerichtet") sollte, wie der Name schon sagt, eine innere Angelegenheit sein. Keyserling, Arnold. Von Pythagoras kommt die Trennung zwischen exoterisch und esoterisch; nach Ansicht zeitgenössischer Autoren bestimmt sie den Abstand zwischen dem Innenkreis der Studenten, die das Wissen besitzen, und dem Außenkreis, der zwar an der Lehren Pythagoras' interessiert ist, aber nicht am Liebesbündnis teilnimmt.

Allerdings geht diese Vorschrift nicht zum eigentlichen Sinn der Sache, sondern nur zu externen Umständen; vieles von dem, was über die tatsächliche Doktrin des Pythagoras geschrieben wurde, hat sich nun als Verfälschung, wenn nicht absichtliche Täuschung erweisen. Exotisch für die Pythagoräer die quantitativ begründete Erläuterung der vielfältigen Naturerscheinungen, d.h. die Erläuterung von Güte durch Menge; mit anderen Worten: die Rückkehr der Realität zu rechnerisch bestimmbaren Elementen und Gesetzen.

Zwischen Pythagoras und der modernen Wissenschaftsmethode hat sich nichts verändert, so dass der Philosoph zu Recht als Gründer der Mathematik gefeiert wird. Esoterik dagegen war die Konstruktion von QualitÃ?t aus dem Wissen um QuantitÃ?t. Wir kommen zu dem Bereich, der der modernen Forschung unbekannt ist.

Nekropsie, Astrophysik, Cabbalistik und Nummerologie werden schlecht als eklatanter Aberglaube verstanden; und die heutigen philosophischen Historiker schlagen gewöhnlich eine bedauerliche sympathische Note an, wenn sie darüber berichteten, dass Pythagoras und später auch Newton und Cepler diese Bereiche sehr ernst nahmen. Durch ihre einseitige, kognitive Haltung übersehen die Forscher das Wesentliche: Alle geheimen und geheimen Bereiche sind keineswegs Erkenntnisformen im wissenschaftlichen Sinne, sondern Methoden der Gestaltung; der Ansatz, die vielfältige Wirklichkeitswelt durch Bildende Künste zu humanisieren.

Man kann nur das personifizieren, was man als Ganzes verstehen oder in das transformieren kann, was der Schöpfer selbst erfährt. So ist die esoterische Doktrin des Pythagoras keine wertlose Naturwissenschaft, sondern eine philosophische Art, wie der Mensch durch das Wissen um die vereinheitlichenden Gesetzmäßigkeiten der Realität zu einer eigenen Form gelangen kann, die ihn zugleich auch von einer Vielzahl in eine Geschlossenheit transformiert, wie es die frühmystischen Weltreligionen auf dem Weg der Meditation anstreben.

Nummer eins ist nicht nur das Sinnbild, sondern auch die Essenz der Einigkeit. Was ist mit anderen Nummern, drei, vier, fünf oder sogar Pausen wie ½? Was ist mit der Nicht-Zahl, der Null als Herkunft aller Nummern? Pythagoras hat hier nun auf veraltete Art und Weise eine Herangehensweise gefunden, die erst um 1890 von dem bereits genannten Denker und Denker, dem er seine Hauptaugenmerk widmete, erforscht wurde.

Eine Behauptung ist jedoch eine Vielzahl, da sie aus Wörtern zusammengesetzt ist; Pythagoras versuchte daher im Umkehrschluss, die axiomatischen und formalen, arithmetischen und geometrischen Zusammenhänge aus einem Dezimalsystem herzuleiten, das Platon in einer verschlüsselten Gestalt in seinem Gespräch mit Timaios als das Qi bezeichnet, mit dessen Hilfe die Demiurgie die Erschaffung bewirkte. Erst in der Anzahl kann die Bewusstseinseinheit verstanden werden.

Sind Nummern die Überträger des Entwurfsprozesses oder der Erstellung, so müssen auch alle numerischen Beziehungen rechnerisch und räumlich koordinierbar sein. Auch der Satz des Pythagoras bringt irrationale Werte hervor: Im rechtwinklig zueinander stehenden gleichschenkeligen dreieckigen Bereich ist die Addition der Katheterquadrate zwei, also die Hypothenusenlänge; ein Betrag, der wahrscheinlich zwar in geometrischer, aber nicht in arithmetischer Hinsicht aussagefähig ist.

Pythagoras löst dieses Problem durch die Welt des Klangs. In der Antike waren Klang und Nummer nicht voneinander zu trennen; Klang wurde als der sensibel spürbare Faktor der Nummer angesehen, als der einzige, der unter den sinnlichen Daten klar bestimmt werden kann; in den Obertöne, z.B. B. Die halben Streicher klingen als Oktav, zwei Terzen als Quint, drei Quartale als Quart, vier Quinten als große Terz und fünf Quinten als kleine Terz; die Vibrationswerte entsprechen den Längenkombinationen; die Halbsaite ist eine Doppelschwingung und so weiter.

All diese Bedingungen können im so genannten Lambdom, dem niederen Bereich des pythagoreischen Chis, beobachtet werden. Aber auch die Welt des Klangs bringt Dilemmata mit sich, die Pythagoras selbst entdeckt hat. Für Pythagoras waren diese vier Ziffern auch die heiligen Zehner. Das, was sich in den zwölf Tönen des Kreises integrieren lässt, lässt sich auf das Eine als Schöpfungsprinzip zurückführen und damit vom Menschen als Ganzes gestalten.

Eine aus dem Qi konstruierbare Gestalt des Qi vereinigt in architektonischer Hinsicht Triangel, Quadrilateral und Zirkel, aus denen später alle gothischen Bauwerke durchdacht wurden. Aus den ersten zehn Ziffern und Null ergeben sich rechnerisch alle Formen und Achsen; die Umlaufbahn der Erde und der Sterne im Sternzeichen kann mit dem Klangkreis in Einklang gebracht werden: Nach Pythagoras sind sie die Symbiose der Kugeln.

So wurde das pythagoreische Weltbild zum Kunstkanon im weiteren Sinne, von Literatur über Literatur und Literatur bis hin zu astrologischer Lebensgestaltung und staatlicher Planung; was in das Weltbild einzustufen war, konnte vom Menschen zur Einigkeit werden.

Exoterik kann von Menschen aller Art erforscht werden. Deshalb hing der Zugriff auf esoterische Studien von rigorosen Versuchen und Versuchen ab, um die Ernsthaftigkeit der Bemühungen zu demonstrieren; in der pythagoreischen Waldorfschule mussten die Eingeweihten sieben Jahre lang still lauschen, bevor sie in den Esoterikkreis aufgenommen wurden.

Diese Pythagoras korrespondieren weniger mit den sagenumwobenen Nummernkategorien der christlichen Weltanschauung - obwohl dort die selbe Absicht bestand - als mit den Parameter und Festwerten der heutigen Naturwissenschaften, die auch heute noch aus Pythagoras Qi abgeleitet werden können. Aber es gibt einen essentiellen Unterschied: Nicht nur um die Kontrolle der Materie, sondern auch um die Einbindung des Bewusstseins, der innerlichen Einigkeit zu erreichen, sollte das Zahlenstudium helfen.

Das drückt sich nun viel deutlicher in der neoplatonischen Neubelebung des pythagoreischen Bündnisses im griechischen Alexandria und insbesondere in der davon angeregten Christianisierung des zweiten bis fünften Jahrtausends aus. Die pythagoreische Lehren zielen auf die Erlangung eines neuen Bewusstseins; heute würden wir die Ausführung der biologisch-geistigen Mutationen nennen, dank derer der Mensch sowohl zum Herren der Schöpfung als auch zum Herren seiner selbst, seiner Impulsivität, vordringen kann.

Die esoterische Lehre - die neue platonische Mythologie mit ihren Meditationspfaden, die juedische Kabbalah, die aegyptische Alchimie und die ptolemaeische Astrophysik hatten sich in der Zwischenzeit mit dem Pythagoräischen zusammengeschlossen - war in der Christengnost.

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