Die Seele Heilen

Heilung der Seele

Durch Schocksituationen können unsere Seelen gespalten werden. Wir alle kennen das Gefühl der verwundeten Seele. Es vernachlässigt den wichtigsten Faktor, die Seele.

Heilung des Körpers durch die Seele

Prof. Christian Schubert ist Leiter des Labors für Neuroimmunologie am Institut für Klinische und Psychologische Diagnostik der Universitätsklinik Innsbruck. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf den Behandlungsmöglichkeiten und der Heilung körperlicher Erkrankungen durch psychotherapeutische Maßnahmen. Auf dem Patientenkongress der Biologischen Krebsvorsorge hält Prof. Schubert den Fachvortrag "Psychoneuroimmunologie - Kann der Glauben heilen?

Sehr geehrter Prof. Schubert, Sie beschäftigen sich mit der Psychooneuroimmunologie, kurz: PNI. Ich beschäftige mich mit den Interaktionen zwischen Seele, Nervensystem und Abwehrsystem. Hormone sind in diesem Kontext auch ein wichtiges Kommunikationsmedium. PLI ist Teil der heutigen psychosomatischen Lehre, die sich mit den Verbindungen zwischen der Seele (Psyche) und dem Organismus (Soma) auseinandersetzt.

Die Tatsache, dass Seele und Leib miteinander verbunden sind, ist eine volkstümliche Weisheit, die in der praktischen Anwendung der Heilkunde bisher wenig beachtet wurde. Bei unseren Bemühungen, alles zu vereinheitlichen, ignorieren wir bisweilen die Tatsache, dass Menschen psychischen Stress anders bearbeiten und auf Stress mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten ansprechen. In wissenschaftlichen Untersuchungen werden häufig Zusammenhänge zwischen schädlichem Benehmen und der Entstehung von Erkrankungen festgestellt.

Forschungsresultate der PNI haben gezeigt, dass ungünstige Kindheitsverhältnisse und ernsthafte Erfahrungen sehr wahrscheinlich zu ungesunder Verteidigung beitragen. Gewisse Blutwerte beweisen diese langjährigen Beziehungen. Viele von uns erlebten jedoch schwere Kindheitsphasen, aber nicht alle von uns werden später schwer erkrankt. Die Thematik Stress ist seit vielen Jahren Gegenstand intensiver Forschung.

Vor und während der Entbindung, im Kindes- und Jugendalter geht das Abwehrsystem durch gewisse Entwicklungsstadien, die für eine spätere Belastungsreaktion von Bedeutung sind. Nicht jeder Streß in der Kinderzeit verursacht eine traumatische Reaktion mit nachhaltigen Konsequenzen. Zu viel Kortisol wird in der Entwicklungsphase freigesetzt, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen entzündungshemmender und entzündungshemmender Substanz herstellen soll.

Das Ungleichgewicht von Hormonen und Botenstoffen hat Langzeitwirkungen. Gesundheits-Tipps, die Stress beiseite lassen, sind allenfalls gegenstandslos. Inwiefern kommt der PNI zu seinen Schlussfolgerungen über die Wirkung von Stress auf die Entstehung von Tumoren? Komplizierte regulatorische Mechanismen sind an ganz gewöhnlichen Stress-Reaktionen beteiligt, bei denen das Immunsystem gewisse Stoffe auslöst.

Bei akuter Gefährdung ist eine kurzfristige Infektion eine physiologische, sie schützt den Organismus: Im Fall einer Schädigung kann der so präparierte Leib schneller agieren. Cortisol und andere hormonelle Stoffe sind ebenfalls an der Stress-Reaktion mitbeteiligt. Man weiß, welche Stoffe der Koerper in welcher Zeit ausloest. Liegt eine langfristige Erkrankung des Immunsystems vor, bei der ein erhöhter Cortisol- und TH2-Wert bei gleichzeitiger Senkung der TH1-Werte vorliegt, erhöht sich das Erkrankungsrisiko.

Während längerer oder übermäßiger Belastung kann die hormonale Regulierung der Belastungsreaktion nahezu zusammenbrechen. Die Folge ist die gleiche: Auf Dauer setzt sich die Entzündung im Organismus fest. Was für psychische Belastungen verursachen ungesunde Reaktionen im Organismus? Sie hören immer, dass ein gewisser Streß nicht so schlimm sein sollte....

Es geht um die Wechselwirkung zwischen Seele und Leib. Bis jetzt ging es nur darum, wie die Seele den Leib mitbestimmt. Auch die Seele ist in der Lage, auf die Freisetzung bestimmter Substanzen im Organismus zu reagieren. Das, was wir in der Seele erfahren, gleicht den Depressionen. Cytokine, die vom Organismus selbst freigesetzt werden, können auch zu einem "Krankheitsverhalten" beitragen, wenn die langfristige Immun-Aktivierung im Patient auf die individuellen Anfälligkeiten stößt.

PetRa Weiß war im Gespräch mit Prof. Christian Schubert für Signale 4/2015.

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