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Dieses Werk ( 10 Bände je 450 Seiten, entstanden: 1851-64 ) bildet
das Herz- und Hauptstück der Gottesbotschaft durch Jakob Lorber.




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Nachwort zu "Das Große Evangelium Johannes":

Nachworte haben die Aufgabe, das bereits Geschriebene zusammenfassend zu bedenken und eine Hilfe für die Verarbeitung, das Weiterdenken und Weiterfühlen zu liefern. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Was hat sich eigentlich noch alles nach der Niederschrift der zehn Bände des Großen Evangelium Johannes ereignet?

Die Verkündigung (Caravaggio)Das insgesamt zehnbändige Werk "Das Große Evangelium Johannes" wurde 27 Jahre nach seiner Niederschrift durch den Schreibknecht Jakob Lorber ( 1800-1864 ) von anderer erweckter Hand zu Ende geführt. Im Jahr 1891 empfing Leopold Engel ( 1858-1931 ) mit 33 Jahren die Berufung, "Das Große Evangelium Johannes" durch einen elften Band zu vollenden. Er führte diesen Auftrag mit Unterbrechung bis zum Jahr 1893 aus.

An dieser Stelle ist noch anzumerken, dass die letzten ca. 100 Kapitel im zehnten Band vom Großen Evangelium Johannes nicht mehr von Jakob Lorbers eigener Hand niedergeschrieben wurden, da dieser in der letzten Zeit seines Lebens an der gichtischen Wassersucht litt. Das von Jakob Lorber Gehörte musste deshalb von jemand anderem, zum Beispiel vom Geistesfreund Anselm Hüttenbrenner ( 1794-1868 ), dem Direktor des steiermärkischen Musikvereins, zur Niederschrift diktiert werden.

Das Diktat zum "Großen Evangelium Johannes" endete, soweit es durch Jakob Lorber gegeben wurde, im zehnten Band mit den bedeutsamen Worten: "Wenn kein Mensch mehr die Wahrheit suchen wird, so geht alles Bestehende auf dieser Erde in eine Art Fäulnis und Verwesung über ..." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 10, Kap. 244, V. 12 )

Und in diesem Satz setzt der elfte Band zum "Großen Evangelium Johannes" mit folgenden Worten fort: "... denn nur in der Wahrheit allein ist das Leben. Deshalb ist das Suchen nach dieser die einzig beseligende Tätigkeit, die des Menschen Herz erwärmt und den in ihm wohnenden göttlichen Geist immer mehr und mehr erweckt." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Kap. 1, V. 1 )

Bei Leopold Engel, dem Schreiber des elften Bandes, steht im Vordergrund, dass man das "Innere Wort der Wahrheit" in sich selbst erweckt. Es wird genaugenommen unterschieden zwischen der "Wiedergeburt der Seele" ( es ist hier die Gewissensansprache gemeint ) und der "Wiedergeburt des Geistes" ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Kap. 51, Vers 13 ), wobei die "Wiedergeburt der Seele" die Vorbereitung zur "Wiedergeburt des Geistes" darstellt.

Die erste Wiedergeburt ( "Wiedergeburt der Seele" ) gilt all denen, die dem Worte Christi nachfolgen und danach trachten, Gottes "Willen aus Liebe und zum Nutzen des Nächsten zu erfüllen. Die Mittel, um zum Ziele zu gelangen, heißen Glaube und wahre Liebe zum Nächsten." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Kap. 52, V. 1 ) Wer demnach sein Inneres lebendig macht und die Seele völlig dem Geiste unterordnet, so dass der Geist die Seele ganz durchdringt, der kann teilnehmen am Allbewusstsein des Geistes.

Nach Emanuel Swedenborg ( 1688 - 1772 ) befindet sich ein solcher Mensch in der geistigen Kirche ( "Wiedergeburt der Seele" ), über die er schreibt: "Die geistige Kirche ist so beschaffen, dass der Mensch durch Glaubenslehren neu geboren wird. Wenn diese eingepflanzt sind, wird ihm ein Gewissen eingeflößt, dass er nicht dem Wahren und Guten des Glaubens zuwider handle." ( Himmlische Geheimnisse, 765 )

Als Swedenborgs Glaubenslehren von Himmel und Hölle, seine Gespräche mit Geistern und Engeln bekannt wurden, stand die Gelehrtenwelt Kopf. Wie konnte ein Gelehrter wie Swedenborg Dinge behaupten, die man bis dahin in die dunkle Kammer der Hexen und Irren verbrannt hatte und für die erst recht kein Platz war in einer wissenschaftlich aufgeklärten modernen Welt.

Der Philosoph Immanuel Kant ( 1724-1804 ) betrachtete Swedenborgs Jenseitsschau als "Träume eines Geistersehers" von der "abenteuerlichsten und seltsamsten Einbildung". Als Jakob Lorber die großen Jenseitsführungen offenbart wurden, durfte er sie zunächst nicht veröffentlichen, da die Welt dafür zu "dumm" sei.

In diesen Jenseitsführungen wird der Weg der Menschenseele hin zur Geistseele dargestellt ( "Wiedergeburt der Seele" ). Wenn sich im Diesseits und im Jenseits der Mensch das göttliche Wort innerlich aneignet und nach diesem wirklich lebt, wird er selbst zur heiligen Gottesschrift: Wer sich Gott über Sein Wort naht, dem naht sich Gott. Denn Seine Liebe kommt dem strebenden Menschen entgegen.

Ganz anders ist dagegen - nach Swedenborg - der Weg des Menschen der himmlischen Kirche ( "Wiedergeburt des Geistes" ): Dieser erfährt nämlich seine Lebensorientierung nicht so sehr aus der Weisheit und der angelernten Erkenntnis heraus, sondern vielmehr unmittelbar aus der inneren, geistig von Gott empfangenen Liebe.

Swedenborg nennt diese Lebensorientierung: Das "Innewerden" und schreibt: "Innewerden ist nicht Gewissen: Innewerden haben die Himmlischen, Gewissen die Geistigen." ( Himmlische Geheimnisse, 597 ) Und einige Kapitel weiter erfährt der Leser über die geistige Kirche: "Denn der Mensch der geistigen Kirche weiß nichts, als was er lernt. Und was er so weiß, behält er, und glaubt, es sei wahr." ( Himmlische Geheimnisse, 895 )

Demnach handelt der Mensch der geistigen Kirche ( "Wiedergeburt der Seele" ) nach dem Gewissen und der Mensch der himmlischen Kirche ( "Wiedergeburt des Geistes" ) nach dem "Innewerden" ... und dies ist keine Gesetzes-Kirche, deren Denken vor allem an bestimmten Geboten und Sitten, am konkreten Opferkultus, haftet. Denn eine solche Kirche wäre eine reine Verstandeskirche, in der alles allein über vorgegebene Gesetze entschieden wird.

Das heißt: Erst durch das Horchen auf die Stimme des Gewissens wird der Mensch wahrhaft frei ... und frei ist man, wenn man in dieser Geistkirche nicht den eigenen Begierden folgt, sondern das für einen Wesentliche erfüllt. Ein wahrhaft freier Mensch, der auf Gott hört, wird vom Heiligen Geist geführt ... und dies ist quasi eine Form der "Geburt von oben her" beziehungsweise die Geburt der Geistseele im Menschen, das Wirklichwerden der Gottessohnschaft und zugleich das Kommen des Reiches Gottes.

In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Der lebendige Geist im Menschen ist eben Meine ewige Liebe und Weisheit, die alles schafft, ordnet und erhält; und dieser Geist ist der eigentliche wahre und in sich schon ewige Mensch im Menschen, der sich aber nach Meiner ewigen Ordnung in ihm erst mit der Zeit, der Selbständigwerdung halber, mit Seele und Leib umkleidet und so in eine äußerlich beschauliche Form tritt." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 9, Kap. 85, V. 10 )

Durch den Heiligen Geist erkennt und wirkt Gott alles. Auf Ihn beruht Gottes Allgegenwart, Allwissenheit und Allwirksamkeit. Von daher vermag auch der Mensch der himmlischen und der geistigen Kirche Gott nur deshalb zu erkennen, weil er selbst von Gott schon erkannt und gefunden ist. Das Gottesbild im Menschen, der Mensch in Gott, der Menschensohn, ist somit nicht nur ein Weg, sondern der einzig mögliche Weg des Menschen zu Gott. Es heißt hierzu im Neuen Testament ( Johannes 14, 6 ): "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als durch Mich."

Gemäß dem Weg der "Wiedergeburt der Seele" ist dieser Satz Jesu nicht so sehr auf die historische Offenbarung Gottes in Jesus von Nazareth zu beziehen, sondern vielmehr auf das innere Gottes-Ich, auf das Gewissen, das zwar in Jesus von Nazareth in besonderer Weise leiblich inkarniert war, aber auch als göttlicher Funke in jedem einzelnen Menschen lebt. Demnach sollte der Mensch sich nicht von Menschen ( und ihrer Theologie ) abhängig machen, sondern allein auf Christus hören, dem inneren Meister, der zu jedem in den leisen Impulsen des eigenen Herzens spricht. Das heißt: Der Mensch, der sein Urbild, sein Gottes-Ich, gefunden und geschaut hat, der kennt auch den Vater. Wo das Urbild im Menschen aufleuchtet, da wird durch das Urbild hindurch Gott selber im Menschen sichtbar. In diesem Sinne kann Jesus sagen ( Johannes 14, 9 ): "Wer Mich gesehen hat, hat den Vater gesehen."

Durch den Sohn Gottes sollen alle Menschen Zugang finden zu dem verborgenen Allerheiligsten des Vatergottes. Der Sohn führt Gott aus der Verborgenheit heraus. Im Sohn wird der Vater allen Menschen offenbar. Denn Jesus Christus ist Gott und Mensch zugleich. Hierzu schreibt der Mystiker Meister Eckehart ( 1260-1328 ): "Gott ist nicht allein Mensch geworden in einem Einzelnen, Er hat menschliche Natur angenommen - wohnt also in jedem Menschen. Ich behaupte zuversichtlich: Alles Gute, was alle Heiligen besessen haben, auch Christus nach Seiner Möglichkeit, das ist in dieser Natur auch mein Eigen. Nun könnt ihr mich fragen: Wenn ich in dieser Natur schon alles besitze, was Christus nach Seiner Menschlichkeit mir zu bieten vermag, wie kommt es denn, dass man Ihn so hoch stellt und Ihn verehrt? Das kommt daher, dass Er ein Bote gewesen ist von Gott zu uns und uns unsere Seligkeit bewusst gemacht hat: Die Seligkeit, die Er uns brachte, die war unser."

So ist also das Gewissen ( auf dem Weg der "Wiedergeburt der Seele" ) einerseits hoch über alle Menschen erhaben, andererseits allen Menschen innig verbunden. Dieses Gewissen ist nicht nur einmal Fleisch geworden in Palästina, sondern Es wohnt auch geistig jedem Menschen inne ... und da, wo das Urbild, der Menschensohn, im Menschen aufleuchtet, da wird durch dieses Urbild hindurch auch Gott dem Menschen sichtbar: Wer den Menschensohn sieht, der sieht den Vater. Denn nur über das Urbild, über den Menschensohn, führt der Weg zu Gott.

Vor diesem Hintergrund sagt Jesus im Neuen Testament ( sinngemäß ): Die Menschen sollen den Nächsten lieben und für ihn sorgen, weil man in ihm letztlich Jesus selbst begegnet ( Matthäus 25, 45 ).

Und Benedikt von Nursia ( 480-547 ) hat diese Botschaft Jesu konkretisiert, indem er die Mönche aufforderte, in jedem Menschen Jesus zu sehen. Das bedeutet für Benedikt, dass die Mönche den anderen nicht auf das äußere Erscheinungsbild festlegen, sondern dass sie durch die Fassade hindurchschauen und den eigentlichen Kern entdecken, den guten Kern, den göttlichen Funken, letztlich das Bild Jesu, das in jedem Menschen aufleuchtet. Das führt zu einem anderen Umgang miteinander, zu einem Umgang, der von Ehrfurcht geprägt ist und von einem Glauben, der niemand aufgibt, der selbst noch im Verbrecher den guten Kern sieht und ihn aus ihm herauslocken möchte.

Hierzu heißt es bei Emanuel Swedenborg : "Allgemeine Meinung ist heut zu Tage, dass jeder Mensch in gleicher Weise Nächster sei, und dass man einem jeden, der Hilfe bedarf, wohltun solle. Allein es ist Aufgabe der christlichen Klugheit, wohl zu untersuchen, wie das Leben eines Menschen beschaffen ist, und die Liebtätigkeit dem gemäß zu üben: Der Mensch der innern Kirche tut es mit Unterscheidung, sonach mit Einsicht; der Mensch der äußern Kirche hingegen, weil er die Dinge nicht so unterscheiden kann, tut es ohne Unterschied." ( Vom Neuen Jerusalem und seiner Himmlischen Lehre, 85 )

Und an anderer Stelle schreibt Swedenborg: "Ein teuflischer Mensch kann ausrufen: "Ich bin dein Nächster, tue mir Gutes." Und wenn du ihm Gutes tust, mag er dich und andere töten. Du gibst ihm ein Messer oder ein Schwert in seine Hand. Einfältige Leute handeln so. Sie sagen, jeder ist in gleichem Maß der Nächste; und es sei daher nicht ihre Sache, seine Beschaffenheit zu erforschen. Gott aber betrachtet das nur wie bloße Hilfe, die einem wilden Tier, als dem Nächsten, geleistet wird. Wer den Nächsten aus echter Liebtätigkeit liebt, forscht danach, was der Mensch ist, und tut ihm Gutes mit Unterschied, je nach der Beschaffenheit seines Guten ... Denn die echte Nächstenliebe ist vorsichtig und weise." ( Die Lehre von der Liebtätigkeit, 21 )

Und an anderer Stelle präzisiert Swedenborg: "Viele meinen, die Liebe gegen den Nächsten sei, den Armen geben, dem Dürftigen Hilfe leisten, und einem jeden Gutes tun. Liebtätigkeit ist aber, mit Klugheit zu Werke gehen, und um des Zweckes willen, dass Gutes daraus entstehe. Wer einem Böses-Tuenden Armen oder Dürftigen Hilfe leistet, der tut durch ihn dem Nächsten Böses, denn durch die Hilfe, die er leistet, bestärkt er ihn im Bösen und verschafft ihm Mittel, andern Böses zu tun. Anders ist es bei dem, der dem Guten Beistand leistet.

Allein die Liebtätigkeit erstreckt sich viel weiter, als auf die Armen und Dürftigen. Denn Liebtätigkeit ist, recht tun in jedem Werk, und die Pflicht in jedem Beruf. Wenn zum Beispiel der Richter das Gerechte tut um der Gerechtigkeit willen, so übt er Liebtätigkeit aus. Wenn er den Schuldigen straft und den Unschuldigen freispricht, so übt er Liebtätigkeit aus, denn so sorgt er für den Mitbürger und für das Vaterland." ( Vom Neuen Jerusalem und seiner Himmlischen Lehre, 100-101 )

Während demnach die "Wiedergeburt der Seele" sich mehr mit der christlichen Ethik beschäftigt, ist die "Wiedergeburt des Geistes" dagegen "nur möglich durch den Glauben an Mich ( Jesus Christus ), dass Ich wahrlich bin Christus, der Gesalbte, dem alle Kraft und Herrlichkeit des Vaters ist gegeben worden." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Kap. 52, Vers 6 ) Die "Wiedergeburt des Geistes" bedeutet demnach die Salbung durch den Heiligen Geist ( denn es heißt hier: "Christus, der Gesalbte": In der "Wiedergeburt des Geistes" wird demnach der Täufling gestärkt durch die Salbung mit dem Heiligen Geist, die ihn hineinnimmt in das göttliche Leben der Geistkirche: Der Täufling wird hier mit dem Geist Jesu Christi erfüllt, so dass er mit Seiner Art spricht und die Menschen mit Seiner Ausstrahlung begegnet. Denn im Heiligen Geist wird der Täufling - wie man im mittelalterlichen Latein sagt - zum "alter Christus", zu einem anderen Christus. ) Jesus sagt weiter: Jeder, der nach der "Wiedergeburt des Geistes" strebt, der versenke sich "in das Innere des Geistes ... ( Denn ) dieses Versenken habe Ich ( Jesus Christus ) euch anempfohlen als ein geeignetes Mittel, ... damit ... ihr an euch erfahret, was der Geist alles offenbaren kann." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Kap. 52, V. 16-17 )

Die Offenbarungsmethode bei Leopold Engel unterscheidet sich grundlegend von der bei Jakob Lorber. Während bei Leopold Engel die göttliche Inspiration spricht, ist es bei Jakob Lorber die ( eher plötzliche ) Wahrnehmung der göttlichen Stimme - wie bei einem Propheten des Alten Testaments ( 5. Moses 18, 18 ). Jakob Lorber wurde demnach eher unerwartet berufen, während sich bei Leopold Engel die Wahrnehmung zwischen Gedankenübertragung und Psychographie bewegt. ( Zur Gedankenübertragung und Psychographie bedarf es, dass man seine vorhandenen Sinne schärft - also musste Leopold Engel höchstwahrscheinlich üben, üben, üben. )

Vor diesem Hintergrund stellt sich die "Wiedergeburt der Seele" im elften Band als eine Lebensgemeinschaft Jesu Christi mit Seinen vollendeten Jüngern dar, denen Er mit Hilfe Seines verklärten und vergeistigten Leibes begegnet ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Kap. 50, V. 13 ). Es heißt hierzu im elften Band: "Sehr wohl werden nach Mir noch viele die "Wiedergeburt der Seele" erreichen können, daher auch sehr selig und glücklich sein, ohne aber diese höchste und letzte Stufe zu erringen. Viele Abgesandte Meines Geistes kamen zur Erde nieder und zeigten den verirrten Menschen die Wege, wie sie zum Frieden und zur inneren Erleuchtung gelangen konnten, ohne aber imstande zu sein, die direkten Wege zu Mir zu zeigen, weil diese ja noch nicht geöffnet waren. Alle, welche also die früheren Wege wandeln wollen, können daher sehr wohl zur "Wiedergeburt der Seele" gelangen, aber nicht zur Gemeinschaft mit Mir." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Kap. 52, V. 5 )

Der Psychologe Carl Gustav Jung ( 1875-1961 ), der die christliche Lehre psychologisch zu deuten versuchte, nennt hierzu die Begriffe "Ich" und "Selbst" ( und beschreibt mit diesen meines Erachtens die "Wiedergeburt der Seele" ). Nach C. G. Jung beginnt das Leben damit, dass das "Ich" alles besitzen will: Der Mensch muss in der ersten Lebenshälfte ein starkes "Ich" entfalten, um es dann in der zweiten Lebenshälfte loszulassen. Das Ziel dieses Loslassens ist, das "Selbst" zu entdecken, das innerste Wesen des Menschen, in dem sich zugleich Gott selbst ausspricht. Menschwerdung heißt daher für C. G. Jung "Selbstwerdung": Jeder soll der einmalige Mensch werden, als den Gott ihn geschaffen hat.

Benedikt von Nursia, dessen Mönchsregel mit den Worten: "Höre, neige das Ohr deines Herzens" beginnt, will in seinem Kloster eine Schule des Hörens errichten, in der man sich übt, auf die Stimme des Herrn zu hören, die einen einlädt und die das Beglückendste des Lebens ist. So wartet der Mönch auf die Stimme Gottes, die zu einem spricht. Er betet und ruft Gott an, nicht mit den eigenen Worten, sondern mit dem Wort, das Gott ihm vor allem in den Psalmen gibt.

Das Schweigen ermöglicht dabei dem Mönch das Hören des Segenswortes Gottes. Und so erwächst in ihm, der das Wort Gottes erhört und den Geist Gottes empfangen hat, die Antwort aus dem Schweigen. All seine Kräfte und all seine Tätigkeit dient nun der Verherrlichung Gottes.

Die innere Sammlung und Meditation, das Hören auf das Wort des Herrn, das innere Wort, das ist die Vorbedingung für alles echte Tätigsein. Beides gehört zusammen: Das Wirken nach außen, das tätige, hilfsbereite Wirken am Nächsten und die innere Sammlung, das Lauschen auf das Wort des Herrn. Auf diese Weise gewinnt das Leben und die Welt des Mönches Gestalt. Denn Gott setzt den Mönch "in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und hüte" ( 1. Mose 2, 15 ).

Der Mensch, der in diesem Sinn geistig hören, das Wort des Herrn in sich wahrnehmen kann, der kann auch wahrhaft geistig sprechen, mit Gott sprechen, also beten. Die Voraussetzung für ein wahres Gebet ist die meditative Versenkung ins eigene Innere, das Horchen auf das Wort des Herrn. Dadurch entwickelt sich nach außen eine Schönheit des Lobpreisens in Wort und Musik und eine Schönheit der Räume, der Mauern und Türme, der Bilder und Formen: Es ist die Schönheit des Gartens, der bebauten und gepflegten Erde.

Zu diesem Klosterleben heißt es bei Emanuel Swedenborg: "Einige glauben, es sei schwer, ein Leben zu führen, das in den Himmel bringt, und das man das geistige Leben nennt, und zwar darum, weil sie gehört hatten, dass der Mensch der Welt entsagen, und sich der Lüste, die man die des Körpers und des Fleisches nennt, entschlagen, und als geistig Gesinnter leben müsse; wovon sie sich keinen anderen Begriff machen, als dass sie die weltlichen Dinge, welche besonders Reichtümer und Ehrenstellen sind, verwerfen, beständig in frommer Betrachtung über Gott, über das Seelenheil und über das ewige Leben einhergehen, und das Leben in Gebeten, in Lesung des Wortes und frommer Bücher zubringen müssten. Dieses, meinen sie, heiße der Welt entsagen, und nach dem Geist, nicht nach dem Fleische leben. Dass aber die Sache sich ganz anders verhält, ist mir durch vielfältige Erfahrung und durch Unterredung mit den Engeln zu wissen gegeben worden. Ja sogar dass die, welche der Welt entsagen und nach dem Geiste leben in jener Weise, sich ein trauriges Leben anbilden, das für die himmlische Freude nicht empfänglich ist, da jeglichen sein Leben erwartet.

Dass aber der Mensch, um das Leben des Himmels in sich aufzunehmen, vielmehr gerade in der Welt und in Ämtern und Geschäften in ihr leben muss, und dass er dann durch ein sittlich und bürgerlich gutes Leben das geistige in sich aufnimmt, und dass nicht auf andere Weise das geistige Leben bei dem Menschen gebildet, oder sein Geist zum Himmel zubereitet werden kann. Denn ein inneres Leben ohne ein äußeres, ist wie in einem Hause wohnen, das keinen Grund hat, und dann allmählich sich senkt, oder Risse bekommt und aufklafft, oder schwankt, bis es zusammenfällt." ( Himmel und Hölle, 528 )

Und etwas weiter schreibt Emanuel Swedenborg zum Mönchsleben: "Es ward mir gegeben, mit einigen im anderen Leben zu reden, die sich von den Geschäften der Welt zurückgezogen hatten, um fromm und heilig zu leben, und auch mit einigen, die sich in mannigfacher Weise kasteit hatten, weil sie glaubten, dies heiße der Welt entsagen, und die Lüste des Fleisches zähmen. Allein da die meisten von diesen sich dadurch ein trauriges Leben schufen, und von dem Leben der Liebtätigkeit sich entfernten, welches Leben nur in der Welt geführt werden kann, so können sie den Engeln nicht beigestellt werden, weil das Leben der Engel in Folge der Seligkeit ein fröhliches ist, und in Leistung des Guten besteht, welches Werke der Liebtätigkeit sind.

Dies ist gesagt worden, damit man wisse, dass das Leben, das zum Himmel führt, nicht ein von der Welt zurückgezogenes, sondern ein Leben in der Welt ist, und dass ein Leben der Frömmigkeit ohne ein Leben der Liebtätigkeit, welches letztere allein in der Welt möglich ist, nicht in den Himmel führt, sondern das Leben der tätigen Liebe, welches Leben darin besteht, dass man in jedem Beruf, in jedem Geschäft, und in jedem Werk redlich und gerecht handelt aus dem Inwendigen, somit aus himmlischen Ursprung, ... welches den göttlichen Gesetzen gemäß ist. Dieses Leben ist nicht schwer." ( Himmel und Hölle, 535 )

Während sich hier also die "Wiedergeburt der Seele" in den Werten des Guten, Schönen und Wahren sowie durch gelebte Humanität und Sittlichkeit verwirklicht, bezieht sich aber die "Wiedergeburt des Geistes" allein auf die Person Jesus Christus ( "dem von Gott Gesalbten" ). In diesem Sinne gibt auch im Jahre 1938 der katholische Religionsphilosoph Romano Guardini ( 1885-1968 ) auf die Frage nach dem Wesen des Christentums die Antwort: Nicht eine bestimmte Lehre ist das Wesen, sondern eine Person: Die Person Jesu Christi.

Wenn demnach die "Wiedergeburt der Seele" mehr einer Wahrheitslehre folgt, liegt das Wesen der "Wiedergeburt des Geistes" in der dauerhaften Beziehung zu Jesus Christus ( "dem von Gott Gesalbten" ). Dies heißt aber nicht, dass die "Wiedergeburt der Seele" im elften Band des "Großen Evangeliums Johannes" eine Buchreligion ist, sondern sie ist eine Lehre des Lebens und der Kraft. Diese Lehre ist in etwa vergleichbar mit der Bibliotherapie ( "Die Heilkraft des Lesens" ), deren Ziele nicht darin bestehen, dass man sich nur Wissen anhäuft, sondern darin, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer positiven kognitiven und emotionalen Veränderung beim Lesen erhöht, man Wissen erwirbt, seine Einstellungen modifiziert oder sein Verhalten verändert.

Die Bibliotherapie soll demnach dem Leser Einsicht in sein Problem vermitteln, Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, ihm Vergleiche mit anderen Menschen ermöglichen und Mut zur Veränderung machen. In der Neuoffenbarung liest man hierzu: "Mein Wort ... macht den, der es empfängt und aufnimmt in aller Liebe, Dankbarkeit, Demut und lebendigem Glauben selbst ewig lebendig und somit in Mir schon hier wie vorzugsweise jenseits überaus selig." ( Der Saturn, Kap. 1, V. 14 )

Wo immer demnach die Neuoffenbarung mit bereitwilligem Herzen und unvoreingenommenen Verstand gelesen wird, da vollzieht sich bei einem Menschen ein Wandel von innen heraus, so dass es an anderer Stelle in der Neuoffenbarung hierzu heißt: "Selig, wer da liest und Gehör gibt dieser Weissagung und bewahrt, was in ihr geschrieben steht." ( Himmelsgaben, Bd. 2, Kundgabe v. 22.02.1842, V. 12 ) Aus diesem Grund heißt es gleich am Anfang der Neuoffenbarung: "So spricht der Herr für jedermann, und das ist wahr und getreu und gewiss:

Die Taufe ChristiWer mit Mir reden will, der komme zu Mir, und Ich werde ihm die Antwort in sein Herz legen. Jedoch die Reinen nur, deren Herz voller Demut ist, sollen den Ton Meiner Stimme vernehmen." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 1, Vers 1 ) Künftig soll also jeder, der gläubigen und demütigen Herzens ist, auch die Fähigkeit gewinnen, die Stimme Gottes in sich zu vernehmen. Gott spricht zu den Menschen wie ein Rundfunksender, der rund um die Uhr sein Programm ausstrahlt. Nur die meisten Menschen haben ihren Empfänger immer auf ganz andere Dinge eingestellt.

Allenfalls die Not gibt den Menschen gelegentlich den Rippenstoß. Sobald es ernst wird, dann erinnern sich die Menschen an Gott. Und wenn gar das Lebensende abzusehen ist, wird sogar der Letzte richtig wach. Denn das ist der Augenblick, in dem die Welt einem nichts mehr zu bieten hat. Dann müssen die Menschen der ewigen Wahrheit Auge in Auge gegenüber stehen ... und so soll auch das gesamte "Große Evangelium Johannes" zu einer Schule der Jüngerschaft werden, die den Menschen in den Himmel führt: Laut der Neuoffenbarung besteht das wahre himmlische Leben in dem "ernstlichen Willen, stets mehr Gutes zu tun und darum auch stets geringer zu werden, um desto mehrfältiger in die Gelegenheit zu kommen, jedermann dienen zu können." ( Himmelsgaben, Bd. 1, Kundgabe v. 25.05.1841, V. 16 )

Und so sind auf diese Weise alle Menschen vor Gott gestellt, um gelehrt zu werden ... und zwar durch das Hören und Lernen. Der christliche Glaube heißt hier: Immer neu zu hören und zu lernen, was Christus zu einem spricht. Das heißt: Erst wenn der Mensch es wieder lernt, still zu sein, den eigenen Willen, die Flucht der Gedanken meistert, sich im Geiste sammelt, konzentriert, wenn er ganz wird zum aufgespannten, demutsvollen Ohr, dann wird ihm wohl ein Wort der Wahrheit kund, das aus dem Munde Gottes geht. In der Neuoffenbarung spricht hierzu der Erzengel Raphael zur Jarah: "Siehe! Auch ich werde nicht stets sichtbar um dich sein; aber du wirst mich in deinem Herzen nur zu rufen haben, und ich werde bei dir sein und werde dir antworten durch deines Herzens zwar sehr leise, aber dennoch überdeutlich vernehmbare Gedanken." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 4, Kap. 23, V. 10 )

Somit ist es nicht nur Christus, der zu einem spricht. An einer Stelle in der Neuoffenbarung berichtet ein verstorbener Buchhändler aus Triest, den Jakob Lorber zu seiner Lebenszeit gekannt hatte, wie er aus dem Jenseits Gespräche mit Menschen im Diesseits führt: "Ich kann ganz gut mit den Menschen ( im Diesseits ) verkehren: Meine Worte werden in ihnen wie unverwandte und plötzlich entstandene Gedanken; und ihre eigenen darüber entstandenen Gedanken geben mir plastisch die Antwort." ( Jenseits der Schwelle / Sterbeszenen, "Ein Jenseitiger" v. 18.02.1861, V. 13 ) Von daher kommt dann wohl auch das Wort "Gedanken": Es sei dir "gedankt"!


Komponist: Marc Dannaud, Titel: Couronnée d'étoiles ( Nous te saluons )

Liedtext:


Wer es demnach liebt, längere Zeit ungestört allein mit Gott zu sein, der wird in der Neuoffenbarung dazu aufgerufen, sich die Zeit zu nehmen, um in Ruhe auf Gottes leise Stimme zu hören. Denn es heißt: "Der Geist wohnt nur im Geistigen." ( Schrifttexterklärungen, Kap. 1, V. 8 ) In diesem Sinne ist auch das Gedicht Stille Einkehr ( "Psalmen und Gedichte", Seite 75 ), das durch Jakob Lorber 1840 empfangen wurde, zu verstehen. Denn in diesem Gedicht erhält jeder Mensch quasi die Anleitung zur "prophetischen Rede", wie sie Paulus im ersten Brief an die Korinther beschreibt.

Es heißt ( 1. Korinther 14, 1 ): "Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede!" Allein diese Aussage beweist meines Erachtens schon, dass mit dem Tod der Apostel "öffentliche Offenbarungen" nicht abgeschlossen sind. Sie spricht vielmehr von einer über die Schriften der Bibel hinaus fortdauernden göttlichen Offenbarung. Ein gutes Beispiel hierfür ist das 17-jährige Bauernmädchen Jeanne d'Arc ( 1412-1431 ), der sich der Erzengel Michael offenbarte.

 

Jeanne d'Arc und der Erzengel Michael ( Eugene Thirion, 1876 )


Bei Emanuel Swedenborg heißt es hierzu: "Ich bin unterrichtet worden, auf welche Weise der Herr mit den Propheten gesprochen hat. Er hat mit ihnen gesprochen ... durch Geister ( Engel vom Herrn ), die zu ihnen gesandt wurden, und die der Herr mit Seinem Anblick erfüllte und so ihnen die Worte eingab, die sie den Propheten vorsagten, so dass es nicht ein Einfließen, sondern ein Vorsagen war." ( Himmel und Hölle, 254 )

Und in der Neuoffenbarung heißt es hierzu weiter: "Ich werde von Zeit zu Zeit Menschen erwecken, denen Ich alles das, was jetzt bei dieser Meiner Gegenwart ist, geschieht und gesprochen wird, durch ihr Herz in die Feder sagen werde ... Und diese Art der Ausbreitung Meiner neu und rein wiedergegebenen Lehre aus den Himmeln wird dann um vieles schneller und wirksamer zu allen Menschen auf der ganzen Erde gebracht werden können." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 9, Kap. 94, V. 4-5 )

Karl Rahner ( 1904-1984 ), einer der bedeutendsten katholischen Theologen des 20. Jahrhunderts, schreibt hierzu: "Wer also die absolute Möglichkeit von besonderen Offenbarungen leugnet, verstößt gegen den Glauben; wer bestreitet, dass solche auch nach der Zeit der Apostel noch vorkommen können, verstößt gegen eine theologisch sichere Lehre." Gott spricht nach wie vor durch den Mund der Propheten beziehungsweise Apostel zu den Menschen, denn es ist für Karl Rahner unerträglich, anzunehmen, dass Gott nach Abschluss des Bibelkanons aufgehört hat, zum Menschen zu sprechen, ihn zu inspirieren und mit Seinem Geist zu erfüllen. Er kann sich hierbei auf die johanneischen Abschiedsreden berufen, in denen Jesus den Seinen den Geist verheißt, der ihnen Weg-Führer in die ganze Wahrheit ist und ihnen das sagt, wozu die ersten Jünger noch nicht aufnahmefähig waren ( Johannes 16, 12 ).

Die Verkündigung (Francesco Albani)In den oben von Karl Rahner erwähnten "besonderen Offenbarungen" geben die Propheten kund, was der Geist Gottes ihnen eingibt. Hierzu heißt es: "In größerem Maße offenbart Sich Gott durch den Mund völlig geweckter Propheten. Solche Propheten sind für den geweckteren Menschen allzeit sehr kenntlich, - erstens durch ihr geschriebenes und gesprochenes Wort, zweitens durch so manche Wundertätigkeitsbeigaben, zum Beispiel dass sie im Notfalle den Menschen zukünftige Dinge zum voraus verkünden, so dass sich die Menschen danach kehren und bessern können und Gott bitten mögen, dass Er das angekündigte Unheil von ihnen abwenden wolle, wie das zu Ninive der Fall war. Drittens können solche rechten, von Gottes Willen erweckte Propheten auch Kranke heilen durch ihr Gebet und durch die Auflegung ihrer Hände, wenn dem Kranken seine Wiedergenesung zum Seelenheile gereicht. Und viertens können sie aber auch im Vereine mit dem Willen Gottes ein Strafgericht über die unverbesserliche Menschheit verhängen, wie, im Gegenteil, auch ein Volk segnen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 6, Kap. 150, V. 1 )

Auf der Grundlage dieser prophetischen Rede ist "Das Große Evangelium Johannes" entstanden, das den Menschen ein allumfassendes Weltbild vermittelt, über welches Dr. Kurt Hutten ( 1901-1979 ), der ehemalige Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche in Deutschland, in seinem Buch "Seher, Grübler, Enthusiasten" folgendermaßen schreibt: "Dieses Weltbild hat Tiefe und Kraft und umgreift alle Ebenen des menschlichen Seins und der Geschichte ... Das Weltbild Lorbers kann eine große Hilfe sein, denn es bändigt und ordnet von Gott her die Ungeheuerlichkeit des Universums und versieht sie mit einem Sinn und Ziel.

Es gibt der Erde samt ihrer Geschichte ihre Würde wieder, verleiht dem Glauben eine kosmische Weite, verwebt Diesseits und Jenseits, Mikrokosmos und Makrokosmos ineinander, preist die alle Schöpfung durchwaltende Liebe Gottes und weist mit alledem dem Menschen einen Weg zur Geborgenheit." Laut der Neuoffenbarung reift dieses Weltbild beim Menschen durch das immer erneute Sich-Versenken in die Geheimnisse der Neuoffenbarung, durch das täglich wachsende Eindringen in den Schriftsinn, vom wortwörtlichen zum allegorischen, was eine Umgestaltung des ganzen Menschen zur Folge hat.

Es ist wie zu jener Zeit, als überraschend der Kontinent Amerika wiederentdeckt wurde und das damalige, auf die so genannte alte Welt beschränkte Weltbild sich weiten musste, wie dann auch das kosmische Weltbild in der Kopernikanischen Wende.

Jakob Lorber schreibt hierzu 1841 in einem Brief an seinen Freund Karl Gottfried Ritter von Leitner ( 1800-1890 ): "Ich habe hier Erfahrungen gemacht, von denen ich früher keine Ahnung hatte. Mir ist ein ganz neues Licht angezündet worden. Und in dieses seltenen Lichtes Strahlen sehe ich ein endloses Meer von Wundern über Wundern, die gewisserart eines das andere so gut wie ganz niederschlagen." ( Briefe Jakob Lorbers, Brief v. 26.08.1841 )

Was die Qualität dieses "neuen Lichtes" anbelangt, so heißt es hierzu in der Neuoffenbarung, "dass, solange diese Erde von Menschen bewohnt wird, die geistigen Lebensverhältnisse noch nie so umfassend und völlig enthüllt kundgegeben wurden wie dieses Mal. Was immer da jemand sucht, in was immer für einem Verhältnis er sich befindet, er kann in dieser Offenbarung auf ein Atom genau finden, wie es mit ihm steht. Wer dieses alles mit tiefer Aufmerksamkeit und großer Andacht lesen wird, der wird die große überzeugende Wahrheit ... lebendig in sich selbst finden." ( Die Geistige Sonne, Bd. 2, Kap. 123, V. 11-13 )

Und an anderer Stelle spricht der Herr: "Da ( im "Großen Evangelium Johannes" ) teile Ich euch als Meinen jüngsten und somit liebsten Kindern alles mit, was Ich selbst den Erzengeln noch nicht mitgeteilt habe ..." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 17.09.1856, V. 5 )


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Die Gnadenfrist von 120 Jahren wie zu Zeiten Noahs.


Mir ist bewusst, dass ich dem Anspruch auf eine detaillierte Darstellung des gesamten Weltbildes der Neuoffenbarung nicht gerecht werden kann. Zumal mich beim Lesen der Neuoffenbarung hauptsächlich zwei Themen beschäftigt haben: Die Mystik und die Parusie. Somit kann die hier aufgestellte Zusammenfassung nur ein Streifzug durch "Das Große Evangelium Johannes" sein, in Wirklichkeit bietet jedoch dieses Werk viel mehr. Denn nach der Neuoffenbarung sind "die ganze Welt und alle Himmel ... nichts als durch den allmächtigen, allerunerschütterlichst festesten Willen festgehaltene Gedanken und Ideen Gottes." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 2, Kap. 136, V. 4 )

Es wäre somit zum Beispiel noch vieles über den Grund für die göttliche Schöpfung und den Geisterfall, die laut der Neuoffenbarung die Ursache für die Entstehung des Alls ist ( die Lehre von der Gestaltung des Universums und die Lehre von der Naturseelenentwicklung ), zu erwähnen:

1.

Gottes geistige Urschöpfung ( Urerzengel )

2.

Fall eines Teiles des Urschöpfung und Verdichtung ins Materielle ( stoffliche, materielle Schöpfung, siehe auch Jesaja 14, 12-15; 2. Petrus 2, 4 und Judas 6 )

3.

Stufenweise Rückführung alles geistig-seelischen Potentials durch das Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich bis zum Menschen als letztmöglicher Entwicklungsstufe in der materiellen Welt ( aus diesem Grund soll auch das "Evangelium" gepredigt werden "aller Kreatur, die unter dem Himmel ist" ( Kolosser 1, 23; Markus 16, 15 )
Es heißt hier eindeutig: "Aller Kreatur" - nicht nur dem Menschen - auch dem Geistigen in den Tieren, Pflanzen, ja selbst in den Steinen wird diesen Worten zufolge die Botschaft von der heiligen Liebes- und Lebensordnung Gottes verkündigt. Das Ergebnis wird dann sein, was in der Offenbarung des Johannes ( 5, 13 ) mit den Seherworten ausgesprochen ist: "Und alle Kreatur, die im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und im Meer und alles, was darinnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Stuhle sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit"

4.

Eintritt Gottes in Jesus ins Materiereich, um die Gefallenen aus ihrem Gericht zu erlösen und die guten Willens sind wieder ins Vaterhaus zurückzuführen. Hierfür stehen auch die drei Buchstaben "IHS": "Jesus Hominum Salvator": "Jesus, der Menschen Erlöser". Denn Jesus ist der prophezeite Messias, hebräisch: "Der Gesalbte". Der Gesalbte heißt: Mit dem Heiligen Geist überströmt

5.

Nach dem Tod tritt der Menschen ein ins rein Geistige und lebt geistig im Jenseits weiter: Der Verstorbene wird zuerst aus seinem Wartestand ( in der Finsternis ) befreit und dann - durch immer tiefer gehende geistige Zustandsveränderungen - zum Tor des Himmels geführt, welches ihm - aufgrund seiner erreichten geistigen Reife - auch vom Herrn geöffnet wird

An dieser Stelle sei noch einmal gesagt: Es würde den Rahmen bei weitem sprengen, wollte man auf alle prophetischen Äußerungen der Neuoffenbarung näher eingehen. Schließlich heißt es auch hierzu: "Es ist zur Beseligung des Menschen nicht unbedingt notwendig, dass er mit seinem natürlichen Verstande in alle Meine Schöpfungsverhältnisse eindringen solle." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 08.04.1864, V. 1 )

Wichtiger ist es aber, "den Menschen zuerst das Evangelium vom wahren Reiche Gottes auf Erden zu predigen, - und haben sie das angenommen und sind durch den Geist aus Gott gestärkt worden, dann werden sie alle anderen Wahrheiten leicht fassen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 9, Kap. 184, V. 8 )

"Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit." (Matthäus 6,33)An anderer Stelle heißt es über das Reich Gottes in der Neuoffenbarung: "In dieses Reich des wahren, ewigen Lebens aber gelangt man nicht auf den breiten Heerstraßen dieser Welt, sondern auf einem ganz schmalen Pfade nur, und dieser heißt Demut, Geduld, Selbstverleugnung in allen Reizungen, die von dieser Welt ausgehen, und eine volle Ergebung in den Willen des einen, allein wahren Gottes." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 10, Kap. 10, V. 22 )

Der Eintritt in das Reich Gottes bedarf der Reinigung und Heiligung des eigenen Lebens - besonders durch die Überwindung der Selbstsucht. Von daher heißt es schon über Jesus in der Jugendzeit: "Man sah Ihn oft beten." ( Die drei Tage im Tempel, Kap. 11 , V. 33 ) Eine konkrete Anleitung zu diesem Gebet findet man in der durch Jakob Lorber im Jahr 1840 empfangenen Kundgabe "Der Weg zur Wiedergeburt" ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 15.08.1840 ), in der Der kürzeste Weg zur geistigen Wiedergeburt beschrieben wird.

Gerade in diesem dort genannten Gebet zur geistigen Wiedergeburt kommt der Herzenswunsch Jesu Christi zum Ausdruck, die Kontemplation wieder in den Mittelpunkt des religiösen Lebens zu stellen. Denn dieses Gebet bildet das Herzstück der Neuoffenbarung, dessen Wesen die Konzentration auf Gott hin ist: "Von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller Kraft" ( 5. Mose 6, 5 ) soll man Gott ( in diesem Gebet ) lieben und sich nach der geistigen Wiedergeburt sehnen. Denn nur demjenigen Beter wird die Vereinigung mit Gott zuteil, der sie sehnsüchtig erfleht ... und aus dieser Gotteserfahrung heraus den Nächsten liebt wie sich selbst.

Diese Gotteserfahrung durch die geistige Wiedergeburt wird an einer Stelle in der Neuoffenbarung eindeutig erklärt: "Wenn sich der Mensch bis zum Ende seiner Welt hat ( geistig ) ziehen lassen und hat somit verharret bis ans Ende - dann tritt "der Herr Herr" in ihn, welches da ist die volle Erlösung, die Geistestaufe mit dem Feuer oder die vollkommene Wiedergeburt, wodurch der Mensch vollends erfüllt wird mit Meinem heiligen Geiste ... ( und ) er darum dann auch vollkommen eins wird mit Mir." ( Gr. Ev. Joh. Bd. 11, Anhang zum Johanneswerk, "Drei beliebige Texte zusammenhängend erklärt" )

So wird nach der Neuoffenbarung das Gebetsleben, die kurzzeitige Abkehr von der Welt, mit dem Leben der tätigen Nächstenliebe tagtäglich verbunden: Die kurzzeitige Weltflucht ist nicht um ihrer selbst willen ein Wert, sondern allein in ihrer Verbindung mit der tätigen Nächstenliebe zu erstreben.

Die Taufe Christi (Joseph Ignaz Mildorfer)Die tätige Nächstenliebe ist wichtig und die Kontemplation ist gut. Gemäß der Neuoffenbarung sammelt der Mensch in der tätigen Nächstenliebe die Ernte ein, die er in der Kontemplation von Gott gesät bekommen hat ... und umgekehrt: Der Mensch erntet in der Kontemplation, was er in Liebe, Demut, Sanftmut und Geduld unter den Menschen gesät hat. Denn das ist die zentrale Botschaft, die von dem Werk "Das Große Evangelium Johannes" ausgeht: Gott bedarf des Dienstes der Menschen für Sich nicht; "aber dessen bedarf Er, dass die Menschen aus Liebe zu Ihm und aus der gleichen Liebe untereinander sich gute Dienste erweisen. Denn die Liebe ist der wahre Lebensdünger für die Seele zum ewigen Leben, und Gott hat ja darum die Menschen erschaffen, dass sie in das ewige Leben übergehen sollen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 10, Kap. 63, V. 6-7 )

In diesem Sinne spricht der Herr 1845 über Jakob Lorber zur Elise Hüttenbrenner, die Frau von dem Komponisten Anselm Hüttenbrenner ( 1794–1868 ), der als Direktor des Steiermärkischen Musikvereins mit Jakob Lorber, Franz Schubert ( 1797-1828 ) und Ludwig van Beethoven ( 1770–1827 ) freundschaftlich verbunden ist: "Klage nicht über die Welt, sondern opfere alles Mir auf. Ich werde zur rechten Zeit alles so machen und gestalten, wie es am allerrechtesten sein wird. Es hat die Welt ihren Lauf, der Himmel den seinen, und kein Tag gleicht dem andern. Das alles ist so in der Ordnung. Denn auch an aller Welt muss die Weissagung erfüllt werden, wie sie an Mir erfüllt ward. Daher aber mag auch jeder, der Mich liebt, in vollster Ruhe sein in seinem Herzen. Denn er kann es ja förmlich mit Händen greifen, dass da überall Meine ewige Ordnung vorherrscht. Das Leben ist ein fortwährender Kampf. Daher lass dir den Weltkampf nicht zum Grauen werden. Wenn du in Meiner Liebe bist, dann wirst du mit diesem Kampf wenig zu tun haben. Ich allein bin für all die Meinen der allmächtige Kämpfer in Ewigkeit." ( Briefe Jakob Lorbers, Brief v. 28.12.1845 )

Und an anderer Stelle spricht der Herr in einem Gedicht zum Engel Pathiel:

"Mein lieber Pathiel, erst jetzt hast du es ganz erraten!
Das ist die größte aller Meiner großen Liebetaten,
dass Ich der endlos ewig große Gott mit Kindern wandle
ja Selbst als liebevollster Vater mit den Sündern handle,
der Ich doch heilig, heilig, heilig bin durch Ewigkeiten,
und stehe doch den Sündern bei, sie alle zu geleiten
dahin Ich Selbst gegangen, um das Größte zu vollbringen –
als Herr der Ewigkeiten mit dem Tode Selbst zu ringen.
O sehet alle Engel, Menschen, Erden, Monde, Sonnen!
Das Größte ist, dass Ich bei kleinen Kindern pfleg zu wohnen."

( Psalmen und Gedichte, "Die Erlösung - Pathiel", V. 145 )

In der Bibel heißt es hierzu: "Ihr habt nichts weiter zu tun, als euch still zu verhalten. Der Herr wird für euch kämpfen." ( 2. Mose 14, 14 ) Oder: "Niemand, der auf den Herrn hofft, wird zugrunde gehen." ( Psalm 25, 3 )

An anderer Stelle antwortet der Herr über Jakob Lorber auf eine Anfrage von demjenigen, den der in den Kundgaben oft Herr "Willig" ( Himmelsgaben, Bd. 1, Kundgabe v. 05.01.1841, V. 7 ) nennt, Andreas Hüttenbrenner ( 1797-1869 ), dem Bürgermeister von Graz ( 1844–1850 ) und Bruder von Anselm Hüttenbrenner: "Aber seid unbesorgt, es geschieht alles nur nach Meinem Willen. Keinem von euch wird je ein Haar gekrümmt werden. Daher seid fröhlich und voll guten Mutes. Denn ich bin ja allezeit bei euch. Liebet nur Mich und sehet allezeit auf Mich. Und machet euer Vertrauen fester als einen Diamanten. Denn wer auf Meinem Grunde baut, der bauet fest. Und Ewigkeiten werden keinen Stein verwittern in allen Gemächern eines Hauses, das da gebaut wurde auf Meinem Grunde in der wahren Liebe zu Mir!" ( Himmelsgaben, Bd. 1, Kundgabe v. 13.08.1840, V. 2-3 )

In diesem Zusammenhang sei auch noch erwähnt, dass mit der bisherigen Berufsangabe der Freunde Jakob Lorbers auch klar wird, dass die treuen Anhängern der Neuoffenbarung aus den besten Familien kamen: Zu ihnen zählen zum Beispiel folgende Akademiker: Dr. Justinus Kerner ( 1786-1862 ), Dr. Carl-Friedrich Zimpel ( 1801-1879 ), Andreas Hüttenbrenner, Anselm Hüttenbrenner, Karl Gottfried Ritter von Leitner, Dr. Anton Kammerhuber, Leopold Cantily ( Apotheker in Graz ), sowie viele andere mehr, die sich zur Zeit der Niederschrift der Neuoffenbarung bei Jakob Lorber einfanden ... und ihn dabei genau beobachteten. Sie sind es auch, die dem Auftrag zur Veröffentlichung der Neuoffenbarung Folge leisteten und die Schriften in Druck gaben. Der Auftrag lautete: "Benützet die Zeit, denn sie ist nun da, die Ich für die Veröffentlichung dieser neuen Offenbarung bestimmt und tauglich gemacht habe ... Die Zeit, in der die Welt dieses Meines neuen Wortes bedürfen wird, ist nun da!" ( Himmelsgaben, Bd. 2, Kundgabe v. 12.05.1848, V. 4-5 )

Zum Anselm Hüttenbrenner, der stets die "Nebenworte" ( "Himmelsgaben" ) in seinem Tagebuch aufzeichnete, spricht über Jakob Lorber bei dieser Gelegenheit der Herr: "Dieses Wort, gerichtet an Anselm Hüttenbrenner, sei ihm ein Zeugnis, dass Mir seine Arbeit wohlgefällt! Und so er fortfährt, aus Liebe zu Mir es fleißig zu vollbringen, wie er es begonnen hat, so soll er wissen, dass Ich schon Meine Hand an den Hebel der Schleuse gelegt habe, um sie über seinem Kopfe aufzuziehen und jählings einen großen Strom des Gnadenlichtes über sein Haupt stürzen zu lassen. Und Mein Segen soll dann nie mehr weichen von ihm." ( Himmelsgaben, Bd. 1, Kundgabe v. 19.04.1840, V. 1 ) Und an anderer Stelle spricht der Herr am 05.04.1841 über Jakob Lorber zum Anselm Hüttenbrenner:

"Daher musst dich in Nichts begründen,
Dann wirst das Große du schon finden!"

( Psalmen und Gedichte, "Die Erlösung - Pathiel", Fußnote zum V. 58 )

Jesus betendIn der Bibel steht ( Jesaja 30, 15 ): "Nur in Umkehr und Ruhe liegt eure Rettung, nur Stille und Vertrauen verleihen euch Kraft." Diese im Gebet der Stille gewonnene Kraft bewirkt, dass sich in der rauhen Wirklichkeit des Lebens Standfestigkeit ausbreiten kann. Von daher heißt auch das hebräische Wort für Glauben "he-emin": sich festmachen in Gott. Aus diesem Wort "he-emin" leitet sich das Wort "Amen" ab. Wer in diesem Sinn "Amen" sagt, wird gefestigt in Jesus bleiben - wie auch Jesus im Evangelium des Johannes spricht ( Johannes 15, 7 ): "Wenn ihr in Mir bleibt und Meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren." Mögen diese Worte des Neuen Testamentes und der Neuoffenbarung Ansporn und Hilfe sein, die innere Verankerung im Herzen zu suchen und zu spüren. Es möge Menschen, die spirituelle Wege gehen und ein erneuertes Christentum ersehnen, miteinander verbinden.

 

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