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Dieses Werk ( 10 Bände je 450 Seiten, entstanden: 1851-64 ) bildet
das Herz- und Hauptstück der Gottesbotschaft durch Jakob Lorber.




Vorwort
Band 1
Band 2
Band 3
Band 4
Band 5
Band 6
Band 7
Band 8
Band 9
Band 10
Nachwort

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Vorwort zu "Das Große Evangelium Johannes":

Bei Gott geht es immer um Freiheit und Befreiung, denn im Zentrum der gesamten Schöpfung steht für Gott die Liebe und Gerechtigkeit. Hierzu heißt es in der Bibel ( Sprüche 12, 28 ): "Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben." Und in der Neuoffenbarung heißt es: "Der Heilige Geist ist Wahrheit, Kraft und Leben." ( Psalmen und Gedichte, "Wiedergeburt", Vers 2 )

Jakob LorberFür den Menschen bedeutet dies, dass es in diesem Leben vor allem darum geht, den gerechten Gott in Seiner befreienden Kraft zu erleben ... und dafür wurde vom Gott der Liebe für die Menschen eine eingehende, fast taggenaue und hochinteressante Schilderung der dreijährigen Lehrtätigkeit des Herrn gegeben. Als "Schreibknecht Gottes" wurde hierfür der Musiklehrer, Musiker und Komponist Jakob Lorber ( 1800-1864 ) auserwählt. Der Vorname "Jakob" ( lateinisch: Jakobus ) geht übrigens in der Tradition auf den biblischen Patriarchen Jakob zurück, welcher schon im 18 Jh. v. Chr. in Ägypten weissagte ( 1. Mose 49, 10 ), dass der Messias ( Jesus Christus ) dann kommen wird, wenn die Israeliten nicht mehr ihre eigenen Könige haben werden. Mit diesen Vornamen "Jakob" ( "Gott möge schützen", "Gott schützt" ) wird in der Bibel auch oft das auserwählte "Volk Gottes" genannt. Denn Israel bekam den Namen von Jakob, der Israel genannt wurde, nachdem er einen Kampf mit Gott hatte und dieser ihm ein bleibendes Erinnerungsmal hinterließ ( 1. Mose 32, 25-32 ). Gott sucht in diesem Fall Menschen, die sich unverdient von Ihm beschenken lassen ... und so wurde Jakob zum Vorbild des begnadigten Sünders. Es heißt hierzu im Alten Testament ( Jesaja 49, 26 ): "Und alles Fleisch soll erfahren, dass Ich bin der HERR, dein Heiland und dein Erlöser, der Mächtige in Jakob."

Heute achten die Menschen nicht mehr so sehr auf die Bedeutung einzelner Namen. Sie dienen ihnen hauptsächlich zur Unterscheidung von Personen und Dingen. Das war jedoch früher einmal ganz anders: In biblischen Zeiten war der Name kein unwichtiger Teil einer Person, sondern er drückte das Wesen und das Besondere einer Person aus oder etwas Bezeichnendes, das mit ihrer Lebensgeschichte in Verbindung stand. In der Weissagung Bileams heißt es hier zum Beispiel ( 4. Mose 24, 17 ): "Ein Stern geht in Jakob auf."

Dieser Stern, dessen Licht die tiefste Dunkelheit der menschlichen Seele erleuchtet und diese zu neuem Leben erweckt, bedeutet für die Christen: Jesus Christus - Er ist die Quelle des neuen Lebens. So verfasste der ehemalige General der Heilsarme Albert W. T. Orsborn folgendes Gedicht ( 1886-1967 ):


Wann komme ich zu dem heilenden Wasser?
Ich erhebe mein Herz zu Dir
und rufe Dich an im Gebet.
Friedefürst und Heiler,
zu Dir, der lebendigen Quelle, komme ich,
Dir möchte meine Seele begegnen.

Wasche den Staub der irdischen Mühen
von meinen Händen,
nimm von mir die Last meiner Ängste,
reinige die Wunden,
lass reines Wasser über sie fließen,
lass Deine Heilung offenbar werden.

Licht, Leben, Liebe
bietet dieser Heilsbrunnen,
mich verlangt danach,
dass Du mich rein und hell machst.
Lass den Strom durch meine Seele fließen,
lass die Wüstenei erblühen,
mach sie zum Garten,
wo ich Dich anbete.



Bezogen auf die Namensgebung hielt auch der Dichter Johann Wolfgang von Goethe ( 1749-1832 ) für seine Nachwelt fest, dass der Name untrennbar mit der Person verbunden ist: "Der Name eines Menschen ist nicht wie ein Mantel, den man jemand umlegt ..., sondern wie ein Kleid, das eng anliegt. Man kann es nicht zerreißen, ohne den Menschen selbst zu verletzen."

Wo Himmel und Erde sich berühren: Die Jakobsleiter oder Himmelsleiter ( 1. Mose 28, 11-17 )Schließlich heißt es: "Nomen est omen" ( lateinisch: "der Name ist ein Zeichen" ) und bedeutet, dass zum Beispiel ein Vorname mehr als tausend Worte aussagt: Er hat entscheidenden Einfluss auf das Leben des Menschen ... und trägt eine verborgene Botschaft in sich.

Hierzu heißt es an einer Stelle in der Neuoffenbarung: "Er segnete den Jakob und gab ihm den Beinamen "Israel", was soviel heißt als: Aus dir gehe hervor das Volk Gottes!" ( Drei Tage im Tempel, Kap. 9, Vers 6 )

Im Fall von Jakob Lorber gestaltete sich diese Segnung als eine besondere Begnadigung von oben, die er im Alter von 40 Jahren, am 15. März des Jahres 1840, erfuhr, als er über die göttliche Inspiration die ersten Worte der Neuoffenbarung ( geistig ) empfing.

Durch diese Neuoffenbarung wird eine Verbindung zwischen Himmel und Erde hergestellt - wie einst die Himmelsleiter im Traum des Jakobs. Es heißt hierzu im Alten Testament ( 1. Mose 28, 11-17 ): "Jakob kam an einen bestimmten Ort, wo er übernachtete, denn die Sonne war untergegangen. Er nahm einen von den Steinen dieses Ortes, legte ihn unter seinen Kopf und schlief dort ein. Da hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder. Und siehe, der Herr stand oben und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will Ich dir deinen Nachkommen geben. Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. Du wirst dich unaufhaltsam ausbreiten nach Westen und Osten, nach Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen werden alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. Ich bin mit dir, Ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn Ich verlasse dich nicht, bis Ich vollbringe, was Ich dir versprochen habe.

Jakob erwachte aus seinem Schlaf und sagte: Wirklich, der Herr ist an diesem Ort und ich wusste es nicht. Furcht überkam ihn und er sagte: Wie Ehrfurcht gebietend ist doch dieser Ort! Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels."

Der Komponist Anselm Hüttenbrenner ( 1794–1868 ), ein enger Vertrauter von Jakob Lorber und der Neuoffenbarung, schrieb über den Beginn der Neuoffenbarung in einem Brief 1848 an Dr. Justinus Kerner ( 1786-1862 ), einer der ersten Herausgeber der Schriften der Neuoffenbarung: "Der Herr Jesus spricht in einem hier lebenden armen, anspruchslosen Mann, namens Jakob Lorber, seit dem 15. März 1840 beinahe Tag für Tag. Dieser schreibt das Gehörte nieder oder diktiert es einem seiner vertrauten Freunde." ( Himmelsgaben, Bd. 2, Brief v. 1848, Vers 2 )

Dieses "Neue Wort" ( Schrifttexterklärungen, Kap. 1, V. 1 ), das Jakob Lorber bis zu seinem Tod 1864 diktiert wurde, gleicht - bildlich gesprochen - dem Schiff eines Fährmannes, der seine Gäste über einen See - bei widrigen Winden - von einem Ufer zum anderen ( von der Unfreiheit zur Freiheit ) übersetzt. Entscheidend ist bei dieser Überfahrt, dass unterwegs keine Seelen ins Wasser ( des allzu weltlichen Lebens ) fallen und dabei ( geistig ) ertrinken. Hierzu heißt es in der Neuoffenbarung: "Der "See" bedeutet die Welt; die widrigen "Winde" sind das Tun und Treiben der Welt und ihre Begierlichkeiten" ( Schrifttexterklärungen, Kap. 20, V. 4 ), gegen die der Fährmann zu kämpfen hat.

Wo Himmel und Erde sich berühren: Die Jakobsleiter oder Himmelsleiter ( 1. Mose 28, 11-17 )Zu dieser ( geistigen ) Überfahrt im Schiff eines Fährmanns heißt es dann auch an anderer Stelle in der Neuoffenbarung: Es "wird eine Brücke gestellt werden zwischen hier und dort, auf dass die Bewohner der Erde leichter zu uns herüberkommen sollen als bis jetzt auf der schon sehr morsch gewordenen Leiter Meines Jakob, auf der nur Engel auf und ab steigen konnten ... Es sollen weder am Anfang noch in der Mitte noch am Ende der Brücke Wächter aufgestellt sein, zu untersuchen die Elenden, Schwachen und Bresthaften.

Da soll ein jeder ein vollkommener Freizügler sein und soll sich jederzeit Rat und vollkommene Hilfe von hier als von seiner wahren Heimat holen können! Auf dieser Brücke aber werden auch wir die lange verlassene Erde wieder betreten und dort unsere Kinder selbst erziehen, lehren, leiten und regieren und so das verlorene Paradies wieder aufrichten!" ( Von der Hölle bis zum Himmel - Robert Blum, Bd. 1, Kap. 86, Vers 18-20 )

Der keineswegs ätherisch aussehende Jakob Lorber ( mit seiner fast derben Gestalt, dem Rauschebart und den freundlichen Augen hinter der damals modernen Schubert-Brille ) schrieb diese "Gnaden"-Worte wie nach einem Diktat nieder, ohne gedanklich oder konstruktiv daran beteiligt gewesen zu sein. Dabei war Jakob Lorber kein willenloses "Schreibmedium", dessen Hand automatisch geführt wurde. Er fiel auch nicht beim Niederschreiben in Trance beziehungsweise in Ekstase; vielmehr schrieb er voll konzentriert nieder, was er über die so genannte "Innere Stimme" hörte ... und was er niederschrieb, bedurfte auch keiner Verbesserung mehr, denn es war ja nicht sein Geistesprodukt.

Schon im Alten Testament spricht Gott bei der Berufung des Propheten Jesaja ( 48, 6-8 ): "Von jetzt an lasse Ich dich etwas Neues hören, etwas Verborgenes, von dem du nichts weißt. Eben erst kam es zustande, nicht schon vor langer Zeit. Zuvor hast du nichts erfahren davon, damit du nicht sagst: Das habe ich längst schon gewusst. Du hast davon nichts gehört und gewusst, dein Ohr war bisher nicht offen."

Maria VerkündigungDurch diese Berufung zum Propheten erhielt Jesaja auch den Auftrag, die Verstockung seines Volkes aufzuzeigen. Durch Jesaja wurde das Gericht angekündigt, bei dem nur ein kleiner Rest des Volkes übrig bleiben wird, mit dem Gott dann Seine Heilsgeschichte zum Ziel führen kann. In der weiteren Prophezeiung durch Jesaja wird aber auch die Ankunft Jesu Christi angekündigt ... und hierin liegt die eindeutigste Parallele zur Prophezeiung der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber, dessen schlichten und einfachen Lebensstil viele Zeitgenossen bezeugten.

So schreibt zum Beispiel der Grazer Dichter und kaiserlich-königliche Amtssekretär Karl Gottfried Ritter von Leitner ( 1800-1890 ), einer der drei Kuratoren des vom Erzherzog Johann in Graz gegründeten berühmten Joanneums, 1884 in der einzig ausführlichen Lebensbeschreibung über Jakob Lorber ( mit dem Titel: "Ein Lebensbild nach langjährigem persönlichen Umgange" ) über das "Schreibgeschäft" Jakob Lorbers: "Fast täglich schon morgens vor dem Frühstück, welches er in seinem Eifer nicht selten unberührt stehen ließ, begann er sein Schreibgeschäft, das die Hauptaufgabe seines Daseins blieb. Dabei saß er an einem kleinen Tischchen - im Winter knapp neben dem Ofen - und führte ganz in sich gekehrt, mäßig schnell, aber ohne je eine Pause des Nachdenkens zu machen oder eine Stelle des Geschriebenen zu verbessern, ununterbrochen die Feder, wie jemand, dem von einem anderen etwas vorgesagt wird.

Zum wiederholten Male tat er, wenn er hiervon sprach, auch die Äußerung, er habe während des Vernehmens der ihm einsagenden Stimme auch die bildliche Anschauung des Gehörten. Seiner Aussage nach teilte sich das innere Vernommene aber noch leichter mit, wenn er es einem anderen mündlich kundgeben konnte. Und in der Tat diktierte er einigen seiner Freunde Aufsätze, ja ganze Werke von mehreren hundert Schriftbogen.

Dabei saß er neben dem Schreibknecht, ruhig vor sich hinschauend und nie in seinem Redefluss stockend oder irgendeine Satzzufügung oder auch nur einen Ausdruck abändernd. Und wenn sein Diktieren durch Zufall auf kürzere oder längere Zeit, selbst für Tage und Wochen unterbrochen wurde, so vermochte er das bisher Geschriebene, ohne von demselben mehr als etwa die letzten Worte oder Zeilen nachgelesen zu haben, sogleich im richtigen Zusammenhang fortzusetzen."

In dieser Biographie schildert der Augenzeuge Karl Gottfried Ritter von Leitner den "Schreibknecht" Jakob Lorber als einen demütigen Katholiken, der an Sonntagen in der Kirche die Orgel spielte. Das Wenige, das er ab dem oben genannten 15. März 1840 benötigte, verdiente er mit einzelnen Musikstunden, die er gab, und durch Klavierstimmen. Seine Freunde unterstützten ihn finanziell bis zu seinem Lebensende ... Gemäß dem Alten Testament würde diesen "Schreibknecht" Gott wohl: "Mein Knecht Jakob" ( Jesaja 44, 2 ) nennen.

Bezogen auf den Nachnamen von Jakob Lorber fällt mir hier rein assoziativ nur die Lorbeer-Pflanze ein, die - aus dem griechischen Kulturraum kommend - dem Sieger als Lorbeerkranz auf das Haupt gelegt wurde. ( Da die Glaubenszeugen durch ihren Tod einen Sieg errungen haben, ist das Lorbeerblatt oder der Lorbeerkranz seither auch ein Bild für das Glaubenszeugnis. )

Eine weitere Beschreibung Jakob Lorbers liefert sein ehemaliger Musikschüler Paul Hüttenbrenner, der älteste Sohn Anselm Hüttenbrenners, in einem Brief vom 17. Januar 1878: "In seinem Verkehre war Jakob sehr leutselig und zuvorkommend, war trotz Armut stets fröhlichen Gemütes, konnte herzlich lachen und riss besonders im Theater bei gelungenen Szenen das Publikum zum Lachen mit. Gab es einen Ausflug oder sonst ein Vergnügen, da durfte unser Jakob nicht fehlen, um die rechte Stimmung hervorzubringen, die er durch launige Einfälle stets zu erhöhen wusste; auch sonst war er, bei alt und jung beliebt, ein guter Gesellschafter ... Der edelste Zug seines Charakters aber war die uneigennützige Nächstenliebe, die er gegen Unglückliche und Arme, ob er sie kannte oder nicht, übte, und oft alles hingab."

Jakob Lorber fiel demnach durch sein freundliches Wesen auf. Er selbst lebte zu dieser Zeit in einem dürftig möblierten Zimmer im Haus Neue Welt Gasse Nr. 4, in dem auch die meisten Neuoffenbarungen niedergeschrieben wurden. Dazu saß er - wie oben beschrieben - beinahe jeden Tag stundenlang am Tisch und schrieb alles auf, was ihm die so genannte "Innere Stimme" diktierte. Die Manuskripte weisen keinerlei Korrekturen oder sonstige Anzeichen von Überarbeitung auf; als man sie - zum größten Teil - nach seinem Tod veröffentlichte, ergaben sie mehr als 10.000 Druckseiten. Heute weist eine Marmortafel rechts neben der Haustüre auf dieses Ereignis hin. ( Die Neue Weltgasse - eine Seitengasse vom Hauptplatz in Graz - ist nur etwa 100m lang. Sie beginnt beim Franziskanerkloster Graz und endet am Hauptplatz, wo der Sitz des Grazer Rathauses ist. )

Gedenktafel in der Neue Welt Gasse

Dieses Grazer Haus in der Neue Welt Gasse Nr. 4 diente Jakob Lorber viele Jahre lang als 
Wohnstätte.Zur Zeit von Jakob Lorber befand sich in diesem Haus Neue Welt Gasse Nr. 4 das Gast- und Kaffeehaus "Zum weißen Kreuz". ( Das "weiße Kreuz" - das "Johanniterkreuz" - kennzeichnet bei dem Johannitern das "Licht Christi". Der Johanniterorden - die "Bruderschaft vom Heiligen Johannes dem Täufer" - hat sich Johannes zum Vorbild genommen, der Jesus Christus den Weg bereitete und zur Buße im Denken und alltäglichen Verhalten anleitete. ) Der Lorberbiograph Karl Gottfried Ritter von Leitner schrieb hierzu, dass Jakob Lorber in "einem nach rückwärts gelegenen kleinen Zimmer im ersten Stockwerk des Gasthauses "Zum weißen Kreuz" in der so genannten "Neue Welt" wohnte". Das heißt: Jakob Lorber wohnte - laut dieser Schilderung - in einem Haus, in dem sich viele Menschen zur Herberge einfanden. Sein Zimmer, das er lange Jahre bewohnte, trug den Namen "Neue Welt".

Bemerkenswert ist an Jakob Lorber, dass er als stiller Junggeselle selbst nicht danach trachtete, im Vordergrund zu stehen, sondern diente mit seinem "Schreibgeschäft" in all seinen Jahren vielmehr allein der zu offenbarenden Wahrheit ... Und so teilte er das Los eines Propheten ( griechisch: "prophetes" = "Weissager", "Verkünder" ), der ein schweres Leben in Verborgenheit hinnehmen musste, um Verfolgungen ( und Verleumdungen ) zu entgehen. Die Wahrheit, die er im Auftrag des Herrn mit der Neuoffenbarung verkündete, brachte ihm kaum öffentliche Anerkennung oder Lob ein. Im Gegenteil: Jakob Lorber lebte im Österreich Metternichs ( 1773-1859 ) ... und die über ihn mitgeteilte Neuoffenbarung hatte für diese Zeit der Restauration hochexplosiven Charakter: Sie enthielt vielfach Kritik an den Zuständen seiner Zeit und rüttelte am Bestehenden - vor allem: An der festgefahrenen sozialen Ungerechtigkeit - und rief nach Befreiung.

Wer in dieser Zeit der Feudalherrschaft aus dem Munde Gottes Missstände tadelte, war der gedankenlos herrschenden Oberschicht nicht angenehm. Denn schließlich enthielt diese Wahrheit die ernste Mahnung Gottes zur Umkehr ... und so ist es wie schon zu allen Zeiten: Die Menschen auf der Erde leben gewöhnlich dahin, ohne nach dem Sinn zu fragen. Ihre Gedanken gehen nicht über das Alltägliche hinaus, und dennoch ist auch das Alltägliche nur eine Entsprechung unendlicher und ewiger Zusammenhänge. Wer sich also daran gewöhnt hat, in seinem Leben nichts als Zufall anzusehen, hat es natürlich schwer, einen Propheten zu würdigen. Demnach ist es auch kein Honigschlecken, ein Prophet zu sein, das heißt die Stimme Gottes zu verkünden. Was ein Prophet Gottes in dieser Welt erwarten kann, ist Spott, Hohn, Verfolgung und Tod, so dass Jesus hierzu im Neuen Testament sagte ( Matthäus 23, 34 ): "Ich sende Propheten, Weise und Schriftgelehrte zu euch; ihr aber werdet einige von ihnen töten, ja sogar kreuzigen, andere in euren Synagogen ( Kirchen ) auspeitschen und von Stadt zu Stadt verfolgen."

Die Freiheit, die demnach die Neuoffenbarung seiner Zeit gegenüberstellte, war die Welt des Geistes beziehungsweise die des Herrn, dessen göttliche Stimme Jakob Lorber mit seinem "inneren" ( geistigen ) Ohr vernahm. Wer diese Neuoffenbarung genauer liest, der empfindet keinen Zweifel mehr, dass in ihr eine Einflussnahme des Herrn durch ein menschliches Werkzeug stattfindet für jene, die Ohren haben, zu hören, "was der Geist den Gemeinden sagt" ( Die Offenbarung des Johannes 3, 13 ). Diese Botschaft wendet sich an das Herz und ist zugleich eine Entsiegelung verborgener Inhalte der Heiligen Schrift.

An dieser Stelle sei noch einmal zu erwähnen, dass Jakob Lorber die Geisterwelt hör- und sichtbar erschlossen war: Er konnte den Herrn teilweise nicht nur mit dem "inneren" ( geistigen ) Ohr vernehmen, sondern Ihn auch zeitweise sehen. Dies kann dann der Leser der Neuoffenbarung an den Stellen verfolgen, wenn der Herr in einer Kundgabe zu Jakob Lorber folgende Worte diktiert: "Dafür komme Ich doppelt zu dir, wie fürs Ohr, also auch fürs Auge. Siehe, hier bin Ich! Und so schreibe nun in dieser Meiner für dich sichtbaren Gegenwart ..." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 25.07.1842, V. 1-2 )

Insgesamt gesehen war Jakob Lorber - nach Auffassung des evangelischen Theologen und langjährigen Leiters der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen ( EZW ) in Stuttgart, D. Dr. Kurt Hutten ( 1901-1979 ) - ein "Werkzeug des Heiligen Geistes". Kurt Hutten sah in den Schriften der Neuoffenbarung, die er als "himmlische Aufklärungswerke" bezeichnete, "eine wirksame Hilfe für den Christen" ... und dies heißt doch meines Erachtens nichts anderes, als dass die Neuoffenbarung auf demselben göttlichen Grund wie die Bibel steht: Die Neuoffenbarung ist von Gott inspiriert ... und dies wiederum bedeutet: Gott spricht hier ( in der Ich-Form ) durch das niedergeschriebene Wort ( über Jakob Lorber ) zu den Menschen ...

Genau genommen ist es aber nicht Gott selbst, sondern der Leser des Werkes "Von der Hölle bis zum Himmel" erfährt, dass Jakob Lorber die Neuoffenbarung von Gott über einen Engel erhalten hatte: "Das ist so ein schwaches irdisches Knechtlein von Dir und schreibt, was Du ihm durch irgendeinen Engel in Deinem Namen in die Feder diktierst." ( Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum, Bd. 2, Kap. 261, V. 5 )

Demnach kommt die Botschaft der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber vom Himmel zur Erde. Geschehen tut dies, indem Gott durch den reinen Geistfunken im Menschenherzen ( der unmittelbar aus Gott stammt ) ganz zart und leise in das Sensorium der Prophetenseele Gedanken, Bilder und Gefühle mehr oder weniger klar und deutlich einhaucht: Die Worte steigen dann aus der göttlichen Gnadenquelle durch das Unterbewusstsein des Gemüts mit all seinen geheimen Vorrat von Erinnerungen und Vorstellungen zum klaren Tagesbewusstsein des Gehirns hinauf.

Und wer die Neuoffenbarung aufmerksam, nicht herumblätternd, oberflächlich und unvollständig, vom Anfang bis zum Ende guten Willens und unvoreingenommen liest, wird feststellen, dass kein Widerspruch zur Heiligen Schrift besteht, vorausgesetzt, der ( oder die ) Lesende klebt nicht am tötenden Buchstaben und ist aufgeschlossen für den lebenspendenden Geist.

In diesem Sinne ermunterte auch Abraham Lincoln ( 1809-1865 ), der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ( 1860-1865 ), zum Lesen in der Bibel: "Nimm aus diesem Buch ( die Bibel ) all die Vernunft, die du kannst, und die Ausgewogenheit an Glauben, und du wirst als ein besserer Mann leben und sterben." Gemäß dieser Aussage braucht der Mensch nicht nur körperliche, sondern auch geistige Nahrung.

Über diese wahre Wiederverbindung zwischen Gott und dem Menschen erfährt der Leser der Neuoffenbarung: "Je mehr im Zustande der Religion der Mensch sich bestrebt, den göttlichen Willen zu erkennen und danach zu handeln, desto mehr verbindet er sich auch mit der Kraft des göttlichen Willens. Und hat jemand sich den göttlichen Willen in solchem Grade zu eigen gemacht, dass er durchaus keinen eigenen Willen mehr hat ( selbst dazu nicht, um den göttlichen Willen zu erfüllen ), – sondern aller Wille in ihm schon ein rein göttlicher geworden ist, – sodann hat sich der Mensch nicht nur mit Gott verbunden, sondern er hat sich mit Ihm vereinigt. Und das ist der Zweck der Religion, dass sich der Mensch mit Gott vereinigen soll, das heißt, er soll keinen andern Willen als Handlungsbeweggrund haben als allein den göttlichen." ( Die natürliche Sonne, Kap. 42, Vers 6-7 )

Und zur Wilhelmine Hüttenbrenner, die Tochter von Anselm Hüttenbrenner, sagte der Herr: "Wenn ihr recht emsig treu Mein Wort anhöret oder selbst leset, so nähert sich da ebenfalls die große Geistessonne eurer irdisch oder weltlich noch kalten nördlichen Winterzone des Herzens. Dieses "Sonnenlicht" entbindet da auch nach und nach stets mehr und mehr Wärme, welche die Liebe zu Mir ist, zur wahren geistigen Lebenstätigkeit." ( Himmelsgaben, Bd. 1, Kundgabe v. 01.05.1841, Vers 6 )

Und an einer anderen Stelle in der Neuoffenbarung heißt es: "Du kannst nicht irgendwohin in einen Himmel kommen, sondern du musst dir deinen Himmel selbst bereiten. Der Same zum Himmelreich ist das Wort Gottes; wer dasselbe in sich aufnimmt und darnach tätig wird, der hat dieses himmlische Samenkorn in sein Erdreich gelegt, und der Himmel wird aus ihm gleich einem Baume erwachsen." ( Geistige Sonne, Bd. 1, Kap. 57, Vers 9 )

Im Neuen Testament sagte deshalb Jesus ( Johannes 14, 18 ): "Ich lasse euch nicht als Waisen zurück." Das heißt: Jesus wird den Geist, den Geist der Wahrheit, senden ... und es wird sein ein Geist, den die Welt nicht empfangen kann. In der Apostelgeschichte liest man hierzu, dass die Jünger aufgefordert werden, für den Empfang des Geistes zu beten. Es heißt ( Apostelgeschichte 1, 14 ): "Sie alle verharrten einmütig im Gebet."

Und Jesus sagte ( Johannes 16, 13-14 ): "Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird Er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn Er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern Er wird sagen, was Er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird Mich verherrlichen." Dieser Geist ist ein Lebendigmacher. Er wirkt in den Menschen, in den Seelen der Menschen: Er wirkt in und durch die Menschen ... und Er bedient sich der Menschen als Werkzeuge Seiner Pläne.

Über die Art und Weise, wie Jakob Lorber diese Neuoffenbarung empfangen hatte, schrieb er 1858 an den ersten Verleger der Neuoffenbarungsschriften, Johannes Busch ( 1793-1877 ): "Bezüglich des innern Wortes, wie man dasselbe vernimmt, kann ich, von mir selbst sprechend, nur sagen, dass ich des Herrn heiligstes Wort stets in der Gegend des Herzens wie einen höchst klaren Gedanken, licht und rein, wie ausgesprochene Worte, vernehme. Niemand, mir noch so nahe stehend, kann etwas von irgendeiner Stimme hören. Für mich erklingt diese Gnadenstimme aber dennoch heller als jeder noch so laute materielle Ton."

Es kommt bestimmt nicht von ungefähr, dass Jakob Lorber "Das Große Evangelium Johannes" diktiert wurde. Denn das Johannes-Evangelium gilt als das "pneumatische" Evangelium: Im Vergleich zu den anderen drei "synoptischen" Evangelien spricht dieses Evangelium ( griechisch: Frohe Botschaft ) am häufigsten vom Heiligen Geist.

Und dieser Geist wirkt laut der Neuoffenbarung in der Einzelseele durch die Gnade Gottes, durch Seine Einsprechungen. Ein jeder Mensch ist dazu aufgerufen, nur auf das leise Wehen des Geistes in der eigenen Brust zu hören und auf das Gezischel der Welt nicht zu achten. Dann vernimmt er die Stimme dieses Heiligen Geistes.

Während bei den "synoptischen" Evangelien ( Matthäus, Markus und Lukas ) die Erzählung abwechslungsreich und der Handlungsablauf von Aktivität gekennzeichnet ist, wird das Johannes-Evangelium durch einen kontemplativen, meditativen Ton geprägt, in dem die Belehrungen und Reflexionen Jesu im Vordergrund stehen.

Doch es ist immer derselbe Geist, der in der Bibel spricht ... Und dieser Geist forderte die Menschen auf ( Apostelgeschichte 1, 8 ), Zeugnis von Gott abzulegen ... und dieses eindeutige Zeugnis ist bei der Neuoffenbarung das niedergeschriebene Wort, das die Schwachen stärkt, die Gebeugten aufrichtet, die Schwankenden festigt und die Trostlosen tröstet.

Ein weiterer Beweis der Wahrhaftigkeit der Neuoffenbarung Gottes ist die Stelle im 1. Johannesbrief ( 4, 1-3 ): "Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind ... daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, Jesus Christus sei im Fleisch gekommen, ist aus Gott. Und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott."

Der "Geist Gottes", der sich durch die Neuoffenbarung kundtut, bekennt sich eindeutig zum im Fleisch gekommenen Jesus Christus: Tag für Tag Seines Lebens wird vor dem Leser des "Großen Evangelium Johannes" ausgebreitet: Alle Gespräche, die Jesus vor circa 2000 Jahren auf der Erde führte, mit vielen Menschen, die auch in den Evangelien des Neuen Testaments genannt werden. Wem das zu wenig "Beweis" ist, der sollte am besten das Werk der Neuoffenbarung lesen. Denn es heißt ja in der Bibel ( Jesaja 34, 16 ): "Erforschet das Buch des Herrn und leset" ... und der Leser wird in diesem Werk Erstaunliches, Vielfältiges, Fremdes, aber auch viel Vertrautes finden, doch nie etwas, was den Kriterien des 1. Johannesbriefes widerspricht.

Jesus ChristusSo empfing also Jakob Lorber innerhalb von 24 Jahren ein einzigartiges Riesenwerk, das heute 25 fünfhundertseitige Bände füllt. Zu diesem Werk der Neuoffenbarung gehören unter anderem das "Jakobus"-Evangelium ( 1843/44 ), in dem die Geburt, Kindheit und Jugend Jesu geschildert werden, und "Das Große Evangelium Johannes" ( 1851-64 ), das eine detaillierte Schilderung aller Vorgänge im Leben Jesu während Seiner drei Lehr- und Wanderjahre enthält.

Anmerkung: Bei dem seit dem 22. Juli 1843 geoffenbarten "Jakobus"-Evangelium handelt es sich um ein Werk, das große, teilweise wortwörtliche Übereinstimmungen mit dem so genannten Protevangelium des "Jakobus" aufweist, das wahrscheinlich im 2. Jahrhundert n. Chr. in griechischer Sprache geschrieben wurde und heutzutage noch unter anderem in der Berleburger Bibel ( entstanden: 1726-1742 ) für die Nachwelt erhalten geblieben ist. Es ist schwer vorstellbar, wie Jakob Lorber Kenntnis von dieser apokryphen Schrift des Neuen Testaments bekommen haben soll. Denn er war, wie man aus seiner Biographie herauslesen kann, mit seiner mittleren Schulbildung alles andere als ein Schriftgelehrter. ( Jakob Lorber begann 1817 eine Ausbildung zum Volksschullehrer in Marburg. Von 1819-1824 erfolgte dort auch seine Ausbildung zum katholischen Priester. Diese Ausbildung wurde jedoch aus Geldnot abgebrochen. Von 1824-1829 lebte Jakob Lorber als Hauslehrer in Graz, wo er 1829 sein Diplom als Hauptschullehrer erwarb. Weil er danach keine entsprechende Anstellung fand, verdiente er ab 1830 seinen Lebensunterhalt durch Unterricht in Gesang, Klavier- und Violinspiel sowie durch Konzertauftritte. Während dieser Jahre las Jakob Lorber unter anderem: Justinus Kerner ( 1786-1862 ), Johann Heinrich Jung-Stilling ( 1740-1817 ), Emanuel Swedenborg ( 1688 - 1772 ), Jakob Böhme ( 1575-1624 ) und Johann Tennhardt ( 1661-1720 ). Niemals aber trennte er sich von der Bibel, die ihm bis an sein Lebensende eine Quelle der Inspiration blieb. )

Jakobus ( der jüngste Sohn Josephs aus erster Ehe und Helfer Marias bei der Betreuung ihres Kindes Jesus ) war übrigens - laut der Neuoffenbarung - auch derjenige, der - im Auftrag von Jesus - den ersten Antwortbrief zu Abgarus Ukkama, dem König von Edessa, niederschrieb. Jesus antwortete hier dem Abgarus, einem Heiden, der im ersten Brief bezeugte, dass er an Jesus und Sein Wirken glaubt, auch wenn die meisten Menschen Ihn nicht als den verheißenen Heiland anerkennen und er Ihn ( wegen seiner Gesundheit ) nicht persönlich aufsuchen kann. Daraufhin antwortete Jesus: "Abgarus, du bist selig, weil du Mich nicht gesehen und doch geglaubt hast!" ( Briefwechsel zwischen Abgarus Ukkama, Fürst von Edessa, und Jesus von Nazareth, Antwortbrief 1, Vers 1 )

Genau dieser Glaube vollzog sich dann auch in der Zeit von 1840 bis 1864 - bei der Niederschrift der Neuoffenbarung: Jakob Lorber schrieb hier quasi "Briefe von Jesus" nieder, die er seinen Freunden zu lesen gab: Seine Freunde glaubten daraufhin an Jesus Christus als Urheber dieser "Briefe", obwohl sie Ihn nicht sehen konnten.

Diese Freunde erlebten 1844 wie der "Briefwechsel Jesu mit Abgarus Ukkama von Edessa" über Jakob Lorber neu eingeben wurde. Der Briefwechsel an sich beruft sich historisch auf eine im dritten Jahrhundert aufkommende Legende: Abgarus, König von Edessa in Syrien ( 4 v. Chr. - 50 n. Chr. ), hat demnach mit Jesus im Briefkontakt gestanden. ( Es sind dies Briefe an und von Jesus in den letzten Monaten und Wochen Seines Erdenlebens. )

Maria VerkündigungDer Kirchenhistoriker Eusebius von Cäsarea ( 263-339 ) übersetzte die ersten vier der insgesamt vierzehn Briefe "mit großer Sorgfalt" ( Eusebius ) im dritten Jahrhundert aus dem Syrischen ins Griechische und veröffentlicht sie in seinem ersten Buch der Kirchengeschichte. Er wies dabei auch auf die Quelle hin, wo er die Dokumente gefunden hatte, so dass jeder, der für weiteres Studium Interesse hatte, auf Grund des Quellennachweises die Dokumente eingehend studieren konnte.

Eusebius sagte, dass diese Schriftstücke bis zur jener Zeit in der öffentlichen Staatsbibliothek von Edessa zugänglich sind. Leider sind inzwischen die alten Schriftstücke des königlichen Archivs von Edessa ( vielleicht durch Kriegseinwirkungen ) verloren gegangen. Doch der durch Jakob Lorber ins Deutsche niedergeschriebene ganze Schriftwechsel zwischen Abgarus Ukkama, König von Edessa, und Jesus von Nazareth stimmt inhaltlich mit dem griechischen Text der ersten vier Briefe ( aus der Kirchengeschichte des Eusebius ) überein.

Im vierten Brief sagte Jesus zum Abgarus: "Ich, der Herr von Ewigkeit, nun ein Lehrer der Menschen und ein ewiger Befreier vom ewigen Tode, werde deinem Sohne das ewige Leben schenken vor Meiner Auffahrt, da er Mich ungesehen und ungekannt vor Meinem bevorstehenden Leiden für alle Menschen aus seinem ganzen Herzen geliebt hat. Und so wirst du, Mein lieber Abgarus, wohl deinen Sohn dem Leibe nach verlieren in der Welt, aber dem Geiste nach tausendfach gewinnen in Meinem ewigen Reiche!" ( Briefwechsel zwischen Abgarus Ukkama, Fürst von Edessa, und Jesus von Nazareth, Antwortbrief 2, Vers 2 ) Dieser Satz wurde 1844 über Jakob Lorber neuoffenbart.

Das hier ( im Jahr 1844 ) niedergeschriebene Schicksal des ( an einer unheilbaren Fieberkrankheit ) erkrankten Sohnes ( des Abgarus ) war dann genau dasselbe Schicksal, das einige Jahre später dem Anselm Hüttenbrenner widerfuhr, als seine Frau Elisabeth am 29. November 1848 wegen einer Lungenentzündung ( Brust-Katarrh ) verstarb. Einen Tag nach ihrem Tod empfängt Jakob Lorber folgendes Trostwort vom Herrn für die Familie Hüttenbrenner: "Weinet und klaget nicht so sehr um die in Mir für ewig Auferstandene, denn sie ist mit Mir und in Mir am Kreuze starker Leiden gestorben dem Leibe nach – und ist aber auch im selben Augenblick, als sie für euch dem Leibe nach sichtlich starb, in Mir und an Meiner Seite für ewig zum wahren ewigen Leben auferstanden!" ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 30.11.1848, Vers 3 )

Interessant ist, dass Ende 1845 - circa anderthalb Jahre vor dem Beginn dieser leidvollen Krankheit - der Herr über den "Schreibknecht Gottes" Jakob Lorber zur Elisabeth Hüttenbrenner sprach: "Du wirst zwar für eine kurze Zeit ein kleines Kreuzlein überkommen, das wohl nicht mit irdischen Diamanten besetzt sein wird, aber desto reichhaltiger an denen Meiner Vaterliebe und Gnade wird es sein! Nimm Mich vollends zu Deinem wahrsten Vater in dein Herz, so wirst du des Kreuzleins Bürde kaum wahrnehmen." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 28.12.1845, Vers 2 )

Um diesen "Schreibknecht Gottes" besser kennenzulernen und bei seinem "Schreibgeschäft" zu beobachten, fuhr Dr. Carl-Friedrich Zimpel ( 1801-1879 ), der später die ersten Hauptwerke "Die Haushaltung Gottes", "Das Jakobus-Evangelium" und "Der Mond" drucken ließ, 1850 eigens mehrere Monate nach Graz: Er urteilte daraufhin über die Person Jakob Lorber: "Dieser harmlose, stille, fromme Mann ohne eigentliche wissenschaftliche Bildung hat ein vortreffliches Herz und teilt mit allen, die noch bedürftiger sind als er selbst, seine geringe Habe, die ohnehin eigentlich mehr in Almosen besteht, die er von einigen Freunden empfängt."

Die Geburt Jesu (Andrea Previtali)

Die schon oben genannten beiden Schriften der Neuoffenbarung ( "Das Große Evangelium Johannes" und "Das Jakobus-Evangelium" ) verstehen sich nicht nur als Ergänzung zur Hauptschrift, der Bibel, sondern auch als eine Erfüllung der Verheißung Jesu Christi, nämlich Seiner Wiederkunft, über die es zum Beispiel im Neuen Testament heißt ( Römer 11, 26 ): "Es wird aus Zion der Erlöser kommen, der wird die Gottlosigkeit von Jakob abwenden." Und schon im Alten Testament heißt es ( Psalm 135, 4 ): "Der Herr hat sich Jakob erwählet."

Jesus redete vor 2000 Jahren vom nahenden Gottesreich und der Zeit der Umkehr. Er rief die Menschen zum Innehalten und zur Hoffnung in den Glauben an Gott auf. Der Kern Seiner Botschaft war die Erlösung durch Seine Auferstehung, das Versprechen Gottes an die Menschen, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern der Anfang vom ewigen Leben. In diesem Sinne verkündete Jesus keine irdische, sondern eine religiöse Botschaft. Er sagte ( Johannes 18, 36 ): "Mein Reich ist nicht von dieser Welt."

Jesus war - wie viele Juden damals auch - vom nahen Ende der Welt und dem anbrechenden Reich Gottes überzeugt. Er verkündete dieses kommende Reich, die bald hereinbrechende Herrschaft Gottes, um die Menschen auf das neue Zeitalter vorzubereiten. In diesem Sinne erzählte Er den Menschen von Gott und Seiner nahen Ankunft.

Gott wird sich demnach zur Zeit Seiner Wiederkunft durch Seine Gegenwart offenbaren - was in den beiden oben genannten Schriften der Neuoffenbarung ( "Das Große Evangelium Johannes" und "Das Jakobus-Evangelium" ) eindeutig der Fall ist: Das Leben Jesu Christi auf Erden wird hier - besonders in "Das Große Evangelium Johannes" - so detailliert und konkret geschildert, dass man bei der Lektüre oftmals die Nähe und Gegenwart Gottes regelrecht spürt.

Geburt ChristiFazit: Bei der Lektüre dieser beiden Schriften wird man - anders als in der Bibel - mehr emotional angesprochen und empfindet stärker, wie sich das Herz erwärmt, erfreut und mit Liebe erfüllt wird. In diesem Sinne spricht Jesus zu Seinem jüngsten Stiefbruder Jakob: "Du aber wirst Meine Stimme nur in deinem Herzen vernehmen!" ( Die Jugend Jesu, Kap. 157, Vers 21 ) Und an anderer Stelle spricht dieser Lieblings-Stiefbruder Jakob - ganz wie sein Namensvetter Jakob Lorber: "Ich habe in mir eine Stimme vernommen." ( Die Jugend Jesu, Kap. 162, Vers 2 ) ... und: "Ich bin nur ein mattes Werkzeug des Herrn und kann nur dann reden, wenn der Herr mir die Zunge löset." ( Die Jugend Jesu, Kap. 239, Vers 8 ) Auf diese Weise wogte also ein Strom der Liebe aus dem Herzen Jesu in das Herz vom Jakob hinüber ... so dass man sagen kann, dass sie "ein Herz und eine Seele" wurden: Jakob handelte aus einem "inneren Antrieb" ( Die Jugend Jesu, Kap. 252, Vers 14 ) heraus ... und er hatte gelernt, auf die innere Stimme zu hören und sie als den Willen Gottes anzunehmen.

Diesen Willen Gottes setzte er in die Tat um ... und dies wiederum führte zum Zeugnisablegen vor der Welt: So gab das eigene Verhalten Kunde von der Lehre und dem Geist Christi: Die Mitmenschen konnten an seiner Handlung ablesen, was Jesus Christus will. Sein Leben wurde zu einem durch die Tat bewährten Bekenntnis des Glaubens. In der Neuoffenbarung heißt es dann hierzu: "Meine Kinder ... hören Meine Stimme reden vom neuen Leben durch den Mund oder durch die Feder Meiner Seher und begießen das mager gewordene Erdreich fleißig mit dem Wasser aus dem Brunnen Jakobs, dann wird die Erde gleich wieder gesegnet und trägt Früchte von der allerschönsten Art." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 15.06.1840, Vers 31 )

Die Taufe ChristiNicht so sehr durch Predigten, sondern durch ein wahrhaftiges, beispielhaftes Christenleben sind die größten Eroberungen für Christus gemacht worden: Die tiefste Werbekraft des Christentums ist das Leben nach den Geboten, zugleich auch der stärkste Schutz gegen die Feinde. So wird die praktische Lebensführung zu einem überzeugenden Beweis für die Wahrheit der göttlichen Lehre Christi.

Damit man also nicht nur beim Lesen der Neuoffenbarung bleibt, sondern auch zur Liebtätigkeit schreitet, fordert Jesus in dem Werk "Das Große Evangelium Johannes" die Menschen immer wieder auf, mit der Selbstbekehrung zu beginnen. Es gilt ( in Anlehnung an Lukas 10, 38-42 ), nicht nur - wie Maria - bei Jesus zu sitzen und Seinen Worten zu lauschen, sondern auch - wie Martha - danach tätig zu werden. Denn das Wort Gottes ist vom Anfang bis zum Ende eine einzige Anleitung zur Liebe. In der Neuoffenbarung lautet hierzu der alles entscheidende Satz: "Wer Liebe reicht, dem solle auch wieder Liebe werden." ( Die Jugend Jesu, Kap. 219, Vers 12 ) Dabei ist es - nach der Neuoffenbarung - völlig unerheblich, welches Amt man in der Welt innehat: Es liegt vielmehr darin, dass man in der Welt aus Liebe, Demut und Sanftmut handelt.

Es heißt hierzu in der Neuoffenbarung: "Die Liebe lehrt dich, allen ... Wesen wohlzutun und sie so glücklich als möglich zu machen. Die Demut lehrt dich, klein zu sein und sich über niemanden - möchte er noch so unbedeutend scheinen - hochmütig zu erheben, sondern sich selbst stets als den Geringsten zu betrachten. Und die Sanftmut lehrt dich, jedermann stets gleich wohlwollend zu ertragen und aus dem innersten Herzensgrunde bemüht zu sein, jedem zu helfen, wo es ihm nottut.

Und das allzeit durch jene sanftesten Mittel, durch die ja niemand im geringsten in seiner Freiheit beirrt werden kann. Werden hie und da ernstere Mittel vonnöten, so muss hinter ihnen nie etwa eine Strafsucht oder gar richterlicher Zorn stecken, sondern allzeit die allerhöchste und reinste, sich selbst nie berücksichtigende Liebe!" ( Bischof Martin, Kap. 50, Vers 13 )

Die Kreuzigung (Nicolas Tournier)Durch die Liebelehre Jesu kann die göttliche Liebe in die Herzen der Menschen einziehen und ihr Gewissen wecken. Es geht also nicht darum, den Glauben fanatisch zu vertreten und diesen dem Nächsten aufzudrängen, sondern den Nächsten im Sinne Gottes zu lieben. Denn der Geist Gottes belehrt die Menschen nur und lässt sie frei handeln: Er zwingt oder drängt zu keiner Handlung, so dass der Mensch frei glauben kann, was er als wahr erkennt.

Erst durch die Liebe erhält somit der Glaube die Wirksamkeit. Denn der alleinige Glaube, und sei er noch so wahr, ist ein toter Glaube. Das heißt: Erst die Taten der Liebe machen den Glauben und mit ihm den ganzen Menschen lebendig.

Die Liebe steht somit vor dem Glauben an erster Stelle: Glaube ohne Liebe ist noch nicht viel wert und Liebe ohne Taten ist keine echte Liebe. Es hilft also wenig, allein tätig zu sein, sondern es gilt, aus Liebe zu Gott und zum Nächsten tätig zu sein. In diesem Sinne spricht Jesus: "So du mit einem Bruder oder Nachbarn einer kleinen Sache wegen in einen Streit geraten bist und er schlagfertig dir entgegentritt, so werde nicht noch heftiger, sondern reiche ihm freundlich die Hand und vergleiche dich im Frieden mit ihm, auf dass die alte Freundschaft unter euch wieder belebt werde." ( Gr. Ev. Joh. Bd. 11, Anhang zum Johanneswerk, "Backenstreich und Mantel etc." )

Doch eines ist bei aller tätigen Gottes- und Nächstenliebe in der Prophezeiung der Neuoffenbarung wichtig, zu beachten: Es gilt selbstverständlich auch für "Das Große Evangelium Johannes" die Empfehlung des Paulus ( 1. Thessalonicher 5, 20-21 ): "Geht nicht geringschätzig über prophetische Aussagen hinweg. Prüfet alles und das Gute behaltet." Der gläubige Bibelleser ist also gut beraten, beim Studieren der Neuoffenbarung das ( buchstäblich ) Gelesene zu prüfen und allein das Gute ( den Buchstabensinn ) zu behalten.

Der Engel der VerkündigungAuf dieser Grundlage ist folgende These zu bewerten: So wie das Neue Testament die Prophezeiungen aus dem Alten Testament erfüllt, so erfüllt die Offenbarung Emanuel Swedenborgs und die Neuoffenbarung die Verheißungen aus dem Neuen Testament. Man könnte bei beiden Kundgaben fast von einem neuen, "Dritten Testament" sprechen: Das so genannte "Erfüllte Testament". Denn als eines der wichtigsten Ereignisse für die Endzeit wird in der Offenbarung des Johannes ( 14, 6 ) eine vom Himmel gegebene frohe Botschaft vorausgesagt: "Und ich sah einen Engel fliegen durch die Himmelsmitte, der hatte ein "Ewiges Evangelium" zu verkünden über die Erdbewohner und über alle Nationen und Stämme und Sprachen und Völker." Im Alten Testament ist es Gott, der Vater, der im Mittelpunkt steht, im Neuen Testament ist es der Sohn Gottes und in der Neuoffenbarung ist es die "erfüllte" Kundgabe durch den Heiligen Geist zu "allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern": Es ist hier die Rede von einem Engel, der das "Ewige Evangelium" ( über einen "Schreibknecht" ) den Erdbewohnern verkündet.

Mit der Neuoffenbarung erfüllte sich demnach das Wort Jesu Christi aus dem Johannesevangelium ( 16, 12-14 ): "Noch vieles hätte ich euch zu sagen, doch ihr könnt es jetzt noch nicht ertragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommt, wird er euch in alle Wahrheit einführen. Er wird nicht aus sich selbst reden; er wird vielmehr reden, was er hört" ( durch das so genannte "Innere Wort" ).

Die Wiederkunft ChristiVerschlüsselt wird auf diese Weise im Neuen Testament die ( unsichtbare ) Wiederkunft Christi angekündigt. Denn nach der Neuoffenbarung zerfällt die Wiederkunft Christi in zwei Abschnitte: Zuerst kommt Jesus Christus für die Seinen unsichtbar für die gesamte Welt ( und zwar in Seinem Wort ). Dann kommt Er in großer Kraft und Herrlichkeit sichtbar für die ganze Welt.

Die erste ( für die Welt unsichtbare ) Wiederkunft Christi beschreibt die Offenbarung des Johannes ( 21, 2 ) in bildreichen Metaphern: "Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen ..." Dieses "Neue Jerusalem" wird mit der Offenbarung durch Emanuel Swedenborg und der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber im geschriebenen Wort für jeden Menschen zugänglich.

In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Alle Meine Worte und Lehren, die Ich seit Beginn des Menschengeschlechts den Menschen durch den Mund der Urväter, Propheten und Seher und nun Selbst gegeben habe, werden in vielen Teiloffenbarungen ihrem inneren, geistigen Sinne nach enthüllt werden. Aus solchen vielen Teilenthüllungen des inneren, geistigen Sinnes des Wortes Gottes wird sich dann erst eine wahre und große Licht- und Lebenslehre zusammenformen, und diese Lehre wird dann das große und "Neue Jerusalem" sein, das aus den Himmeln zu den Menschen herniederkommen wird.

Und die in der neuen Lehre sein und leben werden, die werden wandeln im "Neuen Jerusalem" und werden darin ewig wohnen, und ihrer Seligkeiten über Seligkeiten wird ohne Maß und Ziel nimmer ein Ende sein. Denn Ich Selbst werde bei ihnen sein, und sie werden schauen alle die zahllosen Herrlichkeiten Meiner Liebe, Weisheit und Allmacht." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 7, Kap. 54, Vers 4-5 )

Und bezogen auf den Zeitpunkt, wann dies alles geschehen soll, heißt es 1840 an anderer Stelle: "Hinter Meinem Haupte zeigen sich ganz schwach Teile der neuen Stadt der Heiligkeit Gottes, die soeben herabzusteigen hat angefangen vor euch!" ( Naturzeugnisse, Des neuen Lichtes Initial, Kundgabe v. 01.06.1840 ) Das heißt: Mit dem Werk der Neuoffenbarung kommt der himmlische Vater in Jesus zu den Menschen herab ... Und dies ist dann auch der größte Schatz, den man auf Erden finden kann: Das "Neue Jerusalem".

Das Neue Jerusalem

Das "Neue Jerusalem" wird im Neuen Testament folgendermaßen beschrieben ( Offenbarung 21, 10+22-23 ): "Da entrückte Er mich in der Verzückung auf einen großen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her vom Himmel herabkam ... Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt. Denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung, ist ihr Tempel, Er und das Lamm. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm."

Hinweis: Das Lamm weist hier auf das Opfer Jesu hin. Denn nach dem Johannesevangelium wurde Jesus zu der Stunde gekreuzigt, an dem die Lämmer für das Passahmahl geschlachtet wurden. ( Hinweis: Das Passahfest ist das wichtigste Fest der Juden. Es erinnert an die Befreiung aus Ägypten. ) Im gleichen Evangelium wird berichtet, dass Johannes der Täufer auf Jesus mit den Worten hinweist ( Johannes 1, 29 ): "Seht das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt." )

Und über die verheißene ( unsichtbare ) Wiederkunft des Herrn heißt es schon im Alten Testament ( Micha 4, 1-2 ): "Es wird in den letzten Tagen geschehen, da wird der Berg des Hauses des Herrn aufgerichtet sein über den Bergen, und Er überragt Hügel, und es strömen Nationen zu Ihm. Und viele Völker werden ziehen und sprechen: Wohlan, lasst uns hinaufgehen zum Berg des Herrn, und zum Hause des Gottes Jakobs, dass Er uns lehre von Seinen Wegen und wir wandeln auf Seinen Pfaden, wenn von Zion wird ausgehen die Lehre, und das Wort des Herrn von Jerusalem."

Die Menschen werden demnach von der Liebe Gottes angezogen. Darum heißt es in der Neuoffenbarung: "Ich gebe aller Liebe zu Mir nach dem Grade ihrer Größe auch alsogleich den gerechten Anteil des Lichtes hinzu, und das ist ein Geschenk und heißt die Gnade. Mit dieser fließe Ich bei jedem Menschen ein nach dem Grade seiner Liebe. Daher, so jemand die Liebe hat, da er Mein Gesetz in sich lebendig macht, welches die höchste Liebe ist, über den werden Ströme des Lichtes ausgegossen werden." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 4, V. 7-8 )

Und so spricht dann auch die kleine Pura zum Herrn: "Einen solchen Trost hast Du jetzt in mein Herz gleich einem übergroßen Lichtstrome gegossen, dass ich mir nun vor lauter überhimmlischer Entzückung nicht zu helfen weiß." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 2, Kap. 122, V. 6 )

Diese Liebe Gottes stieg vor 2000 Jahren in Gestalt des Menschensohnes Jesus Christus zur Erde hernieder, um der Welt den Frieden zu geben. Und Jesus zog drei Wanderjahre lang predigend durch Galiläa. Dabei fand Er Seine Zuhörer nicht in den Lehrhäusern und Synagogen, sondern auf der Straße, hauptsächlich in dörflicher und häuslicher Umgebung. So dass man sagen kann: Die Welt hatte Seinen Frieden nicht gewollt ... und als Antwort auf die Frage: "Was dünkt euch von Jesus Christus?" sind seitdem oft blutige Kämpfe ausgetragen worden.

Wiederum stieg vor nunmehr über 150 Jahren die Liebe des Vaters - diesmal ( unsichtbar ) im Wort, welches ist "das Schwert des Mundes" ( Offenbarung 19, 15 ) - zu den Menschen herab, nicht um zu richten, sondern um Licht in das Dunkel zu bringen. Es heißt: "Darum muss nun die letzte und größte Sichtung vor sich gehen, und die Sichtungsmaschine heißt: Die ( rechte ) Wissenschaft ... Diese wird zwar so manchen harten und schweren Kampf mit sich bringen ( genannt werden an dieser Stelle der Neuoffenbarung: Gewaltige Kriege, große Hungersnot, Erdbeben, Überschwemmungen, etc. ), ... aber den ein oder anderen bis jetzt noch Minder-Gläubigen wird ( dadurch ) ein Licht aufgehen ...

( Mit ) dieser Meiner zweiten Ankunft ... ( wird ) alles Unrichtige vollends gründlich erkannt ( werden ... Und darum ) arbeitet fleißig am lebendigen Studium des Johannes; denn in dem werdet ihr noch zu einer Überfülle des Lichtes gelangen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Anhang zum Johanneswerk, "Die Geschichte des Neuen Testaments" ) Die sichtbare Wiederkunft Christi darf man sich also nicht nur als ein einmaliges, an einem bestimmten Tage sich ereignendes Geschehen vorstellen. Vielmehr geht ihr ein geistiger Erleuchtungs- und Entwicklungsvorgang voraus, der, wie alles Werden in der Schöpfung Gottes, seine der Größe und Bedeutung des Vorgangs entsprechende geraume Zeit in Anspruch nimmt. ( Es dauerte auch ca. drei Jahrhunderte, bis sich das Christentum endgültig in der Welt durchsetzte. )

Fazit: Mit Hilfe der ( rechten ) Wissenschaft ( Archäologie, Sprach- und Geschichtswissenschaft, Orientalistik, Psychologie und Soziologie ) soll bei Seiner "zweiten Ankunft" ein objektives Zeugnis von Ihm ( Jesus ) gegeben werden, das den Glauben von den vielen "falschen" Jesusbildern, welche die Zeit über Jahrhunderte hinweg munter ausgestoßen hat, befreit.

Wohl wissend, dass es Bereiche des Glaubens gibt, die die Wissenschaft nur beschreiben, aber nicht erklären kann, soll nun die Wissenschaft vieles im Umfeld des Glaubens an Jesus Christus erhellen. Dabei ist natürlich auch zu berücksichtigen, dass keine Menschenseele von einem Tage auf den anderen reif wird, um Gott, den himmlischen Vater, in Seiner heiligen Jesusgestalt erkennen und aufzunehmen zu können. Es braucht da in jedem Falle einer ernsten und meist überaus langwierigen Herzensbildung in der Schule der Erfahrung, um von der irrtümlichen Vorstellung zur Wahrheit zu gelangen.

Wartete demnach die gesamte Menschheit über 1800 Jahre lang auf die Wiederkunft Jesu Christi und auf die Neu- ( beziehungsweise Wieder- ) Offenbarung Seiner Heilslehre, so wartete sie laut der Neuoffenbarung letztendlich auf diese Zeit der Offenbarungsschriften, auf "dass ein jeder erkenne und einsehe, dass Ich im Geiste nun wieder ganz besonders wahrnehmbar auf diese Erde gekommen bin, um die letzten Arbeiter in Meinen Weinberg zu dingen und aufzunehmen." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 24.04.1864, Vers 2 ) Und an anderer Stelle heißt es in der Neuoffenbarung:

"Seht, was die Apostel, eure Brüder, wollten sehen,
Und doch nicht sahen, ihre todten Brüder auferstehen,
Die heil'ge Stadt hernieder steigen, Meine Sonne strahlen,
Und höret Worte voll des Lebens überall erschallen;
Bereitet eure Herzen, freuet euch! die ihr beklommen
Noch seid in Sünden, seht,
Ich bin zu euch herabgekommen.

Ja Ich, hört Völker, Ich der Vater - in dem Menschensohne!
Ich komm' zu euch, und all' Mein Reich mit Mir für euch zum Lohne;
Denn ausgeronnen ist die Zeit, gebrochen ist die Macht,
Ich hab' in Meinem Herzen Meines Bruders wohl bedacht;
So freuet euch, die ihr nach Mir habt sehnsuchtsvoll verlanget,
Seht auf, wie hoch schon dort am Morgen Meine Sonne pranget!"

( Psalmen und Gedichte, "Der Engel", Vers 64-65 )

Demnach vollzieht sich in der Offenbarung ( Emanuel Swedenborgs und der Neuoffenbarung ) für die gesamte Menschheit die ( unsichtbare ) Wiederkunft Jesu Christi auf Erden "im Feuer Meiner Heiligkeit" ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 46, Vers 19 ). Das heißt: Das im Neuen Testament angekündigte Reich Gottes kommt in der Neuoffenbarung zu den Menschen und kann sich dabei auf die Textstelle in der Offenbarung des Johannes berufen, wo da steht ( 19, 10 ): "Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Prophetie."

Und schon im Alten Testament wird im Buch Daniel über diese ( unsichtbare ) Wiederkunft Christi ( 7, 13-14 ) vorhergesagt: "Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen Ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter."

Im Neuen Testament ist dieser endzeitliche Herrscher gegenwärtig, denn die ersten Christen sahen Jesus den Menschensohn, der am Ende der Zeiten Gericht halten und die endgültige Herrschaft antreten wird. Aus diesem Grund sagte Jesus im Neuen Testament ( Markus 13, 26 ): "Und dann werden sie sehen den Menschensohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit."

Und in der Neuoffenbarung heißt es hierzu erklärend: "Es wird gegen die Nähe des Gerichtes zu sehen sein das Zeichen des Menschensohnes am Himmel, das heißt der Himmel im Menschen wird Mich als den alleinigen Herrn Himmels und der Erde anerkennen, und des Menschen Seele wird Mich preisen und sehr loben. Aber das ist dann noch nicht die Vollendung des Menschen.

Aber wenn Ich dann licht und helle in den Wolken der Himmel mit allen Himmelsmächten unter dem Schalle wie von vielen Kriegs- und Gerichtsposaunen im lebendigen Worte vor allen Menschen auftreten werde im wahren Himmel, der im Herzen der Menschen ist, dann ist das Gericht der Welt da ... Wenn Ich einmal aufgefahren sein werde in Mein Reich, dann werde Ich nimmer im Fleische auf diese Erde wiederkommen, sondern nur im Geist, im Wort." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 6, Kap. 174, Vers 9-12 )

Und im Neuen Testament heißt es hierzu ( Hebräer 9, 27-28 ): "Wie es dem Menschen bestimmt ist, ein einziges Mal zu sterben, worauf dann das Gericht folgt, so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert, um die Sünden vieler hinwegzunehmen; beim zweiten Mal wird Er nicht wegen der Sünden erscheinen, sondern um die zu retten, die Ihn erwarten."

In diesem Sinne schreibt 1771 Emanuel Swedenborg in einem Brief an Ludwig IX. ( 1719-1790 ), der 1768 bis 1790 Landgraf von Hessen-Darmstadt war: "Der Herr unser Heiland hatte vorhergesagt, dass Er zum zweiten Mal in die Welt kommen und daselbst eine Neue Kirche gründen werde. Er hat diese Weissagung in der Offenbarung des Johannes Kap. 21 und auch Kap. 22, desgleichen in verschiedenen anderen Stellen in den Evangelien gegeben. Da Er jedoch nicht wieder in Person in die Welt kommen konnte, so war es notwendig, es mittelst eines Menschen zu tun, der nicht allein fähig wäre, die Lehre dieser Neuen Kirche mit dem Verstand aufzufassen, sondern auch sie durch den Druck bekannt zu machen."

Und in einem Brief an Friedrich Christoph Oetinger ( 1702 - 1782 ) schreibt Swedenborg am 23. September 1766: "Wer kann nicht sehen, dass unter dem Neuen Jerusalem eine Neue Kirche verstanden wird, und dass die Lehren derselben, da sie in bloßen Vorbildungen, das heißt, in Entsprechungsbildern beschrieben sind, nur vom Herrn allein enthüllt, und dann dass sie in der Welt nicht anders bekannt gemacht werden können, als durch einen, dem eine Offenbarung gegeben wird? Ich kann heilig beteuern, dass der Herr selbst mir erschienen ist, und dass Er mich gesandt hat, zu tun, was ich tue, und dass Er zu dem Ende das Innere meines Geistes, das heißt, meines Geistmenschen, aufgeschlossen hat, damit ich die Dinge, welche in der geistigen Welt sind, sehen, und diejenigen, welche sich daselbst befinden, hören möge, und dies nun schon 22 Jahre hindurch."

Und im Jahr 1768 schreibt Swedenborg: "Ich sehe voraus, dass viele, welche das hier folgende und die Denkwürdigkeiten hinter den Kapiteln lesen, dieselben für Erscheinungen der Phantasie halten werden. Allein ich versichere in Wahrheit, dass sie keine Erfindungen, sondern wirklich Geschehenes und Gesehenes sind: Gesehen nicht in irgend einem Betäubungszustand des Gemütes, sondern im Zustand des völligen Wachens.

Denn es hat dem Herrn gefallen, Sich selbst mir zu offenbaren, und mich auszusenden, dasjenige zu lehren, was ( Sache ) der Neuen Kirche, welche unter dem Neuen Jerusalem in der Apokalypse verstanden wird, sein soll. Zu diesem Zweck hat Er das Inwendige meines Gemütes und Geistes aufgeschlossen, worauf mir gegeben worden ist, in der geistigen Welt bei den Engeln, und zugleich in der natürlichen Welt bei den Menschen zu sein; und dies nun schon 24 Jahre hindurch." ( Eheliche Liebe, Nr. 1 )

Die Wiederkunft Christi

Die Wiederkunft Christi in den Wolken des Himmels ist demnach ( zuerst ) eine Wiederkunft in Seinem Wort. Wie die strahlende Sonne oft von den Wolken verhüllt wird, sie aber dennoch Licht und Wärme spendet, so kommt Jesus, der das Wort oder der Geist Selbst ist, verhüllt zu den Menschen und spendet trotz der Verhüllung Licht und Leben: Die Verhüllung mit den Wolken ist das aus den Buchstaben gebildete Wort, in dem der geistige Sinn eines Wortes verborgen ruht. Der christliche Visionär Emanuel Swedenborg schrieb hierzu in seinem Werk "Die wahre christliche Religion": "Geistig denken heißt ohne Zeit und Raum, natürlich denken heißt: Denken in Raum und Zeit."

In diesem Sachverhalt liegt die generelle religiöse "Krise" der Menschheit begründet. Der lebendige Erfahrungsglaube, das "geistige Denken", wurde durch ein "Denken in Raum und Zeit" vernachlässig. Gerade dieses "Glaubensdefizit" zu beseitigen, liegt als wesentliches Moment der Neuoffenbarung zugrunde: Nur durch die Erweiterung des religiösen Bewusstseins kann der Glaube wieder lebendig werden.

Denn dann wird es für den Glauben auch keine Zeiten mehr geben, die man in Sekunden misst, sondern es zählt dann nur noch das Gefühl von Zustandsveränderungen im Inwendigen ... und dieselbe Bedingung gilt dann auch für die Aufhebung der Räumlichkeit: Man empfindet die Fortbewegung in dieser Zeit des "geistigen Denkens" nur noch durch die Veränderung in ( inneren, geistigen ) Zuständen.

Alles weicht also im "geistigen Denken" ab von dem, was man Logik nennt ... und von den Grundlagen, die man sich im Gehirn mit dem so genannten scharfen Verstand zurecht gelegt hat. Denn im "geistigen Denken" gibt es nur Verstehen durch Gefühl und Empfinden. Und in diesem Sinne ist auch der Einzug Jesu in Jerusalem zu verstehen.

Der Einzug Christi in Jerusalem (Jean-Hippolyte Flandrin)

Hosanna (Tom duBois)Jesus kam einst demütig auf einem Esel geritten und die wenigsten Menschen erkannten Ihn als den, der Er wirklich war, weil sie sich in der Regel nur vom Großartigen beeindrucken lassen. Wäre Jesus auf einem weißen Araberhengst, mit wallenden, prunkvollen Gewändern in Jerusalem eingeritten, hätte Er bei den Menschen, die ja auf einen starken und unüberwindlichen Helden und Befreier warteten, offene Tore und Herzen vorgefunden.

So hatten die Menschen damals die Vorstellung von einem unüberwindbaren Machtmenschen, der den Thron Davids wieder aufrichten und das Volk der Juden an die Spitze der Herrschaft über alle Völker führen würde. Aber dieser einfache Mann auf einem Esel reitend ( als Zeichen der Demut ), der allen Menschen freundlich und voller Liebe gegenüber trat ( auch den Römern ) und der keinerlei Anzeichen machte, die römische Besatzungsmacht mit Gewalt aus dem Lande zu treiben, dieser Mann konnte doch nicht der Messias sein, der Erlöser Israels ... und so wie die Menschen damals in Bezug auf den Messias dachten, genauso fehlinterpretieren viele Christen heute diejenigen Hinweise in der Bibel, die sich auf die Wiederkunft Christi beziehen. Auch diese werden in ihrer Darstellung erneut wieder zu wörtlich und nicht geistig verstanden.

Die Wiederkunft Christi

Im "Großen Evangelium Johannes" heißt es hierzu: "Ich werde bei Meiner zweiten Wiederkunft nicht mehr aus einem Weibe irgendwo wieder als ein Kind geboren werden; denn dieser Leib bleibt verklärt so wie Ich als Geist in Ewigkeit, und so benötige Ich nimmerdar eines zweiten Leibes in der Art, wie du das gemeint hast.

Ich aber werde zuerst unsichtbar kommen in den Wolken des Himmels, was so viel sagen will als: Ich werde vorerst Mich den Menschen zu nahen anfangen durch wahrhaftige Seher, Weise und neuerweckte Propheten, und es werden in jener Zeit auch Mägde weissagen und die Jünglinge helle Träume haben, aus denen sie den Menschen Meine Ankunft verkünden werden, und es werden sie viele anhören und sich bessern; aber die Welt wird sie für irrsinnige Schwärmer schelten und ihnen nicht glauben, wie das auch mit den Propheten der Fall war." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 9, Kap. 94, Vers 2-3 )

Jesus Christus wird demnach "zuerst unsichtbar kommen in den Wolken des Himmels", um in dieser Neuoffenbarung anzukündigen, dass Er "nahe an 2000 Jahren" ( Gr. Ev. Joh., Bd. 8, Kap. 46, Vers 3 ) nach Seiner Erdenzeit wieder erneut sichtbar kommen wird: Gott, der Herr, tritt hier aus Seiner himmlischen Verborgenheit heraus und kehrt sichtbar auf diese Welt zurück.

Diese Wiederkunft Jesu Christi ist der "Einbruch" der jenseitigen Welt in die diesseitige Welt ... und somit die "Öffnung" der jenseitigen Welt, die für die diesseitige Welt offenbar wird. Hierzu heißt es in der Neuoffenbarung: "Frage du aber nicht viel um den Beginn des "Tausendjährigen Reiches auf Erden"! Denn ein solches wäre ja ein Gottesreich mit äußerem Schaugepränge! – Ein wahres Gottesreich aber kann es nimmer geben in der Materie, sondern allein nur im Geiste. – Und so kommt das "Tausendjährige Gottesreich" nicht irgend äußerlich beschaulich, sondern ganz still und prunklos in den Herzen der Menschen, die eines guten Willens sind. Frage auch nicht: wann und wie? – Denn die Ankunft des "Tausendjährigen Gottesreichs" ist die allzeitige und stets gleiche, volle Wiedergeburt des menschlichen Geistes." ( Himmelsgaben, Bd. 2, Kundgabe v. 27.12.1850, Vers 5-6 )

Im Neuen Testament heißt es prophetisch über diese Zeit vor der ( sichtbaren ) Wiederkunft Christi ( Apostelgeschichte 2, 17 ): "Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will Ich ausgießen von Meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben ..."

Die Ankunft Christi

Und in dem "Großen Evangelium Johannes" heißt es über diese Endzeit: "Von nun an werden nahe volle 2000 Jahre hindurch zahllos viele Seher und Propheten erweckt ... und gegen Ende der angezeigten Zeit werde Ich auch stets größere Propheten erwecken, und mit ihnen werden auch die Gerichte sich mehren und ausgedehnter werden.

Da werden auch kommen große Erderschütterungen und sehr verheerende Stürme der Elemente, große Teuerungen, Kriege, Hungersnot, Pestilenz und noch viele andere Übel, und, wie Ich schon vorhinein bemerket habe, der Glaube wird - außer bei höchst wenigen - nicht unter den Menschen sein, die im Eise des Menschenhochmutes ganz erkalten werden, und ein Volk wird ziehen wider das andere. Es werden die Menschen auch gewarnt werden durch Seher und besondere Zeichen am Firmamente, woran sich aber nur die wenigen Meinen kehren werden, während die Weltmenschen das alles nur für seltene Wirkungen der Natur ansehen werden.

Aber darauf wird geschehen eine allergrößte Offenbarung durch Meine abermalige Darniederkunft auf diese Erde; aber dieser Offenbarung wird auch schon vorangehen ein allergrößtes und schärfstes Gericht und nachfolgen eine allgemeine Sichtung der Weltmenschen durchs Feuer und sein Geschoss, auf dass dann Ich Selbst eine ganz andere Pflanzschule für wahre Menschen auf dieser Erde werde errichten können, die dann dauern wird bis ans Ende der Zeiten dieser Erde." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 6, Kap. 150, Vers 14-17 )

Und an anderer Stelle heißt es: "Ich, der Herr, werde die Erde auf allen Orten und Punkten mit allerlei Gericht und Kalamitäten, als durch gewaltige Kriege, durch große Teuerung und Hungersnot, durch allerlei Pestilenz unter den Menschen und Tieren, durch große Erdbeben und andere Erdstürme, durch große Überschwemmungen und auch durch Feuer heimsuchen. Aber die Meinen werde Ich in der Liebe erhalten, und sie werden an nichts Mangel zu erleiden haben. Wer Mich aber nun in dieser Meiner zweiten Ankunft wird wie und wo immer zu verfolgen trachten, den werde Ich von der Erde zu vertilgen verstehen ...

Und nun begnüget euch vorderhand mit dem, was Ich euch gegeben habe und arbeitet fleißig am "Johannes" ( gemeint ist hier: "Das Große Evangelium Johannes" ); denn in dem werdet ihr noch zu einer Überfülle des inneren Lichtes gelangen. Hat aber jemand etwas für sich, das er wissen möchte, so mag er fragen, und Ich werde bereit sein, ihm darüber ein kurzes und helles Licht zu geben." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 25.04.1864, Vers 21-22+24 )

Die Ankunft Christi

Und im Alten Testament heißt es hierzu ( Psalm 25, 8-10 ): "Gut und zuverlässig ist der Herr: Den Sündern zeigt Er den richtigen Weg; den Entrechteten verhilft Er zu ihrem Recht und lehrt sie, Seinen Willen zu erkennen. Alles, was der Herr tut, ist Güte und Treue für die, die Seinen Bund achten und Seinen Weisungen gehorchen."

Die An- und Wiederkunft Christi ereignet sich demnach nicht in einer Revolution, bei der sich die Volksbefreier in Uniformen mit Waffen, Streit- und Schmähschriften, Alkohol und Zigarre, Fahnen und frecher Musik gefallen. Denn Gott will freiwilligen Gehorsam, der auf dem wahren Verständnis der Lehre Christi beruht. Es heißt: "Es besteht nirgends eine Macht in den Händen eines irdischen Herrschers, außer die Macht aus Mir. Daher soll auch jedermann dem rechtmäßigen Kaiser oder König gehorchen." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 21.05.1848, Vers 5 )

Und zum besseren Verständnis dieser Worte spricht der Herr an anderer Stelle über Jakob Lorber zu Andreas Hüttenbrenner ( 1797-1869 ), dem Bürgermeister von Graz und engen Vertrauten der Neuoffenbarung: "Halte weder mit der alten Dynastie, noch mit den alten Gesetzen und schon gar nicht mit den Aristokraten, welche ein alter Krebsschaden in der Menschheit sind; sondern halte nun fester als je mit Mir und mit dem Volke, dessen Not dir mehr als jemand anderem bekannt ist." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 23.07.1848, Vers 3 )

Die An- und Wiederkunft Christi erfolgt - gemäß der Neuoffenbarung - allein in der Freude an der Wahrheit, der Ordnung und ehrlicher Sitten. Nur hier ist der rechte Fortschritt des Geistes zu erwarten. Und so heißt es: "Nur eines tut Not, nämlich rechte Liebe und ein wahres Licht; alles andere wird sich von selbst geben." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 19.03.1848, Vers 9 )

Genaugenommen vollzieht sich die An- und Wiederkunft Christi in einem besseren und rechten Verständnis der Lehre Christi und in einem Leben nach Seiner Ordnung. Mit der Veröffentlichung der Werke der Neuoffenbarung wird deshalb eine ( geistige ) "Friedenssonne" ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 14.06.1848, Vers 10 ) auf dieser Erde aufgehen, denn schließlich fehlt es der Welt vor allem am geistigen Licht. Aus diesem Grund schreibt auch Emanuel Swedenborg ( im Jahre 1771 ), "dass der Herr vor einigen Monaten Seine zwölf Jünger, nun Engel, zusammenberufen und sie in die ganze geistige Welt ausgesandt hat, mit dem Auftrag, das Evangelium von Neuem daselbst zu predigen, weil die vom Herrn durch sie gegründete Kirche gegenwärtig so sehr zu ihrem Ende gelangt ist, dass kaum noch einige Überreste von ihr vorhanden sind." ( Wahre Christliche Religion, Nr. 4 )

Und weiter heißt es an anderer Stelle bei Swedenborg: "Die neue Kirche auf Erden nimmt gemäß der Zunahme in der Geisterwelt zu. Denn die Geister von dort sind bei den Menschen und sind aus denjenigen, welche im Glauben ihrer Kirche waren, während sie in der Welt lebten. Und keine andere von ihnen nehmen die Lehre an als solche, die in einer Neigung für geistige Wahrheit sind. Sie allein sind mit dem Himmel verbunden, und verbinden den Himmel mit den Menschen. Ihre Zahl in der Geisterwelt nimmt jetzt täglich zu. Deshalb nimmt diese Kirche, welche das Neue Jerusalem genannt wird, der Zunahme jener gemäß, auf Erden zu." ( Apocalypsis Explicata, Nr. 732 )

Die neue Kirche wird demnach zuerst nur unter wenigen gebildet. Doch die Menschheit wird durch das ständig neue Einwirken der geistigen Welt auf immer höhere Bewusstseinsstufen erhoben. Emanuel Swedenborg schreibt hierzu: "Dass die göttliche Vorsehung des Herrn es so leitet, dass die Kirche zuerst nur unter wenigen ist, nach und nach aber unter mehrere kommt, hat seinen Grund darin, dass das Falsche der vorherigen Kirche erst entfernt werden muss." ( Enthüllte Offenbarung, Nr. 547 )

In diesem Sinne spricht auch ein Oberbefehlshaber der Römer zu Jesus: "Wie aber Deine wahrlich heilige Lehre sich auf einem möglichst hindernisreichen Wege die Bahn brechen wird in der Nacht, in der nun die Menschheit begraben liegt, das ist mir noch so unklar wie ehedem! Auf einem rein wunderbaren Wege würde sie nach Deiner eigenen Aussage den Menschen nicht viel nützen, weil sie auf diese Weise aus den frei werden und sein sollenden Menschen nur Maschinen machen würde; auf dem ganz natürlichen Wege aber wird sie viel Blut kosten und eine überlange Zeit brauchen! Ja, ich möchte nahe mit Gewissheit behaupten, wenn ich auch keine prophetische Gabe besitze, dass, wie ich die Menschheit so ziemlich weit und breit in Asien, Afrika und Europa herum kenne, von nun an gerechnet, in 2000 Jahren noch lange nicht die Hälfte der Erdenmenschen sich im Lichte dieser Deiner Lehre sonnen wird! – Habe ich recht oder nicht?"

Daraufhin antwortet Jesus: "Da hast du im Grunde durchaus nicht unrecht. Aber es liegt im allgemeinen auch nicht soviel daran als du meinst; denn es handelt sich hier nicht so sehr um die allgemeinste Annahme Meiner Lehre auf dieser Erde, als vielmehr um die durch Meine gegenwärtige Darniederkunft und durch Mein Wort und Meine Lehre endlich einmal errichtete Brücke zwischen dieser materiellen und jener geistigen Welt, deren ewige Gefilde jenseits des Grabes liegen!

Wer Meine Lehre diesseits vollernstlich annehmen wird, der wird diese Brücke schon im Leibe überschreiten; wer aber auf der Erde Meine Lehre entweder lau, unvollständig oder auch gar nicht annehmen wird, der wird in großer Nacht in jener Welt anlangen, und es wird ihm sehr schwer werden, diese Brücke zu finden!

Den Menschen aber, die nie in den Stand kommen sollten, noch diesseits von Meiner Lehre etwas zu erfahren, werden jenseits Führer gegeben werden, die sie zu dieser Brücke leiten werden. Werden die von Meiner Lehre noch nichts wissenden Geister den Leitern folgen, so werden sie auch über diese Brücke kommen zum wahren ewigen Leben; werden sie aber hartnäckig bei ihrer Lehre verbleiben, so werden sie aus ihrem Lebenswandel nach ihrer Lehre bloß geschöpflich gerichtet werden und werden zur Kindschaft Gottes nicht gelangen!" ( Gr. Ev. Joh., Bd. 1, Kap. 81, V. 9-12 )

Und weiter heißt es: "Über die Erde geht nun eine geistige Sündflut, wie einst vor viertausend Erdjahren zu den Zeiten Noahs eine materielle gegangen ist. Jene tötete das Fleisch, und diese tötet aber beides, das heißt Seele und Leib ... Und diese Flut ist wie ein Feuer – und ist ebendasselbe Feuer, von dem es geschrieben steht ( 2. Petrus 3, 7 ), dass die Welt durch dasselbe zum zweiten Male wird gerichtet werden allgemein ... Fället aber über niemanden ein Urteil, sondern überlasset alles Mir allein, so werdet ihr euch in Meiner Friedensarche befinden, in der euch nichts Arges dieser Zeit wird erreichen können." ( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 17.09.1848, Vers 2-3+6 )

Vor diesem Hintergrund ( "der geistigen Sündflut" ) geht es in der Neuoffenbarung immer wieder um eine geistige Auslegung des Wortes in der Bibel. Wenn es dort ( zum Beispiel im Neuen Testament ) heißt ( Matthäus 24, 27 ): "Denn gleichwie ein Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes", so heißt es hierzu in der Neuoffenbarung: "Die Wissenschaft und Künste werden ( in der Zeit Meiner Wiederkunft ) ein Blitz sein, der vom Aufgange bis zum Untergange alles hell beleuchtet, was da auf der Erde ist. Unter dem "Aufgang" versteht man das Geistige, unter dem "Untergang" aber alles Naturmäßige." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 9, Kap. 91, Vers 9 )

Und im Neuen Testament spricht Jesus weiter ( Matthäus 24, 30-31 ): "Sie werden den Menschensohn kommen sehen in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und Er wird Seine Engel mit der Posaune senden mit großem Schalle und sie werden Seine Auserwählten von den vier Winden von einem Ende des Himmels bis zum andern zusammenbringen."

Gemäß der geistigen Auslegung der Neuoffenbarung meinen diese Worte Jesu, dass zur Zeit der Wiederkunft Christi die auf Erden lebenden Auserwählten gerufen werden. Diese werden in der letzten Zeit von Engeln ( dies sind die Boten Gottes beziehungsweise im Geist von Gott erweckten Menschen ) durch Reden und Schriften gesammelt in die gleiche Sphäre der wahren Erkenntnis und Liebe, damit der Herr bei Seinem persönlichen Kommen mit ihnen als Seine Braut Hochzeit halten kann ( Offenbarung 19, 17-18 ).

Diese Engel sammeln - nach der Neuoffenbarung - in der letzten Zeit nicht bloß die schon Guten, sondern auch viele, die noch geistig tot, aber noch besserungsfähig sind. Diese wecken sie mit ihren Reden und Schriften, die man mit gewaltig tönenden Ausrufposaunen vergleichen kann, aus den Gräbern ihrer Geistesnacht, so dass sie auch noch den Auserwählten der Brautgemeinde beigezählt werden können.

Die Taufe Christi (Mattia Preti)Doch es geht hier nicht nur um eine rein-geistige Auslegung, sondern auch um eine emotionale Annäherung an Jesus Christus: Der Leser wird zurückversetzt in die Zeit Jesu und erlebt noch einmal Seine mit den Menschen geführten Dialoge mit: Alles wird - nach ca. 2000 Jahren - lebendig und anschaulich vor Augen gestellt. Dabei wird das Leben Jesu Christi in jenen Einzelheiten geschildert, die im Neuen Testament nur angedeutet oder ausgelassen worden sind, und von denen es heißt ( Johannes 21, 25 ): "Es sind auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. So sie aber sollten eins nach dem anderen geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären."

Die Botschaft des Großen Evangeliums Johannes, in dem Gott eindeutig die Liebe ist ( 1. Johannes 4, 16 ), ist besser mit dem Herzen ( Gefühl ) als mit dem Verstande zu erfassen. Es heißt hierzu in der Neuoffenbarung: "Jeder lese das Kundgegebene mit dem Herzen und nicht mit dem Kopf, so wird er dadurch in seinem Leben zu einem großen Segen gelangen." ( Von der Hölle bis zum Himmel - Robert Blum, Bd. 2, Kap. 303, Vers 18 )

Wer also auf diese Weise Jesus in sein Herz aufnimmt, der hält dieses Evangelium nicht nur für ein "Erbauungsbuch" der christlichen Volksfrömmigkeit, sondern für ein prophetisches Werk mit dem Ziel ( Johannes 17, 3 ): "Das ist aber das ewige Leben, dass sie Dich, den allein wahren Gott, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen."

Dieses Streben nach der Erkenntnis Gottes wird dem gläubigen Leser der Neuoffenbarung gleichsam zur zweiten Natur: Er wird darnach trachten mit der Selbstverständlichkeit, mit der die Hand greift und das Auge sieht. Er wird nicht mehr davon ablassen, auf der Grundlage der Liebe zu Gott den neuen Bau zu errichten, und er wird stets darauf bedacht sein, sein Vorhaben auch in die Tat ( in der Liebe zum Nächsten ) umzusetzen.

Denn er ist berufen, in der Gegenwart Gottes zu stehen. So wird sein ganzes Sein von diesem glühenden Wunsch ( nach der Erkenntnis Gottes ) innerlich durchdrungen ... und dieser Wunsch ist die bewegende Kraft, die den ( alten ) Menschen ( geistig ) umgestaltet und damit seiner eigentlichen Bestimmung entgegenführt.

Wie dynamisch wird in der Neuoffenbarung alles empfunden, wie durchglutet von einem lodernden Feuer, das einen unwiderstehlich ( geistig ) vorwärts treibt. Um es ganz deutlich zu sagen: Die Neuoffenbarung ist inspirierte, göttliche Schrift, die von der Wahrheit kündet und sie umschreibt. Aber sie ist nicht die Wahrheit, die allein im Buchstaben zu finden ist. Vielmehr spricht der Herr im symbolischen Charakter, das heißt: Die Hauptwahrheiten werden nicht offen mitgeteilt, sondern absichtlich verhüllt dargestellt. Hierzu heißt es erklärend: "Da wo Ich am wenigsten zu sagen scheine, da sage Ich am meisten; und wo Ich aber am meisten zu sagen scheine, da sage Ich nur so viel, als ihr zu ertragen im Stande seid. Das sei euch ein Schlüssel zu dieser Meiner Schrift - das neue lebendige Wort." ( Psalmen und Gedichte, "Schlüssel zur Schrift" )

Wie der Herr in der Verhüllung auf Erden erschien, so zeigt auch die Neuoffenbarung Sein Bild nicht frei und jedem Blick zugänglich, sondern nur in der Verkleidung des Buchstabens, im allegorischen Schriftverständnis. Es genügt daher nicht, beim bloßen Wortsinn stehenzubleiben, sondern es gilt, das allegorische Verständnis mit dem Herzen zu entdecken, weil dies allein die verborgenen Tiefen enträtselt.

Doch wie ist nun die Neuoffenbarung im Vergleich zu den Evangelien des Neuen Testamentes heutzutage zu lesen? Hier erwähnt Jesus als Beispiel die drei Evangelisten der "nachösterlichen Gemeinde": "Ich will weder den Lukas, Markus noch Matthäus richten; denn sie haben sich zu ihrer Zeit wenigstens die Mühe gegeben - aus dem vielen schon vielfach Verunstalteten Meiner Lehre das Reinste und Beste herauszusuchen ...

Darauf verglichen sie das mit den ihnen bekannten Stellen aus den alten Propheten und fanden es übereinstimmend, was sie geschrieben haben, und damit war für sie das Kriterium für die Wahrheit dessen, was sie niedergeschrieben haben, vollkommen fertig und gültig." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Anhang zum Johanneswerk, "Seid klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch" )

So gesehen gilt nach der Neuoffenbarung folgende Regel: Es sind die Texte der Neuoffenbarung speziell in dem Bereich, "was die materiellen Fakta anbelangt, ... ( von allem allzu Phantastischen und auch vor allem ) Wunderbaren ( zu befreien ... Erst dann zeigt sich dem Leser in der geistlichen Betrachtung ) die rechte Wissenschaft der Menschen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 11, Anhang zum Johanneswerk, "Seid klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch" )

Wer sich den Texten der Neuoffenbarung in dieser Weise nähert, dem wird offensichtlich, dass die Neuoffenbarung die Fortsetzung der Inkarnation und irdischen Wirksamkeit des Herrn ist: Aus ihr spricht ebenso der Geist Gottes wie aus den Worten Christi im Neuen Testament. Von daher hat auch Jesus Christus zu Erdenzeiten bewusst in Gleichnissen gesprochen, um die Wahrheit profanen Blicken zu verbergen: Die Erkenntnis Gottes ist immer nur Sache einiger weniger ... aber sie wird dem geistig Betrachtenden durch die Neuoffenbarung zugänglicher gemacht. 

Denn schon zur Zeit Jesu erschien der auferstandene Herr den Jüngern durch "verschlossene" Türen im Abendmahlssaal ( dies ist ein allegorisches Bild dafür, dass Gott "geistig" in das Innere des Menschen eintritt ) und sprach zum zweifelnden Thomas ( Johannes 20, 29 ): "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben." Dieses gleiche Problem, dass man den auferstandenen Jesus zuerst nicht am Äußeren erkennt, trat auch bei Maria Magdalena und den Emmausjüngern nach Ostern ein. ( Auch dies ist wieder ein allegorisches Bild ... und zwar dafür, dass man die Augen des Herzens - die Liebe - braucht, um Jesus wahrhaft zu erkennen: Genau diese Herangehensweise bedarf es auch bei den Texten der Neuoffenbarung. )

Hierzu heißt es: "Allein es ist gut also. Denn wäre der Geist solcher Texte nicht so wohl verborgen, als er es ist, so wäre das Heiligste darin schon lange allertiefst entheiligt worden, was da von größtem Übel wäre für die gesamte Erde; so aber hat man nur an der Rinde genagt und konnte zum lebendigen Heiligtume nicht gelangen. Nun aber ist es an der Zeit, den wahren innern Sinn solcher Texte zu zeigen allen, die da würdig sind, daran teilzunehmen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 1, Kap. 1, Vers 2-3 )

Die Taufe Christi (Francesco Albani)Wer im Urlaub beginnt, "Das Große Evangelium Johannes" zu lesen, dem wird es gelingen, die irdischen Sorgen "wegzupusten" und den Ehrgeiz ( nach weltlicher Anerkennung ) locker zu nehmen. Denn in diesem Evangelium ist es auch erlaubt, einfach seinen "Urlaub mit Jesus" zu genießen: Die vergänglichen Formen dieser Welt werden dabei - wie im Gebet - mit den unvergänglichen des Himmels ausgetauscht, das heißt Jesus Christus wird nun zum Mittelpunkt des Lebens: Er beruft die Menschen und führt sie zusammen, damit diese von Ihm etwas über die Erkenntnis Gottes lernen. Es heißt hierzu im Neuen Testament ( Johannes 1, 18 ): "Gott hat niemand jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der an der Brust des Vaters ruht, der hat Ihn uns verkündigt."

Dabei vergisst die Neuoffenbarung auch nie zu erwähnen, dass die Liebe und der Glaube die notwendigen Ausgangspunkte der geistigen Entwicklung sind. Da beide sich auf dem Geist Gottes gründen, sind sie laut der Neuoffenbarung die Grundlagen zur Erlösung: Alle Erlösung ist an ein Leben im Geiste Gottes gebunden.

Von daher lässt sich "Das Große Evangelium Johannes" auch keineswegs in einem Stück herunterlesen. Vielmehr sollte man sich Zeit nehmen, um das Gelesene nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen hin- und herzuwenden. Die Anstrengung lohnt sich, hat man es doch mit einem Evangelium zu tun, dessen Einsichten einen erleuchten und einen mit einem neuen Blick auf die Welt ausstatten.

In diesem Sinne soll das hier vorliegende Kompendium eine Hilfe sein, da es wohl in der heutigen - so gehetzten - Zeit nur wenigen Menschen vergönnt sein dürfte, das gesamte Werk des "Großen Evangeliums Johannes" - es umfasst zehn Bände zu je 500 Seiten - ausführlich durchzulesen. Bei der Auswahl der Textstellen habe ich mich für diejenigen entschieden, die mich am meisten angesprochen und mir persönlich geholfen haben. Auf diese Weise, glaube ich, hat mir Gott gezeigt, welche Botschaften für Sie, liebe(r) Webseiteleser(in), wichtig sind. Möge Gott dadurch zu Ihnen reden und Sie segnen.


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