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Die Taufe mit dem Heiligen Geist
"In den Evangelien, da von Johannes
dem Täufer die Rede ist, heißt es unter anderem: Ich bin nur die Stimme eines Rufers in der Wüste und bereite den Weg des Herrn. Nicht würdig bin ich, Dem die Schuhriemen aufzulösen, der nach mir kommt. Ich taufe nur mit
Wasser, Er aber wird taufen mit dem Geist der Wahrheit, mit dem Geist Gottes zum ewigen Leben!" ( Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum, Bd. 1, Kap. 39, V. 3 )
Die Menschen wollen heutzutage diese Kraft des Heiligen Geistes erleben - die Wirklichkeit des christlichen Glaubens, die plötzlich
wie eine Gnadengabe aus dem ( geistigen ) Himmel über den Menschen herab kommt und die Seele augenblicklich wie Feuer aus dem Himmel reinigt und erneuert. In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Meine Kirche auf Erden ist ein Reinigungsbad." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 2, Vers 5 )
Und wie vollzieht sich diese Reinigung? Es heißt hierzu: "Die Zornflammen Gottes
stürzen schneller denn Blitze zur Erde nieder, dringen bis in die Mitte derselben und entzünden dieselbe." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 9, Vers
10 ) Und an anderer Stelle spricht der Herr: "Ich werde den Unrat aus ihren Herzen vertilgen und werde sie mit dem Feuer Meiner göttlich-väterlichen Liebe
erfüllen." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 3, Vers 13 )
Diese "göttlich-väterliche Liebe",
der Heilige Geist, ist Gottes größte Gnadengabe ... und diese Gnade wird dem Menschen gegeben nach dem Grade seiner Liebe: "So jemand die Liebe hat ... über den werden Ströme des Lichtes ausgegossen werden."
( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 4, Vers 8 ) Demnach benötigt der Mensch zu einem geisterfüllten Leben Gottes Charisma ( das Wort "Charisma" kommt aus dem Griechischem und bedeutet "Gnadengabe" ). Jesus Christus
verhieß deshalb Seinen Jüngern die Ausgießung des Heiligen Geistes, den Er selbst besaß - wie es Johannes der Täufer über den Gesalbten aussagt ( Johannes 3, 34 ): "Gott erfüllt Ihn ganz mit Seinem Geist."
Doch wie konnte man in diesem Zusammenhang später verkünden, dass allein das "sinnfällige Zeichen" des Übergießens eines Menschen
mit Wasser bei der Taufe entscheidend für das ewige Geschick sein wird? Wohlgemerkt: Es ist ein "sinnfälliges Zeichen" und kein konkreter Gegenstand der Verehrung. Schließlich besteht die Gefahr, dass ein
Gegenstand den Blick für das geistige Geschehen verstellt. Man sollte also nicht so sehr die Taufe an sich verehren, sondern das, was die Taufe eigentlich bezeichnet: Sie ist ein Zeichen, das auf ein geistiges
Geschehen hinweist: Es ist nicht die Taufe, die errettet. Die Taufe ist ein Bild ( 1. Petrus 3, 21 ) ... übrigens genauso wie das Abendmahl, über das man in der Neuoffenbarung lesen kann: "Wer Mich im Brote sucht, der glaube, dass Ich das Brot und den Wein eingesetzt habe als ein bleibendes Denkmal Meiner Menschwerdung auf Erden."
( Himmelsgaben, Bd. 1, Kundgabe v. 22.05.1841, V. 27 ) ... und weiter heißt es in der Neuoffenbarung hierzu: "Die Zeremonie ist nur ein äußeres
Bild dessen, das ihr innerlich in euch tun sollet." ( Die Geistige Sonne, Bd. 2, Kap. 59, V. 13 ) ... und an anderer Stelle liest man: "Die Taufe soll ein lebendiges Zeichen sein, dass jemand den christlichen Glauben
zur einzigen Richtschnur seines Lebens angenommen" hat. ( Bischof Martin, Kap. 64, V. 10 )
Und doch glauben noch viele Christen heute, dass die Taufe Jesu der Moment war, wo Jesus zu Christus ( dem "Gesalbten" ) wurde ...
Wie kann nur so etwas geschehen? Wie kann die christliche Taufe entscheidend für das ewige Geschick sein? Für den Philosophen Immanuel Kant ( 1724-1804 ) ist es ein abergläubischer Wahn zu meinen, "durch den
Gebrauch bloßer Naturmittel, eine Wirkung, die für uns Geheimnis ist, nämlich den Einfluss Gottes auf unsere Sittlichkeit, hervorbringen zu können."
Nach meiner Meinung hat Kant hier recht: Nicht das Zeichen verbindet uns mit Christus. Denn das Zeichen ist kein Gnadenmittel, mit dem unlösbar eine Heilsgabe verbunden ist. So ist auf Erden uns
alles Göttliche nur in der Form der Verhüllung zugänglich. Es tritt uns in der Heiligen Schrift, in den gottesdienstlichen Handlungen und in den Dingen der Schöpfung entgegen. Doch allein im kontemplativen
Gebet fällt dieser der menschlichen Natur angemessene Schleier: Das "Ich" tritt heraus in ein völliges Sich-Gott-Überantworten.
"Es heißt, dass durch die Taufe die Erbsünde und alle vor der Taufe begangenen Sünden nachgelassen werden." ( Bischof Martin, Kap. 64, V. 11 ) Aus diesem Grund
gibt es auch "eine Taufe zur Wiedergeburt und somit auch eine Erlösung vom Tode zur Gewinnung des ewigen Lebens ... Denn wenn es hie und da Sünder gibt, so muss es auch eine Vergebung der Sünden geben und somit eine Taufe und eine
Erlösung." ( Die natürliche Sonne, Kap. 33, V. 17+19 )
Die Vergebung der Sünden vermag aber nur der Heilige Geist in der mystischen Einheit zwischen Gott und dem Menschen ( im kontemplativen Gebet )
herzustellen ... und damit nicht die Werke, die ein Mensch tut. Allein die Güte und Gnade Gottes, die Er den Menschen zuwendet und die sich der Welt in Jesus Christus offenbart haben, verkünden wahrhaftig das Evangelium: Durch die
Gnade Gottes haben die Erwählten Seine "mystische Erlösung" empfangen.
Dies ist auch ein zentrales Thema der paulinischen Theologie im Brief an die Galater:
Das Heil erlangt man zuerst einmal durch den Glauben, nicht durch das Erfüllen der Gesetze oder ritueller Handlungen. Deshalb konnten zur damaligen Zeit auch Heiden "volle" Christen sein. Denn es geht nicht um die bloße
Beachtung kirchlicher Riten und das alleinige Wissen der Gesetze, sondern um die Notwendigkeit innerer Veränderung ... und das daraus resultierende Verhalten.
In der Neuoffenbarung spricht hierzu Paulus:
"Ja, wir haben wohl eine Gerechtigkeit, die da gilt vor Gott. Aber diese kommt nicht aus unserer Erkenntnis über die Sünde und Nichtsünde und auch nicht aus dem Gesetz und aus den Werken nach dem Gesetz - sondern aus dem Glauben an
Ihn und aus der reinen Liebe zu Ihm! - Und diese Gerechtigkeit heißt "Gnade" und "göttliche Erbarmung"!" ( Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum, Bd. 1, Kap. 81, V. 20 )
Demnach ist das mystische Erleben -
im Gegensatz zum Gottesdienst der Gemeinde - in erster Linie ein Erleben des einzelnen: Es ist nicht übertragbar. Es stellt sich ein, oder es versagt sich. Kein anderer kann den Weg für den anderen gehen. Man muss sich
selbst auf den Weg machen, um zur mystischen Salbung zu gelangen. Der Apostel Paulus weiß hier von einer "Entrückung bis in den dritten Himmel" ( 2. Korinther 12, 2 )
zu berichten.
Das heißt: Nur die persönliche Begegnung mit der Gnade Gottes zählt. Das Taufen, das
Konfirmieren und das Firmen macht noch lange keinen zum Christen. Denn nur wer die Gnadenquelle Jesus Christus erlebt hat, besitzt Ewigkeit
in der Zeit. Mit anderen Worten: Nicht das bloße Wissen um die biblischen Lehren, auch nicht die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, bringen
einem die "mystische Erlösung", sondern: Wer in den Himmel kommen will, muss das ewige Leben durch die Gnadenquelle Jesus Christus erfahren haben. In der Neuoffenbarung spricht hierzu Jesus: "Denn die wahre Kirche ist ja nur eine lebendige Einswerdung mit Mir." ( Himmelsgaben, Bd. 2, Kundgabe v. 05.03.1842, V. 11 ) ... und
danach gilt es, im Glauben an diesen gütigen Gott zu leben. Denn die Hauptaufgabe des Glaubens besteht darin, den Menschen mit Gott zu einen.
Nicht äußeres Schaugepränge, nicht glänzende, allen Menschen in die Augen fallende
Leistungen entscheiden über den Wert einer Seele, sondern allein die innere Haltung, die sich in der Liebe aus Gott heraus kundgibt. Hierzu heißt es in der Neuoffenbarung: "Nie soll der Mensch vergessen, dass alle Menschen seine Brüder sind. Was er unternimmt,
das soll er stets mit einem liebeerfüllten Herzen unternehmen; niemandem soll er je etwas Böses tun wollen, sondern allezeit nur etwas Gutes, besonders im geistigen Teile zum ewigen Leben Wirkendes."
( Die Geistige Sonne, Bd. 2, Kap. 84, V. 10 )
Aller geistiger Fortschritt im täglichen Leben ist somit nichts anderes als eine immer reichere Ausgestaltung der Taufgnade, eine immer deutlichere
Ausprägung und Wiederherstellung des Ebenbildes Gottes im Menschen, ein immer stärkeres Beherrschtwerden vom göttlichen Geist und eine immer innigere Nachfolge Jesu Christi.
 
Über diese Nachfolge findet man auch ein verschlüsseltes Mahnwort in den Sendschreiben der Offenbarungen des Johannes. Ihrem Wortlaut nach sind diese
Sendschreiben zwar an die kleinasiatischen Christengemeinden gerichtet, ihrem inneren Sinn nach beschreiben sie aber sieben aufeinander folgende Zeitepochen der Kirche Jesu Christi: Diese Sendschreiben zeigen den inneren Zustand
der Kirche während der Abwesenheit Jesu, also zwischen Seinem ersten und zweiten Kommen! So symbolisiert zum Beispiel die Gemeinde in Philadelphia die Zeit der Reformation, in der die Bibel, das Wort Gottes, jedermann zugänglich
gemacht werden soll, also nicht nur dem Klerus und den Gelehrten. ( Im Prinzip verfolgt übrigens die gleiche Intention auch die Neuoffenbarung. )
Die siebente ( und letzte ) Entwicklungsepoche, die hier durch die Gemeinde zu Laodizea symbolisiert wird, kennzeichnet den geistigen Zustand der heutigen Kirche, in welcher das Christentum ( zumindest in der Öffentlichkeit ) durch eine "bürgerliche
Religion" ersetzt worden ist - das heißt: Durch einen nicht genau definierten ( verweltlichten ) Glauben ... Denn mit dem wachsenden Wohlstand wurde Gott aus dem öffentlichen Leben vertrieben und eine Bevölkerung hervorgebracht,
die der Religion gegenüber indifferent ist.
Begonnen hat diese Epoche im 18. Jahrhundert ... Und passend zum Wesen dieser Epoche offenbart sich Gott zu diesem Zeitpunkt in einem allumfassenden
Universalismus ( Lehre Swedenborgs und Neuoffenbarung ). Denn zur gleichen Zeit treten
Persönlichkeiten von universalen Charakter in Dichtung ( Johann Wolfgang von Goethe ( 1749-1832 ), Johann Christoph Friedrich von Schiller ( 1759-1805 )), Philosophie ( Georg Wilhelm Friedrich Hegel ( 1770-1831 ), Friedrich Wilhelm
Joseph Ritter von Schelling ( 1775-1854 )) und Naturwissenschaft ( Sir Isaac Newton ( 1643-1727 )) auf.
Freilich vollzieht sich in der universalen Entfaltung der Wissenschaft zugleich eine hochbedeutende Krisis, eine endzeitliche Scheidung der Geister:
Zwischen der naturwissenschaftlichen und der geisteswissenschaftlichen Anschauung klafft ein immer schwerer zu überbrückender Abgrund auf. Die intellektuell-mechanistischen Anschauungen greifen von der Naturwissenschaft auf
die Geisteswissenschaft über. So wird das Wissen trotz der erlangten Universalität in einer erschreckenden Weise veräußerlicht.
Die moderne Welt von heute hat somit den christlichen Glauben durch eine auf das Materialistische reduzierte Weltanschauung ersetzt ... und fast scheint es,
dass diese Gesellschaft so sehr von Geld, Sex und Macht besessenen ist, dass das Gefühl für die außergewöhnliche Anziehungskraft von wahrer Liebe, Güte und Freude verloren gegangen ist.
Name der
Gemeinde |
Gute Eigenschaften |
Schlechte
Eigenschaften |
Kirchengeschicht-
liche Epoche |
Gemeindetyp
heute |
EPHESUS
Die strenggläubige
Gemeinde
( Offb. 2, 1-7 ) |
Arbeit, Geduld,
gesunde Lehre,
Gemeindezucht,
Hassen des Bösen
( Offb. 2, 2-3+6 ) |
Erkalten der
Liebe und Hingabe
( Offb. 2, 4-5 ) |
Spätes apostoli-
sches Zeitalter ( 100-200 n.Chr. ) |
Aktivismus, Überbetonung der Lehre, Mangel an Liebe |
SMYRNA
Die arme und doch
reiche Gemeinde
( Offb. 2, 8-11 ) |
Durchhalten in
Bedrängnis
( Offb. 2, 9-10 ) |
Keine |
Frühe Christen-
verfolgung ( 200-500 n.Chr. ) |
Gemeinden in der
Verfolgung |
PERGAMON
Die Gemeinde in
der Umgebung
des Bösen
( Offb. 2, 12-17 ) |
Durchhalten in
Bedrängnis
( Offb. 2, 13 ) |
Duldung falscher
Lehren
( Offb. 2, 14-15 ) |
Konstantinisches
Zeitalter,
äußeres Aufblühen ( 500-800 n.Chr. ) |
Staatskirche bzw.
staatlich unter-
stützte Kirche |
THYATIRA
Die Gemeinde der
falschen Prophetin
( Offb. 2, 18-29 ) |
Liebe, Glaube,
Dienst, Geduld
( Offb. 2, 19 ) |
Duldung der
falschen Prophetin,
Mangel an Zucht
( Offb. 2, 20-23 ) |
Große Zeit des
Papsttums ( 800-1100 n.Chr. ) |
Sektiererische bzw.
von Sekten bedrohte
Gemeinden |
SARDES
Die sterbende
Gemeinde
( Offb. 3, 1-6 ) |
Bei den meisten
Gliedern keine;
nur wenige noch
lebendig
( Offb. 3, 4 ) |
Geistliche Erstarrt-
heit und Sterilität
( Offb. 3, 1-2 ) |
Spätmittelalter (1100-1400 n.Chr.) |
Gemeinden mit
wachsendem Formalismus und geistlichem Niedergang |
PHILADELPHIA
Die schwache, aber
treue Gemeinde
( Offb. 3, 7-13 ) |
Halten des Wortes,
Zeugnis
( Offb. 3, 8 ) |
Keine |
Zeit der
Reformation (1400-1700 n.Chr.) |
Gemeinden mit
neuen geistlichen
Aufbrüchen |
LAODIZEA
Die reiche und doch
arme Gemeinde
( Offb. 3, 14-22 ) |
Keine |
Lauheit,
Einbildung,
innere Blindheit
( Offb. 3, 15-17 ) |
Endzeit und
Neuoffenbarung (1700-2030 n.Chr.) |
Verweltlichte, verflachte Gemeinden |
In der Kirchengeschichte lassen sich demnach einzelne Epochen der Nachfolge Christi beobachten. Nach Ansicht des reformierten Theologen und Bischof der Kirche
von Südindien James Edward Lesslie Newbigin ( 1909-1998 ) ist die Christentumsgeschichte idealtypisch durch folgende drei Kirchentypen repräsentiert: Den ( durch seine apostolische Verfassung charakterisierten ) katholischen Typus,
den durch die ( apostolische Botschaft geprägten ) protestantischen Typus sowie den ( durch die reale Erfahrung des Heiligen Geistes charakterisierten ) pfingstlichen Typus.
In allen drei Kirchentypen und allen kirchengeschichtlichen Epochen ist die christliche Mystik vertreten. Die unbestrittene
mystische Hauptschrift im Neuen Testament ist das Johannesevangelium, das Lieblingsbuch vieler christlicher wie außerchristlicher Mystiker. Der johanneische Jesus führt Seine Jünger in das Geheimnis
der Kontemplation ( Anschauung, Betrachtung ) ein. Damit ist ein besonderer Empfindungszustand gemeint, der von Ruhe und Passivität bestimmt ist. Jesus verspricht hier ( Johannes 1, 51 ):
"Wahrlich, wahrlich Ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf und herab fahren auf des Menschen Sohn."
Als "Ahnherr" der christlichen Mystik gilt der Apostel Paulus, für den das menschliche Leben einer Schifffahrt gleicht, das in
die mystische Kontemplation übergeht. Während der Schifffahrt begleiten das Schiff schönes Wetter, aber auch Stürme und hohe Wogen. Den wahren Menschen auf diesem Schiff erkennt man in der Gefahr und im Leiden.
Was im Menschen ist, zeigt sich, wenn er durch Gefahr und durch Leiden hindurchgehen muss. Wer gottergeben ist, wird die Leiden durchschreiten in einer ganz anderen Weise als derjenige, der sich gegen Gott empört
oder gegen Gott murrt.
Wer sich in die Leiden, die Gott verfügt, schickt, behält die Ruhe des Geistes. Im
Leiden werden ja die Menschen häufig aufgeregt und unruhig, belästigen sich und ihre Umgebung. Die Gottergebenen verhalten sich anders in ihrem Leid. Der
Apostel Paulus machte hierzu einst eine Schifffahrt nach Rom. Nach der Abreise von der Insel Kreta brach ein gewaltiger Sturm aus ( Apostelgeschichte 27, 14 ). Die Menschen auf dem
Schiff waren in höchster Not und in größter Unruhe. Nur einer blieb ruhig: Paulus. Er war gottergeben, er vertraute auf die Vorsehung Gottes, und dieses
Vertrauen gab ihm die innere Ruhe. Er wusste, es kann nichts geschehen, was Gott in seiner Weisheit nicht eingeplant hat. Es wird das geschehen, was Gott von
Ewigkeit her vorgesehen hat.
Alle, die durch das Blut Christi von Sünden rein gewaschen sind und eine Neugeburt
aus Gott erfahren haben, gehören zu dieser gottergebenen Gemeinde Jesu ( Apostelgeschichte 20, 28 ): "... die Er sich erworben hat durch das Blut Seines Eigenen Sohnes".
Wer begriffen hat, was die Gemeinde Jesu hier auf Erden darstellt, für den ist es keine Frage, welcher Gemeinde er angehört. Denn für diesen zählt in
erster Linie die persönliche Beziehung mit Gott ... dass heißt: Gott schuf den Menschen, um ihn Seine Liebe zu schenken, damit er die Gemeinschaft mit
Ihm genießen kann.
Um diese Neugeburt durch Jesus Christus zu erfahren, bedarf es des Glaubens: Nicht die Werke des Menschen
- Bußübungen, Opfergaben oder Sündenablass - sind entscheidend, sondern sein Glaube. Martin Luthers Interpretation des Paulusbriefes an die
Römer ( 3, 28: "So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke,
allein durch den Glauben." ) führte im 16./17. Jahrhundert in Europa zur Reformation, zur Glaubensspaltung und den Religionskriegen. Für Martin Luther stand im Vordergrund die
"Gerechtigkeit allein aus Glauben" ( Römer 1, 17: "Denn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben zum Glauben, wie es
in der Schrift heißt: Der aus Glauben Gerechte wird leben." )
Erst 1999 einigten sich Katholiken und Protestanten auf eine gemeinsame
"Rechtfertigungslehre", die das Verhältnis zu Gott beschreibt. Darin heißt es: "Gemeinsam bekennen wir: Allein aus Gnade und im Glauben an
die Heilstat Christi, nicht aufgrund unseres Verdienstes werden wir von Gott angenommen."
Das ewige Leben ist also keine Sache, die man sich aneignen oder im
Religionsunterricht erlernen kann. Man kann es auch nicht von seinen Eltern ererben. Das ewige Leben ist eine Person, die durch den Heiligen
Geist in dem Menschen "Wohnung nehmen will" ( Johannes 14, 23 ) ... und seit diesem Zeitpunkt ( der Zueigennahme des Menschen durch Gott )
weiß der um diese Gnade Betende auch, was es heißt, zu bitten ( Markus 10, 47 ): "Jesus, erbarm Dich über mich!" So wird aus dem Kartei- und
Namenschristen ein Erlöster, der Jesus Christus - und damit das ewige Leben - persönlich kennt ( Johannes 17, 3 ): "Das ist aber das ewige
Leben, dass sie Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen."

In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Wer Ohren hat zu hören, der höre, und wer Augen hat zu sehen, der sehe; denn siehe, Ich will euch ein gar großes Geheimnis enthüllen, damit ihr sehen möget,
wie sich euer liebevollster, heiliger Vater euch von Angesicht zu Angesicht zu schauen und zu genießen brüderlich gibt." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 5, Vers 1 ) Und weiter heißt es: "Daher
gehet zuvor in die wahre Kirche, da Leben innen ist." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 4, Vers 14 )
Und an anderer Stelle heißt es hierzu: "Die Ruhe ist zur Aufnahme des Lichtes und der Wärme unumgänglich nötig
und muss gleich sein der Ruhe der Liebe in Gott; nur aus Ruhe kommt die Empfänglichkeit fürs Leben und Licht." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 6, Vers 4 ) Und an gleicher Stelle
heißt es weiter: "So ziehe dann deine Augen ab zu der Wiedergeburt des Geistes ... und zum Leben der Freiheit im Lichte der Gnade aus den Gewässern der Erbarmung." ( Die Haushaltung Gottes,
Bd. 1, Kap. 6, Vers 3 )

Aus diesem Grund muss es insgesamt heißen: Das sinnfällige, äußerliche Zeichen der Taufe steht
für die Teilnahme des ganzen Menschen am göttlichen Leben. Es weist verborgen auf die geistige Wiedergeburt durch Christus im Heiligen Geist
hin und ist Ausdruck der christlichen Religiosität: Es ist ein Kennzeichen des Glaubens und ein Erkennungsmerkmal der christlichen Konfession -
die Wesensverwandlung in Jesus Christus: Damit der Mensch am göttlichen Leben teilnehmen kann, muss zuvor Gott Mensch geworden sein.
Diese Menschwerdung Gottes wurde durch die Eingießung der unsichtbaren Gnade in
die Seele Marias eingeleitet: Maria wurde in das Leben Gottes hineingenommen und zur gott-menschlichen Gemeinschaft ermächtigt: Maria wurde
Gottes Eigentum - wie auch später die Apostel Jesu ( 2. Korinther 5, 20 ): "Wir sind Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch
uns mahnt."
In der Zueigennahme des Menschen durch Gott wird die Seele geistig geprägt - sie
erhält ein verborgenes, unverlierbares "Prägemal", durch das die persönliche Inanspruchnahme für den Dienst Christi zum Ausdruck gebracht
wird: So wie Christus der Charakter des Vaters ist und von Ihm mit dem Siegel des Geistes beglaubigt wurde, so haben auch die auf Christus
Getauften den Geist Gottes als Siegel ihrer Gemeinschaft mit Gott geistig empfangen.

In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Alles, was Mein ist, soll auch euer sein, so ihr Mich liebet, und sonst nichts als liebet! Aber wo ist eure Liebe, die Ich so teuer erkaufte und ewig
Mein nennen möchte?! Oh, dieser gibt es gar so wenig mehr auf der Erde! Sie ist so leicht und so sanft, und ihr wollet sie nicht und suchet sie auch nicht, wo sie eurer harrt, und verschmähet den
hohen Preis in ihr!" ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 11, Vers 30-31 )
Und weiter heißt es: "Die Pforten Meiner Himmel habe Ich jetzt weit öffnen lassen. Wer immer herein will, der komme und
komme bald und komme alsogleich; denn es ist gekommen die große Zeit der Gnade, und das neue Jerusalem kommt zu euch allen hinab zur Erde, damit alle, die Mich
lieben, darinnen Wohnung nehmen sollen und sollen darinnen gesättigt werden mit dem Honige und Milchbrote und trinken in vollen Zügen das reine Wasser alles
Lebens und sollen es schöpfen im Übermaße aus dem ewigen Brunnen Jakobs!" ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 12, Vers 4 )
Über die, die "aus dem ewigen Brunnen Jakobs" schöpfen ... und damit den Weg ins "neue Jerusalem" für die anderen Menschen
aufzeigen, heißt es in der Neuoffenbarung: "Der Engel stand mit verbundenen Augen und zugestopften Ohren, wie ihm die Liebe des Vaters
befohlen hatte ..." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 13, Vers 28 ) Dieser Engel handelt aus Liebe zu Gott und weist durch sein Verhalten auf die Grundvoraussetzungen für ein Gott "wohlgefälliges Gebet"
( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 14, Vers 4 ) hin.

Gemeint ist damit das Gebet der Stille, dessen drei geistige Gebetszustände in gleichem Vers folgendermaßen bildlich
dargestellt werden: "Da fing ein kühlender Hauch an hinzuwehen über die starre Wüste, und lichte Wolken umhüllten den weiten Raum des Himmels, und es fing an zu regnen über die ganze Wüste."
( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 14, Vers 4 )
"Durchdrungen von zu großer Freude über die so übergroße Gnade von oben" ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 14, Vers 1 )
heißt es in folgendem Gebet: "O Du großer, überheiliger und überguter lieber Vater, siehe hier Deinen kleinen Diener vor Dir im Staube und im Gefühle der allertiefsten Unwürdigkeit zu Dir Allmächtigem und
Allerbarmendem aus der untersten Tiefe empor zu Deiner höchsten Höhe blicken und vernimm das Flehen eines Kindes um Gnade für seine schwachen Eltern und für alle seine Brüder und Schwestern, und nimm
die Kraft mir nicht, die aus Dir mir ist ein übergroßes Geschenk, und lasse sie gnädig ausströmen über sie zur Vergebung der Sünde und zur Wiedergewinnung des Lebens aus Dir in erforderlicher Macht
und Kraft!" ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 14, Vers 1 )
Diese Bitte um die vollkommene Einheit wird auch im so genannten hohepriesterlichen Gebet von Jesus Christus ausgesprochen, wo es
heißt ( Johannes 17, 21 ):
"Auf dass sie alle eins seien. Wie Du, Vater, in Mir bist und Ich in Dir, so sollen auch sie in Uns sein." Durch dieses Gebet wird die Bitte ausgesprochen, dass alle Menschen -
jeder nach seinen individuellen Fähigkeiten, aber im gleichen Geist der Liebe und Wahrheit - vereint leben. Der Mystiker Meister Eckehart ( 1260 - 1328 ) sagt hierzu: "Alles, was unser Herr je getan, das
tat Er um nichts anderes, als dass Er mit uns sei und wir eins mit Ihm werden."

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