"Breath Of Heaven" von Sara Groves


Die Geburt Jesu

Quelle: "Das Jakobus-Evangelium", Kundgabe vom 23. - 29.08.1843:

Als sie aber in die Nähe von Bethlehem kamen, da sprach Maria auf einmal zum Joseph: "Höre mich an, Joseph! - Das in mir ist, fängt an mich ganz gewaltig zu bedrängen; lasse daher stillehalten!" Joseph erschrak völlig vor diesem plötzlichen Aufrufe Mariens; denn er sah nun, dass das gekommen ist, was er eben am meisten befürchtet hatte. Er ließ daher auch plötzlich stillehalten. Maria aber sprach wieder sobald zu Joseph: "Hebe mich herab von der Eselin; denn das in mir ist, bedränget mich mächtig und will von mir! Und ich vermag dem Drange nicht mehr zu widerstehen!" Joseph aber sprach: "Aber um des Herrn willen! Du siehst ja, dass hier nirgends eine Herberge ist, - wo solle ich dich denn hintun?" Maria aber sprach: "Siehe, dort in den Berg hinein ist eine Höhle; es werden kaum hundert Schritte dahin sein! Dorthin bringet mich; weiter zu kommen, ist mir unmöglich!" Und Joseph lenkte sobald sein Fuhr- und Reisewerk dahin und fand zum größten Glücke in dieser Höhle, da sie den Hirten zu einem Notstalle diente, etwas Heu und Stroh, aus welchem er sogleich für Maria ein notdürftiges Lager bereiten ließ. Als aber das Lager bereitet war, brachte Joseph Mariam sobald in die Höhle, und sie legte sich aufs Lager.

Als Maria aber also erleichtert sich auf dem Lager befand, da sagte Joseph zu seinen Söhnen: "Ihr beiden Ältesten bewachet Mariam und leistet ihr im Falle früher Not die gerechte Hilfe, besonders du Joel, der du einige Kenntnisse in dieser Sache dir durch den Umgang mit meinem Freunde in Nazareth erworben hast!" Den andern dreien aber befahl er, den Esel und den Ochsen zu versorgen und den Karren auch irgend in der Höhle, welche so ziemlich geräumig war, unterzubringen. Nachdem aber Joseph solches alles also wohl geordnet hatte, sagte er zu Maria: "Ich aber will nun gehen hinauf auf den Berg und will in der Stadt meines Vaters mir eine Wehmutter in aller Eile suchen und will sie bringen hierher, dir zur nötigen Hilfe!" Nach diesen Worten trat der Joseph sobald aus der Höhle, da es schon ziemlich spät abends war und man die Sterne am Himmel recht wohl ausnehmen konnte. Was aber Joseph bei diesem Austritte aus der Höhle alles für wunderliche Erfahrungen gemacht hat, wollen wir mit seinen eigenen Worten wiedergeben, die er seinen Söhnen gab, als er mit der gefundenen Wehmutter in die Höhle zurückkehrte und Maria schon geboren hatte.

Die Worte Josephs aber lauten also: "Kinder! wir stehen am Rande großer Dinge! - Ich verstehe nun dunkel, was mir die Stimme am Vorabende vor unserer Abreise hierher gesagt hat; wahrlich, wäre der Herr unter uns - wennschon unsichtbar - nicht gegenwärtig, so könnten unmöglich solche Wunderdinge geschehen, wie ich sie jetzt geschaut habe! Höret mich an! - Als ich hinaustrat und fortging, da war es mir, als ginge ich, und als ginge ich nicht; - und ich sah den aufgehenden Vollmond und die Sterne im Aufgange wie im Niedergange, und siehe, alles stand stille, und der Mond verließ nicht den Rand der Erde, und die Sterne am abendlichen Rande wollten nimmer sinken! Dann sah ich Scharen und Scharen der Vöglein sitzen auf den Ästen der Bäume; alle waren mit ihren Gesichtern hierher gewendet und zitterten wie zu Zeiten großer bevorstehender Erdbeben und waren nicht zu verscheuchen von ihren Sitzen, weder durch Geschrei noch durch Steinwürfe. Und ich blickte wieder auf dem Erdboden umher und ersah unweit von mir eine Anzahl Arbeiter, die da um eine mit Speise gefüllte Schüssel saßen. Einige hielten ihre Hände unbeweglich in der Schüssel und konnten keine Speise aus der Schüssel heben. Die aber schon eher einen Bissen der Schüssel enthoben hatten, die hielten ihn am Munde und mochten nicht den Mund öffnen, auf dass sie den Bissen verzehreten; aller Angesichter aber waren nach aufwärts gerichtet, als sähen sie große Dinge am Himmel! Dann sah ich Schafe, die von den Hirten getrieben wurden; aber die Schafe standen unbeweglich da, und des Hirten Hand, der sie erhob, um zu schlagen die ruhenden Schafe, blieb wie erstarrt in der Luft, und er konnte sie nicht bewegen.

Wieder sah ich eine ganze Herde Böcke, die hielten ihre Schnauzen über dem Wasser und mochten dennoch nicht trinken, denn sie waren alle wie gänzlich gelähmt. Also sah ich auch ein Bächlein, das hatte einen starken Fall vom Berge herab, und siehe, des Wasser stand stille und floss nicht hinab ins Tal! - Und so war alles auf dem Erdboden anzusehen, als hätte es kein Leben und keine Bewegung. Als ich aber also dastand oder ging und nicht wusste, ob ich stehe oder gehe, siehe, da ersah ich endlich einmal wieder ein Leben! Ein Weib nämlich kam dem Berge entlang herabgestiegen gerade auf mich an und fragte mich, als sie vollends bei mir war: "Mann, wo willst du hingehen so spät?" Und ich sprach zu ihr: "Eine Wehmutter suche ich; denn in der Höhle dort ist eine, die gebären will!" Das Weib aber antwortete und sprach: "Ist sie aus Israel?" - Und ich antwortete ihr: "Ja, Herrin, ich und sie sind aus Israel; David ist unser Vater!" Das Weib aber sprach weiter und fragte: "Wer ist die, welche in der Höhle dort gebären will? Ist sie dein Weib, oder eine Anverwandte, oder eine Magd?" Und ich antwortete ihr: "Seit kurzem - allein vor Gott und dem Hohenpriester nur - mein Weib. Sie aber war noch nicht mein Weib, da sie schwanger ward, sondern ward mir nur zur Obhut in mein Haus vom Tempel durch das Zeugnis Gottes anvertraut, da sie früher auferzogen ward im Allerheiligsten! Wundere dich aber nicht über ihre Schwangerschaft; denn das in ihr ist, ist wunderbar gezeuget vom heiligen Geiste Gottes!" - Das Weib aber erstaunte darob und sagte zu mir: "Mann, sage mir die Wahrheit!" - Ich aber sagte zu ihr: "Komm, siehe und überzeuge dich mit deinen Augen!""

Und das Weib willigte ein und folgte dem Joseph hin zur Höhle; da sie aber zur Höhle kamen, da verhüllte sich dieselbe plötzlich in eine dichte weiße Wolke, dass sie nicht den Eingang finden mochten. Ob dieser Erscheinung fing sich die Wehmutter hoch zu verwundern an und sprach zu Joseph: "Großes ist widerfahren am heutigen Tage meiner Seele! - Ich habe heute morgen ein großwunderbarstes Gesicht gehabt, in dem alles sich also gestaltete, wie ich es jetzt in der Wirklichkeit gesehen habe, noch sehe und noch mehr sehen werde! Du bist derselbe Mann, der mir im Gesichte entgegenkam; also sah ich auch zuvor alle Welt ruhen mitten in ihrem Geschäfte und sah die Höhle, wie eine Wolke über sie kam, und habe mit dir geredet, wie ich nun geredet habe. Und ich sah noch mehreres Wunderbarstes in der Höhle, als mir meine Schwester Salome nachkam, der ich allein mein Gesicht am Morgen anvertraute! Darum sage ich denn nun auch vor dir und vor Gott, meinem Herrn: Israel ist ein großes Heil widerfahren! Ein Retter kam, von oben gesandt, zur Zeit unserer großen Not!" Nach diesen Worten der Wehmutter wich sobald die Wolke von der Höhle zurück, und ein gewaltiges Licht drang aus der Höhle der Wehmutter und dem Joseph entgegen - so, dass es die Augen nicht zu ertragen imstande waren, und die Wehmutter sprach: "Wahr ist also alles, was ich gesehen habe im Gesichte! - O Mann! du Glücklicher, hier ist mehr denn Abraham, Isaak, Jakob, Moses und Elias!"

Nach diesen Worten aber fing das starke Licht an, nach und nach erträglicher zu werden, und das Kindlein ward sichtbar, wie es gerade zum ersten Male die Brust der Mutter nahm. Die Wehmutter aber trat mit Joseph nun in die Höhle, besah das Kindlein und dessen Mutter, und als sie alles auf das herrlichste gelöset fand, sagte sie: "Wahrlich, wahrlich, das ist der von allen Propheten besungene Erlöser, der da ohne Bande frei sein wird schon im Mutterleibe, um anzudeuten, dass er all die harten Bande des Gesetzes lösen wird! Wann aber hat jemand gesehen, dass ein kaum gebornes Kind schon nach der Brust der Mutter gegriffen hätte!? Das bezeuget ja augenscheinlichst, dass dieses Kind einst als Mann die Welt richten wird nach der Liebe und nicht nach dem Gesetze! Höre, du glücklichster Mann dieser Jungfrau, es ist alles in der größten Ordnung; darum lasse mich aus der Höhle treten, denn mir fällt es schwer nun auf die Brust, da ich empfinde, dass ich nicht rein genug bin, um die zu heilige Nähe meines und deines Gottes und Herrn zu ertragen!" Joseph erschrak völlig über diese Worte der Wehmutter. - Sie aber eilte aus der Höhle ins Freie. Als sie aber aus der Höhle trat, da traf sie draußen ihre Schwester Salome, welche ihr ob des bewussten Gesichtes nachgefolgt ist, und sprach sogleich zu ihr: "Salome, Salome! komme und sehe mein Morgengesicht in der Wirklichkeit bestätigt! - Die Jungfrau hat in der Fülle der Wahrheit geboren, was die menschliche Weisheit und Natur nimmer zu fassen vermag!" Die Salome aber sprach: "So wahr Gott lebt, kann ich eher nicht glauben, dass eine Jungfrau geboren habe, als bis ich sie werde mit meiner Hand untersucht haben!" Nachdem aber die Salome solches geredet hatte, trat sie sobald hinein in die Höhle und sprach: "Maria, meine Seele beschäftiget kein geringer Streit; daher bitte ich, dass du dich bereitest, auf dass ich mit meiner wohlerfahrnen Hand dich untersuche und daraus ersehe, wie es mit deiner Jungfrauschaft aussehe!" Maria aber fügte sich willig in das Begehren der ungläubigen Salome, bereitete sich und ließ sich untersuchen. Als aber die Salome Marias Leib anrührte mit ihrer prüfenden Hand, da erhob sie sobald ein gewaltiges Geheul und schrie überlaut: "Wehe, wehe mir meiner Gottlosigkeit wegen und meines großen Unglaubens willen, dass ich habe wollen den ewig lebendigen Gott versuchen! - denn sehet, sehet hierher! - meine Hand verbrennt im Feuer des göttlichen Zornes über mich Elende!"

Nach diesen Worten aber fiel sie sobald vor dem Kindlein auf ihre Knie nieder und sprach: "O Gott meiner Väter! Du allmächtiger Herr aller Herrlichkeit! Gedenke mein, dass auch ich ein Same bin aus Abraham, Isaak und Jakob! Mache mich doch nicht zum Gespötte vor den Söhnen Israels, sondern schenke mir meine gesunden Glieder wieder!" Und siehe, sobald stand ein Engel des Herrn neben der Salome und sprach zu ihr: "Erhört hat Gott der Herr dein Flehen; tritt zu dem Kindlein hin und trage Es, und es wird dir darob ein großes Heil widerfahren!" Und als solches die Salome vernommen hatte, da ging sie auf den Knien vor Maria hin und bat sie um das Kindlein. Maria aber gab ihr willig das Kindlein und sprach zu ihr: "Es möge dir zum Heile gereichen nach dem Ausspruche des Engels des Herrn; der Herr erbarme Sich deiner!" Und die Salome nahm das Kindlein auf ihre Arme und trug es kniend und sprach, sobald sie das Kindlein auf dem Arme hatte: "O Gott! Du allmächtiger Herr Israels, der Du regierest und herrschest von Ewigkeit! - In aller, aller Fülle der Wahrheit ist hier Israel ein König der Könige geboren, welcher mächtiger sein wird denn da war David, der Mann nach dem Herzen Gottes! Gelobet und gepriesen sei Du von mir ewig!"

Nach diesen Worten ward die Salome sobald völlig wieder geheilt, gab dann unter der dankbarsten Zerknirschung ihres Herzens das Kindlein der Maria wieder und ging also gerechtfertigt aus der Höhle wieder. Als sie aber draußen war, da wollte sie sobald laut zu schreien anfangen über das große Wunder aller Wunder und hatte auch ihrer Schwester sogleich zu erzählen angefangen, was ihr begegnet ist. Aber sobald meldete sich eine Stimme von oben und sprach zur Salome: "Salome, Salome! verkündige ja niemandem, was Außerordentliches dir begegnet ist; denn die Zeit muss erst kommen, wo der Herr von Sich Selbst zeugen wird durch Worte und Taten!" Hier verstummte sobald die Salome, und Joseph ging hinaus und bat die beiden Schwestern, nun wieder in die Höhle zurückzutreten nach dem Wunsche Marias, auf dass da niemand etwas merken solle, was Wunderbarstes in dieser Höhle nun vorgefallen sei. - Und die beiden traten wieder demütig in die Höhle. Als aber alle also in der Höhle versammelt waren, da fragten die Söhne Josephs ihren Vater ( den Joseph nämlich ): "Vater, was sollen wir nun tun? Es ist alles wohl versorgt! Die Reise hat ermüdet unsere Glieder, dürfen wir uns denn nicht zur Ruhe legen?" Und Joseph sprach: "Kinder! ihr sehet ja, welch eine endlose Gnade von oben uns allen widerfahren ist; daher sollet ihr wachen und Gott loben mit mir! Ihr aber habt ja gesehen, was da der Salome begegnet ist in der Höhle, da sie ungläubig war; daher sollen auch wir nicht schläfrig sein, wann uns der Herr heimsucht! Gehet aber hin zur Maria, und rühret an das Kindlein; wer weiß es, ob eure Augenlider nicht sobald also gestärkt werden, als hättet ihr mehrere Stunden lang fest geschlafen!"

Und die Söhne Josephs gingen hin und rührten das Kindlein an; das Kindlein aber lächelte sie an und streckte Seine Händchen nach ihnen, als hätte Es sie als Brüder erkannt. Darob sie sich alle hoch verwunderten und sprachen: "Fürwahr, das ist kein natürliches Kind! Denn wo hat je jemand so etwas erlebt, dass jemand wäre von einem kaum gebornen Kinde gottseligst also begrüßet worden!? Zudem sind wir nun auch im Ernste noch obendrauf plötzlich also gestärkt worden in allen unseren Gliedern, als hätten wir nie eine Reise gemacht und befänden uns daheim an einem Morgen mit völligst ausgerastetem Leibe!" Und der Joseph sagte darauf: "Sehet, also war mein Rat gut. Aber nun merke ich, dass es anfängt, mächtig kühl zu werden; daher bringet den Esel und Ochsen hierher! Die Tiere werden sich um uns lagern und werden durch ihren Hauch und ihre Ausdünstung einige Wärme bewirken; und wir selbst wollen uns darum auch um die Maria lagern!" Und die Söhne taten solches. Und als sie brachten die beiden Tiere in die Nähe Marias, da legten sich diese sogleich am Hauptteile des Lagers Mariens und hauchten fleißig über Mariam und das Kindlein hin und erwärmten es also recht gut. Und die Wehmutter sprach: "Fürwahr, nichts Geringes kann das sein vor Gott, dem sogar die Tiere also dienen, als hätten sie Vernunft und Verstand!"

Die Salome aber sprach: "O Schwester! Die Tiere scheinen hier mehr zu sehen als wir! - Was wir uns noch kaum zu denken getrauen, da beten schon die Tiere an Den, der sie erschaffen hat! Glaube mir, Schwester, so wahr Gott lebt, so wahr auch ist hier vor uns der verheißene Messias; denn wir wissen es ja, dass sich nie bei der Geburt selbst des größten Propheten solche Wunderdinge zugetragen haben!" Maria aber sagte zur Salome: "Gott der Herr hat dir eine große Gnade erwiesen, darum du solches erschauest, davor selbst meine Seele erbebt! Aber schweige davon, wie es dir zuvor der Engel des Herrn geboten hat; denn sonst könntest du uns ein herbes Los bereiten!" Die Salome aber gelobte der Maria zu schweigen ihr Leben lang, und die Wehmutter folgte dem Beispiele ihrer Schwester. Und so ward nun alles ruhig in der Höhle. In der ersten Stunde aber vor dem Sonnenaufgange vernahmen alle gar mächtige Lobgesänge draußen vor der Höhle. Und Joseph sandte sogleich seinen ältesten Sohn, nachzusehen, was es sei, und wer so gewaltig singe die Ehre Gottes im Freien. Und Joel ging hinaus und sah, dass alle Räume des Firmaments erfüllt waren hoch und nieder mit zahllosen Myriaden leuchtender Engel. Und er eilte erstaunt in die Höhle zurück und erzählte es allen, was er gesehen. Alle aber waren hoch erstaunt über die Erzählung des Joel und gingen hinaus und überzeugten sich von der Wahrheit der Aussage Joels. Als sie solche Herrlichkeit des Herrn aber gesehen hatten, da gingen sie wieder in die Höhle und gaben Maria auch das Zeugnis.


Die Weihnachtsgeschichte


Und der Joseph sagte zur Maria: "Höre, du reinste Jungfrau des Herrn, die Frucht deines Leibes ist wahrhaftig eine Zeugung des heiligen Geistes Gottes; denn alle Himmel zeugen nun dafür! Aber wie wird es uns gehen, so nun alle Welt notwendig erfahren muss, was hier vor sich gegangen ist? Denn dass nicht nur wir, sondern auch alle andern Menschen nun sehen, welch ein Zeugnis für uns durch alle Himmel strahlet, - das habe ich an vielen Hirten nun gesehen, wie sie ihre Angesichter gen oben gerichtet hielten! Und sangen mit gleicher Stimme mit den mächtigen Chören der Engel, welche nun - allen sichtbar - erfüllen alle Räume der Himmel hoch und nieder bis zur Erde herab! Und ihr Gesang lautete wie der der Engel: "Tauet herab, ihr Himmel, den Gerechten! Friede den Menschen auf der Erde, die eines guten Willens sind!" - Und: "Ehre sei Gott in der Höhe in Dem, der da kommt im Namen des Herrn!" Siehe, o Maria, solches vernimmt und sieht nun die ganze Welt; also wird sie auch kommen hierher und wird uns verfolgen, und wir werden müssen fliehen über Berg und Tal! Daher meine ich, wir sollten uns so bald als nur immer möglich heben von hier und, sobald ich werde beschrieben sein - was heute früh noch geschehen soll - , uns wieder begeben nach Nazareth zurück und von dort gehen zu den Griechen über, von denen ich einige recht wohl kenne. - Bist du nicht meiner Meinung?"

Maria aber sprach zu Joseph: "Du siehst aber ja, dass ich heute noch nicht dies Lager verlassen kann; daher lassen wir alles dem Herrn über! Er hat uns bisher geführt und beschützt, so wird Er uns auch sicher noch weiter führen und gar treulich beschützen! Will Er uns vor der Welt offenbaren, sage: wohin wollen wir fliehen, da Seine Himmel uns nicht entdecken möchten?! Daher geschehe Sein Wille! - Was Er will, das wird recht sein. Siehe, hier auf meiner Brust ruht ja, Dem dieses alles gilt! Dieser aber bleibet bei uns, und so wird auch die große Herrlichkeit Gottes von uns nicht weichen, und wir können da fliehen, wohin wir nur immer wollen!" Als Maria aber noch kaum solches ausgeredet hatte, siehe, da standen schon zwei Engel als Anführer einer Menge Hirten vor der Höhle und zeigten den Hirten an, dass hier Derjenige geboren ist, dem ihre Lobgesänge gelten. Und die Hirten traten ein in die Höhle und knieten nieder vor dem Kindlein und beteten Es an; und die Engel kamen auch scharenweise und beteten an das Kindlein. Joseph aber blickte mit seinen Söhnen ganz erstaunt hin nach der Maria und dem Kindlein und sprach: "O Gott, was ist denn das? - Hast Du denn Selbst Fleisch angenommen in diesem Kinde? Wie wohl wäre es möglich sonst, dass Es angebetet würde selbst von Deinen heiligen Engeln? Bist Du aber hier, o Herr, was ist denn nun mit dem Tempel - und mit dem Allerheiligsten?!"

Und ein Engel trat hin zum Joseph und sprach zu ihm: "Frage nicht, und sorge dich nicht; denn der Herr hat die Erde erwählt zum Schauplatze Seiner Erbarmungen und hat nun heimgesucht Sein Volk, wie Er es vorhergesagt durch den Mund Seiner Kinder, Seiner Knechte und Propheten! Was aber geschieht nun vor deinen Augen, das geschieht nach dem Willen Dessen, der da ist heilig, überheilig!" Hier verließ der Engel den Joseph und ging wieder hin und betete an das Kindlein, welches nun alle die Betenden mit offenen Händchen anlächelte. Als aber nun die Sonne aufging, da verschwanden die Engel; aber die Hirten blieben und erkundigten sich beim Joseph, wie möglich doch solches vor sich gegangen ist. Joseph aber sagte: "Höret, wie wunderbar das Gras wächst aus der Erde, also geschah auch dieses Wunder! Wer aber weiß, wie das Gras wächst? - So wenig weiß ich euch auch von diesem Wunder kundzugeben! Gott hat es also gewollt; das ist alles, was ich euch sagen kann!""


Auslegung der Geburt Jesu in der Neuoffenbarung

Als sich um dem Geburtsort Bethlehem herum eine tiefe und erwartungsvolle Stille ausbreitet, wird Gott in Jesus Mensch. Über diesem Geburtsort - eine Höhle - legt sich zum Zeitpunkt der Geburt eine Wolke, die den Gebetszustand der Kontemplation symbolisiert. Der Geburtsort an sich liegt fern ab von der Hektik der Stadt Bethlehem. Durch den Geburtsort der Höhle wird in der Neuoffenbarung dargestellt, dass der Mensch in der eigenen Tiefe zu sich selbst kommt, um zwar zu dem Ort, wo Gott im Menschen lebt: Tief innen in der Höhle, wo es ruhig und still ist, wird Jesus geboren.

Jeder Gebetszustand der Kontemplation stellt somit eine innere, geistige Reise dar ... und bei dieser Reise geht es nicht darum, so schnell als möglich voranzukommen oder mit den anderen auf der Reise Schritt zu halten ( beziehungsweise das zu tun, was die Menschen rechts und links neben einem tun ), sondern darum, dass man beim Wandern im Geiste seinen inneren Rhythmus findet ( beziehungsweise sein Leben in einer ganz neuen Weise auf Gott hin ausrichtet ).

Doch wie weiß man, dass man diesen Rhythmus gefunden hat? Indem man lernt, umzudenken. Denn das Ziel der Kontemplation besteht nicht darin, dass man das erreicht, was man selber will, sondern darin, dass man auf dieser inneren Reise im Geiste getragen wird ... und auf diese Weise zu der verborgenen Quelle tief im Innern der Höhle gelangt, wo Jesus im Menschen geboren wird. Hierzu heißt es: "Nur wer im Geiste wandelt, kommt zum Lichte, der Urquelle alles Lebens." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 1, Vers 10 )

Unmittelbar nach der Geburt Christi im Jakobus-Evangelium tritt ein stark strahlendes Licht aus der Höhle hervor. Das Licht symbolisiert ganz allgemein den Übergang vom Tod zum Leben und hier speziell die Einsicht, dass mit der Geburt Christi die Dinge in einem anderen Licht erscheinen: Man ist nunmehr in der Lage, die Wirklichkeit mit neuen Augen zu sehen ... und zwar mit Hilfe des neuen Lichtes der Welt: Jesus Christus. Es heißt: "Die Jungfrau hat in der Fülle der Wahrheit geboren, was die menschliche Weisheit und Natur nimmer zu fassen vermag." ( Die Jugend Jesu, Kap. 16, Vers 16 )

Durch den Kontakt mit Ihm, steht man in einem neuen Licht. Das heißt: Es geschieht quasi eine Neugeburt im Menschen ... und diese Neugeburt öffnet einem die Augen des Herzens, was dadurch dargestellt wird, dass sich der Himmel in der stillen Nacht zu Bethlehem öffnet und die Engel den Lobgesang über die Geburt Jesu singen. Joseph beginnt in diesem Zusammenhang zu jubilieren: "Welch eine endlose Gnade von oben uns ( hier ) allen widerfahren ist ..." ( Die Jugend Jesu, Kap. 18, Vers 3 )

Durch das Sichtbarwerden der "zahllosen Myriaden leuchtender Engel" ( Die Jugend Jesu, Kap. 18, Vers 19 ) nimmt der Mensch Anteil an der Himmelsherrlichkeit und findet durch dessen Existenz für das eigene Leben ein unerschütterliches Vertrauen: In der Gemeinschaft mit der spirituellen Welt erlangt der Mensch die Geborgenheit, nach der sich so viele andere Menschen sehnen: Man findet Orientierung in einer verwirrenden Welt. Maria spricht hier zu Joseph: Wir überlassen alles dem Herrn. "Er hat uns bisher geführt und beschützt, so wird Er uns auch sicher noch weiter führen und gar treulich beschützen ... Daher geschehe Sein Wille! Was Er will, das wird recht sein." ( Die Jugend Jesu, Kap. 18, Vers 28-30 )