Die Welt soll nicht durch Gewalt, sondern durch
Gottes Geist gerettet werden.
( Sacharja 4, 6 )
 

Was ist es, das den Menschen über alle anderen Lebewesen dieses Planeten erhebt und ihm seine Sonderstellung im irdischen Bereich der Schöpfung gibt? Seit frühesten Zeiten wusste der Mensch um eine Kraft, die größer ist als seine eigene, um eine Macht, zu der er sich gläubig und demütig bittend aufreckte, damit sie ihm Stärke und Führung verleihe in Augenblicken der Gefahr, des Kampfes, der Verwirrung, der Unentschlossenheit und der Angst. Und immer, wenn der Mensch in Demut und Zuversicht um Hilfe aufschaute zu dieser Macht, dann fand er die Kraft, aller Versuchungen und Widrigkeiten Herr zu werden.

In der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber heißt es hierzu: "Kein Wesen und kein Ding kann rein werden durch sich, sondern allein durch die Verdienste Christi, die da sind die höchste Gnade und Erbarmung Gottes. Du allein vermagst nichts, alles aber vermag Christus ... Denn wie durch die eine Schlange der Tod kam über alles Fleisch, so kam auch das Leben durch den einen Gottmenschen über alles Fleisch der Menschen der Erde. Aber zugleich auch ein neues Gericht, obschon das alte Gericht, das den Tod in sich barg, durch dieses Einen Auferstehung für ewig vernichtet ward. Dieses neue Gericht ist auch ein Tod; aber kein Tod zum Tode, sondern ein Tod zum Leben." ( Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum, Bd. 2, Kap. 157, V. 9+11 )

Die Gnadenquelle Dieser Gott spricht zum Menschen durch die Intuition und die Fähigkeit, höhere Gefühle zu empfinden; Gott gab dem Menschen Antrieb und Mut, sich allen entgegentretenden Schwierigkeiten zu stellen, und Er belohnte den Menschen hierfür entsprechend dem Glauben und dem Willen, den der Mensch mitbrachte, wenn er den Weisungen der inneren, göttlichen Stimme folgte.

Nie wäre der Mensch über seine ursprüngliche primitive Stufe hinausgekommen, hätte er nicht das Gebet gehabt. Er würde heute noch im Dschungel leben, hätte es ihn nicht zu Höherem und Besserem gedrängt ... und er würde noch heute den Anfechtungen ausgesetzt sein, wenn er nicht reflektieren würde, was um ihn herum geschieht.

Durch diese Reflektion ist ihm bewusst: Der Mensch befindet sich im großen Kampf zwischen Gut und Böse, der sich im Universum abspielt. Sein einziger Feind in seinem Leben ist das Böse schlechthin und nicht die Person, die ihm so stark zusetzt. Der Apostel Paulus schreibt ( Epheser 6, 12 ): "Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut, sondern gegen die bösen Mächte, gegen jene Mächte der Finsternis, die diese Welt beherrschen, und gegen die bösen Geister in der Himmelswelt."

Es geht also nicht darum, Menschen zu bekämpfen, denn es ist kein Kampf gegen das Fleisch. Aus diesem Grund schreibt Paulus ( Epheser 6, 13 ): "Bedient euch der ganzen Waffenrüstung Gottes. Wenn es dann soweit ist, werdet ihr dem Bösen widerstehen können und noch aufrecht stehen, wenn ihr den Kampf gewonnen habt."

Die richtige Kleidung ist demnach die ganze Waffenrüstung Gottes: Man bete täglich darum, von Jesus beschützt zu werden. Paulus schreibt ( Epheser 6, 14-18 ): "Sorgt dafür, dass ihr fest steht, indem ihr euch mit dem Gürtel der Wahrheit und dem Panzer der Gerechtigkeit Gottes umgebt, und die Füße gestiefelt mit Bereitwilligkeit, die aus dem Evangelium des Friedens kommt. Setzt den Glauben als einen Schutzschild ein, um die feurigen Pfeile des Bösen abzuwehren: Setzt den Helm eurer Rettung auf und nehmt das Wort Gottes, euer Schwert, das der Geist euch gibt. Betet immer und in jeder Situation mit der Kraft des Heiligen Geistes. Bleibt wachsam und betet auch beständig für alle, die zu Christus gehören."

Die Gnadenquelle Diese Sehnsucht nach dem Schutz Gottes wohnt in jedem menschlichen Herzen. Sie ist die Ursache der viele Menschen beherrschenden Ruhe- und Glücklosigkeit, ihrer Unzufriedenheit und ihres Gefühls der Unsicherheit. Bewusst oder unbewusst fühlen solche Menschen, dass sie den Kontakt mit der göttlichen Macht in ihrem Innern verloren haben.

Sie fühlen, dass sie ohne diesen Kontakt ihr Leben nicht oder nur schwach ausrichten können. Denn allzu oft werden sie das Opfer ihrer unkontrollierten Emotionen, ihrer destruktiven Gefühle, wie Hass, Vorurteil, Abneigung, Gier und Angst. Hieraus ergibt sich die Strategie des Bösen: Es wird dort angreifen, wo man schwach ist, wie zum Beispiel:

Ein unversöhnlicher Geist
Furcht
Unkontrollierte sexuelle Neigung
Stolz, welcher zum Beispiel mit leicht verletzbaren Gefühlen oder unerfüllten Ambitionen usw. in Zusammenhang stehen kann
Unglaube, welcher sich in erster Linie gegen die Existenz Gottes und gegen die Verlässlichkeit der Heiligen Schrift richten wird

Es gibt nur einen sicheren Weg, der Beherrschung durch solche Gefühle zu entgehen: Die Verbindung mit Gott, die durch das Gebet stattfindet. ( Und hierbei gilt auch folgende Erkenntnis: Wenn schon die Muskelkraft mehrerer Personen, vereint eingesetzt, die Leistungsfähigkeit eines einzelnen weit übertrifft, dann gilt dies auch bei der Gebetskraft: Das Gebet vieler, wirkt stärker, als das des einzelnen. )

Aus diesem Grund treffen sich die Menschen zum Gottesdienst, in dem das Gebet das Zentrum ist, und in welchem die Menschen Gott begegnen wollen, um sich mit Ihm zu versöhnen. Paulus schreibt ( Kolosser 2, 6-7 ): "Wie ihr nun Christus Jesus als euren Herrn angenommen habt, so lebt auch mit Ihm und seid Ihm gehorsam. Senkt eure Wurzeln tief in Seinen Boden und schöpft aus Ihm, dann werdet ihr im Glauben wachsen und in der Wahrheit, in der ihr unterwiesen wurdet, standfest werden. Und dann wird euer Leben überfließen von Dankbarkeit für alles, was Er getan hat."

Die GnadenquelleAus diesem Grund werden die Menschen immerzu von den Boten Gottes dazu aufgerufen, die göttliche Macht anzubeten. In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Erwecket euren Glauben an Gott, die wahre und lebendige Liebe durch ein festes Vertrauen zu Ihm! Betet und bittet selbst im Geiste und in der Wahrheit zu Ihm, und Er wird euch auch sicher erhören!

Betet also selbst ohne Unterlass, tuet wahre Buße, und ertraget auch die über euch aus gutem Grund gekommenen Leiden mit Geduld und wahrer Hingabe in dem göttlichen Willen, wie ihr das aus der Geduld Hiobs möget kennenlernen, und Gott wird euch helfen aus jeglicher Not, insoweit das nur immer mit dem Heile eurer Seele verträglich ist!" ( Das Große Evangelium Johannes, Bd. 8, Kap. 160 )

Der Mensch bete also darum, dass einem ein Angriff des Bösen erspart bleibe, und denke daran, dass wenn Gott einen Angriff zulässt, man diesem auch gewachsen ist. Denn Paulus schreibt ( 1. Korinther 10, 13 ): "Vergesst nicht, dass die Prüfungen, die ihr erlebt, die gleichen sind, vor denen alle Menschen stehen. Doch Gott ist treu. Er wird die Prüfungen nicht so stark werden lassen, dass ihr nicht mehr widerstehen könnt. Wenn ihr auf die Probe gestellt werdet, wird Er euch eine Möglichkeit zeigen, trotzdem standzuhalten."

Die GnadenquelleDas Böse versucht demnach mit allen Mitteln, einen zur Sünde zu verführen und den Verlorenen zu blenden, so dass dieser Gott nicht mehr erkennen kann. Doch das Böse kann nur so weit gehen, wie Gott es zulässt. Es heißt ( Hebräer 12, 6 ): "Denn wen der Herr lieb hat, den züchtigt Er, und Er schlägt einen jeden Sohn, den Er annimmt." Das heißt: Gott zwingt einen zu lernen, dass "diejenigen, die auf diese Weise ( durch Züchtigung ) geformt werden, inneren Frieden und ein Leben in der Gerechtigkeit gewinnen." ( Hebräer 12, 11 )

Solch eine Zeit ist eine Zeit der Prüfung, um einen seine Sünde bewusst zu machen oder um zu beurteilen, wie tief die Liebe zu Gott ist. Gott gebraucht diese Erfahrung, um einen darin zu üben, Gott zu vertrauen und seinen Glauben zu vertiefen. So hat jede Prüfung ihr eigenes Ziel: Den Menschen zur Reife zu führen.

In diesem Sinne kann man die Anfechtung ( beziehungsweise: Glaubensprüfung ) wertschätzen. Denn sie steht mit Gott in Verbindung, so dass der Apostel Jakobus schreibt ( Jakobus 1, 2 ): "Liebe Brüder, wenn in schwierigen Situationen euer Glaube geprüft wird, dann freut euch darüber."

So kann man gelassen feststellen: Jede Anfechtung hat ein ihr innewohnendes, durch Gott gesetztes Zeitmaß ... und nach der bestandenen Prüfung ist man besser dran als zuvor, so dass Jakobus schreibt ( Jakobus 1, 4 ): "Die Standhaftigkeit muss ihr Werk vollenden, so dass ihr reif und vollkommen seid und es euch an nichts mangelt." Man wird also in geistlicher Hinsicht weitergekommen sein ... und ein solch geistiger Fortschritt bewirkt dann wiederum das Verlangen, zum Segen und zur Rettung der anderen Menschen beizutragen.

Die Gnadenquelle Wer im Auftrag Christi andere Menschen für Gottes Reich zu gewinnen sucht, sehnt sich nach mehr Erfahrungen und nach größerer Erkenntnis der göttlichen Macht. Er hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit und betet zu Gott, dass sein Glaube gestärkt werde und er tiefer schöpfen kann aus dem Brunnen des Heils.

Anfechtungen und Widerstand zerstören seinen Glauben nicht, sondern treiben ihn nur näher zum Wort Gottes und ins Gebet. Das wiederum lässt die Erkenntnis wachsen und führt zu neuen Erfahrungen mit Gott, dessen Stimme wie lichte Gedanken im eigenen Herzen zu vernehmen sind.

In der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber heißt es hierzu: "Ich werde im Geiste, im Worte und in der Wahrheit bei den Meinen ewig verbleiben. Und die sich in großer Liebe zu Mir befinden werden, die werden Mich auch persönlich auf Augenblicke zu sehen bekommen. Die aber nach Meinem Worte leben und nach der inneren Wahrheit desselben sorglich forschen, mit denen werde Ich reden durch das Verständnis ihres Herzens und werde also Meine Worte in ihr Gemüt legen." ( Das Große Evangelium Johannes, Bd. 8, Kap. 55 )

Gott verheißt weiterhin dem Menschen im Psalm 37 ( Vers 4 ), das zu geben, was sein Herz begehrt - unter der Voraussetzung, dass man seine Lust an Ihm hat. Man nehme hierzu nur das Beispiel  Jesu, der wie keine andere Person vor oder nach Ihm betete: Früh am Morgen ( Markus 1, 35 ), am Abend ( Matthäus 14, 23 ), und die ganze Nacht hindurch ( Lukas 6, 12 ).

Daraus kann man schließen, dass selbst der Gottmensch ( das heißt: Ganz Gott und ganz Mensch in einer Person ) Jesus auf Stärkung und Führung von oben angewiesen war. Denn Gott bewahrt die, die Ihn fürchten ( Psalm 31, 20 ). Auf solchen Menschen ruht Seine unablässig segnende Hand ( Psalm 33, 18 ), wie auch die Summe des Buches Prediger ist ( Prediger 12, 13 ): "Fürchte Gott und halte Seine Gebote; denn das soll jeder Mensch!"

Die Gnadenquelle Bildlich betrachtet kann man sagen: Der gute Gärtner bereitet den Boden, bevor er ihm die Saat anvertraut ... und übertragen auf den Menschen heißt dies: wer betet, bereitet sein Gemüt vor, um ernten zu können, was er als Gebet pflanzt. Er muss in seiner Seele Grund die schädlichen Gedanken der Furcht, des Zweifels und anderer Emotionen austilgen.

Dann muss er den mentalen Boden mit der Energie seiner Wunschkraft durchdringen und ihn mit seinem Glauben düngen. So erst schafft er die Voraussetzung für das Wirken der göttlichen Macht, damit diese dem, um was er betete, zur materiellen Manifestation verhelfen kann.

Ja, Gott erhört Gebet! Bedauerlicherweise machen aber die Menschen zu wenig Gebrauch von dieser Kraftquelle. Schließlich will Gott ja die Menschen beschenken ... und durch das Gebet dürfen die Menschen Seine Fülle "anzapfen". Das bedeutet ganz praktisch:

Viel Gebet = viel Kraft, wenig Gebet = wenig Kraft, kein Gebet = keine Kraft.

Jakobus ermutigt aus diesem Grund die Menschen ( Jakobus 5, 16 ): "Das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist." Das Gebet erfordert demnach tiefsten Ernst: Man bete in der Stille und in der Reinheit des Herzens, damit durch die Stille die Wunschkraft erhöht wird und sie durch die Reinheit die Wahrhaftigkeit erhält ... und man denke intensiv im Gebete an den, für den man bittet, so dass sich die Wunschkraft in dieser Person verankert. Ein solches Fürbittgebet kann jedoch nur insoweit erfolgreich sein, solange der Boden in der anderen Person aufnahmefähig ist. Ist die betreffende Person durch ihren inneren Zustand es wert, dass ihr Hilfe zuteil wird, so wird dieses Fürbittgebet eine große Stärkung sein. ( Immer wieder berichten Menschen, für die gebetet wurde, dass sie die Kraft der Gebete gespürt haben. )

Desweiteren ist wichtig: Gott kann einem nur schwer helfen, wenn man sich im Innern nicht darüber klar ist, was man für eine Hilfe benötigt. Je konkreter und detaillierter man also seine Anliegen im Gebetsleben vor Gott bringt, desto besser. Denn der Mensch ist mit einem freien Willen und einer freien Entscheidungskraft begabt, um sich zu entscheiden und dann zu bitten nach dem göttlichen Gebot ( Matthäus 7, 7 ): "Bittet, so wird euch gegeben."

Die Gnadenquelle Jesus Christus heilte Kranke, wirkte Wunder und verkündigte die Botschaft vom Reich Gottes. Er sah es als Seine Aufgabe an, die Menschen, die ohne richtige Orientierung lebten, wieder zu Gott zurück zu führen. Von daher ist es auch für Seine Nachfolger nicht maßgebend, was in dieser Welt gang und gäbe ist, sondern was Gott will.

Sie sind dazu aufgerufen, ihr Leben im Geiste Jesu zu führen und sich für das geistige und irdische Wohl ihrer Mitmenschen einzusetzen. Denn so spricht der Herr ( Jesaja 55, 8-9 ): "Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht Meine Wege; sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind Meine Wege als eure Wege und Meine Gedanken als eure Gedanken."

Jedem Menschen hat Gott Gnadengaben, Talente, Voraussetzungen, gegeben. Je mehr man diese einsetzt, desto besser kann Gott einen in dieser Welt gebrauchen ... und desto mehr wird die geistige Erkenntnis wachsen, der Glaube stärker und das Gebetsleben intensiver. Wer sich uneigennützig um das Wohlergehen anderer kümmert, dient damit nicht nur ihnen, sondern auch sich selber.

Die Gnadenquelle Als Handlungsanweisung schreibt der Apostel Paulus hierzu ( 1. Korinther 7, 24 ): "Jeder von euch, Brüder, soll an dem Platz bleiben, an dem er war, als Gott ihn rief, und er soll diesen Platz so ausfüllen, wie es Gott gefällt." Ganz gleich, welche Tätigkeit man ausübt, man tue sie so, dass erkennbar wird, dass Gott der Herr seines Lebens ist. Ein wirksameres Glaubenszeugnis gibt es nicht. ( Man bete hierzu morgens im stillen Gebet demütig um Führung und Kraft zur guten Bewältigung der täglich anstehenden Arbeiten. Denn Gott gibt einen Rat und Mut, damit man den Aufgaben des Alltags und des Lebens kraftvoll und besonnen entgegentreten kann. Wer zum Beispiel ein Geschäft hat, soll es so führen, dass Gott dadurch geehrt wird. Denn die Rechtschaffenheit ist selten geworden ).

Wenn Gottes Liebe in einem wohnt, zeigt sich das in seinem Leben, unabhängig davon, ob man im Rampenlicht steht oder nicht. Die Menschen in seiner Umgebung spüren dann sehr wohl, ob man mit Gott lebt oder nicht. Jesus sagt hierzu ( Matthäus 7, 16 ): "An ihren Werken werdet ihr sie erkennen!"

Das ganze Universum wird beherrscht vom Gesetz von Ursache und Wirkung ... und durch das eigene Denken legt man die guten Ursachen, und man erhält zu gegebener Zeit die Früchte dieser Gedanken. Sind die Gedanken jedoch schlecht, ist es nicht Gott, der einen straft, sondern man selber.

Die Gnadenquelle Hat man erst einmal gelernt, zu beten, dann ist man im Einklang mit der größten Macht des Universums. Diese Macht ist imstande, alles für einen heranzuziehen, was man benötigt. Man braucht dazu nicht mehr zu tun, als sich in seinem Innern ein klares Bild dessen zu machen, was man nötig hat und diese Vorstellung mit dem Glauben und durch das Gebet zu unterstützen.

Darüber hinaus muss man sodann die äußeren Kräfte einsetzen, um die Verwirklichung seines Zieles zu fördern. Es gibt demnach nur eine Möglichkeit, dem Gebet Erhörung zu verschaffen: indem man "Amen" sagt und sich an die Arbeit macht, das Erbetene zu verwirklichen. In diesem Sinne kann es heißen: Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume.

Es reicht demnach nicht immer, sich hinzusetzen, zu beten, und zu warten, dass Gott alles Weitere tut. Er wird es in vielen Fällen nicht tun. Denn Gott gibt einen das Werkzeug in die Hand; man selbst aber muss damit arbeiten. Man braucht die innere Gewissheit, dass Gott mit einem ist und einem hilft; man selbst aber muss mit Ihm arbeiten. Wenn man das klar erkennt, erreicht man den Frieden des Herzens.

Wenn man täglich darum betet, richtig zu denken und richtig zu handeln, so vollzieht man eine Art "chirurgischen Eingriffs". Man veranlasst dann nämlich, seine schlechten Denkgewohnheiten und Einstellungen zu beseitigen und durch richtige geistige Einstellungen zu ersetzen. So schafft man die Bedingungen, die einen schützen gegen Missgeschick und die dafür sorgen, dass man zur rechten Zeit am richtigen Platz ist und vollen Nutzen aus den richtigen Gelegenheiten ziehen kann, das man die richtige Entscheidung trifft, das Richtige sagt und die richtigen Dinge tut.

Die Gnadenquelle Im äußeren Leben wird man immer das erhalten, zu dem man in seinem innern Sein den Grund legt. Denn alles geschieht zuerst im Innern, bevor es in der äußeren Welt in Erscheinung treten kann: Nichts kann man jemals erreichen, ob gut oder schlecht, was nicht durch gutes oder schlechtes Denken von einem selbst angezogen worden wäre.

Der Gärtner, wie er oben beschrieben ist, legt den Samen ins Dunkel des Erdreiches. Der Beter aber sät Wünsche ins Dunkel seines Innern, wo sie Wurzel fassen und wachsen unter dem Einfluss der göttlichen Macht. Schließlich beginnt das, was man bildhaft erschaut, sich Stück für Stück in seinem äußeren Leben zu manifestieren, bis es ganz so verwirklicht ist, wie man es von Anfang an innerlich erschaut hat. Ist das innere Vorstellungsvermögen aber fehlerhaft, undeutlich oder unvollständig, so wird auch die Manifestation des Erschauten mit den gleichen Fehlern und Unvollkommenheiten behaftet sein.

 Innerhalb gewisser Grenzen ist man selber Schöpfer des Schicksals. Das alte Wort: "Gott hilft dem, der sich selber hilft", ist in diesem Sinne ewig gültige Wahrheit. Gott schreitet nicht immer direkt ein, um die verwirrten Gedanken zu korrigieren oder die falschen Wünsche zu berichtigen. Das ist eigentlich jedermanns eigene Sache, dies zu erkennen.

Die GnadenquelleDeshalb greift Gott ohne das eigene Wollen nicht in das eigene Leben ein. Denn seine Herrschaft gründet sich nicht auf dieses "Muss", sondern jeder darf selbst entscheiden, ob er unter Gottes Herrschaft der Liebe leben will und täglich den Sieg in Empfang nimmt, den Jesus Christus für einen vorab errungen hat. Denn der himmlische Vater hält für den Segen in Fülle bereit ... hierzu heißt es ( Jesaja 44, 3 ): "Wie Ich strömenden Regen über das durstige Land ausgieße, so gieße Ich Meinen Lebensgeist über dich aus, damit du wachsen und gedeihen kannst."

Wer betet, öffnet sich Gott wie einem Freund, denn beten heißt, Gott in seinem Denken, Fühlen und Wollen Platz einzuräumen und alles, was einen bewegt, mit Ihm zu besprechen. Wer dagegen das Gebet vernachlässigt, riskiert, dass sich sein Leben durch die Angriffe des Bösen verfinstert: Schon die geringsten Versuchungen bringen einen zu Fall, weil man die Kraft Gottes nicht mehr betend in Anspruch nimmt.

Wichtig ist also, dass der Mensch erkennt, wie sehr er Gottes Hilfe braucht. Das Gebet eines reuigen und zerschlagenen Herzens wird dagegen immer von Gott angenommen: Wer Gnade und Segen erbittet, muss selbst Liebe üben und Vergebung gewähren.

In diesem Sinne lässt Gott jeden aus der Erfahrung lernen, was richtig und falsch, was für einen gut oder schlecht ist. So lernt man nach und nach aus den Folgen der schlechten Wünsche und Fehler, was für einem am besten ist und was man im Leben wirklich wünschen und im Gebete erbitten sollte. Mit anderen Worten: Je mehr es einem gelingt, seine selbstsüchtigen Wünsche zurückzudrängen und um diejenige Art von Hilfe zu bitten, die anderen wie einem selbst Gutes bringt, um so intensiver wird die Verbindung mit der göttlichen Macht.

Die Gnadenquelle Ein jeder muss sein Gemüt frei von destruktiven Gedanken halten und aufnahmefähig für das Positive sein, ehe man in Erfüllung seiner rechten Wünsche und Gebete das Gute erhalten kann. Viele Menschen beten um die falschen Dinge, weil ihr Denken beherrscht ist von falschen Wünschen. Gott hält niemand davon ab, zu wünschen, was schlecht und falsch ist.

Er überlässt einem seine unglücklichen Erfahrungen, die man damit über sich selbst bringt. Er weiß ja, dass man mit der Zeit schon dazu heranreifen wird, den rechten Gebrauch von seinen Wünschen zu machen und so seine Lebensbedingungen wieder zu bessern. Das ist der einzige Weg, um auf die Dauer zu Gesundheit, Wohlstand und Frieden des Gemütes zu gelangen.

Wahres Glück ist demnach nicht zu erlangen, indem man aus andern Nutzen zieht, indem man etwas an sich reißt, auf das man kein Recht hat, indem man zu erreichen trachtet, was man nicht verdient hat. Zwar mag es leichter erscheinen, das, was man wünscht, auf solche Weise zu bekommen; aber es zeigt sich jedesmal, wenn man so handelt, dass man andern die Möglichkeit gibt, so behandelt zu werden, wie man sie behandelt hat. Von daher sagt Jesus ( Matthäus 7, 12 ): "Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt - das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern."

 Falsche Anwendung der göttlichen Macht schließt einen aus dem Schutzbereich Gottes aus. Wer sich zum Missbrauch dieser Kraft entscheidet, den kann sie nicht davor bewahren, die Folgen der eigenen abbauenden Gedanken und Begierden zu erleiden. Würde Gott nämlich jede Gedanken und jede Taten prüfen und einen davon abhalten, falsche Gedanken zu denken und falsche Handlungen zu begehen, so würde man nie Charakterstärke und Tüchtigkeit in und aus einem selbst entwickeln. Denn dann wären die Menschen Marionetten an der Schnur, und ihr Leben wäre sinn- und zwecklos.

Die Gnadenquelle Das heißt: Gott verstößt einen nie. Aber die Menschen verleugnen Ihn so oft durch falsche Gedanken und Wünsche. Ob man in Harmonie mit Jesus Christus ist, zeigt die innere, göttliche Stimme einem deutlich an. Andere kann man darüber täuschen; einen selbst aber kann man ebenso wenig täuschen wie diese göttliche Stimme im eigenen Innern.

Diese Stimme weiß genau, ob das Gebet ernst gemeint ist oder nicht. Man mag noch so schöne Worte finden, das Gebet mag noch so inbrünstig klingen, doch worauf es einzig ankommt, ist das tiefinnerste Gefühl. Gebricht es im Herzen und in der Seele an Überzeugung, ist man sich selbst oder Gott gegenüber nicht aufrichtig, so fällt es der göttlichen Macht schwer, sich für einen einzusetzen.

Oft hindern auch skeptische, zweifelnde Gedanken und Gefühle einen daran, mit aufrichtigem Glauben und tiefer Überzeugung zu beten. Kein Gebet aber wird Erhörung finden, wenn hinter ihm nicht die ganze Kraft des Glaubens steht. Es ist daher nur Zeitverschendung, zu beten, obgleich man weiß, dass es nur Lippendienst ist. Doch Gott erhört das Gebet, wenn man seinen Geist darauf vorzubereiten weiss, dass es erhört wird.

Die Gnadenquelle Und wie bereitet man nun seinen Geist auf diese Erhörung vor? In dem Bewusstsein eines jeden gibt es einen Punkt, an dem das eigene Denken aufhört und der Geist Gottes beginnt. In der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber heißt es hierzu: "Mit den Augen des Fleisches nehmt ihr die Dinge außer euch wahr, mit den Augen der Seele in euch, mit den Augen des Geistes schaut ihr aus dem Zentrum eures Wesens. Aber erst durch den Hinzutritt Meines Geistes werden alle Dinge sprachfähig und lebendig durch und durch." ( Himmelsgaben, Bd. 1, Kundgabe v. 24.07.1840, V. 12 ) Damit man wissentlich die Führung Gottes und Seinen Schutz empfängt, muss man die Fähigkeit entwickeln, diesen Punkt des bewussten Kontaktes mit Gott zu erspüren.

Wie aber geschieht nun dies? Um Gottes Geist zu erreichen und sich auf Ihn einzustellen, muss man in seinem Bewusstsein eine starke Wunschkraft erwecken, mit Ihm in Verbindung zu treten. Man muss zweifelsfrei daran glauben, dass es einem gelingen wird, den Kontakt herzustellen. Dies aber heißt, dass man sich von allen Gedanken der Furcht, der Sorge oder des Zweifels befreien muss. Ist dies erreicht und hat man seine ganze Aufmerksamkeit in völliger körperlicher und gedanklicher Entspannung auf Gott konzentriert, so fühlt man, wie der eigene Geist auf der Ebene des Unterbewusstseins in Gottes Nähe kommt.

Die Gnadenquelle Man mache sich hierzu gedankenleer und lasse dem göttlich-geistigen Drang zum Edlen und Guten im Innern der Seele freien Lauf. Denn dieser Drang entspringt dem Geist Gottes, der einen vom Zustand der zermürbenden Gedanken befreit. Man wird quasi "frei im Geiste" und wandelt nun - geistig gesehen - auf den Bergeshöhen, wo man reine Luft einatmet.

Ab diesem Zustand liegt es an Gott, ob Er mit dem Menschen in Berührung kommt, das heißt, man selbst stellt sich Ihm in einem Gefühl des Erhobenseins zur Verfügung. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, das Gebet vor Gott zu tragen und vor dem geistigen Auge klar zu erschauen, was sich einstellen und um was man im Gebet bitten soll. Paulus schreibt hierzu ( Römer 8, 26 ): "Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen."

Demnach muss man zuerst seinen Geist aufnahmefähig machen, indem man Ängste und Sorgen aufgibt, indem man sich der großen, beruhigenden Gewissheit hingibt, dass man nicht allein ist. Die körperliche Haltung ist dabei ohne Belang. Viele bevorzugen hierzu beim Beten die Sitzhaltung. Doch insgesamt betrachtet gilt: Man nehme körperlich und geistig die Haltung ein, die einen erfahrungsgemäß am besten zur körperlichen und gedanklichen Entspannung verhilft.

Die Gnadenquelle Um mit der göttlichen Macht in Berührung zu kommen, ziehe man sich in die Stille zurück und setze sich zum Beispiel auf ein Ruhebett. Der Rücken ist dabei entspannt angelehnt. Nun lenke man die Aufmerksamkeit seiner Gedanken nach innen und spüre, dass alle körperliche Spannung schwindet. Große innere Ruhe und tiefer Frieden hüllt einen ein und man fühlt, wie man nur noch Geist ist. In diesem Zustand der Ruhe verharre man und überlasse alle weitere Entwicklung dem Geist Gottes, der nun in einem wirkt. Es heißt hierzu im Volksmund: "Reden ist Silber - Schweigen ist Gold."

In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: Es gilt, "das Auge in die Dunkelheit zu versetzen, und es wird dann stärker werden zur Aufnahme des Lichtes." ( Die Geistige Sonne, Band 2, Kapitel 44, Vers 7 ) Und weiter heißt es in diesem Kapitel: "Also muss ja notwendig ein jeder, der in das Leben seines Geistes eingehen will, sich tagtäglich auf eine Zeitlang in die vollkommene Ruhe seines Geistes begeben und muss in dieser nicht etwa mit allerlei Gedanken umherschweifen, sondern er muss einen Gedanken nur fassen und diesen als ein bestimmtes Objekt unverwandt betrachten.

Der beste Gedanke ist hier freilich der Herr. Und wenn jemand solches mit Eifer und aller möglichen Selbstverleugnung fort und fort tun wird, so wird dadurch die Sehe wie das Gehör seines Geistes stets mehr und mehr an innerer Schärfe gewinnen, und nach einer eben nicht zu langen Zeit werden diese beiden Sinneswerkzeuge des Geistes so sehr erhöht werden, dass er mit der größten Leichtigkeit dort geistige Formen von der wunderbarsten Art erblicken wird, wo er vorher nichts als eine formlose Leere zu erschauen wähnte. Und so wird er auch mit eben der Leichtigkeit Töne und Worte vernehmen, wo ihm ehedem eine ewige Stille zu sein schien." ( Die Geistige Sonne, Band 2, Kapitel 44, Vers 16-17 )

Die GnadenquelleIn der Neuoffenbarung wird hier der Vorgang der geistigen Schau als ein geheimes Berührtwerden durch "Töne und Worte" beschrieben. In einer "formlosen Leere" wird der Betende plötzlich von einem geistigen Licht überflutet, wo vorher nur Dunkelheit herrschte. Dieser Einwohnung Gottes in die Seele des Menschen geht ein Zustand der "Selbstverleugnung" voraus, in dem sich der Mensch einzig und allein auf den Herrn konzentriert.

Dieser Zustand füllt das Sein des Menschen völlig aus und bildet seine einzige, wahre Freude. Aus diesem Grund erkennt er auch die Erleuchtung Gottes als ein Geschenk, auf dessen Empfang er sich zwar vorbereitet, aber es aus sich nicht erreichen oder erzwingen kann. Denn diese Gottesschau ist eine Gabe des heiligen Geistes, die zur Teilhabe an Gott und zum wahren Leben führt. Bildlich ausgesprochen ist dies so, als wenn Christus in der jungfräulichen Seele eines Menschen geboren wird ... oder wie es in der Heiligen Schrift heißt ( Weisheit 18, 14-15 ): "Denn als alles still war und ruhte und eben Mitternacht war, fuhr Dein allmächtiges Wort vom Himmel herab ..."

Und auf diese Weise ist der Gedanke ausgesprochen, dass man zu Jesus Christus als der Gnadenquelle kommt, die wahres Leben einschenkt: Die nach dem "Besseren" dürstende Seele nimmt - bildlich gesprochen - das aus der göttlichen Quelle fließende Wasser auf und wird selbst zu einem Brunnen fließenden Wassers. Aus der inneren Berührung mit Jesus Christus erwächst der Seele nun die Kraft zur Überwindung der Lüge in der Welt.

Diese Gotteserfahrung ist vergleichbar der Szene am Himmelstor in der Neuoffenbarung, wo Robert Blum und Helena das Tor nicht öffnen können, weil sie gegen die Tür drücken, statt das Himmelreich an sich heranzuziehen. Das heißt: "Diese Himmelspforte ist allein nach innen, und nicht nach außen aufzumachen. Und das aus dem Grunde, weil auch die Pforte im kleinsten Maße das Himmelreich vorstellt, das man mit Gewalt an sich reißen, nicht aber von sich wegschieben darf! Ist es doch schon im natürlichen Sinne so, dass man, so man etwas haben will, es gewisserart an sich ziehen muss." ( Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum, Bd. 2, Kap. 196, V. 6 )

Wenn man diese Botschaft zur Erlangung der Kindschaft Gottes wirklich ernst nimmt, wird man unweigerlich zu der oben beschriebenen ( innigen ) Gebets- und Lebenshaltung kommen und in Jesus den ersten christlichen Mystiker erkennen, der durch Gebet und Kontemplation sich reif machte, um jene Gnade zu empfangen, die Meister Eckhardt "die Gottesgeburt in der Seele" nannte ... und wer in diesem Sinne Jesus Christus nachfolgt, dessen erstes Anliegen an den himmlischen Vater wird immer die Bitte um "Gnade und Barmherzigkeit" ( Hebräer 4, 16 ) sein.

Die GnadenquelleDiese Bitte hilft und kann helfen! Denn - wie oben beschrieben - reagiert die göttliche Macht auf die Gedanken und Gefühle, die man im Gebet - quasi als Unterhändler zwischen Gott und einer anderen Person - an Gott richtet, damit dieser handelt. Paulus schreibt hierzu ( Philipper 4, 6 ): "Sorgt euch um nichts; sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden."

Man wundert sich oft, warum Fürbitten notwendig sein sollen. Kann Gott nicht auch ohne eine Fürbitte eingreifen? Die Antwort lautet: Ja, aber Er möchte gerne Gebetswerkzeuge gebrauchen. Das heißt: Gott kennt die Not ganz genau, noch ehe man Ihn bittet ( Matthäus 6, 8 ). Aber man ist dennoch aufgefordert, seine Anliegen vor Gott kundwerden zu lassen. Der Reformator Martin Luther ( 1483-1546 ) schreibt hierzu: "Bete mehr, wenn es am schwersten ist zu beten. Gebet ist eine mächtige Sache, denn Gott hat sich selbst unlöslich daran gebunden."

In der Bibel findet man deshalb mehr als 650 Gebete ... und als Jesus Christus auf Erden lebte, lehrte Er Seine Jünger, wie sie beten sollen. Er forderte sie auf, Gott täglich ihre Bitten vorzutragen und alle Sorgen bei Ihm abzuladen. So betete schon die frühe christliche Gemeinde zu Gott ( Apostelgeschichte 4, 30 ): "Sende Deine heilende Kraft, damit im Namen Deines heiligen Knechtes Jesus Zeichen und Wunder geschehen."

In einer Weise, die man zwar nicht ganz verstehen kann, die sich aber immer wieder deutlich abzeichnet, verbindet sich in diesem Gebet der Geist der Gemeinde über Gott mit dem Geist der Person, für die die Gemeinde betet. Diese gedanklich-seelische Verbindung vollzieht sich im Bereich des Unterbewussten. Weder die betende Gemeinde selbst noch der, dem das Gebet gilt, ist sich normalerweise dieses mentalen Kontaktes bewusst. Man spürt nur: Aus einem strömt eine Kraft über Gott zum anderen hinüber.

Die Gnadenquelle Ist das Gebet selbstlos und lediglich von dem Gedanken getragen, so kann es viel Gutes tun. Entspricht aber das Gebet dem Wunsche, eine für sich selbst angenehme oder förderliche Wendung zu bewirken, ohne dass dies die günstige Lösung für den Anderen ist, dem das Gebet gilt, so kann das Gebet großen Schaden anrichten. Man darf nicht versuchen durch gutgemeinte Gebete zu herrschen und zu diktieren. Das führt unausweichlich zu unglücklichen Resultaten.

Unglücklicherweise ist die Welt voll von solchen Beispielen, wo Liebende und Freunde dem andern zu helfen glauben, indem sie Gott um die Verwirklichung der von ihnen ausgedachten Maßnahmen bitten, statt Ihm die beste Lösung zu überlassen. Gewiss glauben solche Menschen, die richtige Antwort auf die Lebensprobleme des andern zu kennen. Sie können aber gar nicht wissen, wie der andere denkt und fühlt und ob er die von einem selbst gewünschte Antwort auch von sich aus als ihm gemäß anzunehmen bereit ist. Darum ist es falsch, um eine solche Lösung zu beten, solange man nicht weiß, ob sie in Übereinstimmung mit dem Wunsche des anderen geschieht und ob dieser, falls er auch betet, das Gleiche erfleht.

Hierzu sei folgende kurze Geschichte erzählt: Zwei Mönche hatten je einen Ölbaum gepflanzt. "Herr", bat der eine, "sende einen erquickenden Regen, damit mein Bäumchen Wurzel fassen kann!" Der Herr erhörte diese Bitte. "Nun bedarf es der Sonne", sagte der Mönch. "O Herr, vertreibe die Wolken!" Die Sonne kam und erwärmte die feuchte Erde. "Wenn jetzt der Frost kommen möchte", dachte der Mönch eines Tages, "damit die Rinde erstarke!" Er kam und legte einen silbernen Reif auf das Bäumchen. Da ging es ein.

Traurig klagte der Klosterbruder das dem anderen Mönch: "Dein Baum steht frisch und blühend, aber meiner ist eingegangen, trotz allem, was ich getan habe!"

Der aber erwiderte: "Ich habe das Bäumchen ganz in Gottes Hand gestellt, denn ich dachte mir: Er, der die Bäume erschaffen hat, muss am besten wissen, was sie bedürfen. So habe ich Gott keinen Rat erteilt, sondern habe den Baum gepflegt und gebetet: 'Vater, nimm Dich seiner an!'"

Die Gnadenquelle Diese Geschichte lehrt: Man bete einfach darum, dass dem andern Gutes geschehe: So wird das Gebet immer helfen und richtig sein. Man dränge sich also nicht in des andern Wunschbild ein und versuche nicht, Gottes Rolle zu spielen. Die göttliche Macht dagegen weiß genau, was geschehen muss, um dem andern zu helfen; man selbst kann das aus sich selbst nicht wissen.

Es ist daher am besten, sich darauf einzustellen, dass die Schwierigkeiten, mit denen der Freund oder der geliebte Mensch zu kämpfen hat, glücklich überwunden werden. Man vermeide es, die dafür einzuschlagenden Wege diktatorisch vorzuschreiben. Das bleibe dem Betroffenen selbst überlassen und der göttlichen Macht, die in ihm hilft. Wohl aber kann diese Macht durch die eigenen Gebete aktiviert werden.

Jeder, für den gebetet wird, muss Anstrengungen machen, sich selbst zu helfen. Oft ändern sich durch die Gebete anderer die Umstände stark genug, so dass der Betroffene Mut und Zuversicht findet, um sich aus eigener Kraft wieder aufzurichten. Wenn man also betet, dass jemandem die Kraft und Weisheit erwachsen möge, das Beste für sich selbst und für andere zu tun, so hilft man ihm, sich zu straffen und aufzurichten. Denn die Erfüllbarkeit aller Wünsche, ob groß oder klein, liegt in einem selbst. Auf alle Probleme lässt sich eine richtige Antwort finden, wenn die göttliche Macht durch rechte Vorstellungen und durch richtige Hinwendung zu Gott - im Gebet - zur Wirkung gebracht wird. Es ist daher nicht klug, sich bei der Lösung der eigenen Lebensprobleme von anderen abhängig zu machen; so käme man nie dazu, Selbstvertrauen, Glauben und Zuversicht zu entwickeln.

Die Gnadenquelle Um das Gewünschte bei anderen herbeizuziehen, muss durch das Gebet die erforderliche Bewusstseinsänderung im andern bewirkt werden. Dabei ist es wichtig, dass das vor Gott vorgetragene Gebet aus der richtigen Gebetsstimmung heraus entsteht, das heißt: Während des Gebetes muss man die Gegenwart Gottes im eigenen Innern spüren.

Im gleichen Maße, wie man sich der göttlichen Macht in eigenen Innern bewusst wird, wird sich das Gefühl der Zugehörigkeit zu Gott in einem stärken. Dann wird man sich nie mehr allein oder ohne Führung und Schutz fühlen. Man kann sich dann im Gebet an Gott wenden, sobald und sooft man Seiner bedarf, und in aller Klarheit wird man erkennen, dass das wahre Gebet weit mehr ist als eine einfache Bitte an Gott, dass Er für einen alles tut, ohne dass man selbst überzogene Anstrengung auf sich zu nehmen brauche. Das wahre Gebet ist vielmehr die Hingabe seines ganzen Seins an Gott. In diesem Sinne kann man zum Beispiel beten:

Unser Vater, ewiger Ursprung aller Kraft, aller Erkenntnis, aller Weisheit,
hilf mir, meine Seele zu öffnen, damit ich aus Deinem Wirken in mir die Erkenntnis und Führung erlange, die mir so nötig ist, um mein Leben
glücklich und erfolgreich zu gestalten.

Hilf mir erkennen, dass ich als Geschöpf mit freier Entscheidungskraft nie gezwungen werde, doch stets die Möglichkeit habe, mich Deiner Führung anzuvertrauen.

Hilf mir zu gedenken, dass diese, Deine Führung sich äußern kann als inneres Drängen, als Impulse, Eindrücke, Gefühle oder Ideen, und dass Deine Antwort auf mein Gebet als Intuition mir bewusst wird.

Hilf mir, jederzeit klar zu unterscheiden zwischen schlechtem und gutem Denken, Fühlen und Tun.

Hilf mir auch, dieses stets klar zu sehen: Ist mein Gebet getragen von Glauben und dem unbeugsamen Willen, alles zu tun, was ich selbst zu seiner Verwirklichung beitragen kann, so wird Deine Kraft in meinen
Innern alle Hilfsmittel und Umstände, ja sogar die Menschen
herbeiführen, deren es zur Erfüllung des Gebetes bedarf.

In diesem Wissen nun, lieber Vater, bete ich mit gläubigem Herzen, dass meine Seele stets offen bleibe für das Licht, die Führung und den Schutz, die Deine immerwährende Gegenwart in mir hervorbringt.

Hilf mir zu erkenne, dass alle Menschen - verschieden zwar in ihrer äußeren Erscheinung - von gleichen Geiste beseelt sind wie ich selbst, dass gleiche
Gefühle sie leiten, dass ich als Kind des einen Schöpfers verwandt bin
mit allen Menschen gleich welcher Rasse oder Hautfarbe, dass ich
die Schwächen meiner Mitmenschen verzeihe, wie auch ich
möchte, dass sie mir meine Fehler vergeben.

Festige meinen Entschluss, Fehler, die ich in mir finde, kraftvoll zu bekämpfen, damit es andern Beispiel sein möge, gleiches zu tun.

Hilf mir, immer klarer zu erkennen, dass Du, mein Schöpfer, mir die Kraft und die Weisheit eingabst, meine Umwelt selbst zu gestalten, mich zu befreien von den Fesseln meines schlechten Denkens, mich zu erheben von meiner jetzigen Entwicklungsstufe zur Höhe, in der ich sein möchte, indem ich alle
Gedanken der Angst, der Rache und des Hasses aufgebe, indem ich
in Harmonie zu bleiben trachte mit Deinem göttlichen Sein
in meinem Innern.

Hilf mir, mich von allen Gefühlen des Hasses, der Verbitterung und anderer beengender Gedanken zu befreien, und hilf mir erkennen, dass alles, was
an mir unvollkommen war und ist, seinen Ursprung hat in unrichtigem
Denken und im falschen Gebrauch Deiner universalen Gesetze.

So glaube ich an eine Welt, geeint in Arbeit für- und miteinander, an Nächstenliebe und gegenseitiges Verständnis als den hohen Sinn
des irdischen Daseins.

Ich glaube, dass alle Menschen in solchem Geiste endlich das eine große Lebensziel erreichen werden: Friede und Glück.

Amen.

Die Gnadenquelle Es kommt bei diesem Gebet nicht so sehr auf die Worte an, die man verwendet, sondern vielmehr auf das Gefühl der Überzeugung und den absoluten Glauben, der hinter jedem dieser Worte steht. Die richtige gedankliche und gefühlsmäßige Gebetshaltung bewirkt den Stromkreis der gemeinsamen göttlichen Macht zwischen einem selbst und dem Nächsten. So tritt der Geist des einen mit dem Geist des anderen in Verbindung.

Danach kann man den Herrn bitten, dass Er geistig Seine Hand auf das Haupt des Nächsten legt und ihn heilt. Gut ist, wenn sich der Nächste dabei in ein stilles Gebet begibt und sich der Bitte anschließt. Ein solches Gebet bewirkt, dass die eigene Lebensführung glücklicher wird und man immer Besseres an sich heranzieht. Denn indem man versucht, die eigene Gebetskraft in Resonanz mit der des anderen zu bringen, bringt man den andern dazu, auch seinerseits die bessere Seite herauszukehren: "Liebe steckt an", sagt man dazu. Wer versucht, jedem mit Liebe zu begegnen, wird sich auch gesundheitlich und seelisch besser fühlen.

Wo man Gelegenheit hat, helfe man, so gut man kann; doch sei man sich bewusst, dass man nur ein bescheidenes Werkzeug des Herrn ist. Deshalb bete man nicht für sich, nicht um persönlicher Vorteile und Motive willen, sondern völlig selbstlos für andere ... auf dass die Menschen, für die man betet, die volle Stosskraft der selbstlosen Fürbitte empfangen.

Die Gnadenquelle Ein solches Gebet der Fürbitte öffnet die Seele der Bedrängten für die Hilfe von außen. Die eigenen Befürchtungen und Zweifel werden dann zurückgestellt im Vertrauen darauf, dass man dem Nächsten zu helfen vermag ... wobei man sich bewusst sein sollte, dass es deren eigener Glaube war, der letzten Endes die günstige Wendung ermöglichte: Der Nächste hätte das gleiche Resultat auch selbst durch die direkte Verbindung mit der göttlichen Macht erreichen können.

Viele Schwierigkeiten und schlechte Gewohnheiten können somit gebessert werden. Denn das Fürbittegebet dient dazu, die göttliche Macht im Nächsten zu erwecken und zu aktivieren, auf das die Verhältnisse und schlechten Angewohnheiten sich rasch bessern. Man bete darum, dass einem Gott intuitiv eingibt, was zu tun und wann es zu tun ist.

 In Menschen, die ihre Ungeduld bezwungen haben und genügend Glaubenskraft besitzen, entwickelt sich hierzu mit der Zeit ein Sinn für die richtige Zeitwahl, und dieser Sinn gibt einem immer im rechten Augenblick das Signal zum Handeln. Bis aber dieses innere Signal sich meldet, ist es sinnlos, etwas zu unternehmen.

Die GnadenquelleGott zwingt einen nicht, die göttliche Macht in einem richtig zu gebrauchen. Sie dient einem nur dann, wenn man sie durch rechtes Denken in die richtige Richtung lenkt. Deshalb muss man sein Gemüt frei von destruktiven Gedanken halten und aufnahmefähig für das Positive sein. Gott ist ein guter Vater, der sich der Schwierigkeiten des einzelnen annimmt und einem hilft, wenn man in Not ist.

Gott ist überall zu gleicher Zeit; jeder, den es dazu drängt, kann jederzeit mit Ihm sprechen und zu Ihm beten. Er hört jedes Gebet und beantwortet es, wenn es Gutes zum Gegenstand hat. Man sagt: "Der Mensch denkt, Gott lenkt"; doch wie Gott es lenkt, hängt immer davon ab, wie der Mensch denkt. 

Seinem Wesen nach ist der Mensch demnach gut. Aus seinem angeborenen Streben, gut zu sein, sollte man deshalb im Fürbittegebet Nutzen ziehen. Drückt der Mensch im Unterbewusstsein den Wunsch aus, immer besser zu werden, so wird dadurch im Unterbewusstsein eine große Kraft aktiviert: Gott hilft denen, die sich selbst helfen ... und was sie sich innig wünschen und ersehnen, wird - sofern es von guten Gedanken getragen ist - mit Gottes Hilfe realisiert.

Die göttliche Macht ist ein unerschöpfliches Reservoir. Niemand hat je ihre potentielle Kapazität auszuschöpfen vermocht. Immer mehr Kraft wird verfügbar, und zwar im gleichen Maße, wie man lernt, aus dieser Kraft zu schöpfen. Denn es ist ein Lebensgesetz, dass man zurückerhält, wenn man gibt; und wenn man richtig denkt und handelt, erfolgt die Gegenleistung in der gleichen Münze, in der gegeben wurde. So wird man ernten, wie man gesät hat.

Die GnadenquelleDie Liebe ist hierzu der Schlüssel zu allem Guten und Dauerhaften im Leben ... und sie ist der Punkt im menschlichen Bewusstsein, wo die individuelle Seele aus dem Bereich der Endlichkeit das Unendliche berührt. Denn Gott, der Schöpfer des Universums, ist die Liebe. Durch die Liebe ist es jedem Menschen möglich, seinem Gefühl für Gott am Nächsten Ausdruck zu geben.

Als Beitrag zur Schaffung einer leuchtenderen, positiveren Gedankenaura dieser Welt sollte man unverzüglich beginnen, um die brüderliche Verbundenheit aller Menschen zu beten, die einmal kommen muss, wenn man überleben will. Man bereichere den weltumspannenden Strom des Bewusstseins durch die Liebe und das Wohlwollen gegenüber anderen. Man denke an die vielen schlechten Gedanken, die in der Welt existieren, Gedanken des Vorurteils, des Hasses, der Gier und des Mordes und an die Vielzahl destruktiver Gefühle, die die Herzen von Millionen Mitmenschen erfüllen! Diese Gedanken kann man nur bekämpfen, indem man den Reservoir guter Gedanken dieser Welt auch die eigenen guten Gedanken zuleitet. Paulus schreibt ( 1. Timotheus 2, 1-2 ): "So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen Bitte, Gebete, Fürbitten und Danksagungen darbringe für alle Menschen, für Könige und alle, die in hoher Stellung sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit."

Wäre es möglich, dass alle Völker der Erde in fünf schicksalhaften Minuten der Stille ihre Herzen öffneten und in Innigkeit ihr Wohlwollen gegenüber allen Mitmenschen zum Ausdruck brächten ... ja, wäre es möglich, dass sie im gemeinsamen Gebet bekräftigen, von der gleichen Sekunde ab in Frieden, gegenseitigem Verständnis und gegenseitiger Achtung füreinander leben zu wollen, dann müsste die Resonanzkraft dieses harmonisierten Denkens von sechs Milliarden Seelen unermesslich groß sein. Schließlich heißt es doch im Hebräerbrief ( Hebräer 12, 14 ): "Versucht, mit allen Menschen in Frieden zu leben."

Die Gnadenquelle Friede kann aber nur werden, wenn man selbst und alle Völker der Erde bereit sind, ihre Herzen mit Liebe zu erfüllen und eine positive seelische Haltung einzunehmen. Kann man wirklich seinen Nächsten lieben wie sich selbst? Das Gebet kann einem helfen, Stärke zu finden, nicht um andern Menschen überlegen zu sein, sondern um seinen größten Feind zu bekämpfen - sich selbst.