Gebetsforum

 









"Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten." ( Jakobus 5, 16 )


In Jesu Leben stand das Gebet an erster Stelle, vor allen anderen Dingen wie z.B. das soziale Leben. Das Gebet war die wichtigste Verbindung zwischen Jesus und Seinem Vater. Dasselbe gilt auch für uns. Von daher soll mit diesem Gebetsforum ein Raum geschaffen werden für alle, die sich mit anderen über das "Gebet" austauschen möchten. Sie sind hiermit herzlich eingeladen, sich mit eigenen Beiträgen in dem Forum zu beteiligen ... denn für alle ernst und aufrichtig gemeinten Beiträge findet sich hier ein Platz.

Worum geht es in diesem Gebetsforum?

Jesus selbst sagt ( Matthäus 15, 17-20 ): "Merkt ihr nicht, dass alles, was zum Mund hineingeht, das geht in den Bauch und wird danach in die Grube ausgeleert? Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen. Aber mit ungewaschenen Händen essen macht den Menschen nicht unrein." Jesus spielt hier die Bedeutung ordentlicher Ernährung und Hygiene nicht herunter. Er sagt aber, dass eine richtige Grundeinstellung und ein reiner Geist noch wichtiger für eine gute Gesundheit sind.

"Es gibt keinen guten Baum, der schlechte Früchte hervorbringt, noch einen schlechten Baum, der gute Früchte hervorbringt. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil in seinem Herzen Gutes ist; und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil in seinem Herzen Böses ist."
( Lukas 6, 43-45 )

Für den Betenden heißt dies, dass Gott in die Gedanken und damit auch in das Handeln einfließen will. Was Gott dafür benötigt, ist, dass man sich Zeit für Ihn nimmt und Ihm zuhört: Wenn der Mensch still daliegt und lauscht, kann er Gott reden hören ... diese kaum vernehmbare, ruhige Stimme im verborgenen Dunkel. Gott sagt hierzu ( Psalm 32, 8 ): "Ich unterweise dich und zeige dir den Weg, den du gehen sollst."

Diese Göttliche Weisung wird unterschiedlich interpretiert. Der Franziskaner-Mönch Francisco de Osuna ( 1492-1541 ) verwendet hierzu ein Bild des Alten Testaments: "Die Königin von Saba und der König Salomon tauschen in abgeschiedener Stille wunderbare Geschenke wechselseitiger Liebe aus: Gott spricht zum Herzen nicht in Worten, sondern mit Engelsflügelschlag. Solche Zeichen sagen mehr, als alle Worte vermöchten." Beschrieben wird hier der geistige Austausch, der sich in aller Stille vollzieht.

Eine solche Zeit der Stille ist wichtig. Denn gerade, wo wir heute ständig gefordert sind, uns den Veränderungen anzupassen ( zum Beispiel: an ein neues Umfeld, an eine neue Person, an eine neue Herausforderung ... ), dürfen wir nicht vor den Veränderungen fliehen. Veränderungen sind ein integraler Bestandteil unseres Lebens ... und an uns liegt es, in diesen Zeiten der Veränderungen Gottes Führung anzunehmen: Wer hier betet, durch den verwandelt sich seine Welt und er wird selbst ein anderer: Er wird erfüllt vom Göttlichen Geist, der Heiligung des Menschen.

Gebete besitzen aus diesem Grund ein großes Potential, um zu heilen und einen "ganz" zu machen. Denn Gott hat sich nicht von den Menschen entfernt, sondern ist ihnen nahe. Er gibt hörbare oder sichtbare Zeichen als Beweis Seiner Gegenwart. Vor diesem Hintergrund ist es lebenswichtig, eine Beziehung zu Gott zu pflegen und Ihn wertzuschätzen.

Als Beispiel für ein gottvertrauendes Gebet sei hier folgendes Erlebnis des evangelischen Pfarrers Ernst von Jaminet ( 1883-1945 ) aus seiner Rostocker Studentenzeit wiedergegeben, das er in seinem Buch "Die jenseitige Welt" niedergeschrieben hat: "Eines Abends, während der Sturm heulte und Regen an meine Fenster prasselte, saß ich gedankenversunken an meinem Schreibtisch. Da überkam mich plötzlich eine ungewöhnliche Unruhe und das lebhafte Verlangen, mich aufzumachen und einen Arbeiter im Hafenviertel zu besuchen, von dem man mir erzählt hatte, dass er ein außergewöhnlich frommer Mensch sei und trotz seiner großen Armut - er war Hilfsarbeiter auf der Neptunwerft und Vater mehrerer kleiner Kinder - sonntäglich christliche Blätter in großer Zahl bei selbstgeworbenen Abonnenten verteilte, lediglich, wie er sagte: "Um auch etwas für seinen Herrn zu tun."

Ich hatte mir seine Wohnadresse notiert und mir vorgenommen, diesen Mann gelegentlich zu besuchen. Das Sonderbare war nun aber, dass ich an jenem Abend durchaus nicht an ihn gedacht hatte, und doch in unerklärlicher Weise dazu angetrieben wurde, ihn sofort aufzusuchen, trotz meines inneren Widerstrebens, da ich froh war, bei dem schlechten Wetter zu Hause zu sein."

Ernst von Jaminet fühlte sich förmlich gezwungen, diesem seltsamen Antrieb nachzugeben. Durch mangelhaft beleuchtete Gassen gehend, fand er endlich das Haus und tastete sich "auf einer halsbrecherischen dunklen Stiege zur Mansardenwohnung hinauf." Dort fand er in einer ärmlich ausgestatteten Dachstube einen freundlichen Mann mit seiner Familie vor: mehrere kleine Kinder, die Frau mit einem Säugling im Bett, auf dem Tisch ein Brotmesser und einige Brotkrumen.

Der "Mann zeigte merkwürdigerweise gar kein besonderes erstaunen über mein so spätes Erscheinen, zumal wir einander völlig fremd waren. Er lud mich freundlich ein, seiner Abendandacht, die er eben abhalten wollte, beizuwohnen. Mit großer Inbrunst las er eine Stelle aus der Bibel und betete dann in schlichter Weise darüber; ebenso wie seine Frau, auch meiner fürbittend gedenkend, dass ich einmal viele Seelen zu Gott führen möchte."

Der Besucher Ernst von Jaminet war so ergriffen, dass er in Anbetracht der ihn umgebenden Armut sich spontan entschloss, "ein blankes Goldstück auf den Tisch zu legen; eine Gabe, die man als Studiosus so leicht nicht gibt. Ich war über meine Freigebigkeit eigentlich selbst erstaunt, zumal der Mann mir dergleichen durchaus nicht nahegelegt und überhaupt nicht geklagt hatte. Was mich aber noch mehr verwunderte, war die Selbstverständlichkeit, mit der er das Goldstück hinnahm. Ich hatte einen besonders lebhaften Dank erwartet über diese unverhoffte reichliche Gabe. Der Mann dankte mir zwar, aber - wie gesagt - nicht so, wie ich es erwartet hatte."

Der Mann schien die Gedanken seines Besuchers erraten zu haben, denn er sagte: "Sehen Sie, diese Brotkrumen auf dem Tisch sind alles, was wir noch zu essen haben. Sie wissen, dass ich zur Zeit auf der Werft nicht arbeiten kann. Geld haben wir keinen Pfennig mehr. Das letzte gab ich heute nachmittag für Brot für uns zu Abend aus. Unser Vater im Himmel jedoch sorgt stets für uns, und wenn ich bete, so erhört er stets mein Gebet und gibt mir gerade, was ich brauche. Ich hatte eine Stunde, bevor Sie kamen, auf meinen Knien Gott inbrünstig um Hilfe gebeten und war der Erhörung des Gebetes gewiss. So setzte mich Ihr Erscheinen nicht in Erstaunen, und auch nicht die Hilfe, die Sie uns zuteil werden lassen. Ich wusste, dass es so kommen würde. Es steht nicht umsonst in der Bibel: "Alle eure Sorgen werfet auf Ihn. Er sorget für euch!" ( 1. Petrus 5, 7 )

Ernst von Jaminet war ob des Erlebten tief beeindruckt. Er hatte offensichtlich im Dienste und als Werkzeug einer höheren Macht gehandelt, ohne es zu wissen ... Und in diesem Sinne will auch Gott eine lebendige und dauerhafte Beziehung mit den Menschen aufbauen: Jesus möchte durch Seinen Geist bei den Menschen und in ihnen sein ( Johannes 14, 16-17 ).

In diesem Zusammenhang spricht man in der Religion oft von Gebetserhörungen ... und würde es diese nicht geben, so hätte die Menschheit wohl schon längst aufgehört zu beten. Immer und immer wieder machen hier gläubige Menschen die Erfahrung, dass Gebete erhört werden.

Einen solch gut verbürgten und weithin bekannten Fall der Gebetserhörung berichtet Ernst von Jaminet in seinem oben genannten Buch mit den folgenden Worten: "Während der Fahrt eines Schiffes auf dem Atlantischen Ozean sah eines Tages der Steuermann in der Kajüte einen ihm völlig unbekannten Mann am Schreibtisch sitzen. Er machte sofort dem Kapitän davon Meldung, in der Annahme, es handle sich um einen blinden Passagier. In der Kabine zurückgekehrt, fanden sie dort niemanden mehr vor. Nur auf einem Blatt Papier, das auf dem Schreibtisch lag, standen die Worte: "Steuere nordwestlich!" Man durchsuchte das ganze Schiff nach dem Unbekannten, ohne auch nur den geringsten Anhaltspunkt dafür zu finden, dass jemand heimlich die Fahrt auf dem Schiff mitmachte.

Abergläubisch, wie die Seeleute sind, beschloss der Kapitän, den Kurs des Schiffes zu ändern und nordwestlich zu steuern. Nachdem man den Tag und die darauffolgende Nacht diese Fahrtrichtung beibehält, kam am Morgen ein Schiff in Sicht, das, von Eisbergen umschlossen, in höchster Gefahr war, zertrümmert zu werden. Man beschloss, die Besatzung des bedrängten Schiffes zu retten, und setzte ein Boot aus, um die Mannschaft zu sich herüberzuholen.

Wie groß aber war die Überraschung des Steuermanns, als er unter den Geretteten den geheimnisvollen Fremden aus der Kajüte erkannte. Es stellte sich nun folgendes heraus: Dieser Mann, namens Squires, war ein besonders frommer Mensch. Er gehörte der Sekte der Quäker an. Als sein Schiff in so großer Not war, dass alle den sicheren Tod vor Augen hatten, hatte er in seiner Kabine inbrünstig auf den Knien vor seinem Gott um Errettung gefleht. So stark sei seine Anspannung gewesen, so berichtete er, dass er darüber in einen tiefen Schlaf versunken sei. Da hätte er geträumt, er sei auf einem fremden Schiff und schriebe, um dieses zur Hilfeleistung zu veranlassen, die Worte auf: "Steuere nordwestlich!" - Erwacht, habe er die feste Zuversicht gehabt, dass ihnen Rettung zuteil würde.

Man forderte nun den Erzähler auf, einmal die Worte: "Steuere nordwestlich!" niederzuschreiben. Und siehe, es waren dieselben Schriftzüge, in derselben charakteristisch-kritzligen Art, wie die in der Kajüte vorgefunden."

Dieser Vorgang des geistigen Rufes vollzieht sich übrigens auch mit der Niederschrift der Neuoffenbarung. Denn auch sie sendet heutzutage zu jedem Menschen ihren Ruf entgegen, auf dass dieser seinen persönlichen Kurs ändert, um eine Entdeckung für sich und die gesamte Menschheit zu machen. Das heißt: Das Bewusstsein der Menschen wird hier von der geistigen Welt her angesprochen ... und seitdem beginnt für den wahrhaft Suchenden ein Ringen nach der Erkenntnis Gottes, die einen Tag und Nacht beschäftigt.

Hier beginnt nun die Konzentration, die Einengung des Bewusstseins auf einen Punkt und die Ausschaltung aller störenden Faktoren - also gleichsam einen meditativen Akt. Es ist ein Hineinhören in sich ( und in die geistige Welt ), ein tastendes Gefühl nach Zusammenhängen, das Warten auf eine erlösende Antwort, der Versuch, ahnungsvoll Zusammenhänge und Strukturen zu erfassen und zu formulieren. Man wartet auf die endgültige Lösung und hofft, dass sich einem das Resultat erschließt, denn die Antworten liegen irgendwo wie verborgene Schätze in der Tiefe, sind noch unbewusst oder halbbewusst. Sie müssen erst heraufgereicht werden, müssen sich wie eine Blüte entfalten. Das heißt: Große Erkenntnisse sind nicht kaltes Kalkül, sondern dramatisches Ringen - in der Musik, in der religiösen Erkenntnis, aber auch in der Naturwissenschaft.

Denn gerade in der Naturwissenschaft beobachtet man, mit welcher Genialität den Fragen des Lebens nachgespürt wird und wie intensiv so verborgene Gebiete wie Atomphysik, Mikrobiologie und Genetik erforscht werden ... und doch verwundert es einem, weshalb hier noch kein einziger ( wissenschaftlicher ) Beweis für die nachtodliche Existenz des Menschen gefunden wurde: Schließlich ist der Tod ein realer Akt jenseits aller Glaubensinterpretation, und das nachtodliche Leben sollte es ebenfalls sein.

Und so bleibt ein Leben nach dem Tod nur ein Glaube. Doch der Verstand will hier keine weltanschaulichen Definitionen, er will die Naturgesetze hierzu finden. Dagegen kann der Gläubige nur argumentieren, dass eine Nahtoderfahrung die Seele eines Menschen befreit, auf dass man sich erzieht und seinen Egoismus abbaut: Man bemüht sich seit dieser Erfahrung, liebevoll gerecht und gütig zu sein.

Diese Verwandlung ins Göttliche und die Aufgabe des Ichs im existentiellen Sinne - so, wie es die gegenstandslose Mystik sieht - findet im Gebet der Stille statt. Es ist der gleiche Vorgang des "Entsinkens", wie es die Menschen mit einer Nahtoderfahrung berichten: Der Sterbende befindet sich in einem dunklen, leeren Raum oder fühlt sich in einem schwarzen Tunnel, wandert durch eine finstere Höhle. Er empfindet Einsamkeit, Angst und Ratlosigkeit und versucht, den Ausgang zu erreichen, um Licht zu erhalten. Dieses Licht wird von ferne sichtbar, und plötzlich steht er beglückt in der Heiligkeit einer vordem unbekannten Dimension.

Um in diesen Zustand zu gelangen, wo sich einem Unendliches manifestiert, muss vorher die Bedingung eintreten, die einen Versenkungszustand erzeugt. Dies ist zum Beispiel der Zustand vor dem Tod ... oder der Zustand des Gebets der Stille.

So gesehen, ist aber auch die Aussage der Mystik ( oder die einer Nahtoderfahrung ) subjektiver Natur. Sie resultiert in der Mystik aus der Erfahrung des Versenkungsbewusstseins und der Unio mystica. Das heißt: Der Mystiker erlebt in seinem Versenkungsbewusstsein, wie das Ich gerade noch als Wahrnehmungsmittelpunkt erhalten bleibt und über den ( geistigen ) Tod hinaus den Zugang zum Göttlichen, zur Ewigkeit erfahrbar wird.

Für den Normalgläubigen beginnt demnach die Ewigkeit dann, wenn er seinen Tod erlebt. Das ist für ihn der Anfang des neuen, geistigen Lebens. Aber in der Mystik wird der Tod nicht dadurch überwunden, dass man ihn als Anfang nimmt. Er wird inmitten des Lebens überwunden, dann, wenn man die Existenz des Ewigen ( plötzlich wie aus dem Nichts ) erfährt.

Durch dieses dunkle Tor ( des Todes ) müssen alle einmal ( am Ende des Lebens ) schreiten - Heilige und Sünder. Und für beide gilt dasselbe Gebet in der Stunde des Todes: Hier bin ich, so bin ich geworden, so kehre ich zurück. Hier lasse ich alles fallen, auch mich selbst. Nimm mich auf und erlöse mich von mir.

Dieses Gebet ist die einzige Haltung, die im Hinblick auf den Tod möglich ist. Bestimmt sie schon zu Lebzeiten das eigene Denken, gibt es keine Angst vor dem Tode, und alle Klimmzüge zur Rechtfertigung sind überflüssig. Denn alle Anmaßung hat im Tod ein Ende. Alle eigenen "Ewigkeitswerte" münden hier zunächst ins Nichts... und man tritt ein in die ewige Welt der Zeitlosigkeit.

Der Tod ist hier ein natürliches Regulativ des Lebens, man betrachtet ihn als Abschluss seines Weges - etwa so, wie man nach einem schönen Tag zufrieden in den Schlaf fällt, das heißt: Wortlos und begrifflos in eine dunkle Leere. Im Schlaf nimmt man die Probleme, die einem am Tag beschäftigt haben, mit hinüber, wo sie im Unterbewusstsein weiter erscheinen. Und so kann es im Schlaf passieren, dass der gesuchte mathematische Zusammenhang, der musikalische Ausdruck eines Themas oder eine bestimmte religiöse Einsicht plötzlich wie von selbst in dem eigenen Bewusstsein auftaucht. Die angestrebte Lösung fällt einem dann "wie Schuppen von den Augen". Diesen Vorgang des Auftauchens erlebt man zum Beispiel, wenn man vergebens nach einem vergessenen Begriff sucht, der sich später von selbst einstellt.

Auf diese Weise erfolgt auch die mystische Erleuchtung im Gebet der Stille: Es tritt ( plötzlich ) die Erkenntnis ( die Erleuchtung ) in die eigene Seele wie ein Licht, das von oben ( plötzlich ) auf einen herabstrahlt. Das Überwältigende an dieser Erleuchtung ist nun, dass sie zu "ihrer Zeit" in den Bewusstseinsraum einbricht und fortan als Wahrheit in einem lebt. Eine Erleuchtung diesen Grades verwandelt einen wie das Damaskuserlebnis des Saulus, der dadurch zum Paulus wurde: Wie ein Blitz entflammt diese Erleuchtung das ganze Bewusstsein.

Der Mystiker Dionysius Areopagita beschreibt hierzu schon im 5. Jahrhundert, wie man zu einer solchen Erleuchtung gelangt: "Man muss bei der planmäßigen Übung der Kontemplation die Sinne und den Intellekt ausschalten und die Sphäre der Sinne und des Intellektes überhaupt ganz hinter sich lassen; dadurch befreit man sich von allem, was da ist und nicht da ist und erhebt sich zur Vereinigung mit Ihm, der über allem Wissen und Sein ist. Durch die dauernde, vollständige Aufgabe des eigenen Ichs, durch die Loslösung von allen Dingen, durch Verzicht auf alles wird man von allem frei und geläutert und fähig, in die Region der Göttlichen Dunkelheit vorzustoßen, die das Höchste des Höchsten ist ... Dann ist man frei von allen Dingen und unabhängig vom Sehen selbst, und man kann ins Herz der mystischen Dunkelheit eintreten, in die Wolke des Unbekannten, über die niemand etwas weiß, und wohnt im Unbegreiflichen, Unsichtbaren, aufgelöst in Ihm, der über allem ist. Nun gehört man niemandem mehr, weder dem eigenen Ich noch irgend etwas anderem, sondern man hat die höchste Stufe der Vereinigung mit Ihm, dem Unbekannten, erreicht. Die Seele ist vollkommen unfähig, Ihn zu verstehen, und sie fasst Ihn in einer Weise, die alles menschliche Begreifen übersteigt."


"Der Herr ist nahe allen, die Ihn anrufen, allen, die Ihn ernstlich anrufen."
( Psalm 145, 18 )


Pater Gereon Goldmann erzählt aus seinem unglaublichen Leben


Laut der Neuoffenbarung gibt es ein äußeres und ein inneres Leben ( - einen äußeren und einen inneren Menschen. ) Beim äußeren Leben geht es vor allem um den materiellen Leib, um dessen Ernährung und Pflege ... und beim inneren Leben ( der menschlichen Seele ) gilt es vor allem, das Verhältnis zum göttlichen Geist zu erkunden. Denn die menschliche Seele unterscheidet sich vom göttlichen Geist. Hierzu spricht Jesus in der Neuoffenbarung zu einem Oberpriester: "Zudem aber bist du noch in einer großen Irre, so du meinst, dass Geist und Seele ein und dasselbe sind! Die Seele bei den Menschen ist ein geistiges Produkt aus der Materie, weil in der Materie eben nur ein gerichtetes Geistiges für die Löse rastet. Der reine Geist aber ist niemals gerichtet gewesen, und es hat ein jeder Mensch seinen von Gott ihm zugeteilten Geist, der alles beim werdenden Menschen besorgt, tut und leitet, aber mit der eigentlichen Seele sich erst dann in eins verbindet, so diese aus ihrem eigenen Wollen vollkommen in die erkannte Ordnung Gottes übergegangen und somit vollends rein geistig geworden ist." ( Die drei Tage im Tempel, Kap. 21, V. 19 )

Demnach bewegt sich die menschliche Seele zwischen folgenden zwei Polen:

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Den Leib als den negativen Pol ( Neigung zum nur irdischen und zeitlichen Besitz ) und

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den göttlichen Geist als den positiven Pol ( die Gewissenseinsprache, der Pfingstgeist ).

Hierzu heißt es erklärend in der Neuoffenbarung: "Je mehr sich die Seele mit der Materie ihres Fleisches verbindet, desto mehr muss die Ausbildung des eigentlichen Geistes Gottes in ihr verkümmern; und je mehr sich dann die Seele durch ihre Sorge verbindet mit dem Leibe, der in sich nur ein Gericht, eine leidige Notwendigkeit und somit der Tod selbst ist, desto mehr verliert sie dann auch das Bewusstsein und die Erkenntnis des ewigen, unverwüstbaren Lebens in ihr. Je mehr sie sich aber ablöst von diesem Bande, desto freier wird sie wieder in allem, und je mehr sie sich dann verbindet mit dem göttlichen Geiste in ihr, desto lebendiger und stets heller wird darauf das Bewusstsein und die Erkenntnis des ewigen Lebens in der Seele werden." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 2, Kap. 226, V. 1 )

Und an anderer Stelle heißt es weiter: "Was sicher für ewig währt, das zu erreichen setzet alle eure Kräfte und Mittel in die vollste Bewegung; ums Irdische für den Leib aber sorget euch nur insoweit, als es vernunftgemäß nötig ist! Dass ein Mensch essen und trinken muss und seinen Leib schützen gegen Kälte und große Hitze, das ist eine ganz natürliche Sache; aber wer eben für den Leib mehr tut als für die Seele und am Ende gar für den Leib allein sorgt, dagegen für die Wohlfahrt der Seele gar nicht, die doch ewig leben soll, der ist ein wahrhaftigst blinder und überdummer Narr." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 7, Kap. 222, V. 15 )



Bildlich dargestellt, gleicht in der Neuoffenbarung der Leib einem Musikinstrument und die menschliche Seele dem Musizierenden, der sich des Leibes als Ausdrucksmittel bedient, um Gott in der Musik - das heißt: Durch das Gefühl - nahezukommen. Die Komposition des hier gespielten Musikstückes empfängt der Mensch über den Gottesfunken, der - laut der Neuoffenbarung - in jedem Lebewesen ( sowohl in der Pflanze als auch im Tier und im Menschen ) existiert ... und "ganz besonders gottähnlich im Menschen" ( Gr. Ev. Joh., Bd. 6, Kap. 32, V. 6 ) vorhanden ist.

Über diesen Gottesfunken "kann der Mensch vernünftig und verständig werden, eine Sprache haben und Gott als seinen Schöpfer anfangs ahnen und später reiner und reiner erkennen, lieben und seinen eigenen Willen dem erkannten göttlichen völlig unterordnen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 6, Kap. 32, V. 6 ) Und weiter heißt es an anderer Stelle in der Neuoffenbarung: "Wenn dein Geist in dir wach wird, so wirst du Seine Stimme wie lichte Gedanken in deinem Herzen vernehmen. Diese musst du wohl anhören und dich danach in deiner ganzen Lebenssphäre richten, so wirst du dadurch deinem eigenen Geiste einen stets größeren Wirkungsraum verschaffen; also wird der Geist wachsen in dir bis zur männlichen Größe und wird durchdringen deine ganze Seele und mit ihr dein ganzes materielles Wesen." ( Gr. Ev. Joh., Bd. 4, Kap. 76, V. 10 )

Über das oben beschriebene Bild von der musizierenden Seele schreibt 1844 der Freimaurer J. B. Kerning, Pseudonym für Johann Baptist Krebs ( 1774-1851 ), dessen mystischen Schriften - laut der Lebensbeschreibung von Jakob Lorber ( 1800-1864 ) durch den kaiserlich-königlichen Amtssekretär Karl Gottfried Ritter von Leitner ( 1800-1890 ) - auch Lorber besonders zugetan war: "Die Musik lernt man gewöhnlich auf einem Instrument. Sobald man sie aber einmal gründlich erlernt hat, ist das Instrument nicht mehr wesentlich. Dann trägt man die Musik in sich. Einigen dient zwar die Kehle und der Mund als Instrument, allein diese sind gleichfalls als äußere Werkzeuge zu betrachten, weil die ganze Wirkung nach Außen geht. Lasst aber einen gründlichen Musiker Gehör und Sprache verlieren, die Musik lebt in seinem Gefühle fort und keine ihrer unzähligen Wendungen geht ihm verloren.

So das Wort. Kehle, Zunge, Zähne und Lippen sind das Werkzeug, dasselbe nach außen zu gebrauchen, sobald aber die Elemente und die Biegungen der Sprache einmal in unserm Innern sich regen und kund tun, dann mögen die äußern Sprachorgane verstummen, das Gehör sich verlieren, im Innersten bleibt die lebendige Sprache und wird nicht mehr sterben, selbst wenn der leib zu Atomen sich auflöste ...

Wie aber lässt sich das Wort in seinen Urformen erkennen? Und wodurch erhalten wir die Überzeugung, dass wir es nicht nur im Munde, im Instrument nach außen, sondern im Innern haben? - Der Mund ist das Werkzeug für die äußere Welt, er ist aber auch das Zeugungsorgan für das innere Leben. - Der Mensch gewöhnt sich, wie er nach außen spricht, nach innen zu sprechen und er wird bald unzweifelhafte Resultate empfinden. Gott blies dem Menschen den lebendigen Atem in die Nase, sagt die Schöpfungsgeschichte. Man versuche es, statt ungewürzter Luft, Vokale, dann Worte und endlich ganze Sätze einzuatmen und den ganzen Leib durchdringen zu lassen, und man wird bald erfahren, was es heißt, sich dem Zufall preisgeben oder sich mit Lebensluft nähren. Ist man auf diese Art dahin gekommen, sein inneres Leben deutlich zu empfinden, dann darf man Fragen einhauchen, und beim Zurückhauchen die Antwort erwarten."

Nach J. B. Kerning, der - ähnlich wie Jakob Lorber - zwei Jahre lang katholische Theologie studierte und dann seinen Lebensunterhalt mit der Musik ( J. B. Kerning war Opernsänger und in späteren Jahren Regisseur der Königlichen Hofoper in Stuttgart ) verdiente ( Jakob Lorber war während seiner Schreibtätigkeit als Musiklehrer und Klavierstimmer beschäftigt ), offenbarte sich das innere Leben des Menschen durch das "Einatmen der Worte": Man atmet eine Frage ein und erhält beim Ausatmen eine Antwort hierzu. Hierzu heißt es 1858 in der Neuoffenbarung: "Das, was nun Mein irdisch sehr armseliger Knecht ( Jakob Lorber ) tut, sollten eigentlich alle Meine wahren Bekenner tun können. Denn allen gilt das Evangeliumswort: Ihr müsset alle von Gott gelehret sein. Wen nicht der Vater ziehet, der kommt nicht zum Sohne!" ( Jakob Lorber - ein Lebensbild, dargestellt von Karl Gottfried Ritter von Leitner )

Zu der soeben beschriebenen Wiederbelebung der prophetischen Kraft im Menschen bedarf es aber auch der Harmonie zwischen Leib und Seele, welche sich besonders in der mystischen Konzentration einstellt. Denn bei diesem Gebet der Stille gilt es, die eigenen Gedanken auf das Herz zu konzentrieren, wo der göttliche Funke im Menschen wohnt und durch das innige und andächtige Gebet aktiviert wird.

Demnach ist klar: Im Herzen wohnt das göttliche Selbst des Menschen, über das einem jeden guter Rat erteilt wird. Denn das ist das Ziel des Lebens: Mit Gott zu reden, Ihn um Rat zu fragen, sich durch Sein Wort belehren und leiten zu lassen. Nur dies gibt einen wahre Ruhe und Sicherheit. Deshalb schreibt Paulus hierzu ( Galater 2, 20 ): "Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir." Das heißt: Das neue Leben wird nicht mehr vom ( alten ) "Ich" bestimmt, sondern von Christus, der in einem "auferstanden" ist.

Teresa von Avila ( 1515 – 1582 ) schreibt über diese Vorgehensweise: "Der springende Punkt dabei ist, dass wir uns dem Herrn rückhaltlos überlassen und Ihm die Hindernisse wegräumen, damit Er schalten und walten kann wie in Seinem Eigentum. Dazu ist Seine Majestät berechtigt. Weil Er aber unseren Willen nicht zwingen will, nimmt Er nur, soviel wir Ihm geben. Doch schenkt Er sich uns nicht ganz, solange wir uns Ihm nicht gänzlich hingeben."


"Der Herr ist ferne von den Gottlosen; aber der Gerechten Gebet erhört Er."
( Sprüche 15, 29 )


Durch das Gebet findet in erster Linie ein enormer Wandel im Menschen selber statt. Von daher betet man am besten in aller Stille ( geräuschlos ) und in Zurückgezogenheit ( Matthäus 6, 6-7 ). Die Sinne seien dabei innerlich hellwach, um Gottes Willen zu vernehmen. Bei einem dringendem Anliegen sollten sogar die eigenen Sinne aktiv damit beschäftigt sein, worüber und zu wem man betet. Es heißt ( Psalm 37, 5-6 ): "Befiehl dem Herrn deinen Weg und hoffe auf Ihn, Er wird es fügen, und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag."

Dialogorientiertes Beten ist mehr als Worte um der Worte willen oder Formulierung um der Formulierung willen. Beten ist hier ein tiefes Versunkensein, in welchem man Gottes Anwesenheit und ein Aufgehen seiner selbst in Gott fühlt. Wer hier all seine Bedürfnisse vor Gott offenlegt, sollte sich auch immer darum bemühen, die belastenden Probleme Gott zu übergeben. Denn während eines solchen Gebets sollten die Sinne möglichst frei sein, um hören zu können, was Gott einem als Antwort zurückgibt.

"Wir wissen, dass Gott die Sünder nicht erhört; sondern den, der gottesfürchtig ist und Seinen Willen tut, den erhört Er."
( Johannes 9, 31 )

Man gibt sein Problem in diesem Moment aus seinen Händen und übergibt es an Gott. Die Lösung des Problems wird mit Hilfe von Gottes himmlischen Willen für das eigene Leben geschehen. Diese Hingabe sollte ohne jeden Vorbehalt erfolgen. Denn das Problem wird im festen Glauben übergeben, dass Gott es in die Hand nehmen wird. Das heißt, die eigene Aufgabe ist es, die Entscheidung Gott anzubefehlen und Ihm dann zu vertrauen. Wenn man das getan hat, kann man Seinem Handeln erwartungsvoll entgegensehen.

Es heißt ( Psalm 37, 7 ): "Sei stille dem Herrn und warte auf Ihn." Das bedeutet, dass es unverzichtbar ist, in Ruhe zuzuhören und seinen Gedanken zu erlauben, zur Ruhe zu kommen, damit Gott einen Seine Liebe und Seine Weisheit zuteil werden lassen kann. Im Herrn zu ruhen und geduldig auf Ihn zu warten, bedeutet, seine Sinne für das zu öffnen, was Gott einen zu geben hat. Wenn man Christ wird, kommt der Geist Gottes und wohnt in einem.

Da die eigenen Sinne während des Betens stark eingebunden sind, sollte man alles dafür tun, seine Gedanken zu beeinflussen. Ein hilfreiches Mittel hierzu ist, sich einen ruhigen Ort auszusuchen, weit ab vom Trubel des Alltages, an dem man sich in die Gegenwart Gottes versenken kann und Seine leise, fast nicht wahrnehmbare Stimme, die klar zu einem spricht, zu hören bekommt.

Jesus drückt es so aus ( Matthäus 6, 6 ): "Wenn du aber betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließe die Tür zu". Das ist es! Man schließe für diesen Moment die Tür für alles und für alle Gedanken, die eindringen und stören können: Das Schließen der Augen zum Beispiel verhindert visuelle Ablenkungen.

Des weiteren gilt: Je länger man betet, desto einfacher wird das Warten auf Gottes Antwort. Denn in solchen Momenten des stillen Wartens wird im eigenen Geist der Wille und das Ziel Gottes für das Leben eingeprägt. Die Antworten werden kommen. Darauf kann man sich verlassen! Denn wenn man seine Gedanken auf Gott konzentriert, gelingt das Gebet und das eigene Ziel: Gott ähnlicher zu werden, mit dem man im Gebet in Verbindung steht.

"Wir liegen vor Dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf Deine große Barmherzigkeit."
( Daniel 9, 18 )

Es ist hilfreich, an seinen "stillen Ort" zu gehen, wann immer man die Möglichkeit dazu hat, weg von dem Trubel und dem Lärm um einen herum. Man sollte ein Gespräch mit Gott auf einer regelmäßigen Basis suchen und entwickeln. Denn das Leben bietet einem viele Herausforderungen. Manchmal ist man sogar dazu aufgerufen, Schmerz, Leid, Verlust und Sorgen auszuhalten, die unerträglich erscheinen. Beten gibt einem in diesen Momenten Hoffnung und hält einen aufrecht. Paulus schreibt ( Römer 8, 28 ): "Wir wissen, dass Gott bei denen, die Ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach Seinem ewigen Plan berufen sind."

Und in der Neuoffenbarung spricht hierzu der Herr zur kleinen Sarah: "Wer Mich nicht wie du ... in seinem Herzen wie nahe ausschließend allein besitzen will, der hat noch keine wahre, lebendige Liebe zu Mir! Hat er aber diese nicht, so hat er auch die Fülle des Lebens nicht in sich. Denn Ich bin ja das eigentlichste Leben im Menschen durch die Liebe in seiner Seele zu Mir, und diese Liebe ist Mein Geist in jedem Menschen. Wer also die Liebe zu Mir erweckt, der erweckt seinen von Mir ihm gegebenen Geist, und da dieser Geist Ich Selbst bin und sein muss, weil es außer Mir ewig keinen andern Lebensgeist gibt, so erweckt er dadurch eben Mich Selbst in sich und ist dadurch ins ewige Leben vollauf eingeboren und kann dann hinfort ewig nimmer sterben und ewig nimmer vernichtet werden - auch durch Meine Allmacht nicht, weil er mit Mir eins ist. Ich aber kann Mich Selbst auch nicht vernichten, weil Mein unendliches Sein sich ewig nie ins Nichtsein umgestalten kann. Darum denke ja nicht, dass deine Liebe zu Mir blöde ist, sondern sie ist gerade so, wie sie sein muss! Beharre darin, so wirst du ewig keinen Tod weder sehen, noch fühlen oder schmecken!" ( Gr. Ev. Joh., Bd. 2, Kap. 41, V. 4-5 )


 

Weiterhin heißt es in der Neuoffenbarung ( zum Gebet ):

"Wenn sich aber der Mensch bis zum Ende seiner Welt hat ziehen lassen und ist somit verharret bis ans Ende, sodann tritt der Herr in ihn, welches da ist die volle
Erlösung, die Geistestaufe mit dem Feuer oder die vollkommene Wiedergeburt, wodurch der Mensch vollends erfüllt wird mit Meinem heiligen Geiste in aller Liebe, Kraft, Macht und Gewalt, darum er dann auch vollkommen Eins wird mit Mir."

( Himmelsgaben, Bd. 3, Kundgabe v. 26.02.1842, V. 8 )

 

Dass heißt, wenn man in der Stille Raum schafft für Gottes Geist, dann kann auch Sein Geist in das eigene Leben eindringen und wirken ... wie auch Jesus betet zum himmlischen Vater ( Johannes 17, 21-23 ): "... damit sie alle eins seien. Wie Du, Vater, in Mir bist und Ich in Dir, so sollen auch sie in Uns sein, damit die Welt glaube, dass Du Mich gesandt hast. Und Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die Du Mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie Wir eins sind, Ich in ihnen und Du in Mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass Du Mich gesandt hast und sie liebst, wie Du Mich liebst." Das Gebet in der Stille ist der Ausgangspunkt des geistlichen Neuanfangs. Denn in der Stille darf man die Gegenwart Gottes und Seine Berufung durch die Geisttaufe entdecken.

"Rufe zu Mir, dann will Ich dir antworten und dir große und geheimnisvolle Dinge zeigen, von denen du nichts weißt!"
( Jeremia 33, 3 )

Erst mit dieser zusätzlichen, besonderen Erfahrung erfüllt sich das Wort ( Markus 1, 8 ): "Er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen." Die Apostel selber beriefen sich einst bei einer ähnlichen Erfahrung darauf ( Apostelgeschichte 11, 16 ): "Da dachte ich an das Wort des Herrn: »Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden.«" Dieses Pfingstereignis ist das heilsgeschichtliche Kommen des Heiligen Geistes in die Welt - die Erlösung, die einen der Annahme als Gotteskind gewiss werden lässt ... die Wiedergeburtserfahrung, die einen zu einem auserwählten Werkzeug Gottes macht und einen zum Dienst unter den Völkern beruft.

Jakob Böhme ( 1575-1624 ) schreibt hierzu: "Die Erleuchtung des Geistes regnete auf mich herab. Ich stand in Seiner Gegenwart da und begriff den innersten Kern des Göttlichen Wesens in Liebe eingehüllt. Ich finde keine Worte, um diese Verzückung zu beschreiben. Es war wie eine Auferstehung von den Toten. Ich sah Gott in einem wunderbaren Licht erstrahlen. Alles war von innen her erleuchtet. Von diesem Augenblick an erkannte ich Gott in jedem Ding, in den Kreaturen, in Pflanzen und Gräsern."

Und Johannes vom Kreuz ( 1542-1591 ) schreibt über diese innige Begegnung Gottes mit Seinem Geschöpf: "Manchmal fließt von der Salbung des Heiligen Geistes, die der Seele zuteil wird, etwas auf den Körper über, und die ganze Sinnenhaftigkeit genießt es ... Und das geschieht nicht so abgeschwächt wie üblich, sondern mit einem Gefühl großer Herrlichkeit und Beseligung, das man bis in die Zehen und Fingerspitzen spürt ... Das Wirken des Heiligen Geistes fühlt die Seele im Innern als Flamme. - Das ist die Sprache, das sind die Worte, die Gott zu den geläuterten Seelen spricht, die alle selbst entflammt werden."


"Die Gnade des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die Ihn fürchten."
( Psalm 103, 17 )


Seit den Anfängen der Kirche waren die Christen der Auffassung, dass auch das gemeinsame Gebet ein wichtiger Weg für die Gläubigen ist. Es stärkt den eigenen Glauben und erweitert das Blickfeld für die Bedürfnisse anderer. Wenn man zusammen zu Gott betet, vereint einen das mehr, als vielleicht jede andere Tätigkeit und bringt einen in die Ruhe, die einen von der materiellen Gesinnung reinigt. In der Neuoffenbarung heißt es hierzu weiter: "Denn siehe, die Ruhe ist zur Aufnahme des Lichtes und der Wärme unumgänglich nötig und muss gleich sein der Ruhe der Liebe in Gott; nur aus Ruhe kommt die Empfänglichkeit fürs Leben und Licht." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 6, V. 4 )

Nicht umsonst enthält deshalb auch das Alte Testament das Sabbat-Gebot ( 5. Mose 5, 12-15 ): "Achte auf den Sabbattag, dass du ihn heilig hältst, wie dir Jahwe, dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und deine Werke tun. Aber der siebte Tag ist ein Ruhetag, Jahwe, deinem Gott, geweiht. Da sollst du keine Arbeit verrichten, weder du, noch dein Sohn, noch deine Tochter noch dein Sklave, noch deine Sklavin, noch dein Rind, noch dein Esel, noch all dein Vieh, noch der Ausländer in deinen Toren, auf dass dein Sklave und deine Sklavin ausruhen wie du. Denke daran, dass du Sklave im Land Ägypten gewesen bist und dass Jahwe, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit starker Hand und ausgerecktem Arm. Darum gebietet dir Jahwe, dein Gott, den Ruhetag zu halten." Durch das Sabbat-Gebot unterscheiden sich die Juden von allen umliegenden Völkern. Der Mensch ist kein Arbeitstier, er hat spirituelle Bedürfnisse, die über seinen Alltag hinausweisen. Im Sabbat-Ruhetag kann man somit auch die größte sozialpolitische Erfindung aller Zeiten sehen.

Vor diesen soeben genannten Hintergrund werden in diesem Gebetsforum alle Beiträge, die andere Meinungen lächerlich machen oder wirklich keinen Bezug zum Thema "Gebet" haben ( zum Beispiel: Werbung ), aus diesem Forum wieder herausgenommen. Denn das Beten und die Ruhe sind die verbindenden Elemente, die alles zusammenhalten: Das Gebet der Stille ist das wichtigste Band zwischen den Menschen und Gott ... und es überwindet alle Unterschiede zwischen den Hautfarben, sozialen oder wirtschaftlichen Stellungen. Es ist die vereinende Kraft für ein friedliches Zusammenleben.





Die Jungfrau von Guadalupe

Das Wunder von Guadalupe: Es ist Tatsache, dass der Bildträger, ein grobes Gewebe aus Agavenfasern, ohne besondere Präparierung für eine Malerei vollkommen ungeeignet ist. Es gibt aber auf dem groben Stoff keinerlei Grundierung, auf der die Farben haften könnten; sodann findet sich keine Spur von einer Vorzeichnung oder einer Pinselführung; schließlich sind die Farben nach einer Untersuchung des Nobelpreisträgers in Chemie, Richard Kuhn, keiner Farbart zuzuordnen; sie gehören weder dem pflanzlichen noch dem mineralischen noch dem tierischen Bereich an.

Es kommt weiter hinzu, dass die hier verwendete Agavenfaser normalerweise innerhalb von zwanzig Jahren zerfällt. Der Umhang des Juan Diego, der nun 450 Jahre alt ist, zeigt bis heute keine Spuren von Zersetzung, und das Bild strahlt noch in voller Frische, und dies obwohl es im ersten Jahrhundert keinerlei Schutzhülle besaß und immer wieder von den Pilgern angerührt wurde und allen möglichen Dämpfen ausgesetzt war: Obwohl im Jahr 1791 bei einer Reparatur des Rahmens durch einen Unfall sich Salpetersäure auf die rechte Hälfte des Bildes ergoss; obwohl am 14.11.1921 eine Bombe unmittelbar vor dem Bild in einem Rosenbukett explodierte und riesige Zerstörungen an den in der Nähe befindlichen Gegenständen anrichtete, ohne dem Bild im geringsten zu schaden; nicht einmal die Glasscheibe zersprang.

Ist dies alles schon natürlicherweise unerklärbar, so erst recht die Entdeckung, die man in den letzten Jahren gemacht hat - zuerst im Jahr 1929 der Fotograf A. M. Conzales und dann 1956 Carlos Salinos und der Augenspezialist Torija-Lavoignet: Dass sich nämlich im rechten Auge der Jungfrau Personen spiegeln. Inzwischen hat man, wie Prof. Torcuato Luca de Tena, Mitglied der Königlich-Spanischen Akademie, in der spanischen Zeitschrift "Iglesia-Mundo" berichtet, dieses Phänomen durch eine so genannte "Digitalisierung" zu klären versucht.

Das Verfahren besteht darin, das Bild in winzig kleine Quadrate aufzuteilen, so weit, dass die Fläche eines Quadratmillimeters in 27778 fast unendlich kleine Quadrate zerlegt wird. Wenn das geschehen ist, kann jedes Miniquadrat 2000mal vergrößert werden, und das erlaubt die Betrachtung von Details, die das unbewaffnete Auge niemals feststellen könnte.

Die Einzelheiten aber, die man in der Iris des Bildes von Guadalupe beobachtet hat, sind folgende: Ein Indianer, der eben den Mantel vor einem Franziskaner ( dem Bischof ) ausbreitet; weiter ein sehr junger Eingeborener mit einem Ausdruck der Verblüffung, eine Frau mit krausem Haar und weitere Personen, insbesondere wenigstens acht. Es ist völlig unmöglich, dass ein Miniaturenmaler auf einem so kleinen Raum, wie ihn die Hornhaut des Auges auf dem Bild von noch nicht Lebensgröße darstellt ( 143 x 55 cm ), das hätte malen können, was man so enorm vergrößern muss, um es sehen zu können. Wäre die Spiegelung irgendwie natürlich entstanden oder bewusst angebracht, so müsste sie sich auch im linken Auge zeigen.

Derzeit macht man ikonographische Studien, um diese Personen mit bekannten Portraits des Bischofs Zumárraga und von Leuten seiner Zeit und seiner Umgebung zu vergleichen. Die Identität von Bischof Zumárraga und Juan Diego scheint gesichert zu sein.



 

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