Caravaggio: "Die Inspiration des Hl. Matthäus" ( 1602 )
Vor circa zweitausend Jahren lebte in einem kleinen Winkel des römischen Reiches ein Mann mit dem Namen
Jesus: Nazareth, ein kleines Dorf oben auf dem Bergrücken von Galiläa, war Seine Heimat. Dort lebte und arbeitete Er, bis Er eines Tages aufbrach. Seit diesem Tag hat sich die Welt verändert.
Obwohl Jesus selbst kein Buch geschrieben hat und kaum über den Umkreis von wenigen hundert Kilometern hinaus gekommen ist, ist Sein Einfluss auf der ganzen Welt spürbar: Über keinen anderen
Menschen sind mehr Bücher geschrieben worden. In über tausend Sprachen können Menschen gegenwärtig die Geschichte von Jesus lesen ... und viele Menschen leben ganz bewusst als Nachfolger von Jesus. Denn wichtig
ist: Jesus selbst kennen zu lernen ... und dass man anfängt, mit Ihm zu leben. Denn Er ist da, an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt des eigenen Lebens.
Auf diese Weise wirkt der Mensch an seiner Entwicklung selber mit, das heißt: Der Mensch ist ein Produkt aus der unsichtbaren Interaktion zwischen seinem Bewusstsein und
der Gegenwart Gottes. Der Mensch ist demnach nichts anderes als das, was Gott aus seinem Bewusstsein gemacht hat. Demnach freut sich Jesus weniger über ein erfolgreiches Dienen, sondern
mehr darüber, dass man richtig mit Ihm verbunden ist: Wer in der richtigen Verbundenheit mit Jesus lebt, dem kann Gott in jeder Lebenslage, in der man sich befindet, und unter allen Menschen,
die man Tag für Tag begegnet, Ströme lebendigen Wassers austeilen. Das heißt: Es ist die Arbeit, die Gott durch einen tut, die zählt, nicht das, was man selber für Ihn tut. Gott achtet im
Leben eines jeden Menschen einzig und allein auf jene Verbundenheit mit Ihm.
In diesem Sinne schreibt der Schweizer Psychiater und Begründer der Analytischen Psychologie Carl Gustav Jung ( 1875-1961 ): "Der Zweck menschlichen Lebens ist die Steigerung des Bewusstseins." Das Bewusstsein
- die Seele - ist der höchste Besitz eines jeden Menschen ... und das irdische Dasein dient ihm zu einer Vorbereitung auf den Tod und das, was danach beginnt: Das ewige Sein. Schließlich ist diese Seele ist unsterblich ...
und in diesem Sinne schreibt C. G. Jung weiter, dass die Seele "nach allem, was wir darüber wissen, eine Seinsform relativ unabhängig von den Schranken von Raum und Zeit darstellt."
Wenn man sich nun die Frage stellt: "Auf welche Weise lässt sich das Bewusstsein des Menschen steigern beziehungsweise der persönliche Horizont erweitern?" kommt man bestimmt zu der Antwort, dass man das Bewusstsein
am besten nicht nur auf Familie, Haus und Arbeit beschränkt, sondern neben all diesen Dingen bewusstseinserweiternde Erfahrungen in neuen Dimensionen sucht - zum Beispiel: Indem man Musik, religiöse Bücher und darstellende Kunst in den
Interessensbereich mit einbezieht. Dadurch macht man sich frei von den schweren Beschränkungen des irdischen Daseinsmechanismus und lernt die Welt mehr geistig zu erfassen. In der Neuoffenbarung
heißt es hierzu: "In aller Weltarbeit, wenn sie zu eifrig betrieben wird, liegt der Tod! Daher ist's besser, zu sein faul für die Welt, aber um so eifriger für den Geist zu sein bei jeder Gelegenheit!" ( Die
Jugend Jesu, Kap. 297, V. 12-13 )
Und aus diesem Grund sagte auch der Renaissancepapst Nikolaus V. ( 1397-1455 ), ein großer Förderer der Kunst und der Vatikanischen Bibliothek: "Um feste und unverrückbare Überzeugungen im Kopf der unkultivierten Massen
zu schaffen, muss man das Auge ansprechen: Ein Volksglaube, der nur auf einer Lehre gründet, wird nie über einen schwächlichen und schwankenden Zustand hinauskommen." Die Förderung der Wissenschaften und Künste ist somit wichtig für
den schwachen Glauben der ungebildeten Mehrheit.
Neben diesem soeben genannten persönlichen Engagement jedes einzelnen Menschen ist für die Fortentwicklung des Bewusstseins aber auch folgendes Phänomen auffällig: Wenn auf der Erde eine neue große Idee geboren wird,
wird sie bekanntlich oft ( wie zum Beispiel zur Zeit der Renaissance ) von mehreren Menschen ungefähr gleichzeitig empfangen. Da stellt sich einem doch die Frage: Wurde diese Idee an verschiedenen Standorten der Erde aus der geistigen
Welt - zur Erweiterung des Bewusstseins - der Menschheit gegeben? ... und weiter gefragt: Was wäre, wenn in der geistigen Welt viele Ideen schon vorbereitet sind, die nur auf eine Gelegenheit warten, dass sie dem Gedankenapparat
kongenialer Menschen eingegeben und auf Erden veröffentlicht werden?
Die Heilige Schrift sagt hierzu wiederholt, dass Gott Seinen
Propheten und Knechten Seine göttliche "Inspiration" ( übersetzt: Einhauchung ) durch den Heiligen Geist erteilt. In diesem Sinne hielt Petrus fest ( 2. Petrus 1, 21 ): "Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem Heiligen
Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet."
Wenn man das Leben Christi intensiv studiert, so erkennt man, dass alles, was Er tat, ein Gleichnis ist, dass den Menschen
verständlich machen will: So findet jeder einzelne zu Gott zurück, dessen Herrschaft auf Gnade ( Versöhnung ) und Gerechtigkeit ( Gehorsam,
Gesetz ) beruht. Wer zu Gott kommen will, muss durch den Geist begnadigt worden sein und Ihm gehorchen, wie auch Lukas festhält, dass Jesus
Sein Predigeramt "in der Kraft des Geistes" aufnahm ( Lukas 4, 14 ).
Von daher gilt: Wer an das Wirken des Heiligen Geistes glaubt, erhält von
Ihm eine besondere geistliche Führung und Stärkung; wer dagegen nicht an Ihn glaubt, wird nie erfahren, dass es eine göttliche Erleuchtung und Führung gibt. In diesem Sinn macht es auch keinen Sinn,
die religiöse Dimension des Menschen zu pathologisieren. Man sollte vielmehr zur Kenntnis nehmen, was Umfragen belegen, dass nämlich 90 Prozent der Deutschen und 99 Prozent der Menschen in den USA
an eine überweltliche Realität glauben und selbst 78 Prozent der Psychotherapeuten eine spirituelle Orientierung haben. Vor diesem Hintergrund kann sich meines Erachtens keiner mehr den Luxus leisten,
Spiritualität als eine wichtige Erfahrungsdimension des Menschen zu ignorieren.
Der Mensch steht demnach in Beziehung zu einer transzendentalen Wirklichkeit,
die man in der religiösen Sprache als Gott bezeichnet ... und wer an Gott glaubt, sieht das ganze Leben letztlich als eine Bewährung für das ewige Leben bei Gott an. Wer hingegen nicht an ein ewiges Leben glaubt,
der hat oft den Eindruck, dass er alles aus diesem kurzen irdischen Leben herausholen muss ... und dennoch gilt für beide - dem Gläubigen und dem Ungläubigen: Jede irdische Handlung ist der Ausdruck eines inneren
Vorganges. So ist der Wille ( unter normalen Voraussetzungen gilt die freie Entscheidung des Einzelnen ) der Vater der irdisch sichtbaren Betätigung ... und wenn dieser Wille - aus Sicht des Gläubigen - von Gott
angeregt ( beziehungsweise inspiriert ) ist, so ist der Mensch erfüllt von der Reinheit zum Guten. Aus dieser positiven ( göttlichen ) Kraft heraus agiert der wohltätige Mensch, der nur liebend Frieden stiftet und
den geistigen Aufstieg anderer fördert ... und in diesem Sinne schreibt auch der Kirchenvater Irenäus von Lyon ( 135 - 202 ) über das Verhältnis von Vater und Sohn bei Jesus Christus: "Der Vater ist das Unsichtbare des Sohnes,
und der Sohn das Sichtbare des Vaters."
Aus diesem Grund betete dann auch Jesus ( Lukas 22, 42 ): "Nicht Mein, sondern Dein Wille geschehe!" Das heißt, Jesus machte Gott zum Vater Seiner Handlungen und ist somit die sichtbare Gestalt des unsichtbaren Vaters: Er ist
"das Bild Gottes" ( 2. Korinther 4, 4 ) beziehungsweise: "Bild des unsichtbaren Gottes" ( Kolosser 1, 15 ). Es heißt: "In Ihm ( Christus ) wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig." ( Kolosser 2, 9 ) ...
Und für die Menschen gilt demnach ( Römer 8, 14 ): "Die aber Gottes Geist leitet, die sind Gottes Kinder."
Aufgrund dieser Zusammenhänge schreibt Emanuel Swedenborg ( 1688 - 1772 ): "Der Vater ist das Urgöttliche, der Sohn das Göttlich-Menschliche
und der Heilige Geist das hervorgehende Göttliche." Und in der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber ( 1800 - 1864 ) heißt es hierzu: "Ich bin der alleinige,
ewige Gott in Meiner dreieinigen Natur als Vater Meinem Göttlichen nach, als Sohn Meinem vollkommen Menschlichen nach und als Geist allem Leben, Wirken und Erkennen nach." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 1, Kap. 2, V. 10 )
Hieraus ergibt sich folgendes Menschenbild der Neuoffenbarung, bei dem die äußere Welt nur ein Spiegelbild der inneren ist. Das heißt: Alle
geistig-seelischen Vorgänge sind Ursache und finden sodann in der Materiewelt ihre entsprechende Wirkung.
Auch Paulus kennt diese Dreiteilung des Menschenwesens nach Körper, Seele und
Geist. So schreibt er zum Beispiel in 1. Thessalonicher 5, 23: "Der Friede des Herrn heilige euch ganz, dass euch Geist Seele und Leib erhalten bleibe ohne Fehl bis zur Ankunft unseres Herrn." ( Man vergleiche auch: Römer 8, 16 und Epheser 4, 23 )
Nach dem hier dargestellten Menschenbild der Neuoffenbarung
gibt es zwei Formen der Wiedergeburt ( Das Große Evangelium Johannes, Band 11, Kapitel 30 ):
Die seelische Wiedergeburt: Es heißt hierzu über Jesus in der Neuoffenbarung ( Die Jugend Jesu, Kap. 299, V. 1 ) und der Bibel ( Lukas 2, 52 ): "Und Er nahm zu an Gnade und Weisheit vor Gott und den Menschen und blieb untertänig und gehorsam Seinen Eltern, bis da Er Sein Lehramt antrat."
Die geistige Wiedergeburt: Sie erfolgte bei Jesus bei der Taufe ( durch den Heiligen Geist ) - am Anfang Seines Lehramtes. ( Lukas 3, 21-22
)
heißt es über die seelische Wiedergeburt: "Es hat ein jeder Mensch seinen von Gott ihm zugeteilten Geist, der alles beim werdenden Menschen besorgt, tut und leitet, aber mit der
eigentlichen Seele sich erst dann in eins verbindet, so diese aus ihrem eigenen Wollen vollkommen in die erkannte Ordnung Gottes übergegangen und somit vollends rein geistig geworden ist." ( Drei Tage im Tempel, Kapitel 21, Vers 19 )
Das heißt: Ein "inwendiger" göttlicher Geistmensch gestaltet die Seele des Menschen, um
sie durch weise Führung nach dem Liebesplane Gottes zum ewigen Lebensziel der Vollendung in Gott zu leiten. Der Apostel Paulus sagt hierzu ( Philipper 2, 13 ): "Gott ist es, der in uns wirket beides, das Wollen und das Vollbringen, nach Seinem Wohlgefallen." ... Und
an anderer Stelle ( Apostelgeschichte 17, 28 ): "Denn in Ihm leben und weben und sind wir." Beim Apostel Johannes heißt es hierzu ( 1. Johannes 4, 16 ): "Wer
in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Denn Gott ist die Liebe."
Wenn Gott die Liebe ist, dann kann der Mensch sich Ihm nur durch die gleiche Eigenschaft,
die Gott im höchsten Maße der Vollkommenheit besitzt, nähern: Nur auf dem Wege der Liebestätigkeit kann sich der Mensch Gott in der seelischen Wiedergeburt nähern. In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Gott über alles lieben aber heißt natürlich: Gott und Seinen geoffenbarten Willen erkennen und dann aus wahrer innerer Liebe zu dem erkannten Gott danach handeln und
sich daneben gegen jeden Nebenmenschen wegen Gott also verhalten, wie sich ein jeder vernünftige Mensch gegen sich selbst verhält; natürlich ist hier von der reinen und in möglichst höchstem Grade uneigennützigen Liebe, sowohl gegen
Gott als eben auch gegen jeden Nächsten, die Rede ... Durch die möglichst genaue Beachtung dieser neuen Lehre wird der im Menschen anfänglich sehr gefesselte Geist freier und freier, wächst und durchdringt endlich den ganzen
Menschen." ( Das Große Evangelium Johannes, Band 3, Kapitel 53, Vers 5+9 ) Und an anderer Stelle heißt es hierzu weiter: "Der lebendige Geist im Menschen ist Meine ewige Liebe und Weisheit, die alles schafft, ordnet und erhält. Dieser
Geist ist der eigentliche, wahre und in sich schon ewige Mensch im Menschen, der sich nach Meiner ewigen Ordnung der Selbständigwerdung halber mit Seele und Leib umkleidet und so in eine äußerlich beschauliche Form tritt." ( Das Große
Evangelium Johannes, Band 9, Kapitel 85, Vers 10 )
Passend sagt hierzu Jesus im Neuen Testament ( Lukas 17, 21 ): "Das Reich Gottes ist
inwendig in euch." Das heißt: Je mehr Innerlichkeit, desto mehr Leben. Denn das Leben baut sich von innen nach außen auf. Der Bibelübersetzer Martin Luther ( 1483-1546 ) sagt hierzu: "Zucht, Demut, Wahrheit, Keuschheit und Tugend -
das ist das wahre Reich Gottes." Die Mächte der Innenwelt sind demnach des Menschen Rettung. Denn mit ihnen tritt der glaubende Mensch in Verbindung mit Gott.
Das Reich Gottes ist bei dieser seelischen Wiedergeburt eine ( aus dem tiefsten,
geistigen Innern des Menschen ) mit Macht anklopfende Wirklichkeit, die das ganze Dasein umgestalten will. Es ist aber nicht jene kommende, vom Himmel sich ( geistig ) herabsenkende Gottesherrschaft. Denn dieses Reich ( der
seelischen Wiedergeburt ) breitet sich von Innen her aus und stellt eine unter Gottes Regiment stehende Gemeinschaft her, die nicht vom Menschen ( beziehungsweise einer weltlichen Obrigkeit ) errichtet wird, sondern aus dem
Innern des Menschen. Und so heißt es hierzu schon im Alten Testament ( Jesaja 55, 8 ): "Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht Meine Wege." Durch das Wirken Gottes ( im Innern des Menschen ) wird der ganze Weltbestand in Mitleidenschaft gezogen:
Und so wird aus einer individuellen Erlösung eine universale Angelegenheit von sittlichem Gut.
In diesem Sinne spricht auch der Herr in der Neuoffenbarung zu den auszubildenden Propheten: "Die Welt ist als eine gefestete Unterlage Meiner Liebe ein großes Schulhaus, in dem alle Menschen durch eine kurze Abgeschiedenheit von Mir durch den eigenen Antrieb ihres
inneren Lebens eine große Sehnsucht nach Mir bekommen sollen. Ihre äußeren Reize sind nur der Versuchung wegen da, damit sich die Menschen selbst richten sollen nach Meiner Liebe. Sobald jemand durch Führung und Erfahrung an der Welt
kein Wohlgefallen mehr findet, sondern in stets wachsender Sehnsucht nur nach Mir trachtet, wird ihm dann bald das innere Auge und Ohr erschlossen. Er wird, wenn auch noch im sterblichen Leibe, alsbald den heiligen Vater hören und dann
und wann zu sehen bekommen. Der Geist der ewigen Liebe wird ihn dann erfüllen. Er wird schauen die Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit allörtlich." ( Die Haushaltung Gottes, Band 1, Vers 4-5 )
Während also die soeben erläuterte seelische Wiedergeburt den geistigen
Reifungsprozess des Menschen hin zu Gott beschreibt, stellt die geistige Wiedergeburt den Akt der geistigen Neugeburt durch den Heiligen Geist, der hier vom Himmel her kommt, dar. Während bei der geistigen Wiedergeburt
das Reich Gottes transzendental, von oben herab ( in einem kurzzeitigen Moment - Petrus sagt hierzu: Der Tag des Herrn kommt überraschend "wie ein Dieb in der Nacht" ( 2. Petrus 3, 10 )) in die Seele des
Menschen eindringt, wird bei der seelischen Wiedergeburt ein Prozess der inneren Reifung ( über einen längeren Zeitraum ) gestartet: Nicht - wie bei der geistigen Wiedergeburt - über Nacht steht also die Gottesherrschaft
da, sondern bei der seelischen Wiedergeburt verhält es sich - wie der Reformator Johannes Calvin ( 1509-1564 ) sagt - wie "mit dem Reich Gottes, dass von Tag zu Tag wächst und zum Besseren fortschreitet." Wie die Saat im Acker
reift dieses Reich Gottes und befindet sich in einem aufsteigenden Prozess. Demgegenüber sagt Jesus über das plötzliche Eintreffen des Reiches Gottes in der geistigen Wiedergeburt ( Lukas 11, 20 ): "Wenn Ich mit dem Finger
Gottes Dämonen austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen."
Auf der Basis dieses Menschenbildes ergibt sich, dass der Mensch ein "Wesen zweier Welten"
ist: Der geistigen Innenwelt, die sich bei jedem in Gedanken, Gefühlen und anderen Wahrnehmungen kund tut ... und der materiellen Außenwelt, in die man letztlich all das hineinträgt und hineinprojiziert, was man aus dem Inneren
empfängt oder im Inneren entwickelt. Als Wesen zweier Welten ist der Mensch darum von der Veranlagung her prädestiniert, Botschaften aus dem Geistigen zu empfangen und in die Ebene der materiellen Schöpfung zu übermitteln ... Und
weiterhin gilt: Gott kann dem Menschen soviel schenken, wie er bereit ist, zu glauben. Denn wo dieser echte Glaube entsteht, da lässt Gott die unglaublichsten Dinge ( durch Seinen Geist ) geschehen: Durch den Glauben kann Gott die
Welt verändern!
Es heißt hierzu in der Neuoffenbarung: "Meine Lehre aber ist in sich ganz kurz und leicht zu fassen; denn sie verlangt vom Menschen nichts, als dass er an einen wahren Gott glaube und Ihn als den guten Vater und
Schöpfer über alles liebe und seinen Nebenmenschen wie sich selbst, das heißt, ihm alles das tue, von dem er vernünftigermaßen wünschen kann, dass ihm auch sein Nebenmensch dasselbe tue. Nun, so viel Selbstliebe hat denn doch
sicher ein jeder Mensch, dass er nicht wünschen werde, dass ihm sein Nebenmensch etwas Böses antun soll, - und so tue er dasselbe auch seinem Nebenmenschen nicht! Vergeltet niemals Böses mit Bösem, sondern tut sogar euren Feinden
Gutes, und ihr werdet in der Ähnlichwerdung Gottes, der auch Seine Sonne über Gute und Böse gleich aufgehen und leuchten lässt, einen großen Fortschritt gemacht haben! Zorn und Rache muss aus euren Herzen weichen; an ihre Stelle
muss Erbarmung, Güte und Sanftmut treten. Wo das der Fall ist, da ist die volle Gottähnlichkeit auch nicht mehr ferne, und diese ist das Ziel, nach dem allein ihr alle zu streben habt." ( Das Große Evangelium Johannes, Band 7,
Kapitel 140, Vers 3-4 )
Somit ist auch klar: Das Leben des Menschen ist
nicht allein nur auf das Diesseits bezogen. Es ist vielmehr eine Prüfungsschule des Fleisches für die danach folgende Welt im Jenseits. Das heißt: Die wahre geistige Gestalt und Beschaffenheit eines jeden Menschen wird sich erst in
der jenseitigen Welt offenbaren ... Unter diesem Blickpunkt wird die Erde zu einer "Hochschule der Kindschaft Gottes": Denn das, was der Mensch hier sät, wird er einst im Jenseits ernten ... und somit weiß eigentlich jeder Mensch,
was er als Mensch auf dieser Welt zu tun hat: Der Mensch wird dazu geboren, ein Kind Gottes zu werden, und hat die Aufgabe, auf der Welt das zu erfüllen, was ihn als Kind Gottes kennzeichnet. Dies kann aber nur dann geschehen, wenn
der Mensch nach den Geboten Gottes lebt und die Pflichten erfüllt, welche ihn zum Kind Gottes machen: Gott gilt es vor allem in dem eigenen Innern und nicht in äußerlichen Dingen zu suchen. Hierzu ist es vor allem nötig, das Herz und
die Gedanken rein von allem Eigendünkel, Leidenschaften und selbstsüchtigen Begierden zu halten. In einem liebevollen und geläuterten Herzen offenbart sich die Wahrheit von selbst.
Wichtig ist demnach, dass man aus der Spirale eines Lebens, das sich nur um sich selbst und
um die Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse dreht, herauskommt und dem leisen Ruf aus der Herzensmitte folgt. So gelangt man in eine Lebensmitte, die das eigene Leben trägt. Man erkennt diesen Schritt daran, dass
neue Akzente im Blick auf die traditionellen Wertungen, die das bisherige Leben bestimmt haben, gesetzt werden. Ein solcher Akzent hierfür wäre zum Beispiel, wenn das eigene Verhalten niemals lieblos wird. Denn das ist ein Zeichen
dafür, dass der Mensch sich bösen Einflüsterungen hingibt. Die Seele wird dann hartherzig, unkeusch, ehebrecherisch, selbstsüchtig, herrschgierig, geizig, meineidig, unbarmherzig, gegen alles Wahre und Göttliche gleichgültig, gegen
Arme und Leidende gefühllos und für allen Wohlgenuss auf der Welt gierig gestimmt.
In der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber heißt es hierzu: "Wenn ihr so was an euch merket, da gedenket
dieser Meiner Lehre und Worte; richtet eure Seelen auf und tut gerade das Gegenteil davon, als wonach es euch gelüsten anfängt, so werdet ihr
Meister des bösen Geistes!" ( Das Große Evangelium Johannes, Band 1, Kapitel 217, Vers 6 )
Dieser Geist
des Bösen ruhet nie. Er läuft herum wie ein hungriger Löwe und fällt in seinem
großen Hunger alles an, was ihm nur im Geringsten irgendwo unterkommt. Man kann aber diesen argen Bestrebungen allzeit die offene Stirn
bieten, indem man weiß, dass das Böse nur in die Sinne der Seele, nie aber in ihren Willen einwirken kann.
Wenn der Mensch nun geistig erwacht, das heißt, wenn er die Stimme des Geistes in sich wahrnimmt
und dieser Stimme mehr und mehr folgt, dann lockert er auf der einen Seite die materiellen Fesseln seiner Seele und auf der anderen Seite löst er auch die Gebundenheit seines inneren Geistes. In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Durch solches Forschen macht sich die Seele freier von den groben Banden der Materie und erweckt dadurch auf Momente den göttlichen Geist in sich, oder sie kommt
mehr ins Lebenszentrum ihres Herzens, dahin stets und unablässig Gottes Licht und Erbarmung fließt und ebenso der Seele das Leben und geistiges Wachstum schafft ... Wenn in den wahren, lebensregen Momenten die Seele in das beschriebene
Lebenszentrum im Herzen kommt, so ist sie dadurch auch zur Offenbarung des Geistes Gottes in jegliches Menschen Herz gelangt und kann da nichts anderes als nur die ewige gleiche Wahrheit aus Gott in sich selbst finden." ( Das Große
Evangelium Johannes, Band 3, Kapitel 204, Vers 2-3 )
Der Mensch entwickelt sich auf diese Weise vom natürlichen zum geistigen Menschen. Von da an lebt die
erwachte Seele zunehmend auf der Gedanken und Willensebene, während sie vorher vorwiegend auf der Ebene der Reize und Reaktionen gelebt hat. Denn der natürliche Mensch wird im Wesentlichen durch seine Triebe, Begierden und
Leidenschaften bewegt. Doch Gott will, dass der Mensch glücklich und in wunderbarer Harmonie auf Erden friedvoll mit anderen lebt ... Geführt von Seiner Hand, gesegnet durch Seine liebevolle Gegenwart. Gott selbst will einen führen
und fordert hierzu nur eins: Ein hörendes Herz, das sich Gottes Führung anvertraut. Denn wenn man sein Leben dem Herrn übergibt, kann Gott durch einen und in einen selbst Seine Macht offenbaren. So wird man erleben, wie Gott einen
rettet - herausrettet aus Situationen, aus denen man keinen Ausweg mehr sieht. Dazu bedarf es einer Glaubensstellung, die aus dem Gebetskampf herauswächst, wo Gott für einen gegen die Feinde streitet.
Mit diesen Feinden kann man
allein nicht fertig werden. Doch Gott macht den Sieg möglich. Ja, Er selbst wird die Hindernisse hinwegfegen. Er nimmt Anteil an dem
eigenen Ergehen und wird einen nie verlassen: Die Kinder Gottes sind in Seiner Hand. Darum kann man immerzu in der Stille betend zu
Ihm kommen und Ihm sagen, was einem bedrückt und traurig stimmt. Kein Mensch ist der Willkür anderer Menschen preisgegeben. Kein Mensch
kann mit anderen Menschen machen, was er will. Darum sagt Jesus ( Matthäus 10, 28 ): "Fürchtet Euch nicht." Man braucht sich nicht vor
den Vorgesetzten fürchten. Man braucht sich nicht vor den Untergebenen fürchten ... und man braucht sich nicht vor den Verwandten und
Bekannten zu fürchten: Gott ist mit einem und beschützt einen. Er überwacht den Anfang und das Ende des eingeschlagenen Weges zum Heiland,
indem man so wandelt, wie Er es tat. Wer kann da mutlos werden?
Nicht zuletzt darum kam Gott Selbst in und als Jesus Christus in diese Welt:
Er lebte vor, was es heißt, dem göttlichen Lebensgesetz bis aufs letzte Tüpfelchen Folge zu leisten. Dies war ein wesentlicher Punkt, um die Beziehung zwischen Gott und Mensch auf eine neue,
fruchtbarere Grundlage zu stellen. So sagt Jesus ( Matthäus 5, 17 ): "Ihr sollt nicht meinen, dass Ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; Ich bin nicht gekommen aufzulösen,
sondern zu erfüllen."
Allein im Angesicht dieses göttlichen Lebensgesetzes verliert das
menschliches Gut-Sein seinen Wert und der Maßstab über Gut und Böse seine Gültigkeit. Denn der Mensch wird klein, sehr klein, vor den Maßstäben Gottes ... und so liegt die Entscheidung liegt allein beim Menschen,
indem er sich angesichts der vielen weltlichen Ablenkungen und Vergnügungsmöglichkeiten fragt: "Will ich den genussvollen und leichten Weg gehen oder den richtigen?" Dieser richtige Weg teilt sich einem über das Wort
aus den Himmeln mit, in dem man sich für die geistige Inspiration öffnet.
In der Neuoffenbarung erfährt man hierzu folgenden Rat:
"Du brauchst den Herrn wie auch mich vor diesen Menschen nichts laut fragen, sondern bloß nur im Herzen. Es wird dir dann schon ins Herz die Antwort gelegt werden gleichwie mir. Auch ich frage fortwährend den Herrn, was hier und da zu
tun ist. Und der Herr zeigt mir dann auch augenblicklich an, was ich zu tun und nötigenfalls auch laut zu reden habe! ... Denke nicht, was du reden möchtest, sondern frage nur im Herzen sogleich den Herrn, und Er wird es dir sogleich
ins Herz legen, was du zu reden hast! Nun weißt du alles; handle darnach, so wird alles gut gehen." ( Bischof Martin, Kap. 102, V. 12-13 )
Gott will die Fülle Seiner Segnungen über den Menschen ausgießen: Er ist der Herr, der einen heilt.
Darum lasse man Gott für sich streiten und bleibe selber still. Man lasse sich von Ihm aus den Schwierigkeiten und Trübsalen herausretten. So wird man den irdischen Leib ablegen und einen himmlischen
Leib anziehen. Denn der Herr ist bereit, Seinen Jünger bei der Hand zu nehmen und zu ihm zu sagen ( Matthäus 14, 31 ): "O du Kleingläubiger, warum zweifelst du?" So wird Christus zum Leiter des Lebens,
welches durch die Inspiration geschieht, die man das Gewissen nennt: Gott verkehrt mit einem jeden Menschen durch das Gewissen. Mit Menschen, die in dem wahren Glauben sind und Seine Gebote erfüllen,
mit solchen verkehrt Er aber so, wie ein Mensch mit einem anderen Menschen. Denn Er spricht aus dem Herzen zum Gehirn der Seele so, dass ein jedes Wort so deutlich und klar ausgesprochen wird,
wie wenn ein Mensch zu seinem Nebenmenschen spricht.
Der Mensch
wird demnach sein Heil allein in der Gemeinschaft mit Gott finden, was ganz deutlich im Gebet zu erfahren ist: Wer gelernt hat, sein Leben im Gebet immer wieder vor Gottes Angesicht zu tragen, gewinnt an Wachheit,
Sensibilität und Verantwortungsgefühl für das eigene wie für das fremde Leben. Gewiss mag es von außen betrachtet so scheinen, als ob der Beter nur seine eigenen Gedanken und Worte für Gottes Gedanken und Worte
hielte. Von innen, von der Erfahrung her gesehen, vernimmt der Beter aber in seinen Gedanken und Worten Gottes eigene Stimme. Man erkennt dies daran, dass diese Gedanken mit der Liebe vereinbar sind:
Die Liebe ist das Leben des Himmels und wer in der Liebe ist, der wird die Liebe an sich ziehen und Gott-Eins werden.
Zu dieser Einswerdung mit Gott heißt es in der Neuoffenbarung: "Damit eine jede Seele ein vollkommenes, göttliches Ebenmaß bekomme, wird einer jeden Seele ein neuer Geist aus Gott eingepflanzt, und sie dadurch eine neue Kreatur werden." ( Die Erde, Kap. 54, V. 9 ) Um
wieder ein "vollkommenes, göttliches Ebenmaß" zu bekommen, erhält der Mensch einen Wesensanteil Gottes "eingepflanzt". Wichtig ist hier fest zu halten, dass dieser Wesensanteil Gottes nicht zum individuellen Wesen des Menschen
gehört, sondern allgemein jedem Menschen zusätzlich geben wird. Denn es heißt hier ausdrücklich, dass eine "jede" Seele diesen "neuen Geist" bekommt. Von daher kann es sich bei diesem "neuen Geist aus Gott" nur um die Einsprache
des Gewissens handeln, das bei jedem zur Erweckung der Menschlichkeit dient.
In der Neuoffenbarung heißt es weiter: "Wenn wir aber
das Leben und Sein der Seele für sich noch näher betrachten, so werden wir finden, dass sie als ein noch substantielles Leibmenschwesen für sich um nichts höher stünde als zum Beispiel die Seele eines Affen. Sie würde wohl eine
instinktmäßige Vernunft in einem etwas höheren Grade innehaben denn ein gemeines Tier, aber von einer höheren freien Beurteilung der Dinge und ihrer Verhältnisse könnte da nie eine Rede sein. Dieses höhere und eigentlich höchste und
Gott völlig ähnliche Vermögen in der Seele bewirkt ein rein essentiell geistiger dritter Mensch, eben in der Seele wohnend." ( Das Große Evangelium Johannes, Band 8, Kapitel 24, Vers 10-11 ) "Dadurch kann der Mensch vernünftig und
verständig werden, hat eine Sprache und kann Gott als seinen Schöpfer anfangs ahnen und später immer reiner erkennen, lieben und seinen eigenen Willen dem erkannten göttlichen völlig unterordnen." ( Das Große Evangelium Johannes,
Band 6, Kapitel 32, Vers 6 ) Durch diesen "essentiellen" Geist steht die menschliche Seele in engster Verbindung mit dem Urgeist Gottes und kann durch ihn eindringen in alle Geheimnisse und Weisheit Gottes selbst. Paulus schreibt
hierzu ( 1. Korinther 2, 10 ):
"Uns hat es Gott offenbart durch Seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit."
In der Neuoffenbarung heißt es weiter: "Je mehr sich
jedoch die Seele mit der Materie ihres Fleisches verbindet, desto mehr muss die Ausbildung des Geistes Gottes in ihr verkümmern und ... desto mehr verliert sie dann auch das Bewusstsein und die Erkenntnis des ewigen Lebens in ihr.
Je mehr die Seele sich aber von der Materie ablöst, desto freier wird sie in allem, und je mehr sie sich dann verbindet mit dem göttlichen Geiste in ihr, desto lebendiger und stets heller wird darauf das Bewusstsein und die Erkenntnis
ewigen Lebens in ihr." ( Das Große Evangelium Johannes, Band 2, Kapitel 226, Vers 1 )
Doch leider sind viele Menschen der Meinung, dass sie darin schon ihre Lebenspflicht erfüllt haben, wenn
sie arbeiten und ehrlich sind, sich selbst und ihre Familie ernähren. Allein dem ist nicht so. Der Mensch ist nicht deshalb auf dieser Welt, um bloß zu arbeiten und ehrlich sein Leben durchzubringen, sondern er ist deshalb
auf der Welt, um sich für die geistige Welt des Jenseits vorzubereiten: Der Mensch baut sich auf der Erde die Wohnung für das Jenseits. Daher muss alles aufgeboten werden, um diese kurze Zeit des Erdenlebens so zu verwerten,
dass ein geistiger und ewiger Gewinn daraus folgt. Hierzu ist es wichtig, dass man auf Gottes Wort hört: Wie man hier über Christus denkt und glaubt, so findet man Ihn auch im Jenseits vor.
In der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber heißt es hierzu über den Einfluss der Engel
auf die Menschen: "Du kannst aber, wenn du sie ( die Engel ) auch nicht siehst, mit ihnen reden und kannst sie fragen um allerlei, und sie werden dir die
Antwort in dein Herz legen, die du allzeit als einen klar ausgeprägten Gedanken im Herzen vernehmen wirst." ( Das Große Evangelium Johannes, Band 2, Kapitel 39, Vers 6 ) Dies
ist das Denken im Herzen: Jeder Gedanke im Menschen entsteht im Geiste, der im Herzen der Seele wohnt. Der Gedanke kann sowohl aus dem eigenen Geiste kommen,
als auch von guten oder bösen Mächten über den Geist eingegeben worden sein.
Nach der Entstehung
im Geiste steigt der Gedanke vom Herzen auf in das Gehirn des Kopfes zur Beschauung der Seele, auf dass diese darauf die Glieder des Körpers in Bewegung
setzt ... und der Gedanke somit zur Tat wird: Allein der freie Wille des Menschen entscheidet nun darüber, ob der Gedanke auch wirklich in die Tat
umgesetzt werden soll. Bei dieser Entscheidung aus dem freien Willen heraus sollte man folgenden Grundanschauung der Neuoffenbarung berücksichtigen: "Sehet, das ist das Wesen Gottes in aller Wahrheit und kann nur mit dem Herzen, aber nie mit dem Verstande begriffen werden." ( Die Haushaltung Gottes, Bd. 2, Kap. 139, V. 22 )
Das dem menschlichen Verstande im Verborgenen liegende befindet sich außerhalb des Schwingungsfeldes
der grobstofflichen Sinnesorgane. Es ist das Übersinnliche jener feinstofflichen Sphären, in der der Mensch als Seelenwesen schon während seines Erdendaseins lebt und handelt, ohne dass es seinem irdischen Denken zum Bewusstsein
gelangt. Sein Seelenwesen stellt nämlich unbewusst auf dieser Ebene die innige Beziehung zwischen der feinstofflichen Seelenwelt, in der wir die Gefühle, Empfindungen, Wünsche, Begierden erleben, mit der materiellen Sinnenwelt,
in der wir über die Sinne des Körpers die materielle Umwelt wahrnehmen, her.
In dem Augenblick der Entscheidung stehen dem Seelenwesen liebe- und kraftvolle Geistwesen zur Seite,
die den Menschen schon ein Leben lang begleiten. Es sind die Engel, welche Gottes behütende Hand im eigenen Leben waren, die die laut- und formlosen Gedanken Gottes, welche unsichtbar im inneren Urgrund der Gottheit ruhen, zum Menschen
weiter tragen. Die übersinnliche Sphäre dringt nun auf diese Weise in denjenigen Menschen ein, die nicht gänzlich im Materiellen versunken sind und alles "Jenseitige" zu leugnen pflegen. Denn wessen Seele sich nicht lieblos gänzlich
vom Geiste gelöst hat, dessen Seele wird auch vom Geiste geführt werden.
Die Wahrheit, ob ein Gedanke gut oder böse ist, findet man also nur, indem man ihn geistig prüft. Die Wahrheit äußert
sich hierbei im Gefühl, das von tief innen herkommt. Jesus sagt hierzu ( Johannes 18, 37 ): "Wer aus der Wahrheit ist, der hört Meine Stimme".
Und ( Johannes 16, 13 ):
"Der Geist wird euch in alle Wahrheit leiten!". Ganz ähnlich ( gefühlsmäßig ) werden in der Neuoffenbarung durch Jakob Lorber auch helle Träume gedeutet: "Gewisse helle Träume, in welchen es dem Träumenden ist, als wäre die Erscheinung Wirklichkeit, gehören nicht
der Seele an, sondern den sie umgebenden Geistern. Sind diese böser Art, so wird die Seele und durch sie ihr Leib erschöpft aus einem solchen Traume
erwachen; sind diese Visionen aber das Werk guter Geister, dann werden sich beim Erwachen Seele und Leib in gestärktem Zustand befinden." ( Die Erde, Kap. 67, V. 11 )
Das Gefühl ist hier
die Sprache der geistigen Welt: Das Gefühl von Frieden und Sanftheit im Menschen zeigt an, was gerade in einem wirkt: Die Harmonie guter Geister. Wenn
man dagegen zum Beispiel auf etwas schaut, was die Welt einen wunderschönen Ausdruck der Liebe nennt und man erfährt in sich Unzufriedenheit, so ist
diese Unzufriedenheit der Ansporn der geistigen Welt, weiter nach dem wahren Ausdruck von der göttlichen Liebe zu suchen. Auf diese Weise wird erkennbar
das Erwachen und das Aufwachsen des göttlichen Geistes in der eigenen Seele.
In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Je mehr Liebe ein Mensch aber zu Gott und zum Nächsten in sich wird lebendig zu fühlen
anfangen, und je barmherziger er in seinem Gemüte wird, desto größer und stärker ist auch schon der Geist Gottes in seiner Seele geworden. Denn die Liebe zu Gott
und daraus zum Nächsten ist ja eben der Geist Gottes in der Seele des Menschen. Wie diese zunimmt und wächst, also auch der Geist Gottes in ihr. Ist am Ende der
ganze Mensch zur reinen und allerwohltätigsten Liebe geworden, so ist auch schon die völlige Einung der Seele mit dem Geiste aus Gott erfolgt, und der Mensch hat
für ewig das von Gott ihm gestellte allerhöchste Ziel des Lebens erreicht." ( Das Große Evangelium Johannes, Band 7, Kapitel 223, Vers 10 )
Der
Mensch ist von Gott und auf Gott hin geschaffen. Wie Gott die Liebe ist, so soll auch der Mensch in der Gemeinschaft mit Gott aus der
Liebe leben. Der Mensch ist Gottes geliebtes Geschöpf, das Gott wiederlieben soll, indem es Gottes Liebe zu allen Menschen und zur
gesamten Schöpfung mitvollzieht. Jesus Christus spricht hierzu ( Johannes 13, 34-35 ): "Ein neues Gebot gebe Ich euch, dass ihr euch
untereinander liebet, wie Ich euch geliebt habe ... Daran wird jedermann erkennen, dass ihr Meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander
habt."
Es heißt:
"Wo Liebe und Güte, da ist Gott", denn Gott ist die Liebe ... und weil Gott die Liebe ist, wird Er Sein "Versprechen der Liebe" halten: Er
wird dem, den Er liebt, wirklich Sicherheit, Geborgenheit und Erfüllung schenken. Er wird ihn aus aller Not heraus helfen, um ihn das Heil
zu schenken. Von daher braucht der, der sich als Kind Gottes geliebt weiß, in seinem Handeln nicht mehr von der Angst um sich selber leiten
zu lassen: Er weiß sich im Gebet von Gott getragen.
Aus diesem
Grund kann der Mensch im Gebet nur dann wahrhaft er selbst werden, wenn er im Glauben sein Leben auf Gott gründet ... und es Ihm vollständig
übergibt. So wird Gott dem Menschen gegenüber nicht nur als der Schöpfer, sondern auch als der Gott der Gnade gegenwärtig: Erlösung zur Liebe
Gottes durch die Liebe zu Gott, das ist der Kern der christlichen Erlösungsbotschaft.
Gott ruft den Menschen aus dem engen Kreis der Angstbefangenheit
heraus und schickt ihn im Gebet auf den Weg der Liebe, der ihn ins "gelobte Land" führt: Zur Wesenswandlung durch Gottes Gnade. Erlösung im christlichen Sinne
heißt demnach, dass Gott durch Seine Liebe den einst gefallenen Engel im Menschen durch die Wiedergeburt des Geistes ( die "Taufe mit dem heiligen Geist" ) von seiner Angst erlöst
und zu einer selbstlosen Liebe befreit, die untrennbar Gottes- und Nächstenliebe ist. Von daher folge man der Stimme des Herzens und lasse sich nicht länger Angst machen und verwirren: Man beginne
zu beten und geistig Kontakt mit Gott aufzunehmen.
Denn dieses Gebet bedeutet, das man - für die Dauer des Gebetes - die eigenen
Gedanken, Ängste, Trauer und Pläne loslässt ... und durch das Loslassen gelangt man auf den Weg in die Freiheit und Herrlichkeit Gottes. In der Neuoffenbarung heißt es hierzu: "Es muss aus der Seele alles hinaussterben, was nicht des Geistes ist. Solange irgendeine äußere Nötigung die Seele noch in einigen Lebensfibern
gefangenhält, kann der freie Gottesgeist sich nicht in ihr völlig ausbreiten und die Seele frei machen von jeglichem Gericht." ( Von der Hölle bis zum Himmel - Die jenseitige Führung des Robert Blum, Bd. 2,
Kap. 210, V. 3 ) Ja, das ist es, wozu Jesus Christus die Menschen anregt: Ihm zu trauen und Ihm zu folgen, nicht nur halb, sondern ganz und gar. In Seiner Barmherzigkeit zeigte Er einst auf Erden den Menschen
den Weg, der sie stückweise voranschreiten lässt, weg vom Selbst hin in Sein Reich ... und dieser Weg ist der Weg der Kontemplation.
Gerade in der Kontemplation erfährt dann der Mensch die stärksten religiösen
Gefühle. Denn auch wenn der Mensch schon ein "Wissen" und eine "Ahnung" von Gott in sich trägt, hier drückt sich die transzendente Welt durch bewusst erlebte Gefühle ganz besonders aus: Wer sich also hinsetzt
und meditiert, dem fließt ein ständiger Strom aus Gedanken und Gefühlen durch einen hindurch. Dieser Strom tut einem gut oder auch nicht ... und man weiß: Das alles ist man nicht selber. Denn dieser Strom kommt
von außerhalb ... von einer transzendenten Welt, die sich mit dem heutigen naturwissenschaftlichen Instrumentarium nicht messen lässt. Eine Welt, über die nur spekuliert - oder geglaubt werden kann.
So hat Jesus Seinen Namen geschrieben:
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zusammenzubringen. Die Schätze dieser Gedanken werden doch mitunter wie Geheimsachen im persönlichen Bereich unter Schluss gehalten ... und so müssen vor allem Menschen, die erst vor kurzem zu Gott gefunden haben,
oft lange Wege zurücklegen, bis sie finden, wonach sie suchen: Die Effizienz dieser Suche könnte deutlich höher sein, wenn jeder Teile seiner Gedanken öffentlich macht.
In
einer Zeit, in der viele Menschen die Informationen vermehrt auf digitalem Wege aufnehmen, heißt es hierzu in der Bibel ( Hebräer 13, 16 ): "Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott."