|
Geistiger Segen der Bergwelt "Meinet ihr, dass Ich ein Märchenerzähler oder ein alberner Schwätzer bin, bei dem unter tausend Worten kaum ein halbnützes dabei ist? Sehet, das bin Ich nicht, sondern Meine Worte sind Kraft und Leben und wesenhaft wahr." ( Naturzeugnisse, Nachtrag zum "Der Weinstock", Kundgabe v. 09.08.1840 ) In einer Kundgabe ( Himmelsgaben, Bd. 2, Kundgabe v. 07.07.1842 ) heißt es gleich dreimal: "Experientia docet!" ( Die Erfahrung lehrt es! ). Auf diese Weise will Gott darauf hinweisen, dass der Mensch nicht an den Worten der Neuoffenbarung zweifelt, sondern Gott vertraut und nach Seiner Lehre tätig wird. Dies heißt jedoch nicht, dass man alles wortwörtlich befolgt beziehungsweise: Ein Leben konsequent nach dem Buchstaben ausrichtet. Schließlich soll hier ja nicht der Papst in Rom durch einen Papst aus Graz ersetzt werden. Denn dafür sind - vom Herrn bewusst - zu viele Widersprüche in der Neuoffenbarung "eingebaut". Diese Widersprüche verfolgen unter anderem das Ziel, dass man sich vom reinen und bloßen Verstandesdenken ( hier: Ein Leben nach dem Buchstaben ) verabschiedet und hin zu einem Leben nach dem Denken des Herzens gelangt. In diesem Sinne erläutert der Herr: "Warum habe ich solche Widersprüche gewollt? - Damit euer Geist einen neuen kleinen Stoß bekommen solle und darum emsiger und lebendiger suchen solle in dem, was Ich also lebendigst gebe aus Meiner Liebgnade ... Denn Meine Gabe soll nicht vom Verstande, sondern vom Herzen in den Geist lebendig aufgenommen sein. Allda wird sich die rechte Ordnung schon vorfinden." ( Himmelsgaben, Bd. 2, Kundgabe v. 10.09.1842, V. 2+7 ) Dies heißt: Es genügt nicht, dass man dem Wort der Neuoffenbarung einfach nur zu glauben braucht ... und Gott hat einen dann schon errettet. Nein, diese alleinige Zuversicht ist nicht gewollt. Vielmehr will Gott, dass die ( ganze ) Ausrichtung des Menschen auf Ihn hingerichtet ist, damit der Mensch Ihn fühlen, begegnen und erleben kann: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften." ( Matthäus 22, 37 )
"Großglockner mit Pasterze" ( um 1830 ) von Thomas Ender ( 1793-1875 ) Jakob Lorber ( 1800- 1864 ) schreibt hierzu 1845 in einem Brief an Andreas Hüttenbrenner ( 1797-1869 ), dem Bürgermeister von Graz und Freund der Neuoffenbarung: "Wer nur immer an den Herrn lebendig glaubt und Ihn im Herzen nach der neuen Lehre, welche eigentlich nichts als das enthüllte Evangelium ist, wahrhaftig kindlich liebt, der ist schon hier ein Bürger des neuen Jerusalems." ( Briefe Jakob Lorbers, Brief v. 23.06.1845 ) Aus diesem Grund empfiehlt der Herr, dass man Seine Lehre mit dem Herzen annimmt, wenn es da zum Beispiel heißt: "Gehet mit Mir gern auf Berge und Höhen! Da sollet ihr allzeit entweder eine Bergpredigt, oder eine Verklärung, oder eine Sättigung mit wenig Brot, oder eine Reinigung vom Aussatze, oder einen Sieg über die stärksten Versuchungen, eine Erweckung vom Tode und derart vieles und für euch jetzt noch Unaussprechliches erfahren!" ( Der Großglockner, Kap. 1, V. 1 )
Musik: "Along the Emerald River/Eagle Eyes" von Hideaki Masago Und an anderer Stelle heißt es: "Auf Berge gehen ist wohl gut und recht, aber nicht zu jeder Zeit ( gesegnete Bergzeit: 15. Mai - 15. Juni und 15. September - 15. Oktober )! Und wer von der Besteigung eines Berges einen Nutzen haben will für Leib, Seele und Geist, der muss es in Meinem Namen tun und am Berge recht von ganzem Herzen zu Mir beten und Mir allein die Ehre geben. So werde Ich ihn segnen und machen, dass er auf der Höhe nur von den reinsten Geistern umhütet wird, wodurch dann sein Leib, seine Seele und Geist über die Maßen erheitert und dreifach gestärkt wird." ( Himmelsgaben, Bd. 2, Kundgabe v. 15.07.1847, V. 1 ) "Wenn ihr auf eine Gebirgshöhe geht, so verweilet auf einer solchen Höhe wenigstens drei Stunden lang." ( Naturzeugnisse, Der Berg Kulm, Kundgabe v. 22.05.1841 ) Und an anderer Stelle heißt es: "Schließlich aber diene euch die Besteigung der Alpe noch dazu, dass der Weg, der ins geistige Leben führt, nicht viel anders beschaffen ist, als der Weg auf eine solche Alpe." ( Naturzeugnisse, Weiteres zur Kleinalpe, Kundgabe v. 17.07.1841 )
Blick von der Rosenbergschen Herrschaft in Oberkärnten Die Bergbesteigung kann demnach auch geistig ausleget werden, wenn man zum Beispiel daran denkt, ins Gebet zu gehen und sich Gott auf geistigen Höhen zu nähern ( hier: Der Weg zur Wiedergeburt ) ... Denn es heißt: "Der Mensch wird durch die stille Zurückgezogenheit und durch die Wärme seines Herzens zu Mir in sich selbst neu und wiedergeboren." ( Naturzeugnisse, Weiteres zur Kleinalpe, Kundgabe v. 17.07.1841 ) In diesem Sinne ist dann auch folgende Stelle zu verstehen: "Was die Berge den Menschen lehren und predigen, kann ein jeder unbefangen denkende Gebirgsbesteiger auf den ersten Blick erfahren: Er kann in seinem Gefühle recht klar und deutlich Worte vernehmen, welche also lauten dürften: "Siehe uns an, du staubbelasteter Erdenpilger, wie frei und unabhängig wir von unseren hohen Scheiteln in die weite Ferne der Schöpfungen Gottes dahin blicken! Eine freie Luft weht um unsere Stirnen, und der Sonne Strahl bricht sich sanft über unseren hohen Rücken! Kein Grenzstein sagt hier dem Wanderer: "Bis hierher und nicht weiter!", sondern wo immer er seinen Fuß hinsetzt, betritt er mehr als seinen eigenen Boden. Denn von dem Boden, auf welchem er geboren ward, muss gesteuert werden; wir aber sind ohne Grenzsteine, und für unsere Scheitel wird keine Steuer entrichtet. Daher bist du, Wanderer, auf unseren Höhen vollkommen zu Hause!" Dass diese Worte vollkommen richtig sind, davon kann sich ein jeder leicht überzeugen, wenn er je solche hohen Triften der Gebirge betritt. Wie da seine Augen einen weit gedehnten Sehkreis bekommen, also bekommt auch sein Gemüt einen weit gedehnten Gefühlskreis, und dadurch werden seine Gedanken mit dem Gefühle vereinigt. Und er, der vielleicht noch nie im Herzen gedacht hat, empfindet nun zum ersten Male, wie süß, lieblich und frei die Gedanken des Herzens schmecken und um wie vieles weiter sie sich über den Horizont des gewöhnlichen Verstandes erstrecken. Wenn solches nun der Fall ist, wird es da nicht behaglicher in dem armseligen Kopfe, da auch um seine Stirne freiere Lüfte aus dem hohen Reiche der Geister wehen?! Und wird es nicht einheimischer und traulicher sein, sich allda zu befinden, wo die Strahlen des sonst so hitzigen Verstandes sanft gebrochen werden und sich nach solcher Brechung gar lieblich in das frei gewordene Herz hinabsenken?! Wo ist auf diesen Höhen ein Zollverein der Gedanken anzutreffen und wo eine Taxierkammer dessen, was da ist ein freies Eigentum des unsterblichen Geistes?! Wo ist da ein Grenzstein anzutreffen, über welchen die fühlende Seele nicht treten soll?!
Landschaftszeichnung von Jakob Lorber Ja, hier lernt der unbefangene Wanderer – wenn er nicht mit verstopften Ohren und verbundenen Augen solche Höhen betritt – was das heißt: Frei sein in der Höhe seiner Gedanken und in der Tiefe seines Gefühls, und wie selig es ist, wenn diese zwei sich unbefangen die Hände reichen können, und wie selig da der Gedanke an Gott ist, wenn Ihn der Wanderer aus der Tiefe seines Herzens frei bekennen und Ihn lieben und anbeten kann in dem freien, großen Tempel der Unendlichkeit! Saget Mir, welcher nur einigermaßen innerlich geweckte Mensch wird nicht von diesem heiligen Gefühle beseelt sein, so er sich an einem heitern Morgen auf einer solchen geheiligten Höhe befinden möchte?! Der Mensch kann zwar auch in der Tiefe Heiliges und Großes denken; aber es geht ihm dabei, wie wenn er mit ziemlich hungrigem Magen in einem Buche die Beschreibung einer guten Mahlzeit liest, bei welcher Gelegenheit ihm die wirkliche Mahlzeit ums hundertfache lieber wäre denn hundert noch vortrefflichere Mahlzeitbeschreibungen, von denen er aber dessen ungeachtet dennoch nichts herabbeißen kann. Also ist auch auf solchen Höhen ein inneres Gefühl und die innere Wahrnehmung gerade um so viel kräftiger und mächtiger gegen das, was er in seiner Kammer empfindet, als um wieviel da kräftiger und mächtiger ist eine wirkliche Mahlzeit gegenüber einer beschriebenen. Oder welcher Mensch hat ein lebendigeres Gefühl: Einer, der seine lebendige zukünftige Braut am Arme führt, oder derjenige, der sich dieselbe mit den allerschönsten Farben kunstgerecht entweder gemalt oder beschrieben hat? Sicher wird ein jeder die lebendige ergreifen und wird dem andern sein Gemälde und seine Beschreibung unangetastet lassen!
Landschaftszeichnung von Jakob Lorber Also ist es auch hier der Fall! – Auf solchen Höhen findet der Wanderer gastfreundlichst dasjenige, was ihm in der Tiefe alle Mühe und Anstrengung nicht zu geben vermag. Daher ist es wohl gar gut und nützlich in jeder Hinsicht, sich zu öfteren Malen die Mühe nicht gereuen zu lassen, eine oder die andere Gebirgshöhe zu besteigen. Der Gewinn ist ja ein doppelter und reichlicher: Für's erste werden dadurch alle naturmäßigen Lebensgeister gestärkt. Jedoch ist dieser Gewinn der geringere, obschon eine Gebirgsbesteigung besser ist denn zehn Apotheken und ebenso viele der renommiertesten Ärzte. Bei weitem größer aber ist der Nutzen für den Geist, weil er da eine so große Stärkung von seiner ursprünglichen Heimat aus bekommt. Wer von euch, so er Gebirge bestiegen hat, wird sich dessen nicht erinnern, dass ihm zwischen den hohen Alpen traulicher und heimlicher zu Gemüte war, als wenn er sich in einer noch so volkreichen Stadt befinden möchte?! Woher rührt denn solches Gefühl? Frage nur die Berge, und sie werden dir alsbald durch eben dieses Gefühl sagen: "Siehe, was dir dein inneres Gefühl – freilich wohl noch etwas dunkel – sagt, ist volle Wahrheit. Denn hier bist du wahrhaft zu Hause, und zwar im Kreise deiner vielen Voreltern, welche sich in entsprechender Weise schon lange hier überselig befinden!" Sehet, solches alles lehren euch die Berge!" ( Himmelsgaben, Bd. 2, Kundgabe v. 25.05.1842, V. 1-15 ) |